Jupiter und Fragen ...

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horst_anders

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Jupiter vom 20.08.2009 01:15 - 01:18

Brennweite ca. 5 Meter mit Europa, Ganymed inklusive Schatten, Io

Ausrüstung:
- 8" SC (Meade)
- 2x Televue Barlow
- Atik Filterrad mit Astronomik RGB Filtersatz & Baader IR Passfilter
- DMK21

Aufnahme und Bildbearbeitung:
- Aufnahme mit IC Capture
- Mittelungen, Schärfungen, Kontrasteinstellungen mit Giotto
- (L)RGB Bildung, Farbkorrekturen mit Fitswork
- Endbearbeitung mit Photoshop Elements, also dann nur noch 8 Bit Farbtiefe

Das Seeing war an sich gut, aber der Jupiter steht hier an der Küste in Ostfriesland zur Aufnahmezeit
nur ca. 20° über dem Horizont.


Wenn ich mir die anderen Bilder hier im Forum oder in der Galerie anschaue, fällt es mir schon schwer
mein Bild zu präsentieren. Aber als Anfänger wäre mir eine neutrale Beurteilung hilfreich,
dazu vielleicht ein paar Tips und Antworten auf die folgenden Fragen.


Dem Bild fehlt ersichtlich die Schärfe, ohne starkes Nachschärfen wäre gar nichts erkennbar.
Ein Wechsel von einer einfachen Barlow zur Teleview brachte schon eine Verbesserung, aber bei 8" Öffnung
sollte mehr möglich sein.

Frage:

Das SC selbst ist eigentlich ganz gut eingestellt, an Sternen sehe ich ein recht sauberes Beugungsbild.
Ist ein SC für Planeten überhaupt angesagt oder nimmt man besser ein Newton?

Ich arbeite mit einem Crayford, leider nur mit 1:1 Verstellung und von Hand einzustellen.
lohnt sich die Anschaffung eines guten Crayford, mit Untersetzung und vielleicht mit Motorantrieb?

Wie fokusiert man denn dieses schwabbelnde Bild; ist das reines Gefühl oder gibt es irgendwelche
technischen Hilfen.

Bringt eine Powermate wirklich mehr Schärfe als die an sich schon gute Barlow?

Kennt jemand ein dem "richtigen" Photoshop vergleichbares FreeWare-Bildbearbeitungsprogramm das mit
16 Bit Farbtiefe arbeiten kann (kann Gimp das) ?

Tja, viele Fragen (und das sind noch lange nicht alle), wäre dankbar für auch viele Antworten

Gruss
Horst Anders
 

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Hallo Horst,

aus dem Bild und Deinen Aussagen nach würde ich sagen, daß das Hauptproblem ist nach wie vor seeing!

Bei wirklich gutem seeing "steht" der Planet fast wie festgenagelt, nur am Rand vielleicht ein bisschen ein leichtes Wabbern.
Die richtige Schärfe einzustellen ist dann relativ leicht, da auf dem Rohvideo schon viel Detail sichtbar ist.
Ich fokusiere in dem Fall auf maximale Detailschärfe auf der Planetenoberfläche.
Wenn der Plantet "wabbelt" und Du deswegen Probleme mit der Scharfstellung hast, dann kann das kein gutes seeing sein.
Also sind auch keine guten Aufnahmen möglich; für keinen von uns!

Dein Equipment ist schon sehr gut (DMK, Filterrad, Crayfordauszug, ...) und die scharfen Monde und die sichtbaren Details auf der Planetenoberfläche zeigen, daß das C8 schon noch mehr Potential hat.
Weiteres Herumbasteln am Gerät wird Dich da also kaum weiter bringen.
Deswegen nur kurz folgende Kommentare:
-Motorfokus ist natürlich sicher sehr angenehm, da das Gerät nach dem Fokusieren nicht mehr ausschwingen muß. Die seeing-Scharfstellproblematik ist damit natürlich nicht aus der Welt.
-(1:10)-Okularauszugsuntersetzung halte ich bei einem f/10-Gerät für unnötig.
-Die Powermates sind gute Barlows. Falls Du allerdings schon eine sehr gute Barlow hattest bringen sie auch keinen Gewinn mehr.
-Nachverarbeitung in 16bit bringt nicht viel, da das Ausgangsmaterial eh bloß 8bit hat. Ok, durch Addition gewinnt man ein paar bit Dynamikumfang, die allerdings nur bis zur Schärfung eine Rolle spielen dürften.
Danach kann man getrost in 8bit arbeiten. Für Anzeige/Ausdruck geht das eh' nicht anders.

