Jupiterbedeckung durch die junge Mondsichel am 28. November, vormittags

Hallo Kollegas,

Am 28. November läuft die junge Mondsichel am Vormittag vor Jupiter vorbei.
Bei gutem Wetter wird das mit einem Fernrohr am Taghimmel auch visuell zu beobachten sein.

Von München aus beginnt die Bedeckung gegen 10:27:38, 80 Sekunden später ist Jupiter selber verdeckt. Die grossen Jupitermonde stehen alle östlich, erst 12 Minuten später ist auch Kallisto verschwunden. Das passiert alles auf der dunklen Seite der Mondscheibe, die visuell sicher nicht zu erkennen ist.

Ab ca 11:37:05 kommt von München dann Jupiter langsam wieder hinter der eigentlichen Sichel hervor, nun in immerhin 13° Höhe über dem Horizont. Bei gutem Wetter sicher ein schöner Anblick, nach ca 80s ist das Scheibchen dann wieder vollständig. Callisto braucht dann wieder 11 Minuten länger.


Um das alles schön zu sehen braucht es guten blauen Himmel und wohl auch ein Fernrohr. Bei optimalem Wetter und viel Übung geht vielleicht die Mondsichel und Jupiter selber auch mit Fernglas oder gar mit freiem Auge?

Die Sonne steht nur 23° weiter rechts, also Vorsicht!
Eine verlängerte Taukappe ist sinnvoll und vermeidet auch Kontrastverluste in der Optik.
Farbfilter können helfen den blauen Himmel abzudunklen und den Kontrast zu verbessern.
Direktes Sonnenlicht am Kopf/Auges des Beobachters hilft auch nicht...

Viel Spass,
Martin
 

UwePilz

Mitglied
Mit nur 20° Sonnenabstand wird man das im Flachland nicht beobachten können. Die Mondsichel ist am Mondäquator nur 1' breit, man wird nicht mal den Mond finden.
 

komposer

Mitglied
Hallo Martin,

danke für den Hinweis, von dem Ereignis wusste ich nichts. Neben der sehr schmalen Sichel ist bei mir eher der tiefe Stand das Problem. Ca. 10° Höhe bei Austritt ist bei mir einfach zu wenig, keine Chance da mit dem Dobson Aufnahmen zu machen.

Gruß,
Holger
 
Danke Uwe!

Wenn meine Frau mich fragt warum ich denn Donnerstag früh morgens irgendwohin aufbrechen will kann ich sagen "Der Uwe hat mich provoziert!". Da ich im Süden wohne werde ich aber dennoch nach mehr Höhe streben.

Mit einem GotoSystem zeigt die Optik schon ziemlich genau in die richtige Richtung. Eine 20° Sichel ist dann bei gutem Himmel wirklich kein Problem und auch der Jupiter wird sich ausmachen lassen. Visuell wohl weniger einfach, aber das ist ja nicht die einzige Option. Mit dem Videosystem sollte es leicht sein, ich kann genau die richtige Stelle anfahren und exakt fokussieren und es dann per Flipmirror auch visuell versuchen.

In 2012 konnte ich die Merkurbedeckung durch die Mondsichel bei 7.5° Sonnenabstand beobachten, bei sehr perfekten Bedingungen auf 1400m Höhe war das mit dem Videosystem trivial einfach. Visuell habe ich es damals aber nicht probiert, das wäre wohl sehr schwierig gewesen. Aber 20° sind VIEL einfacher, bei Tag habe ich bei 50x schon 10° Sicheln sichten können (allerdings weiter oben am Himmel).

Also schau mer mal was das Wetter macht.

Frohe Grüße,
Martin

PS: "Sabbel nich dat geit!" Wir wissen aber auch wie das ausging.
 

Wolfgang Hofer

Mitglied
Hallo Martin,

wie du vielleicht noch in Erinnerung hast, beschäftige ich mich seit längerem mit der Taghimmelastronomie (Neptun fehlt mir übrigens immer noch als einziger Planet. Mal schauen, ob's nächstes Jahr klappt.)

Ich habe für München mal zur besagten Zeit den Kontrast zwischen Jupiter und dem Himmelsblau berechnet. (Alles für den normalen klaren Flachlandhimmel)

10:28 Uhr: 0,7 % (Anfang Bedeckung)
11:37 Uhr: 1,8 % (Ende Bedeckung)
15:00 Uhr: 3,9 %
15:30 Uhr: 4,6 %
15:45 Uhr: 5,2 %

Die entsprechenden Zahlen mit Polfilter habe ich auch berechnet. Das bringt zum gegebenen Zeitpunkt kaum etwas (2,1 % um 11:37 Uhr).

Ab einem Kontrast von 2 % kann man etwas sehen. Dann aber auch nur, wenn die Flächen ausreichend groß und scharf gegeneinander abgegrenzt sind und wenn man exakt weiß, wo man hinschauen muss. Ich gebe der Beobachtung des Austritts nur dann eine minimale Chance, wenn du hoch in die Berge fährst.

Tut mir Leid, Martin! Die Beobachtung der Bedeckung in München wird nix. Merkur ist bei diesem Abstand zur Sonne eine wesentlich einfachere Liga.

