Jupiter und Mars mit dem Neodym-Filter

StKorth_privat

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Hallo Spechtlergemeine!

Frage in die Runde: Wie sind Eure Eindrücke bei der visuellen Jupiter- und Mars-Beobachtung mit dem Baader Neodym-Filter?
Am 31.1.2025 habe ich mit meinem 12"-GSO-Dob bei 115x und 167x die beiden vorgenannten Planeten beobachtet, mein Eindruck:

Jupiter: Besserer Kontast bei allem (Bänder, Zonen, Flecken, Fahnen), leicht "wärmere" Farbgebung, leichte Helligkeitsdämpfung -> gutes Ergebnis!
Mars: Dunkler, etwas flauer, kein Kontrastgewinn.

Neugierige Grüße,
Stefan Korth
 
Hallo Stefan,

Ich habe in der vorletzten Marsapparition Herbst-Winter 2020 gelegentlich verschiedene Filter, darunter Baader Neodym, ausprobiert. Und zwar mit einem Mewlon 180, d.h. ein 7" Dall-Kirkham, bei 200x. Damals zeigte uns Mars seine Südpolkappe und mehr Winkelgröße, somit wesentlich mehr Details.

Ich hatte regelmäßig das beste Bild insgesamt - im Sinne der größten Detailfülle - mit dem Neodym Filter im Vergleich zu Ohne Filter und allerlei andere Filter.

Es gab bestimmte Details für die andere Filter besser waren:

# NPH (North Polar Haze) am 1.10.20 war deutlich mit dem Baader CCD-Blau Filter zu sehen, ungefiltert sowie mit Neodym kaum zu erkennen. Auch die Eiskappe am Südpol profitierte deutlich vom Baader CCD-Blau.

# Am 21.11.20 gelang die beste Sichtung des dunklen Rands um die Südpolkappe in jener Saison. Neodym brachte eine Verbesserung, aber mit dem Baader Contrast Booster gab es nochmals einen Sprung, der Band wurde deutlicher und in Teilen breiter.
Der Contrast Booster ist ein Abkömmling des Neodym. Er ist identisch bis 450nm herunter, wo er dann das Dunkelblaue wegschneidet. Dies erzeugt eine grünliche Tönung. Siehe Post 28 in diesem Thread auf Cloudy Nights für einen Vergleich der Transmissionskurven:

Überhaupt ist jener Thread so ziemlich die beste Sammlung relevanter Transmissionskurven und Beobachtungserfahrungen für die visuelle Filternutzung an Planeten, die mir je untergekommen ist. Sehr empfehlenswert alles durchzulesen!
Der Thread löste damals für mich eine intensive, leider erfolglose Suche nach dem Orion Mars Filter sowie nach den Televue Mars A und Mars B aus. Falls jemand diese hat, würden mich Erfahrungen damit nach wie vor interessieren.

Gruß, Christopher
 
Zuletzt bearbeitet:
Als Ergänzung zu meinem obigen Beitrag möchte ich meine Beobachtung des Mars berichten, die ich heute abend mit einem 71mm Apo bei 133x machte. Ich musste Wolkenlücken in einem Himmel mit ständig sich ändernder Bewölkung nutzen, weswegen der Aufbau eines größeren Geräts nicht angeraten war.

Mit knapp 3" Öffnung ist an der aktuell nur 13 Bogensekunden großen Marsscheibe nicht viel zu wollen. Die Syrtis Major war nicht verfügbar, blieb also die nördliche Eiskappe als visuell stärkste Struktur. Ohne Filter hatte ich nur den vagen Eindruck, dass irgendwas an der Stelle sei. Angeregt durch diesen Thread holte ich den Baader CMOS-Blau heraus. Und auf einmal stand die Polkappe eindeutig da. Der Filter verwandelte eine lachsrote Scheibe ohne Struktur in eine cyanblaue Scheibe mit einer klaren Polkappe. Normalerweise will ich die farbliche "Wahrheit". Doch wenn es so gelingt, eine Struktur zu sehen, kann ich mit einem cyanblauen Mars leben.

Es sei mir verziehen, dass ich hier nicht über den Neodym-Filter berichte. Um die relativen Unterschiede zwischen Ohnefilter, Neodym und CMOS-Blau zu untersuchen war mir die Öffnung zu klein, der Himmel zu instabil und meine Finger zu klamm.

Ich habe nach der Beobachtung aktuelle Marsbilder auf ALPO Japan angeschaut. Sie bestätigen exakt die gesehene Lage und Ausdehnung der Polkappe. Gesehen mit 71mm Öffnung unter einem größtenteils bewölkten Himmel - eine klasse Sache!