Zu dem Bild: neben den Monden und den Schattenlöchern sind bei 0 und 3 Uhr leichte Licht- bzw. auf der Planetenoberfläche Schattenflecke;
Ich kenn' solche Effekte bei gerichtetem seeing (jet streams), nicht ganz ausgekühltem Gerät bzw. nicht ganz korrekter Kollimation.
Des weiteren zeigt die Planetenoberfläche eine beginnende Körnigkeit. Mögliche Ursachen: zu wenig überlagerte frames und/oder zu viel Nachschärfung und/oder zu wenig gute frames bei zu schlechtem seeing.
Auch den blau-layer solltest Du noch mal überprüfen, der ist etwas zu groß oder zu viel eingestellt.

Meine Tips: Alles genau so lassen, wie Du es bist jetzt hast, Gerät frühzeitig raus (C8 braucht lange für den Temp.-ausgleich), sorgfältig Kollimieren bzw. jedes mal checken und auf besseres seeing hoffen!
Ist halt einfach frustrierend so wetterabhängig zu sein, aber Irgendwann klappt's dann schon!

Ciao Werner
 
Hallo Werner,

wieder mal Danke.

Das mit dem seeing habe dann wohl noch nicht richtig verstanden. Wir sind Anfang des Jahres vom Kraichgau (bei Karlsruhe) an die Küste umgezogen und ich war von der guten Sicht hier begeistert. Mit blossem Auge wird man von der Milchstrasse fast erschlagen, ich sehe hier zig-mal so viel Sterne wie im Kraichgau und die dann klar und scharf und fast ohne Flackern. Freue mich schon auf Deep Sky Aufnahmen, wenn meine Gartensternwarte mal fertig wird. Nur beim Jupiter, also letzlich bei der extremen Vergrösserung wabbert es dann ganz entsetzlich. Mag sein, dass es vom nicht ausgekühlten Tubus kommt; vielleicht auch, weil südlich ein grösseres Moor liegt über dem es dann Nachts zu Turbulenzen kommt und der Jupiter gerade tief darüber steht, ... ? Also, weiter probieren.

Das mit dem Blau-Kanal ist auch so eine Sache. Habe bei Stefan Seip mal was gelesen von "RGB kalibrieren" (leider sonst gar nichts dazu) und versuche, die 3 Kanäle jetzt auf den gleichen Kontrastwert zu stellen (genauer auf die gleiche Breite im Histogramm bei Giotto "Schärfen und Filtern"). Beim Astronomik Filtersatz sind die Filter ja gut aufeinander abgestimmt, aber die DMK hat im "Rot"- und "Blau"- Bereich einen starken Abfall gegenüber "Grün" (besonders die "Blau" Aufnahmen sind extrem dunkel); ich dachte das mit dem Kontrast auszugleichen wäre das "RGB Kalibrieren". Ich lass das dann mal und nutze nur die Farbkorrektur in Fitswork.

Gruss
Horst
 
Hallo Horst,

Also wenn das Bild die Originalversion ist, dann bezweifle ich sehr, dass dies 5m Brennweite sein sollen. Ich würde eher das Doppelte schätzen. Bist Du sicher, dass das eine 2x Barlow ist, die Du verwendest ? Da ich bei meinem Cassegrain ohne Barlow im direkten Fokus arbeite, kenne ich die Brennweite genau (7100mm) und mein Bild ist noch deutlich kleiner als deines. Solch hohe Vergrößerungen machen bei durchschnittlichem Seeing eigentlich keinen Sinn...