Gruß
Wolfgang

Nachtrag: Wie das fotografisch ist, kann ich nicht sagen. Da müsste man eigentlich im Kontrast mit der Bildbearbeitung noch was rausholen können, oder?
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Wolfgang,

Dein Rechenmodell interessiert mich sehr! Wie geht die Himmelsqualität, die Höhe und der Ausschnitt aus dem Spektrum da ein? Ist das irgendwie an reale Wettermessungen koppelbar, zB über AOD Werte oder ähnliches? Daraus können wir gerne einen separaten Thread machen.


Ich habe keinen Zweifel das bei gutem Wetter auch direkt beobachten zu können.
Wir sind doch nicht mehr an die Begrenzungen des menschlichen Auges gefesselt. Genau wie die Fotografie viel schwächere Strukturen erfassen kann als das Auge am selben Fernrohr (und in der selben Zeit) können wir mit Technik auch viel kontrastarmere Strukturen sichtbar machen und das quasi im Livebild.

Wie bei den Mondsichelbeobachtungen werde ich primär mit einem optimierten Videosystem "schauen" und da sollte das kein Problem sein. Das blaue Streulicht des Himmels prügelt ein Nah-IR Filter platt und danach kommt die ganze (Echtzeit-) Bildbearbeitung. Mit genug Aufwand kann ich so auch das aschgraue Mondlicht am blauen Himmel nachweisen.

Hier ein alter Vergleich zwischen visuellem Anblick und dem Videosystem.


Parallel werde ich hoffentlich auch mit einem Refraktor visuell beobachten können und ob Jupiter da dann auch geht werde ich dann sehen.

Frohe Grüße,
Martin
 

Wolfgang Hofer

Mitglied
Hallo Martin,

du hast in deinem Eingangspost ausdrücklich von visueller Beobachtung geschrieben. Erst nachher wurde mir klar, dass du (auch) fotografieren willst. Damit geht natürlich viel mehr als rein visuell. Ich selbst bin rein visueller Beobachter und habe vor allem in Sachen Bildbearbeitung Null Ahnung.

Das Modell, das ich zur Kontrastberechnung verwende, funktioniert ganz grob so:

- Berechnung der Helligkeit des Planeten unter Berücksichtigung der Extinktion. Je niedriger der Höhenwinkel ist, um so größer wird die Luftmasse, umso dunkler wird der Planet
- Berechnung der Leuchtdichte [cd/m²] (Flächenhelligkeit) des Planeten aus Helligkeit [lx] und Raumwinkel [sr] (scheinbarer Durchmesser des Planeten).
- Berechnung der Leuchtdichte des Himmels [cd/m²] (an der Position des Planeten) aus dem Sonnenstand. Hierzu gibt es ein halbempirisches Modell, welches von Leuten entwickelt wurde, die sich professionell mit Beleuchtungstechnik beschäftigen. Das wird z.B. bei der Planung großer Gebäude verwendet.

Das Modell ist lediglich auf die Hellempfindlichkeitskurve des Auges abgestimmt, d.h. eine Berechnung für unterschiedliche Wellenlängen ist nicht möglich. Bei großen Höhen über N.N. kann ich den Extinktionskoeffizienten an die bessere Transmission anpassen. Das eigentliche Herzstück des Modells, nämlich die Simulation der Himmelsleuchtdichte, gilt aber nur pauschal für niedrige Höhen. D.h. eine echte Simulation, wie die Sichtbarkeit mit der gedätischen Höhe zunimmt, ist leider nicht möglich.

Insgesamt bleiben natürlich immer einige Unbekannte. Wie gut ist die Transparenz? Gibt es Aerosole, die das Himmelsblau verwässern? Ich habe selbst auch schon sporadische Leuchtdichte-Messungen am Himmel durchgeführt und mit der Simulation verglichen. Die Abweichungen waren immer erstaunlich gering, so dass am Ende die größte Unbekannte ist: Welchen Kontrast kann ich konkret mit dem Auge noch wahrnehmen? (2 % oder brauche ich mehr?)

Das Modell hilft vor allem in solchen Fällen wie in deinem aktuellen Fall. Man kann den zu erwartenden Kontrast recht gut einschätzen und weiß schon vorher, was man später bei der Beobachtung erwarten kann.

Gruß
Wolfgang
 

Lots

Mitglied
Hi,

soeben 17:20 MEZ die Begegnung zwischen Venus Mond und Jupiter gerade ebenso zwischen einer schmalen Wolkenlücke geehen. Schöne Ansicht.

cs
Lothar
 

VisuSCor

Mitglied
Hat jemand vielleicht ein Foto? Bin grad in Lapland, wettertechnisch hätte es klappen können aber die Erde war im Weg :LOL:

CS.Oli
 
Hallo,

Bei mir war das ein einziges Wetterdrama. Trotz heissem Bemühen konnte ich am Vormittag erst 1 Stunde nach Ende der Bedeckung eine Wolkenlücke finden. Die Schleier waren dann immer noch so dicht das nur mit digitaler Gewalt Mond und Jupiter zu erkennen waren. Visuell ging gar nichts. Das war extrem ärgerlich, denn die Transparenz der Luft war sehr gut, wir hatten einen guten Alpenblick.
Auch abends war es ein Kampf und hat bei mir nur für Mond und Venus (ohne Jupiter) gereicht.
Hier ein Bericht:
Grüße, Martin
 
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