Jupiter mit GRF am 09.01.2016

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Tirion

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Hallo,

am Morgen des 9.1. konnte ich bei recht guten Bedingungen (Seeing geschätzt 6-7/10 in R und G; 4/10 in B) Jupiter mit dem GRF aufnehmen. Der recht gute Grünkanal erlaubte es mir diesmal, aus 4 RGB-Sequenzen ein RG-RGB zu erstellen, was der Farbgebung besonders des GRS zugute kam. Gestackt mit Autostakkert und geschärft mit Fitswork.

Link zur Grafik: http://u0068026846.user.hosting-agency.de/ade/2016-01-09-0154_4_Jupiter_117%25.png

Süden oben und größer:

Link zur Grafik: http://u0068026846.user.hosting-agency.de/ade/2016-01-09-0154_4_Jupiter_140%25.png

CS, Steve
 
Hallo Steve,
na das nenn ich mal nen Oberhammer!!!
Wirklich sehr gut geworden!
Ich komm mit dem derotieren nicht klar, würde mir da eine bessere Anleitung wünschen.
Istdie Ausbuchtung gegenüber dem GRS ein Mond?
Gruß Manfred
 
Erstmal schön großes Foto, Tirion!
Und - Steve - ich denke, das könnte Ganymed sein.
 
Nachtrag Jupiter ohne GRF am 09.01.2016

Hallo ,

Manfred, hallo Pete,

danke für eure positive Rückmeldung! Ja, da lugt Ganymed hinter Jupiter hervor. Die Derotationszeitreferenz liegt gerade so am Beginn des Austritts. Vielleicht mache ich noch eine Animation aus dem Austritt, bis jetzt habe ich mich auf die Bearbeitung der Jupiterscheibe selbst beschränkt. "Zum Glück" stehen noch einige Schlechtwettertage an...

Ja, Winjupos ist nicht wirklich intuitiv bedienbar, die Tutorials auf der Winjupos-Webseite helfen aber, die Lernkurve zu meistern. Ich habe hier zuerst die geschärften Farbkstacks per "Derotation von Bilder" zu "Derotations-Summenbildern" verarbeitet und danach die 3 entstandenen "Derotations-Summenbilder" per "R/G/B-Einzelbildern" zu einem Farbbild kombiniert. Scheint offenbar auch mit großen Zeiträumen zu funktionieren.

Hier noch das Ergebnis der nächsten RGB-Sequenzen mit einer Spur besserem Seeing (R+G 7/10, B 5/10. Bearbeitet wie oben, lediglich diesmal mit 1,5x Drizzle gestackt. Es wurden 5 Rot-, 8 Grün- und 5 Blauvideos per Derotation verarbeitet:

Link zur Grafik: http://u0068026846.user.hosting-agency.de/ade/2016-01-09-0256_8_Jupiter_117%25.png

und größer, Süden oben:
Link zur Grafik: http://u0068026846.user.hosting-agency.de/ade/2016-01-09-0256_8_Jupiter_140%25.png

CS, Steve
 
Re: Nachtrag Jupiter ohne GRF am 09.01.2016

Super-Ergebnisse, Steve.
Lese ich das richtig, das letzte Bild überstreicht praktisch 59 Minuten? Wie geht das denn? Bislang war ich immer davon ausgegangen, dass alles jenseits der Viertelstunde zu nichts mehr nutze ist. Habe mich allerdings bislang aus Derotation noch herausgehalten und meistens unter zehn Minuten pro Serie eingehalten.
CS
Rudolf
 
Hallo Steve,

Toller Jupiter, Glückwunsch.

Mich würde mal die Qualität der Summenbilder interessieren. Könntest Du die hier mal zeigen ?

Ich bearbeite ja auch mit fitswork, wie sind da Deine einzelnen Schritte ?
Welche genauen Schärfungsmethoden und welche Werte ?
Verwendest Du Glättungsmethoden ?
Das Bild ist ja extrem groß, um wieviel ist das vergrößert und an welcher Stelle des Bearbeitungsprozesses machst Du das ?

Gruß,
Holger
 
Nachtrag Jupiteranimation am 09.01.2016

Hallo Rudolf, Torsten und Holger,

vielen Dank!

@Rudolf:
Dank der Derotation ist das möglich. Natürlich können nicht alle Bildteile für das Endergebnis verwendet werden, man wird sich auf eine Zeitreferenz festlegen und alles, was sich außerhalb der Planetenscheibe befindet, ist natürlich weg. Aber die Details der einzelnen Aufnahmen werden durch die Derotation schön in Überlagerung gebracht, wodurch das SNR weiter verbessert wird und Deformationen herausgemittelt werden.

