Ehemaliger Benutzer (7840)
Hallo Sternfreunde,
nun komme ich endlich dazu, meine ersten Beobachtungen mit meinem neuen Skywatcher 70/900 FH Refraktor auszuformulieren.
12.10.2009: Jupiter
Bei 45-facher Vergrößerung ist der Planet so blendend hell, dass auf der Jupiter-Scheibe keine Strukturen zu erkennen sind. Die Jupitermonde sind jedoch sehr schön zu beobachten.
Eine Steigerung der Vergrößerung auf 90-fach (AP 0,7 Millimeter) brachte dann die Leistung des Teleskops voll zur Geltung. Die Fokussierung dieser Vergrößerung auf der EQ 2 ist sehr wackelig, aber bei behutsamem Vorgehen noch gut machbar.
Die Jupitermonde erschienen wie im Lehrbuch, sie waren absolut punktförmig wie Nadelstiche. Je länger das Auge die Planetenscheibe beobachtete, umso mehr Details wurden sichtbar. Ein Farbfehler war visuell nicht auszumachen, wahrscheinlich nicht zuletzt durch die atmosphärische Refraktion bei den derzeit niedrigen Deklinationen Jupiters.
Es konnten drei Wolkenbänder eindeutig identifiziert werden, die beiden äquatorialen Hauptbänder und ein dunkles Band auf der südlichen Halbkugel des Planeten. Die Polkappen erschienen eindeutig dunkler als der übrige Planet, die Südpolregion zeichnete sich unübersehbar ab. Die Wolkenbänder waren an den Rändern ausgefranst, jedoch ohne interne Strukturierungen.
Öffnungsbedingt zeigten sich natürlich wesentlich weniger Details als mit meinem 8'' ACF, aber Jupiter ist trotz der kleinen Öffnung sehr sehenswert. Eine AP um 7 Millimeter scheint für Planeten ideal zu sein, das zeigte diese Beobachtung einmal mehr.
26.12.2009: Der Mond
Heute stand der Mond auf dem Beobachtungsplan. Entgegen der Vorhersagen der Meteorolügnerei war der Himmel extrem klar. An meinem üblichen Beobachtungsplatz (Balkon) waren für die Mondphase zwei Tage nach dem ersten Viertel überdurchschnittlich viele Sterne zu sehen.
Bei 45-facher Vergrößerung erschien der Mond perfekt scharf und kontrastreich. Aufgrund der blendenden Helligkeit war eine vernünftige Beobachtung ohne Graufilter nicht möglich. Also wurde gleich zur 90-fachen Vergrößerung gewechselt.
Der Anblick des Mondes bei dieser Vergrößerung hat mich geradezu umgehauen: Das Seeing an diesem Abend war so perfekt, dass ich fast den Eindruck hatte, ein Foto des Mondes zu betrachten. Ideale Bedingungen, um eine Optik zu testen. Die 90-fache Vergrößerung lieferte eine detaillierte Mondlandschaft, die ich in der Form nicht erwartet hätte. Das überdurchschnittlich gute Seeing macht es eben möglich. Der Mondrand zeigte sich extrem scharf ohne Anzeichen von für solche Refraktoren typischen Abbildungsfehlern wie sphärischer Aberration.
Besonders in Augenschein nahm ich die Region um die Alpen und Sinus Iridum, das zu der Zeit noch im Schatten lag. In den Alpen zeigten sich zahlreiche nadelfeine Berge, die leider aufgrund des Sonnenstandes bereits etwas kontrastarm wirkten. Dennoch ein wunderbarer Anblick.
In regelmäßigen Abständen wurden die Beobachtungen jäh unterbrochen. Der immer wiederkehrende Wind ließ die Optik extrem zittern, so dass immer wieder kurze Zwangspausen eingelegt werden mussten. In dem Punkt ist die EQ 2 mit dem Teleskop wirklich extrem grenzwertig belastet, um nicht zu sagen bei Wind überfordert. Zum Glück waren es nur relativ kurze Böen.
Nach einiger Zeit erblickte ich im Jura-Gebirge einige sternförmige Berggipfel: Der Goldene Henkel war am Beginn seiner Ausbildung. Diese Erscheinung kannte ich bisher nur von Bildern. Bei Beobachtungen im Abstand von etwa 20 Minuten konnte die Ausbildung des Henkels schön verfolgt werden. Die zunächst isolierten, beleuchteten Bereiche wurden immer größer und verschmolzen schließlich. Mit der Zeit wurden immer mehr Details sichtbar. Ein Abgleich der beobachteten Details mit dem Mondatlas von Rükl zeigten, dass in dieser Nacht das theoretische Leistungsvermögen des Teleskops ausgeschöpft wurde. Solche Idealbedingungen bezüglich Seeing und Durchsicht sind leider viel zu selten.
Auf dem Boden von Sinus Iridum erkannte man sehr schön die Unebenheiten der Lavaströme. Im Laufe des Abends zeigten sich durch die schnelle Änderung des Sonnenstandes permanent andere Details. So faszinierend habe ich diese Mondregion noch nie beobachtet.
