Jupiter und Mondschauspiel 10. Februar

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Canonist

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Hallo Liste.
Am Sonntagabend gab es klaren Himmel mit Ansage und Vorbereitungszeit. Selten sowas in letzter Zeit. Bei der Planung fiel mir auf, dass Europa ein seltenes Schauspiel bieten sollte: Der Mond trat zunächst aus der Bedeckung hinter Jupiter hervor, um dann nur zehn Minuten später noch nah am Planetenrand stehend schon wieder in dessen Schatten einzutauchen.
Leider fand das alles noch am Taghimmel des späten Nachmittags statt. Zudem gab es ein paar hohe Wolken, von denen eine natürlich ausgerechnet in diesen 15 Minuten vor Jupiter durchziehen musste, das Seeing war schlechter als erwartet, und beim Bearbeiten stellte sich dann auch noch heraus, dass die Optik offenbar ein wenig dejustiert war, weil Europa in allen Bildern einen komatischen "Schweif" zeigte.
Trotzdem habe ich das Ganze in einer Serie mit IR-Passfiltern dokumentiert und hier abgelegt (ganz unten):
http://alpo-j.asahikawa-med.ac.jp/kk13/j130210z.htm

Später am Abend, nach Neujustage des C14 an Aldebaran, und mit etwas besserem Seeing gab's dann noch dieses Bild:

Link zur Grafik: http://www.diefotomaus.de/temp/jupiter13-02-10tableau.jpg

Die Gegend hatte ich nun bei den letzten Beobachtungen einige Male und kenn' sie mittlerweile recht gut (den GRF hingegen immer nur bei Sauluft....). Man beachte, dass sich die beiden einst weit getrennten WOS am Nordrand des NEB (links unten) schon fast "verheiratet" haben.
Bei Vergleichen der Bilder von mehreren Tagen (Blinken) fallen die Veränderungen sehr ins Auge. Wenn ich die Zeit finde, pack' ich das mal in eine Animation.
LG
Rudolf
 
Hallo Rudolf,
bei dem Jupiter bleibt mir die Spucke weg!
Ganz großes Kino, zumal die Bedingungen bei unserer Wetterlage in Norddeutschland sicher nicht optimal war.
Ich habe zur selben Zeit mein Glück versucht und kann deinen Jupiter sehr gut als Referenz gebrauchen!
Hier habe ich noch eine kleinere Variante deines Gasriesen hereingenommen:
http://forum.astronomie.de/phpapps/...hp/topics/985863/Jupiter_vom_10_02#Post985863
Viele Grüße und vielleicht gelingt dir doch noch ein Jupiter mit GRF!?
Viele Grüße und CS
Martin
 
Hallo Rudolf,
Du packst deine Aufnahmen bei der Japanischen Vereinigung der Mond und Planetenbeobachter rein? Das hat Stil. ;) Hast du an dem Bild schon etwas derotiert oder lohnt es sich noch nicht? Welche Programme nutzt du zur Verarbeitung? Ich nehme mal an Registax 6 zum Schärfen der einzelnen Kanäle und ASII zum Stacken und Mitteln. In welchem Programm fügst du die vier Kanäle zusammen?


Ich hatte am selben Abend allerdings viel später mein Bild geschossen. Zu dieser Zeit kam der GRF gerade um die Ecke. Bei deinem Bild sieht man auch schön das leichte Rauschen durch die Schärfung, dessen Größe aber unterhalb der Details liegt. Ich nehme an, der Jupiter ist auch in Originalgröße zu sehen, wie er auf dem Chip abgebildet wurde (?).


Viele Grüße,
Christian
 
Hallo Christian.
Japan ALPO mag vielleicht zunächst etwas ungewöhnlich klingen, aber wie Du schnell siehst, sind dort bei weitem nicht nur die Japaner vertreten, sondern die ganze Welt. Das macht den Reiz aus, Du bekommst mit etwas Glück jeden Tag einen Rundumblick zustande. Und den direkten Vergleich mit den anderen dazu. Eine alternative Datenbank wäre die von PVOL.

Bild ist sehr herkömmlich bearbeitet: AS 2.1 zum Stacken, je nach Luftgüte zwischen 35 und 50 Prozent von jeweils 2000 Bildern je Farbe, dazu der IR-Kanal mit ebenfalls mindestens 2000 Bildern, manchmal mehr. Schärfung mit Registax, wavelets, gaussian, bisher ungelinkte Ebenen, Hauptgewicht auf der ersten, bei schlechter Luft auch etwas von 2 und drei. Versuche mit gelinkten layers laufen, haben aber noch keine deutliche Verbesserung gebracht.
Derotiert ist nix, ich habe WinJupos erst heruntergeladen und noch nicht installiert. Das alte Leiden: keine Zeit!