@Holger:
Hier exemplarisch drei auf Bearbeitungsgröße verkleinerten (Faktor 0,78) Summenbilder der 1,5x Drizzle-Stacks (Verwendungsrate 4000/7200 Bilder) aus Autostakkert:
Link zur Grafik: http://u0068026846.user.hosting-agency.de/ade/2016-01-09-0256_8_Summenbilder.jpg
(R - G - B)

Grob die Schritte in Fitswork für jedes Summenbild:
- Gauss schärfen 4,99/0/500
- iteratives Gauss-schärfen 3,43/3/192
- Deconvolution mit R1 1,3 und R2 2,3 (Gauss)

Diese geschärften Summenbilder habe ich dann wie oben beschrieben derotiert, die 3 daraus entstehende "Derotations-Summenbilder" wieder mit Deconvolution in Fitswork leicht nachgeschärft und anschließend ein derotiertes RGB erstellt.

Endbearbeitung grob in Photoshop (Randkorrekturen, Herstellung Luminanzkanal, ggf. Rauschfilter Neat Image, Farb- und Belichtungskorrektur), Fitswork (Doconvolution, NLM-Rauschfilter, Farbkanäle ausrichten)

Anbei noch die Winjupos-Animation der Rotation zwischen beiden vorgestellten Aufnahmen dieses Threads:

Link zur Grafik: http://u0068026846.user.hosting-agency.de/ade/2016-01-09-0154.4-Jupiter-NR.gif

CS, Steve
 
Re: Nachtrag Jupiteranimation am 09.01.2016

Hallo Steve,

die Aufnahmen hast Du sehr überzeugend hinbekommen, das Seeing war wohl auch nicht schlecht, aber die technische Performance ist wirklich bemerkenswert !

Zitat von Tirion:
Ich benutze die ASI120MM bei f/11 und bekomme da mit 100 fps auch schon 6000 Bilder in der Minute auf die HD, mit deutlich kürzerer Belichtungszeit, und ich brauche keine Derotation. Hattest Du auch schon mal in dieser Richtung probiert?

Gruß, Jan
 
Re: Nachtrag Jupiteranimation am 09.01.2016

Hallo Jan,

ich habe die Aufnahmebrennweite im Vergleich zu den Vorjahren bereits auf knapp F/19 (lt. Firecapture 5600-5650mm) reduziert. Ich werde vielleicht auch mal mit noch weniger Brennweite experimentieren, vor allem da der Blaukanal eh kaum Aussicht auf eine hohe Auflösung hat.

Hier ein Auszug aus den Aufnahmedaten:
- ROI 456x384
- ca. 117 FPS bei 8,5ms Belichtungszeit und 81 Gain (R+G)
- ca. 100 FPS bei 10ms Belichtungszeit und 87 Gain (B)
- Aufnahmedauer jeweils 60 Sekunden pro Kanal

Die Derotation nutze ich nur, um die rotationsbedingten Unterschiede zwischen den Summenbildern verschiedener Videos auszugleichen, die Einzelvideos selbst derotiere ich nicht. Das bekommt Autostakkert dank MAP-Stacking auch so gut genug hin.

Grüße, Steve

Edit:
Das Öffnungsverhältnis auf F/11 zu drücken, würde zusätzliche Abbildungsfehler durch den verwendeten ADC verursachen, der für entspanntere Öffnungsverhältnisse gerechnet ist. Ein Versuch bei ca. F/15 wäre aber womöglich lohnenswert.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Nachtrag Jupiteranimation am 09.01.2016

Hallo Steve,

Dank Dir für die ausführlichen Daten und Kommentare, auch zu Deinem parallel laufenden Thread! Klar, bei 60s Aufnahmedauer wird die Derotation auch ganzflächig noch sehr zufriedenstellend durch den Stackvorgang bewerkstelligt, während die Überlagerung der Farbauszüge dann gelegentlich schon zu Farbrändern führt, das leuchtet ein. Statt mit Derotation arbeite ich bei der Herstellung von RGBs mit jeweils einem auf den Planetenrand und einem auf das Zentrum angepassten RGB, indem ich das Zentrum aus dem zweiten in das erste RGB kopiere.

Zitat von Tirion:
Abbildungsfehler durch den verwendeten ADC verursachen, der für entspanntere Öffnungsverhältnisse gerechnet ist.
Wie ist denn da der Zusammenhang?

Gruß, Jan
 
Re: Nachtrag Jupiteranimation am 09.01.2016

Hallo Jan,

ob es bei der Erstellung eines einzelnen 3x60s-RGBs einen großen Unterschied zu deiner verwendeten Technik gibt, glaube ich nicht. Der Unterschied liegt lediglich in der fehlenden Berücksichtung der perspektivischen Verzerrung und damit einer schlechten Ausrichtung der Details am Rand der Planetenscheibe, wo die Details eh nicht mehr so deutlich wie um den ZM herum erkennbar sind. Erst bei der Überlagerung von mehreren RGBs geht es meiner Erfahrung nach nicht mehr ohne Derotation.

Die Info zum Arbeitsbereich des ADC habe ich hier gefunden.