Gruß, Christopher
 
Hallo Stefan,
achte mal bei Jupiter auf NEB und SEB, ob du mit dem Neodymium da noch farbliche Unterschiede und Details drin sehen kannst, oder ob diese nicht gleichmäßig braun-rot aussehen?
Das gleiche mit dem GRF welcher bei 12" einen dunkleren Kern zeigen kann.
Oder bei Mars, ob sich das Hellasbecken in orange noch abhebt?
LG
 
Wunderbar, danke für die ausführlichen Antworten! Da ich in dieser Woche an meinem Dresdner Arbeitsplatz und über 600km von meinen Rohren entfernt ackere, war´s noch nix mit weiteren Filtertests. Na, mal sehen, was nächste Woche geht. Mars schrumpft ja nun rapide, aber Jupiter wird noch etwas zu bieten haben.

Grüße von der Elbe,
Stefan
 
Hallo,

die pos. Wirkung des Neodym an Jupiter und Mars kann ich bestätigen. Ich finde es besonders markant, wenn das seeing mitspielt, dann erscheint mir der Detailgewinn am ausgeprägsten.
...c-mos blau: muss ich mal testen. Schöne Idee.

Uwe
 
Guten Morgen.

Ich habe mir letztes Jahr den 125mm f/7.8 SD-Apo von TS gegönnt und nutze ihn momentan schwerpunktmäßig an Jupiter und Mars. Da hat sich (neben einem ADC) zuletzt auch ein Baader Neodym-Skyglow Filter hinzu gesellt. Ich habe über das Teleskop und den Filter im Astrotreff einiges geschrieben: Astrotreff - Jupiter & Mars

Mein kurzes Fazit: der Neodym erhöht an beiden Planeten den Kontrast. Am Mars deutlicher als am Jupiter. Am Mars steigt die Erkennbarkeit von Albedostrukturen am Rande der Sichtbarkeit und macht gelegentlich den Unterschied zwischen wahrnehmen und eindeutig sehen aus. Am Jupiter habe ich das weniger stark empfunden. Die Bänder sind deutlicher zu sehen, aber feine Strukturen kann ich sowohl mit als auch ohne Filter erkennen. Allerdings habe ich bei meinen bisherigen Beobachtungen mit dem Filter noch kein perfektes Seeing gehabt. Deshalb kann ich über die Sichtbarkeit feinster Details und hier und da erwähnte Schärfeverluste durch den Filter noch nichts sagen. Zumindest bislang konnte ich in der Richtung nichts feststellen.

Ich bin bislang aber sehr zufrieden mit dem Filter.

Bis dann:
Marcus
 
Ein häufig anzutreffende Problem mit großen Öffnungen ist die richtige Helligkeitseinstellung.
Bei 115x und 167x Vergrößerung mit einem 12", ist Jupiter und Mars viel zu hell.
Selbst bei Beobachtung mit einem Binokularansatz werden bei solchen Austrittspupillen die feineren Details überstrahlt und bei Monokular entsprechend noch mehr.

Daher ist es vielleicht auch mal interessant den Neodymium gegen Neutralfilter zu vergleichen?

Bei den Neutralfilter gibt es z.T. große Unterschiede in Qualität und Neutralität.
Absorptionsfilter machen das Bild manchmal bräunlich und billige Filter lassen sich z.T. nicht hoch vergrößern mangels optischer Qualität.
Auch hatte ich mal einen ND 0,6 mit toller grünlich schimmernden Vergütung, was jedoch auch dem Jupiterbild einen leichten grünstich verpasste.
Von der "Neutralität" bleiben Reflexionsfilter "weißer" als Absobtionsfilter.

Bei meinem 16" Newton verwende ich mit Binokularansatz ND 0,5-0,8 Filter.
LG
 
mit einem 12", ist Jupiter und Mars viel zu hell.
vielleicht auch mal interessant den Neodymium gegen Neutralfilter zu vergleichen?
Ja, der Ansatz hat was. Unser Vereinsgerät ist ein C11 und mit meinem 17,5 Morpheus (=160x) ist Jupiter schon ein "Strahler". Allein deswegen könnten Details verloren gehen. Statt der Neutralfilter nutze ich am Mond gerne Blaufilter, die erscheinen mir etwas kontrastreicher (kann auch sein, dass mein Neutralfilter einfach - in jeder Hinsicht - billig war).

Uwe
 
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