Justage bei Teleskop Werkstatt Frage

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Gerd_Duering

Aktives Mitglied
Hallo Herr Kloss,

ich frage mal hier weil das im Biete Board ja nicht so gern gesehen wird.

http://forum.astronomie.de/phpapps/...794/SkyWatcher_Teleskope_Justiert_#Post742794


Dort bieten Sie eine Justage auch für Teleskope ohne justierbare Linsenzelle an.
Sie schreiben.

Teilweise versehen wir die Linsenzellen mit Madenschrauben.

Hier könnte es zu Missverständnissen kommen.
Was meinen Sie da jetzt genau, die Justage des Objektives zum Tubus, was ja üblicherweise mit Zug und Druckschrauben geschieht oder die Zentrierung der Linsen in der Zelle worauf die Madenschrauben hindeuten.

Auf Ihrer HP schreiben Sie.

Über ein Interferometer oder das kostenlos vom Hersteller mitgelieferte Testprotokoll (Messprotokoll) lässt sich eine sub-optimale Einstellung nicht erkennen.

Das spricht wieder für die Justage des Objektives zum Tubus.
Der Hersteller testet ja normalerweise vor dessen Einbau in den Tubus.
Zentrierfehler der Linsen lassen sich aber ja gerade mit einem I-Gramm sehr schön Quantifizieren.

Ich möchte Sie daher bitten hier doch etwas eindeutiger zu sagen was Sie denn nun genau machen.
Es kommt sonst zu Missverständnissen.

Grüße Gerd
 
Hallo Gerd,

Danke für die Frage!

Unter "Über uns" beschreiben wir dies ansatzweise mit Fotos.

Hier beschreibe ich mal den kompletten Ablauf, wie wir Teleskope justieren:

1. Am künstlichen Stern überprüfen wir die Qualität der Optik.

2. Auf der optischen Bank wird über einen Laser, den wir im OAZ rotieren, die Zentrierung des OAZ überprüft. Die Dezentrierung wird über einen Planspiegel behoben und der Okularauszug eingestellt.

3. Über den Sterntest und einen Kollimator überprüfen wir die Dejustierung der Linsen. Ob die Linsen in der Zelle zentriert sind, und ob die Linsenzelle zum Tubus zentriert ist (jeweilige Verkippung).

Falls die Linsen in der Linsenzelle unterschiedlich verkippt sein sollten (weil beim Transport z.B. ein Teil des Ringes zwischen Linsen und Linsenzelle gerutscht ist), dann tauschen wir den Ring (meist aus Kunststoff) zwischen den Linsen aus und ersetzen diesen mit Bleistreifen, oder je nach Möglichkeit mit einem neuen Kunststoffring. Falls Justierschrauben an der Linsenzelle vorhanden sein sollten, verwenden wir diese um den Fehler zu beseitigen. Wir bestücken aber keine Linsenzelle mit Madenschrauben um eine Justiermöglichkeit für die Linsenjustage zu schaffen (wir arbeiten aber daran). Allenfalls werden bei Linsenzellen, die einen großen Raum zwischen Linsen und Linsenzelle haben, mit einem dünnen Streifen aus Teflon rund um die Linsen versehen, damit diese nicht verrutschen können.

Wenn die Linsenzelle verkippt sein sollte (was fast immer der Fall ist!), dann versehen wir, wenn es Möglich ist und die Linsenzellenbauform es hergibt, die Linsenzelle mit Madenschrauben. Diese Madenschrauben dienen ausschließlich zur Justage der Zentrierung und Verkippung der Linsenzelle zum Tubus.

Danach schrauben wir die Linsenzelle komplett auf den Tubus, und drehen diese wieder, je nach vorhandenem Spiel in den Gewindegängen, ein Stück zurück. Mit dem Kollimator wird das Teleskop, mit der Linsenzelle nach unten, justiert und mit den drei bis sechs Madenschrauben fixiert. Bei einigen Teleskopen müssen wir die Justage mit einem speziellen Klebstoff reversibel stabilisieren.

4. Nun wird die optische Leistung und der Okularauszug noch Mal überprüft, eine Seriennummer wird vergeben und der Qualitätsnachweis wird erstellt.


Der Text mit dem Interferometer bezieht sich ausschließlich auf die von uns angebotenen und importierten Teleskope, bei denen ein Zertifikat vom Hersteller mit geliefert wird! Bei vielen dieser Teleskope sind durch den Transport die äußeren Linsenhalteringe und/oder die Linsen locker geworden und haben sich durch Vibrationen verdreht. Und/oder das Zertifikat stimmt nicht mit unserer Messung überein. Der von uns erstellte Qualitätsnachweis ist belastbar, so das Jeder beim Nachprüfen auf das gleiche Ergebnis kommen wird. In naher Zukunft werden wir auch da, wo es Sinn macht, ein eigenes Interferometer mitliefern.