Gruß, Steve
 
Re: Nachtrag Jupiteranimation am 09.01.2016

Hallo Steve,

Dank Dir für die einleuchtenden Erklärungen zur Derotation! - ADC war mir nicht als Abkürzung für "Atmospheric Dispersion Corrector" geläufig, war da gedanklich spontan an "Analog-zu-Digital Converter" hängen geblieben, was natürlich an dieser Stelle keinen Sinn macht.

Frage aber: braucht man denn einen optischen ADC überhaupt bei hochstehenden Planeten und mit Farbfiltern, insbesondere, wenn man für den Kontrast nur Rot und allenfalls Grün auswertet? Der von Dir verlinkte Artikel klingt mir ein wenig zu sehr nach Werbung, und die Saturn-Beispiele wurden offenbar nicht zufällig mit einer Farbkamera aufgenommen.

Bei tief stehenden Planeten kann ich doch allein schon wegen des Seeings keine beugungsbegrenzte Abbildung erwarten, wie mit dem dort gezeigten Diagramm suggeriert wird.

Gruß, Jan
 
Re: Nachtrag Jupiteranimation am 09.01.2016

Hallo Jan,

ADC war mir nicht als Abkürzung für "Atmospheric Dispersion Corrector" geläufig, war da gedanklich spontan an "Analog-zu-Digital Converter" hängen geblieben, was natürlich an dieser Stelle keinen Sinn macht.
....und die Saturn-Beispiele wurden offenbar nicht zufällig mit einer Farbkamera aufgenommen.
Jetzt bin ich aber ein wenig überrascht, hatten wir das nicht schon einmal an anderer Stelle diskutiert?

Saturn vom 5.06.2014 (mit ADC)

Ich kann dich aber beruhigen, stehe zwischenzeitlich früh auf und warte immer noch auf bessere Verhältnisse, habe aber allein im letzten (trotz ADC) viele TByte gesichtet und fast nur Schrott produziert.

Der Jupiter hier ist einfach nur klasse und macht Hoffnung!

@ Steve, sehr gut gelungen. :super:

LG
Eberhard
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Nachtrag Jupiteranimation am 09.01.2016

Zitat von astro_ebi:
Jetzt bin ich aber ein wenig überrascht, hatten wir das nicht schon einmal an anderer Stelle diskutiert?
Hallo Eberhard,

Dank Dir für den Hinweis. Für Dich ist der Begriff ADC gewiss präsenter, da Du einen solchen offenbar routinemäßig verwendest. Aus der damaligen Diskussion ergab sich für mich keine Notwendigkeit, solch ein zusätzliches optisches Bauteil in den Strahlengang zu setzen. Das in dem von Steve verlinkten Artikel abgedruckte Diagramm bestärkt mich - wie oben bereits erläutert - eher noch in dieser Richtung.

Gruß, Jan
 
Re: Nachtrag Jupiteranimation am 09.01.2016

Hallo Eberhard,

Dankeschön :)!

Hallo Jan,

im Nachhinein betrachtet hat der ADC bei dieser Aufnahme bei ca. 40° Höhe vermutlich im Grünen (zu schlechtes Seeing) und Roten (atmosphärische Dispersion theoretisch kleiner als Beugungsscheibchen) nichts gebracht. Im Hinblick auf die kommenden Jahre ist Übung im Umgang mit dem ADC aber sicher nicht verkehrt.

Abgesehen davon bin ich Optimist und hoffe immer auf gute Bedingungen; ich würde mich schwarz ärgern, wenn das Seeing auf einmal gut genug für den ADC-Einsatz (Blaukanal) wäre und ich das Teil erst umständlich einsetzen und justieren müsste :mauer:

Ob ein ADC bei Mono-Aufnahmen wirklich weniger Sinn macht als bei einer Bayer-Matrix Kamera, bliebe zu untersuchen. Ich vermute, dass es auch bei den modernen Bayer-Kameras eine Qualitätssteigerung der Mikrofilter gibt und so der Nachteil des größeren Bandpasses im Vergleich zu "früher" kleiner werden müsste.

Doch genug der theoretischen Betrachtung; das aktuelle Wetter hat auch gute Seiten - die Bildbearbeitung kann weiter geübt werden. Hier eine Überarbeitung der 2. Aufnahme:

Link zur Grafik: http://u0068026846.user.hosting-agency.de/ade/2016-01-09-0256_8_Jupiter_140%25_v8.8.png

Link zur Grafik: http://u0068026846.user.hosting-agency.de/ade/2016-01-09-0256_8_Jupiter_117%25_v8.8.png

Grüße, Steve
 
Re: Nachtrag Jupiteranimation am 09.01.2016

Hallo Steve,

danke für die Kommentare zur Auswirkung des ADC. Ja, die neue Ausarbeitung gefällt auch mir noch etwas besser. So gute Bedingungen sind aber für einen 10-Zöller hierzulande schon recht selten.

Gruß, Jan
 
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