Hallo Sascha,
danke für's Posten Deines Rohmaterials und des Ergebnisses!
Hier noch die versprochenen Tipps als Posting statt email (Schlechtwetter zieht auf

), auch wenn's vielleicht sonst niemand interessiert:
Deine VestaPro (welcher Typ) ist gar nicht schlechter für Jupiter geeignet als die ToUCam-Varianten, da der erwähnte Treiberpatch (ich suche und maile Dir das Ergebnis) sie bei den nötigen 10fps dieser gleichwertig macht (Win98SE/ME, unter XP noch nicht probiert) - mit meiner VestaPro 675K ist z.B.
dieser Ausnahme-Jupiter an einem FH90/1000 auf einer AZ3 ("Io-Verdeckungsende bei gutem Seeing") 2004 entstanden (siehe auch
"Re: vesta vs. toucam").
Leider ist es aber hier so, daß Callisto, weil zu dunkel, nicht mehr im Bild herauszuarbeiten ist (Ganymed scheint schon hinter Jupiter verschwunden, das deutet auf eine Zeit eher gegen vier hin; wenn Du den passenden ZM heraussuchst, kann man die "Details" vielleicht mit
ALPO-Latest-Bildern vergleichen).
Da die mehr-oder-weniger-Achromaten wie diese doch recht seltsamfarbige Webcambildchen ergeben können (dieses Violett/Grün im Bild - arghhhh!), setze ich am liebsten einen leichten Grünfilter und einen IR/UV-Sperrfilter ein - der läßt sich im Weißabgleich am Mond noch gerade eben "farbkorrigieren" und nutzt die in diesem Spektralbereich meist "beste" Korrektur des Teleskops sowie die Auflösung der Webcam-Bayermaskenchips am besten. Der IR/UV-Sperrfilter ist schon deswegen Pflicht, weil die IR-Anteile auch durch die grünen und blauen Mikrolinsen der Bayermaske auf dem Chip kommen und das Bild versauen sollen.
Dein "Gestacke" war doch gar nicht so schlecht, besser wie die Fokussierung vielleicht

, die Bildbearbeitung ... halt anders:
Beim Stacken lasse ich Registax erstmal mit einem optisch einigermassenen Einzelbild aus den ersten Frames durchlaufen und schaue mir die 10-20 "besten" vom Programm ausgesuchten Frames auf der Suche nach einem guten Einzelbild an. Dieses wird dann im ersten "richtigen" Durchlauf das Referenz-Einzelbild zum Wiedererkennen.
Das Suchergebnis sortiere ich vor dem eigentlichen Stacken des Summenbildes mit dem dortigen Graphen - bei Jupiter kann man ruhig 400 Bilder nehmen, also verwende ich 500 "besten" und sortiere mit dem Abweichungsregler die 100 größten Abweichungen aus. Denn was nützen scharfe Frames, wenn sie sich nicht zur Deckung stacken lassen.
Nach Wavelet-Bearbeitung (dazu später) lasse ich die Frames mit dem Ergebnisbild neu optimieren - gern dann auch mit einem Filter. Schließlich wird mit diesem wie oben erzielten Ergebnisbild ein weiterer Optimierungslauf gemacht, dann vielleicht noch Feinkorrekturen in der Endbearbeitung.
Bei der Endbearbeitung in Registax stelle ich erstmal den "L=R+G+B mixer" auf R=50/G=100/B=010, zu Grün siehe oben, R bringt an der Bayermaske nur 50% Auflösung, und blau kann man bei der Vesta/ToUCam fast vergessen im Farbbild.
Bei einem verrauschten Jupiter wie hier, anders als bei detailreichen, wenig verrauschten Bildern, kann man in Registax mit einer Art Weichzeichnung arbeiten (hatte ich hier in
"Manuelles MAP vs. Registax4-MAP (Teil 2)" - letztes Bild - schon mal vorgestellt): Stellt man die Wavelets auf "Gaussian" um, schaltet Regler 1 ("feine Frequenzen") aus und für diesen einen Wert von 0,30-0,40 (hier letzteres) ein, so kann man anschließend in Regler 2 etwa hier mit 100% und 0,15 und Regler 3 bei 30% und 0,10 brutal zulangen.

Den Refraktionsausgleich macht Registax meist ganz ordentlich, das sollte man aber im "Final" mit voll aufgedrehter Sättigung prüfen - dabei springen noch vorhandene Farbstiche auch noch in's Auge, die aber meist nicht mehr korrigiert werden müssen.
Dann "der Rest":
Da mich die "Schwarzwerte" bei Webcambildern oft stören, lasse ich Registax oft die ersten 3 Tonwerte im Histogramm wegrechnen - hier waren es sogar mehr (die Monde sollten z.B. gerade noch erkennbar bleiben, und nicht als fette dunkelgraue Blobs).
Bei der Farbeinstellung kann man Registax ja erst mal einen "automatischen" Vorschlag machen lassen - besser ist natürlich, "manuell" zu einem besseren Farbeindruck zu kommen, sprich hier viel Rot raus und etwas Blau hinein. Daß das Ergebnis fast s/w wirkt, liegt an WA und Filterei vorher, sowie am Ausgleich der "Achromat"-Webcamfarben (man könnte aber noch etwas "geliehene Farbe" drübermontieren, wo das mit den schnellen teuren s/w-Planetenkameras jetzt wie bei den DeepSky-Bildakrobaten Mode zu werden scheint).
Das Ergebnis ist eher rauschig, und oversampled für die Bedingungen, und das Ziel war ja ein "schönes Bildchen aus einem schlechten Video", also lasse ich in PSE noch den für mich brauchbaren "Störungsfilter" drüberlaufen, bringe mit einem kleinen Maskenquadrat den lokalen Kontrast für die Monde auf "80" (igitt, die von mir verabscheute "differentielle Bearbeitung"), und sample dann in Irfanview (nach Blur=40) mit dem Lanczos-Algorithmus das Ergebnis auf 75% herunter, schärfe dann noch mal "iterativ" mit Wert=3 zweimal nach, erhöhe die Sättigung, bis das dunkle nördlich/untere Band besser herauskommt, und lege ein bißchen Weltraumschwarz als Rahmen um das von den Rändern befreite Bildchen - voila, fertig.
Sorry für das leicht längliche Getexte, ich habe hoffentlich nix wichtiges vergessen - wenn Du noch Fragen zu meinem "brutalstmöglichen Durchmangeln" hast, nur zu!
Ich wünsche Dir besseres Seeing und bessere Videos für's nächste Mal (btw - ich binde das vom OAZ kommende Webcamkabel mit ausreichendem Abstand mit einem Gummiband so um ein Montierungsteil, daß die Webcam nicht auf den Boden fallen kann und ein versehentliches leichtes "Zerren" am Kabel nicht gleich das Rohr 'rumreißt

) ...
Gruß+cs,
Dietmar