Grüße und klare Nächte!

Karl
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
oh, nee Karl,
das Zeug ist ja nun teuer genug. 'n Interferrometer will ich wirklich nicht auch noch dazubezahlen.Die soll'n da in China mal nicht so einen Müll produzieren. Den man hier erst teuer richten muß. Das können die da auch schön billig machen. Dann haben alle was davon.

Grüße

*entfernt*
 
Hallo Karl,

danke für die ausführliche Antwort.

Wir bestücken aber keine Linsenzelle mit Madenschrauben um eine Justiermöglichkeit für die Linsenjustage zu schaffen (wir arbeiten aber daran).

Darum ging es mir, mit den Madenschrauben wird also das Objektiv zum Tubus justiert bzw. die Justage innerhalb des Gewindespieles fixiert.
Nicht aber die Linsen in der Linsenzelle zentriert.

Allenfalls werden bei Linsenzellen, die einen großen Raum zwischen Linsen und Linsenzelle haben, mit einem dünnen Streifen aus Teflon rund um die Linsen versehen, damit diese nicht verrutschen können.

Mich würde sehr interessieren wie groß dieser Spalt in der Regel bei einer Chinaoptik ist.
Könntest Du da mal den Durchmesser von Linsen und Linsenzelle einer durchschnittlichen Optik hier mitteilen und vielleicht auch mal was zur Schwankungsbreite dieser Maße in einer Serie sagen?

Beim verkleinern des Spaltes sollte man es aber nicht übertreiben der notwendige Temperaturausgleich muss gewahrt und damit ein Mindestspalt bestehen bleiben.
Hier ein Beispiel um mal konkrete Zahlen zu nennen.
http://forum.astronomie.de/phpapps/...355/Re_4_Zoll_Apo_was_empfiehlt_si#Post721355

Massimo hat für mich einen Computersimulation durchgefährt. Beim Bsp. unseres 107 mm F/700 mm Apo mit FPL53 und ZSL7 werden die Linsen mit einem Toleranzedurchmesser von 0.02 bis 0.06 mm gefertigt. Mit Diesen Angaben habe Massimo errechnet das die Fassung um 0.092 mm Größer sein muß im Durchmesser ausgehend von 110 mm Glasdurchmesser , sodaß kein merklicher Zentrierfehler aber auch keine Verspannung auftreten kann.

In diesem Thread hab ich übrigens auch Simulationen mit Oslo gemacht welche Auswirkung ein seitlicher Versatz einer Linse um 0,1mm hat.

http://forum.astronomie.de/phpapps/...649/Re_4_Zoll_Apo_was_empfiehlt_si#Post720649

Hier hat sich rausgestellt das dieser Versatz kein Problem ist solange die Luftlinse keinen Keilfehler bekommt.
Die Linsen müssen an dem Distanzplättchen oder Ring unbedingt gleichmäßig anliegen.
Bereits ein minimaler Keil zwischen den Linsen hat deutliche Auswirkungen.

Grüße Gerd
 
Hallo Gerd,

das größte Spaltmaß bei einer Serie war 0,3mm umlaufend, also 0,6mm Gesamtspalt. Und das ist definitiv zu viel ;-)

Ein zu großer Spalt fällt uns meistens auf, wenn wir die Linsen in der Linsenzelle entspannen müssen und diese dann beim Tubusdrehen "klackert" bzw. sichtbar verrutscht. Aber das kommt nur bei wenigen Refraktoren vor.

Grüße und CS!!!

Karl
 
Hallo Karl,

das größte Spaltmaß bei einer Serie war 0,3mm umlaufend, also 0,6mm Gesamtspalt. Und das ist definitiv zu viel ;-)

ja die 0,6mm Gesamtspalt sind natürlich schon erheblich und ein so großer Versatz bewirkt vor allem einen erheblichen lateralen Farbfehler.
Da wundert es nicht das viele China Optiken auch Triplets nicht wirklich farbrein sind.

Das sollte eigentlich wesentlich genauer hinzubekommen sein, zumindest für die Linsenzelle sehe ich kein Problem eine Toleranz von wenigen 1/100mm einzuhalten.
Da kommt dann natürlich noch der erforderliche Mindestspalt von sagen wir mal 0,1mm (hängt natürlich vom Durchmesser der Linsen ab) und die Linsentoleranz dazu aber 0,2mm maximal Spalt sollten doch hinzubekommen sein.
Aber Du sagst das war der größte Spalt was ist denn so ein Durchschnitt mit dem man üblicherweise rechnen kann?
Gibt es da Hersteller die besonders negativ oder positiv auffallen?
Die unterschiedlichen Handelsnamen ein und derselben Optik brauchen wir da ja sicher nicht beachten.

Grüße Gerd
 
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