Juni-Jupiter im Vierzöller

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Die Oppositionen des größten Planeten im Sonnensystem finden für die Jahre bis 2022 in den von Europa gesehen niedrigen Bereichen der Ekliptik statt. Für meinen Balkonstandort in Münster bedeutet das, Jupiter bei einer maximalen Horizonthöhe von nur 16 Grad dicht über den Dächern der Innenstadt beobachten zu können. Für Testbilder reichen die Bedingungen aber aus, und ein klarer Abend Ende Juni bot mir die Gelegenheit, meine neuen RGB-Filter mit einer SW-Kamera auszuprobieren. Als Aufnahmeoptik diente ein alter 10 cm-Refraktor, dessen etwas kurze Brennweite mit einer Barlowlinse verlängert wurde. Auf diese Weise kamen 21 RGB-Serien zusammen, von denen die erste - aufgenommen kurz nach der Kulmination - das beste Ergebnis lieferte. Von den rund 1800 Bildern pro Kanal wurden 60 Prozent mit dem Programm Autostakkert gestackt und anschließend mit Fitswork zu einem Farbbild kombiniert und geschärft.

Daten zum Bild:
Datum: 29.06.2019 00:49 MESZ
Optik: 4" f=920 mm (Vixen FL102S)
Baader VIP Barlow 2.18x
Kamera: ALccd5L-IIm
ZWO USB-Filterrad/31mm RGB-Filter
Belichtung: 10ms, 80 Bilder/s
Software: FireCapture 2.5, Autostakkert 3, Fitswork 4

Grüße und cs
Michael
 

Oreoluna

Mitglied
Hallo Michael.
Klasse 4" Aufnahme. Diese alten noch "richtigen" 2linser Fluorite Apos sind schon einsame Klasse für sich, derer Qualität heutzutage nur durch aufwändige 3linser ED`s zu erreichen ist. Ich besitze auch noch so ein "leichtes" FL102s Leckerteil, allerdings der selteneren Ausgabe unter Celestron mit der selben FL Optik, und schwarzen Look.
CS Jozef
 

Pete_Finnigan

Mitglied
Wahnsinn o_O. Was für eine Auflösung für diese Teleskopdimension. Diese Ablichtung [mit Bezug auf diese Optik] haut mich sprichwörtlich aus dem Stuhl. Damit bist bu nicht nur in meiner Forums-Highscore, sondern führst selbstverständlich diesen Optik-Dimensionsbereich an.
Danke für diesen horizonterweiternden Post.
 

Stefan Seip

Mitglied
Da beherrscht jemand sein Handwerk aber!

Besonders gelungen finde ich die sehr gefällige, naturgetreue Wiedergabe durch gekonnte Bildbearbeitung.

Stefan
 

Anette_Aslan

Mitglied
Wieso bekomme ich das mit der gleichen QHY 5 und einem 120/900mm ed nicht hin?? Ich verzweifle, wenn ich dieses gelungene Foto durch einen Vierzöller sehe ... Hut ab, das macht mir Mut nicht aufzugeben, es ist also machbar!!!
LG
Anette
 
Hallo zusammen!

Uiuiui, vielen lieben Dank für Euer Lob! An dem Abend hatte ich mit der Sequenz kurz nach der Kulmination aber auch großes Glück. Was die Bildbearbeitung angeht, glaube ich, dass andere hier im Forum aus den Rohdaten wahrscheinlich mehr herausholen könnten- ich denke da an die tollen Aufnahmen von Holger (komposer). Einige Funktionen in Fitswork habe ich noch nicht im Griff, z. B. das Schärfen mit PSF. Geht das überhaupt an Planeten?

Mein Workflow am zusammengesetzten RGB-Bild sah so aus:
Farblayer zurechtrücken
Histogramm anpassen (Gamma)
Glätten -> Wavelet Rauschfilter
Schärfen: Iterat. Gauss
Bildgeometrie: Bildgröße x2 hi-f-tri, Schärfung 5
wieder verkleinern um Faktor 0.7
Gauss schärfen
NLM Rauschfilter
ggf. nochmal Farblayer zurechtrücken
Farbsättigung einstellen

Die gestackten Fits-Dateien der einzelnen Kanäle und das unbearbeitete RGB- Komposit habe ich zum Download online gestellt. Falls jemand mal reingucken mag: http://sternfreunde-muenster.de/content/Jupiter20190629fits.zip

Viele Grüße, clear skies und einen schönen Sommer!
Michael
 

Anette_Aslan

Mitglied
Hallo Michael,
ich besitze die gleiche Baader Barlow als auch Planetenkamera, nehme mit ShapCap auf, andere Donwloads nimmt mein Laptop Windows XP leider nicht an, wird nicht mehr ge-updatet, dann bearbeite ich mit Auto-Stakkert und Fitzwork. Mein Teleskop hat ja nun mehr Öffnung als Deines, wieso werden meine Aufnahmen dann so klein? Meine Barlow kommt mit einem 1,25m Steckmass direkt an die QHY geschraubt, hast Du etwa noch Verlängerungselemente dazwischen oder wie machst Du das, oder vergrösserst Du das Bild erst nach der Bearbeitung?
Gruss von Anette
 
Hallo Anette,

wenn Du die ViP-Barlow von Baader direkt an der Kamera anschraubst, erhältst Du nur einen minimalen Verlängerungsfaktor. Bei mir kommen noch das Filterrad (20 mm), eine Abstandshülse (51,5 mm) und eine Baader-Helical Okularhülse (21,5 mm) dazu. Rein rechnerisch erhalte ich so einen Faktor von 2.18x und damit ungefähr 2000 mm Aufnahmebrennweite.
> Mein Teleskop hat ja nun mehr Öffnung
Die Öffnung entscheidet nicht über die Größe des Planetenscheibchens, sondern die Aufnahmebrennweite.
Was auch eine Rolle spielt, ist der Ausschnitt, den Du aufnimmst. Der Planet bleibt beim vollen Pixelformat der Kamera ( 1280 px x 960 px) recht klein und drumherum ist alles schwarz... . Ich nehme stattdessen einen Ausschnitt des Bildfeldes auf (400 px x 400 px, "Region of Interest" oder kurz "ROI") und so vergrößert sich der Bildmaßstab (s. die Bilder im ZIP). Dadurch ergibt sich auch der Vorteil, dass weniger Daten übertragen werden müssen und die Framerate höher wird. Firecapture kann dieses "ROI" auf dem Chip in einem gewissen Rahmen (1280 px x 960 px) "nachführen" und Ungenauigkeiten der Montierung ausgleichen. So bleibt der Planet im AVI immer schön an Ort und Stelle.
Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen!

Viele Grüße und clear skies
Michael
 

Anette_Aslan

Mitglied
Besten Dank Michael, ich habe in ShapCap auch ein ROI, hatte das total vergessen. Eine Abstandshülse ebenfalls, ich werde da mal herumexperimentieren, bin schon sehr gespannt . Hätte nur noch gern gewußt, was ein Filterrad ist und eine Heilical Okularhülse.
Grüsse von Anette
 
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