Ehemaliges Mitglied
Hi,
nachdem das Thema von 'Tigerkralle' schonmal aufgeworfen wurde (siehe hier: Farbkamera besser als Mono mit Filter ) habe ich eine ähnlichen Vergleich jetzt auch mal selbst durchgeführt. Für Experten ist das meiste wahrscheinlich schon bekannt, aber für Anfäger mag es hilfreich sein.
Im Grunde geht es dabei um 3 Haupt-Aspekte:
1) Optik
2) Kamera und Filter
3) Arbeitsaufwand
Zu 1):
Im verlinkten Beitrag kam ein Newton zum Einsatz kann, während in meinem Fall ein 'Apo für Arme' Verwendung fand (ED-Apo). Spiegel zeigen bekanntlich keine chromatische Aberration, wohingegen ein ED-Apo immer noch merklich unterschiedliche Fokuslagen je nach Wellenlänge hat. Bei meiner Optik ist v.a. der Abstand zwischen Rot und Grün-Fokus bedeutsam, (Rot liegt weiter hinten), der Abstand zw. Grün & Blau-Fokus dagegen ist geringer. Somit ist theoretisch zu erwarten, das mit Refraktoren Mono-Aufnahmen besser sind, weil separat für jeden Kanal nachfokussiert werden kann.
Zu 2):
Bei Farbaufnahmen werden i.d. R. jeweils 4 Pixel auf dem Chip zusammen gefügt für 1 farbiges RGB Bildpixel. Nennt man heute glaube ich "Söder-Matrix"
. Die Chip Pixel tragen dabei winzige Farbfilter. Die sind in ihren Filterkurven breitbandiger als spezielle RGB Einschraubfilter. Letztere sind leider jedoch recht teuer. Durch die 4er Anordnung entsteht zudem ein Ungleichgewicht: i.d.R. sind 2 für Grün und jeweils 1 für Rot und Blau zuständig, d.h. Rot und Blau kommen schlechter weg.
Zu 3):
Einzelne Mono-Aufnahmen bedeuten einen immens höheren Aufwand. Filterwechsel, Nachfokussieren, und 3 fache Postprocessing-Arbeit. Vor allem beim schnell rotierenden Jupiter kommt man dabei kaum ohne nachträgliche Derotation der Bilder aus (z.B. mit dem Programm WinJupos). D.h. der Effekt, dass z.B. Jupiter sich hach der Rot-Aufnahme weitergrdreht hat, bevor man mit G loslegt, wird in den Bildern wd. herausgerechnet. Das geht verständlicherweise auch nur, wenn die zu korrigierende Zeitspanne nicht zu lange ist, d.h. man muss sich trotz allem beeilen. M.E. nach sollte man ein RGB Set in weniger als 15 min. im Kasten haben. Aber auch bei Farbaufnahmen kann Derotation nötig werden.
So, nach so viel Text jetzt bunte Bilder:
Links eine arbeitsintensive Mono-Aufnahme mit Filtern, recht eine wesentlich bequemere Variante mit Farbkamera. Die wesentlichen Daten dazu sind im Bild genannt. Das Ergebnis fällt zugleich erwartungsgemäss wie verblüffend aus: Die Mono-Kompositionsaufnahme ist etwas besser, subtiler in den Nuancen v.a. in der EZ und an den Polen, ausserdem mit weniger Noise. Aber alles in allem ist der Unterschied nicht wirklich umwerfend. Hmm ?!
Ein wenig mehr Einblick bekommt man noch, wenn man die Farbkanäle einzeln gegenüber stellt. Dazu wurde bei der Farbaufnahme selbige nach dem kompletten Processing in die einzelnen Kanäle zerlegt.
Hier sieht man tatsächlich eine grösseren Unterschied, der vor allem durch die "Söder"
Matrix bedingt ist. Blau und Rot kommen mit nur einem Pixel schlechter weg, d.h. mit mehr Rauschen, als Grün mit 2 Pixeln. Auflösung und Schärfe dagegen leiden kaum bei der Farbaufnahme im Vgl. zu den Mono-Kanälen. Interessant auch, dass die schwächelnden Rot/Blau Kanäle auf den Gesamteindruck gar nicht so stark durchschlagen. Der Bayer hat sich mit seiner Matrix schon 'was gedacht. Grün ist nicht umsonst allgemein der Luminanzkanal (z.B. auch in vielen komproimierten Videocodecs).
Was ist jetzt das Fazit aus dit janze?? Hmm, schwierig. Ich würde mal sagen, Perfektionisten kommen um separate RGB Mono-Aufnahmen nicht drumherum. Aber der Gewinn an Qualität steht nicht unbedingt in überzeugendem Verhältnis zum Arbeitsaufwand. Da trifft dann wohl eher die bekannte 90/10 Regel zu, für die letzten 10% am Ergebnis braucht man genausoviel wie für die ersten 90%.
2 Details sollte man faierweise aber noch anfügen:
1) ADC
Zumindest bei aktuellen Jupiter-Höhen in Mitteleuropa macht der ADC hautsächlich für die Farbaufnahme auf jeden Fall etwas aus. Auch wenn's die ziemlich schwierig zu handhabende Zwo Gurke ist.
2) Barlow und lange Brennweite
Ein Weile dachte ich, die 5x Barlow war ein Fehlkauf. Nicht wg. der Qualität, sondern weil 5x einfach als Brennweitenverlängerung zu gross wäre, mit dem einhergehenden massiven Oversampling und Lichtverlust. Aber teilweise lässt sich dass ja durch Binning ausgleichen, und es bringt den nicht zu unterschätzenden Seiteneffekt einer wesentlich grösseren Fokustoleranz mit sich. Damit kann man -zumindest bei ED Apos- die verbliebene chromatische Aberration quasi weitgehend aushebeln. Wie weit das auch für normale FH Achromaten gilt kann ich aber nicht beurteilen.