Ich würde von der Ausrüstung her nichts ändern. Ich bin sicher, mit etwas Geduld wirst Du auch mal besseres Seeing erwischen mit entspr. deutlich besserem Ergebnis.

Gruß,
Torsten
 
Hallo Horst,

bis auf die grobe Körnigkeit und den blausaum sieht der Jupiter eigentlich schon recht gut aus, es sin schon sehr schöne Details zu sehen.
Ich würde mal schätzen, dass du mit Giotto bei Subpixelgenauigkeit auf vierfache Auflösung gearbeitet hast, ohne auf Originalgöße zurückrechnen, mind jedoch auf zweifache Auflösung. Das macht aber nur bei absoluten Topergebnissen was her.
Ich persönlich habe keinen Crayfort, aber einen Feathertouch
Microfokuser an mein C11 investiert, und der hat sich wirklich absolut bezahlt gemacht. Je höher du mit der Brennweite gehst, desto feinfühliger muss das schärfen gehen, weil der Schärfebereich immer kleiner wird.
Mit dem Feathertouch kann ich sogar unterm aufnehmen noch von Hand fokussieren, ohne dass das Bild zittert. Lediglich das leichte shifting muss ich halt mit der Kontrollbox etwas mitkorrigieren.
Die Powermates sin wirklich gute Barlowlinsen, nur macht eine 5-fach erstens kaum Sinn (leere Vergrößerung), und ihr Einsatz wird dann höchstselten sein, denn f/50 erfordert ein Bombenseeing.
Und Seeing ist das A und O für gute Aufnahmen.

Gruß Manfred
 
Update: Jupiter und Fragen ...

Hallo,

Werner:

habe die Bildbearbeitung noch mal wiederholt, diesmal mit weniger Schärfung und den Blaukanal
im Kontrast zurückgenommen; Ergebnis siehe unten; finde, das ist jetzt ein recht brauchbares Bild.

Torsten, Manfred:

erwischt; ich habe gestern "durch die Wolken hindurch" schnell mal eine reine Fokal-Aufnahme gemacht.
Das Ergebnis entspricht in etwa der Theorie, F = 2030mm, Pixel der DMK21 5,6µm und Jupiter zur Zeit so bei 48",
macht rund 90 Pixel Durchmesser für die Planetenscheibe.

Und dann meine Bilder ausgemessen - das grosse Bild hat etwa 7,9 m Brennweite.

Tele Vue zeigt im Internet ein Diagramm "Magnification vs. Focus Position From Top Surface" und mein
Fehler war, dass ich ab Oberkante Eyepiece Adapter gerechnet habe, den darf man aber nicht mitrechnen.
Also habe ich etwa 130mm Abstand, was für meine 1.25" 2x Barlow fast 4fache Verlängerung ergibt.
(Stecke ich die DMK direkt in den Adapter ergibt sich eine Brennweite von ca. 4,5m)

Das ich mit fast f/40 solche Bilder bekomme stimmt mich doch sehr zuversichtlich.

PS. das 4,5m Bild ist keine Manipulation des Grossen, sondern das hatte ich etwa 5 Minuten vorher aufgenommen, ich experimentiere noch heftig.

Gruss
Horst

 

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Re: Update: Jupiter und Fragen ...

Hallo,

da hat Torsten gut aufgepaßt! Ich bin einfach von einer Bildvergrößerung ausgegangen. Aber so erklärt sich natürlich ein Teil der Probleme.
Bei kürzerer Brennweite und damit mehr Licht/Pixel lassen sich jetzt auch die Belichtungszeiten verkürzen und die fps-Rate nach oben setzen, ergo mehr Bilder für's stacken.

Den nachträglich bearbeiteten Jupiter find ich auch jetzt schon ganz gut. Bei realen f/20-30 dürfte er sicher noch besser werden. Also noch viel Spaß beim weiteren Experimentieren!

Ciao Werner
 
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