Als routinierter Bildbearbeiter (aus der weltlichen Fotografie) vertraue ich nur auf Photoshop zum RGB- und LRGB-Zusammenbau. Fitswork und andere haben mir nicht zugesagt. In PS ist mein Prozess standardisiert und führt zu wiederholbaren Ergebnissen.

Bild ist in diesem Fall ausnahmsweise mal ein Versuch mit 1,5 Drizzle gewesen, das Bild aber in PS wieder auf 75 Prozent, also in etwa Ausgangsgröße geschrumpft. Vergleich mit 1:1-Berechnung hat gezeigt, dass - wie zu erwarten - bei der ohnehin von mir angewandten langen Brennweite Drizzle keinen echten Vorteil bringt; nur die Bearbeitung verläuft im Detail etwas anders (andere Schärfungsfiltergrößen).
LG
Rudolf
 
Danke für die ausführliche Beschreibung deines WorkFlows. Da sind schon schöne Anhaltspunkte mit dabei. Für die Zukunft werde ich dann wohl die selben Programme verwenden, wo bei ich das Zusammensetzen erst mal in fitswork machen werde, denn ich habe zwar PS, kenne mich da aber noch nicht so gut mit aus. Da würde ich gern mehr darüber erfahren. Liegt man in Photoshop einfach drei(je nachdem) Ebenen übereinander und mittelt die dann mit einem entsprechendem Befehl? Da gibt es aber keine automatische Ausrichtung oder doch? Ich könnte mir vorstellen die Bilder extrem zu zoomen und dann nach einem feinen Detail auszurichten.


Übrigens ist die Bilderreihe des Mondes sehr gut gelungen. Das ist ja wirklich ein witziges Ereignis.


Gruß,
Christian
 
Hallo Christian.
RGB in PS ist recht einfach:
Lade alle drei (bei LRGB vier) SW-Bilder (die aber selbst aus AS schon 16-bit RGB's sind!).
Dann nehme ich in aller Regel den Rotauszug als Basis. Als Fenster muss das Ebenenmenue geöffnet sein. Darin lassen sich die auch die drei Farbebenen anzeigen.
Ich rufe den Grünauszug auf, kopiere das gesamte Bild. AS zentriert an sich sehr schön und bei gleicher Ausgangsbildgröße sind die Bilder schon ziemlich gut ausgerichtet.
Wechsele in das Rotbild, rufe gezielt in der Ebene Grün auf und kopiere das Grünbild dort hinein.
Die Feinausrichtung erfolgt durch "Blinken" zwischen Rot und Grün und entsprechender Verschiebung der Grünebene, bis Details nicht mehr springen. Das geht in der Regel fast pixelgenau.
Gleiches Verfahren mit Blau.
Dann ist in der RGB-Ebene ein Farbbild entstanden, das nun noch einige Anpassungen benötigt: Tonwertkorrektur, Weißwert anheben, da ich nie mit Histogrammvollauslastung arbeite, Gammakorrektur, da das RGB in Rohform immer zu dunkel und zu hart kontrastiert ist, Farbtonverschiebung, um aus dem erwähnten Magentastich einen Neutralton in den Zonen und die typisch orange-braune Bänderfarbe zu bekommen.
Dann Hintergrundartefakte vom Schärfen entfernen und Hintergrund auf sauberes Schwarz setzen (es sei denn, es ist eine Taghimmelaufnahme, wie am 10. Februar...).
Bislang habe ich den Monden keine Extrabearbeitung gegönnt, was man ihnen gelegentlich ansieht. Bei der miserablen Luft bislang war es das auch nicht wirklich wert.
Fertig ist die RGB-Version. Wenn ich schnell arbeite, schaffe ich das alles in gut unter zwei Minuten.
Beim LRGB wird dann das L-Bild noch kopiert und als neue Ebene ins RGB-Bild eingefügt, als Einblendoption Luminanz gewählt. Tonwertkorrektur der L-Ebene für den besten Eindruck. Da ich fast immer das IR-Pass-Bild verwende, reduziere ich den Luminanzanteil manchmal auf 80 Prozent oder weniger. Das geht zwar einen Tick zu Lasten der Schärfe, dafür aber leiden die Farbhelligkeiten (insbesondere Rot!) nicht zu sehr unter der IR-Lastigkeit. Ist einfach ein Kompromiss, aber bislang reichte leider die Qualität meines Grün-Bildes nicht, um daraus ein IR-Grün-Misch-Luminanzbild zu machen. Das wäre natürlich der beste Weg.