D.h. wenn man nicht zu perfektionistisch veranlagt ist, lassen sich mit den genannten Zusatzgimmicks (ADC, je nach Höhe d. Objektes und lange eff. Brennweite) auch mit nicht farbreinen Refraktoren gute Ergebniss mit Color-Kameras erzielen, und das mit erhbelich weniger Aufwand als es bei Mono-Aufnahmen nötig ist.
-cb
nachdem das Thema von 'Tigerkralle' schonmal aufgeworfen wurde (siehe hier: Farbkamera besser als Mono mit Filter ) habe ich eine ähnlichen Vergleich jetzt auch mal selbst durchgeführt. Für Experten ist das meiste wahrscheinlich schon bekannt, aber für Anfäger mag es hilfreich sein.
Im Grunde geht es dabei um 3 Haupt-Aspekte:
1) Optik
2) Kamera und Filter
3) Arbeitsaufwand
Zu 1):
Im verlinkten Beitrag kam ein Newton zum Einsatz kann, während in meinem Fall ein 'Apo für Arme' Verwendung fand (ED-Apo). Spiegel zeigen bekanntlich keine chromatische Aberration, wohingegen ein ED-Apo immer noch merklich unterschiedliche Fokuslagen je nach Wellenlänge hat. Bei meiner Optik ist v.a. der Abstand zwischen Rot und Grün-Fokus bedeutsam, (Rot liegt weiter hinten), der Abstand zw. Grün & Blau-Fokus dagegen ist geringer. Somit ist theoretisch zu erwarten, das mit Refraktoren Mono-Aufnahmen besser sind, weil separat für jeden Kanal nachfokussiert werden kann.
Zu 2):
Bei Farbaufnahmen werden i.d. R. jeweils 4 Pixel auf dem Chip zusammen gefügt für 1 farbiges RGB Bildpixel. Nennt man heute glaube ich "Söder-Matrix"
Zu 3):
Einzelne Mono-Aufnahmen bedeuten einen immens höheren Aufwand. Filterwechsel, Nachfokussieren, und 3 fache Postprocessing-Arbeit. Vor allem beim schnell rotierenden Jupiter kommt man dabei kaum ohne nachträgliche Derotation der Bilder aus (z.B. mit dem Programm WinJupos). D.h. der Effekt, dass z.B. Jupiter sich hach der Rot-Aufnahme weitergrdreht hat, bevor man mit G loslegt, wird in den Bildern wd. herausgerechnet. Das geht verständlicherweise auch nur, wenn die zu korrigierende Zeitspanne nicht zu lange ist, d.h. man muss sich trotz allem beeilen. M.E. nach sollte man ein RGB Set in weniger als 15 min. im Kasten haben. Aber auch bei Farbaufnahmen kann Derotation nötig werden.
So, nach so viel Text jetzt bunte Bilder:
Links eine arbeitsintensive Mono-Aufnahme mit Filtern, recht eine wesentlich bequemere Variante mit Farbkamera. Die wesentlichen Daten dazu sind im Bild genannt. Das Ergebnis fällt zugleich erwartungsgemäss wie verblüffend aus: Die Mono-Kompositionsaufnahme ist etwas besser, subtiler in den Nuancen v.a. in der EZ und an den Polen, ausserdem mit weniger Noise. Aber alles in allem ist der Unterschied nicht wirklich umwerfend. Hmm ?!
Ein wenig mehr Einblick bekommt man noch, wenn man die Farbkanäle einzeln gegenüber stellt. Dazu wurde bei der Farbaufnahme selbige nach dem kompletten Processing in die einzelnen Kanäle zerlegt.
Hier sieht man tatsächlich eine grösseren Unterschied, der vor allem durch die "Söder"
Was ist jetzt das Fazit aus dit janze?? Hmm, schwierig. Ich würde mal sagen, Perfektionisten kommen um separate RGB Mono-Aufnahmen nicht drumherum. Aber der Gewinn an Qualität steht nicht unbedingt in überzeugendem Verhältnis zum Arbeitsaufwand. Da trifft dann wohl eher die bekannte 90/10 Regel zu, für die letzten 10% am Ergebnis braucht man genausoviel wie für die ersten 90%.
2 Details sollte man faierweise aber noch anfügen:
1) ADC
Zumindest bei aktuellen Jupiter-Höhen in Mitteleuropa macht der ADC hautsächlich für die Farbaufnahme auf jeden Fall etwas aus. Auch wenn's die ziemlich schwierig zu handhabende Zwo Gurke ist.
2) Barlow und lange Brennweite
Ein Weile dachte ich, die 5x Barlow war ein Fehlkauf. Nicht wg. der Qualität, sondern weil 5x einfach als Brennweitenverlängerung zu gross wäre, mit dem einhergehenden massiven Oversampling und Lichtverlust. Aber teilweise lässt sich dass ja durch Binning ausgleichen, und es bringt den nicht zu unterschätzenden Seiteneffekt einer wesentlich grösseren Fokustoleranz mit sich. Damit kann man -zumindest bei ED Apos- die verbliebene chromatische Aberration quasi weitgehend aushebeln. Wie weit das auch für normale FH Achromaten gilt kann ich aber nicht beurteilen.
D.h. wenn man nicht zu perfektionistisch veranlagt ist, lassen sich mit den genannten Zusatzgimmicks (ADC, je nach Höhe d. Objektes und lange eff. Brennweite) auch mit nicht farbreinen Refraktoren gute Ergebniss mit Color-Kameras erzielen, und das mit erhbelich weniger Aufwand als es bei Mono-Aufnahmen nötig ist.
-cb
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