Da die 90-fache Vergrößerung zwar nicht mehr blendete, aber dennoch zumindest für mein Empfinden unangenehm hell und mit Graufilter zu dunkel erschien, wagte ich aufgrund des exzellenten Seeings einen Sprung auf 150-fache Vergrößerung (6mm-Okular, AP 0,46mm). Für Vergrößerungen dazwischen fehlen mir leider die Okulare.
Erwartungsgemäß nahm der Kontrast sichtbar ab, jedoch war der Schärfeverlust nicht weiter störend. Insgesamt empfand ich das Bild aufgrund der Helligkeit des Mondes im Okular als den angenehmsten Kompromiss zwischen den mir zur Verfügung stehenden Vergrößerungen. Die optimale Vergrößerung am Mond dürfte mit dem Gerät bei etwa 120-fach liegen. Dies gilt jedoch nur für den Mond, an den Planeten dürfte das Bild bei der AP viel zu dunkel sein. Seeingbedingt steht eine diesbezügliche Prüfung noch aus. Am Jupiter (siehe oben) empfand ich die 90-fache Vegrößerung mit 0,7mm AP als ideal.
Insgesamt war dieser Abend aufgrund der atosphärischen Bedingungen eine der besten und spannendsten Mondnächte, die ich in den letzten Jahren erlebte.
Der geringe Farbfehler zeigte sich am Mondrand besonders in Äquatornähe als schwacher Blausaum. Im Terminatorbereich hatten einige Schatten eine schwache Blaufärbung. Der Effekt war jedoch so gering, dass ich ihn als nicht störend empfand.
Mein Fazit:
Als 8''-verwöhnter Beobachter habe ich im Laufe der Jahre das Leistungsvermögen dieser Öffnungsklasse aus den Augen verloren. Ich hätte nicht gedacht, dass die Beobachtung mit einer verglichen mit 8'' Öffnung solch eingeschränkten Auflösung (der Achtzöller zeigt bei entsprechenden Bedingungen neunmal mehr Details) und Lichtsammelvermögen so viel Freude bereiten können.
Natürlich kann und soll das Teleskop kein Ersatz für meinen Achtzöller sein, es ist als Schnellspechtelgerät konzipiert. Unter diesem Aspekt gefiel mir die extrem kurze Auskühlzeit besonders gut.
Neben der absoluten Öffnung des verwendeten Teleskops sind es vor allem die atmosphärischen Bedingungen, die die Qualität von Mond- und Planetenbeobachtungen bestimmen. Mit regelmäßigen und systematischen Beobachtungen kann man jede Menge aus 70mm Öffnung herausholen.
CS und VG Christian
nun komme ich endlich dazu, meine ersten Beobachtungen mit meinem neuen Skywatcher 70/900 FH Refraktor auszuformulieren.
12.10.2009: Jupiter
Bei 45-facher Vergrößerung ist der Planet so blendend hell, dass auf der Jupiter-Scheibe keine Strukturen zu erkennen sind. Die Jupitermonde sind jedoch sehr schön zu beobachten.
Eine Steigerung der Vergrößerung auf 90-fach (AP 0,7 Millimeter) brachte dann die Leistung des Teleskops voll zur Geltung. Die Fokussierung dieser Vergrößerung auf der EQ 2 ist sehr wackelig, aber bei behutsamem Vorgehen noch gut machbar.
Die Jupitermonde erschienen wie im Lehrbuch, sie waren absolut punktförmig wie Nadelstiche. Je länger das Auge die Planetenscheibe beobachtete, umso mehr Details wurden sichtbar. Ein Farbfehler war visuell nicht auszumachen, wahrscheinlich nicht zuletzt durch die atmosphärische Refraktion bei den derzeit niedrigen Deklinationen Jupiters.
Es konnten drei Wolkenbänder eindeutig identifiziert werden, die beiden äquatorialen Hauptbänder und ein dunkles Band auf der südlichen Halbkugel des Planeten. Die Polkappen erschienen eindeutig dunkler als der übrige Planet, die Südpolregion zeichnete sich unübersehbar ab. Die Wolkenbänder waren an den Rändern ausgefranst, jedoch ohne interne Strukturierungen.
Öffnungsbedingt zeigten sich natürlich wesentlich weniger Details als mit meinem 8'' ACF, aber Jupiter ist trotz der kleinen Öffnung sehr sehenswert. Eine AP um 7 Millimeter scheint für Planeten ideal zu sein, das zeigte diese Beobachtung einmal mehr.
26.12.2009: Der Mond
Heute stand der Mond auf dem Beobachtungsplan. Entgegen der Vorhersagen der Meteorolügnerei war der Himmel extrem klar. An meinem üblichen Beobachtungsplatz (Balkon) waren für die Mondphase zwei Tage nach dem ersten Viertel überdurchschnittlich viele Sterne zu sehen.
Bei 45-facher Vergrößerung erschien der Mond perfekt scharf und kontrastreich. Aufgrund der blendenden Helligkeit war eine vernünftige Beobachtung ohne Graufilter nicht möglich. Also wurde gleich zur 90-fachen Vergrößerung gewechselt.