Beim Arbeiten mit Fitswork komme ich nicht so schnell voran und die Ergebnisse haben mich dort nicht zufrieden gestellt. Ich kann es händisch in PS einfach besser, und dort geht es dann mit Einbau in die Tableaus zur Präsentation ja auch gleich weiter.
LG
Rudolf
 
Hi Rudolf, haette nur eine Frage bezueglich:

Dann nehme ich in aller Regel den Rotauszug als Basis. Als Fenster muss das Ebenenmenue geöffnet sein. Darin lassen sich die auch die drei Farbebenen anzeigen.

Bei mir ist das Fenster Ebenemenue geoeffnet, aber sehe nur 1 Farbebene und keine 3.
Habe ich was falsches eingestellt, oder wie kann man alle 3 Ebene sehen .

Gruss Claude
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Dein SW-Auszug ist ein Graustufenbild?
Dann siehst Du natürlich auch nur die eine Ebene.
Wandele es in ein RGB, und Du hast drei Farbebenen (Bild-> Modus)
LG
 
Hallo Rudolf, ich werde mir deine Methode mal an einem Beispiel veranschaulichen. Einen lieben Dank für dieses tolle Anleitung! Link zur Grafik: http://www.smilies.4-user.de/include/Froehlich/smilie_happy_109.gif Habe leider nur eine sehr alte PS Version, nämlich PS 5.5 ohjeee... Dafür ist es aber eine Vollversion, damit kann man also im 16bit Raum operieren.

"Histogrammvollauslastung": Stellst du also schon bei der Aufnahme das Bild ein bisschen dunkler ein? Dann hat man glaube ich nicht die volle range von 255 Graufstufen, aber die kann man wahrscheinlich eh nicht ausnützen. Außerdem gibt es dann wahrscheinlich eher bestimmt die Gefahr des Ausbrennens. Meinst du das so?


"Hintergrundartefakte vom Schärfen entfernen": Nimmst du da einen Filter aus PS (Störungsfilter)?


Beim Filterset von Astrolumnia ist ja noch der Luminanzfilter dabei: Macht es Sinn damit auch noch ein Video aufzunehmen und das als L beizumischen? Du nimmst doch einen richtigen IR-Pass-Filter, nicht?



Link zur Grafik: http://www.smilies.4-user.de/include/Schilder/danke.gif
 
Hallo Christian.
PS 5.5 ist völlig hinreichend.
16 bit muss es gar nicht sein, 8-bit reicht ebenso. Bei mir kommen 16er raus, weil Astrostakkert so speíchert.

Mit dem Histogramm sind die Aufnahmeeinstellungen an der DMK gemeint. Ich belichte die Planeten in der Regel so, dass mein Histogramm nicht mehr als zwei Drittel ausfüllt. Bei der DMK31 war schon nach etwas mehr als der Hälfte Schluss, dann brannten die Hellstellen im Summenbild bereits aus. Bei der neuen DMK21AU618 geht da ein wenig mehr, was einem niedrigeren Rauschpegel zugute kommt. Sattere Bilder mitteln sich schließlich auch besser.

Hintergrundartefakte treten auf, wenn in Registax geschärft wird. Dann sind vom Rande her manchmal weiße Punktlinien oder ähnliche Störungen im Bilde. Mit dem runden Auswahlwerkzeug ziehe ich dann ein Oval um die Jupiterscheibe (Monde im Bild werden ggf. extra hinzugenommen), kehre die Auswahl um, mache die Kante weicher mit zwei Pixel Breite (sonst gibt's u.U. hässlich harte Planetenränder, wie man sie manchmal sieht) und fülle die nun vollendete Auswahl des Hintergrundes schlicht mit Schwarz.
Voila. Sauber.
Die Methode dient gelegentlich auch dazu, hässliche kleine Farbüberstände am Planetenrand (durch zu lange Aufnahmefenster z.B.) zu begrenzen. Beim LRGB braucht man sie manchmal, da wird dann am praktischsten entsättigt.

Mein IR-Luminanzbild entsteht mit einem Baader IR Pass 685.
Das Astrolumina L-Filter habe ich probiert, bringt aber bei mäßigem bis schlechtem Seeing kein Bild zustande, dass als L einen Detailgewinn bedeutet. Ist ähnlich wie Grün, nur aufgrund des hohen Durchlasses mit deutlich kürzeren B-zeiten verwendbar. Nützt bei Fließ-Seeing aber eben auch nichts, da geht es am besten nur mit Tiefrot :)

LG
 
Hallo, wieder viel nützliche Information! OK, dann würde ich erst mal bei R,G,B-Videos bleiben. Noch mal ein Gedanke zum Histogramm bei der Aufnahme: Die dunklen Bereiche sind ja sowieso da, nur die Planetenscheibe ist dunkler. Dann müsste das Histogramm also auf der rechten Seite abgeschnitten sein.

VG,
Christian
 
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