Der Anblick des Mondes bei dieser Vergrößerung hat mich geradezu umgehauen: Das Seeing an diesem Abend war so perfekt, dass ich fast den Eindruck hatte, ein Foto des Mondes zu betrachten. Ideale Bedingungen, um eine Optik zu testen. Die 90-fache Vergrößerung lieferte eine detaillierte Mondlandschaft, die ich in der Form nicht erwartet hätte. Das überdurchschnittlich gute Seeing macht es eben möglich. Der Mondrand zeigte sich extrem scharf ohne Anzeichen von für solche Refraktoren typischen Abbildungsfehlern wie sphärischer Aberration.
Besonders in Augenschein nahm ich die Region um die Alpen und Sinus Iridum, das zu der Zeit noch im Schatten lag. In den Alpen zeigten sich zahlreiche nadelfeine Berge, die leider aufgrund des Sonnenstandes bereits etwas kontrastarm wirkten. Dennoch ein wunderbarer Anblick.
In regelmäßigen Abständen wurden die Beobachtungen jäh unterbrochen. Der immer wiederkehrende Wind ließ die Optik extrem zittern, so dass immer wieder kurze Zwangspausen eingelegt werden mussten. In dem Punkt ist die EQ 2 mit dem Teleskop wirklich extrem grenzwertig belastet, um nicht zu sagen bei Wind überfordert. Zum Glück waren es nur relativ kurze Böen.
Nach einiger Zeit erblickte ich im Jura-Gebirge einige sternförmige Berggipfel: Der Goldene Henkel war am Beginn seiner Ausbildung. Diese Erscheinung kannte ich bisher nur von Bildern. Bei Beobachtungen im Abstand von etwa 20 Minuten konnte die Ausbildung des Henkels schön verfolgt werden. Die zunächst isolierten, beleuchteten Bereiche wurden immer größer und verschmolzen schließlich. Mit der Zeit wurden immer mehr Details sichtbar. Ein Abgleich der beobachteten Details mit dem Mondatlas von Rükl zeigten, dass in dieser Nacht das theoretische Leistungsvermögen des Teleskops ausgeschöpft wurde. Solche Idealbedingungen bezüglich Seeing und Durchsicht sind leider viel zu selten.
Auf dem Boden von Sinus Iridum erkannte man sehr schön die Unebenheiten der Lavaströme. Im Laufe des Abends zeigten sich durch die schnelle Änderung des Sonnenstandes permanent andere Details. So faszinierend habe ich diese Mondregion noch nie beobachtet.
Da die 90-fache Vergrößerung zwar nicht mehr blendete, aber dennoch zumindest für mein Empfinden unangenehm hell und mit Graufilter zu dunkel erschien, wagte ich aufgrund des exzellenten Seeings einen Sprung auf 150-fache Vergrößerung (6mm-Okular, AP 0,46mm). Für Vergrößerungen dazwischen fehlen mir leider die Okulare.
Erwartungsgemäß nahm der Kontrast sichtbar ab, jedoch war der Schärfeverlust nicht weiter störend. Insgesamt empfand ich das Bild aufgrund der Helligkeit des Mondes im Okular als den angenehmsten Kompromiss zwischen den mir zur Verfügung stehenden Vergrößerungen. Die optimale Vergrößerung am Mond dürfte mit dem Gerät bei etwa 120-fach liegen. Dies gilt jedoch nur für den Mond, an den Planeten dürfte das Bild bei der AP viel zu dunkel sein. Seeingbedingt steht eine diesbezügliche Prüfung noch aus. Am Jupiter (siehe oben) empfand ich die 90-fache Vegrößerung mit 0,7mm AP als ideal.
Insgesamt war dieser Abend aufgrund der atosphärischen Bedingungen eine der besten und spannendsten Mondnächte, die ich in den letzten Jahren erlebte.
Der geringe Farbfehler zeigte sich am Mondrand besonders in Äquatornähe als schwacher Blausaum. Im Terminatorbereich hatten einige Schatten eine schwache Blaufärbung. Der Effekt war jedoch so gering, dass ich ihn als nicht störend empfand.
Mein Fazit:
Als 8''-verwöhnter Beobachter habe ich im Laufe der Jahre das Leistungsvermögen dieser Öffnungsklasse aus den Augen verloren. Ich hätte nicht gedacht, dass die Beobachtung mit einer verglichen mit 8'' Öffnung solch eingeschränkten Auflösung (der Achtzöller zeigt bei entsprechenden Bedingungen neunmal mehr Details) und Lichtsammelvermögen so viel Freude bereiten können.
Natürlich kann und soll das Teleskop kein Ersatz für meinen Achtzöller sein, es ist als Schnellspechtelgerät konzipiert. Unter diesem Aspekt gefiel mir die extrem kurze Auskühlzeit besonders gut.
Neben der absoluten Öffnung des verwendeten Teleskops sind es vor allem die atmosphärischen Bedingungen, die die Qualität von Mond- und Planetenbeobachtungen bestimmen. Mit regelmäßigen und systematischen Beobachtungen kann man jede Menge aus 70mm Öffnung herausholen.
CS und VG Christian