Justierung von Ferngläsern

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mohlitz

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Über die Justierung von Ferngläsern wurde viel geschrieben.
Hier ein unformatiertes und nicht fertiges Kapitel über Justierung.

Ich schreibe zur Zeit an einem Buch über Ferngläser, aber die
häufigen Anfragen zeigen mir, das großer Bedarf besteht.

Hier nun das (wie gesagt unfertige) Kapitel zur Justierung:



Justierung

Justierfehler erkennen und deuten

Grundsätzlich hat jedes Fernglas Justierfehler. Aufgrund der komplexen Optik und der Mechanik lassen sich keine absolut perfekten Ferngläser herstellen. Die Auswirkungen dieser immer vorhandenen Fehler sind aber verschieden. Die Verschiebung der Bilder in horizontaler Richtung ist, wenn die Bilder aufeinander zuwandern, oft leicht mit den Augen auszugleichen. Bei stärkerer Verschiebung meint man zu schielen. Gehen die Bilder auseinander, können unsere Augen diesen Fehler nur schwer ausgleichen. Eine vertikale Verschiebung ist auch nur minimal auszugleichen und führt oft zu Kopfschmerzen oder leichtem Schwindel, wenn das Fernglas abgesetzt wird. Sind die Bilder zueinander verkippt, macht sich dies oft nur durch anstrengendes Beobachten bemerkbar. Peilt man einen Laternenmast an, muss dieser in beiden Augen senkrecht erscheinen. Steht ein Mast schief, stehen die Prismen auf zumindest einer Seite nicht rechtwinklig zueinander. Wie erkennt man nun, welcher Fehler oder welche Fehlerkombination vorliegt? Als ersten Test stellt man das Fernglas auf ein weit entferntes Objekt ein. Je weiter das Objekt entfernt ist, um so besser. Der Mond eignet sich hierfür sehr gut. Nach kurzer Pause schließt man ein Auge und schaut in das Fernglas. Öffnet man nun das andere Auge, erkennt man sofort, in welcher Richtung die Bilder auseinandergehen und wie die Augen versuchen, diesen Fehler auszugleichen. Diesen Test sollte man mit Pausen einige Male wiederholen. Auch kann man die Augen abwechselnd schließen, um so ein hin- und herspringen der Bilder zu zeigen. Hält man das Fernglas in etwa 30 cm Entfernung, sieht man die Verschiebungen oft auch sehr stark. Ein wirklich gutes Werkzeug zum Erkennen von Justierfehlern ist der Binotest. Dieses kleine, handliche Gerät besteht aus zwei hochpräzisen Prismen, welche den geteilten Strahlengang jeweils zur Hälfte in einem Auge vereinen. So kann selbst der allerkleinste Justierfehler entdeckt und behoben werden, da man mit einem Auge beide Bilder sieht. Der Binotest ist so empfindlich, dass er auch bei einem vermeintlich perfekt justierten Glas noch leichte Abweichungen zeigen kann. Sehr einfach ist auch der Test am Stern. Die linke Seite wird scharf gestellt, die rechte Seite mit dem Dioptrienausgleich unscharf. Nun sieht man den Sternpunkt und die unscharfe Sternscheibe. Ist der Sternpunkt in der Mitte der Scheibe, hat das Fernglas keinen horizontalen und vertikalen Versatz. Letztlich entscheiden aber die eigenen Augen. Blickt man durch ein Fernglas, sollte man den Blick entspannt schweifen lassen können. Auch nach längerer Beobachtung darf nicht das Gefühl aufkommen, sich anstrengen zu müssen. Meint man aber, leicht schielen zu müssen, bekommt man Kopfschmerzen oder sieht gar Doppelbilder, ist es höchste Zeit, etwas dagegen zu unternehmen.

Justierschrauben

Die meisten Ferngläser werden ab Werk mit Justierschrauben, welche die Prismen bewegen justiert. Stimmt die Einstellung, werden die Prismen oft mit Klebemasse fixiert und die Schrauben verschwinden unter der Belederung oder Gummierung. Sind unter den Objektivabdeckringen Exzenterringe, braucht man sich meist nicht weiter um die Justierschrauben zu kümmern. Dann ist es einfacher, die Objektive zu justieren. Sind diese Ringe nicht vorhanden, justiert man über die Schrauben. Einen Plan, in welcher Richtung das Bild wandert, wenn man an einer bestimmten Schraube dreht, gebe ich nicht, da dies zu weit führen würde. Einfacher ist es, das Fernglas auf ein Stativ zu montieren und leicht an der ersten Schraube zu drehen. Man sieht sofort während der Drehung, in welche Richtung das Bild wandert. Die zweite Schraube wirkt um 90° versetzt. Die Schrauben in der anderen Fernglashälfte wirken spiegelbildlich. Sehr hilfreich ist eine kleine Zeichnung der Bewegungsrichtung jeder Schraube. Hat man kein Stativ zur Hand, drückt man das Fernglas einfach auf eine Fensterscheibe. So wird das Zittern eliminiert und die Justierung deutlich genauer.

Objektivjustierung

Eine weitere, recht schöne Möglichkeit besteht in der Justierung über die Objektive. Dazu müssen nur vorne an den Objektiven die Abdeck - Ringe abgeschraubt werden. Sieht man nun einen Ring mit Gewinde und zwei kleinen Einschnitten, kann dieser mit einem Objektivschlüssel (sehr teuer) entfernt werde. Darunter liegen zwei ineinander exzentrisch gelagerte Ringe, welche durch Verdrehen den Strahlengang wieder korrigieren. Jede Drehung erzeugt eine horizontale und vertikale Bewegung des Bildes. Die Bewegung der Objektive erfolgt entgegengesetzt. Erreicht man durch vorsichtiges Probieren eine Deckung der beiden Bilder, muss die Einstellung nach Montage des Gewinderinges wieder kritisch geprüft werden, da sich die Exzenterringe beim Anziehen leicht verschieben können. Ohne Stativ ist dies allerdings nur schwer möglich.



Prismenjustierung

Sind die Bilder zueinander verkippt, stehen die Prismen nicht im rechten Winkel zueinander. Doch dieses Problem ist auch schnell gelöst. Die Okulare und Objektive werden ausgebaut. Nun stellt man den Fernglastorso auf ein Stück Papier, welches mit einem geraden Strich versehen wurde. Man erkennt sofort beim Blick durch die Prismen, ob der Strich gerade weiterläuft oder einen Knick macht. Das Prisma mit dem Knick wird vorsichtig verschoben, bis eine gerade Linie entsteht.

Okularjustierung

Selten gibt es eine Okularjustierung. Diese wird über drei winzige Madenschrauben seitlich unter Augenmuschel ausgeführt.

Tubusverkantung

Ein häufiger Fehler ist die falsche Verschraubung eines Objektivtubus ! Viele meiner Ferngläser hatten diesen Fehler, als ich sie bekam. Einfaches Herausdrehen und gefühlvolles wieder Eindrehen behebt die meisten Justierfehler.


Noch ein Nachsatz:

Es ist egal, nach welcher Methode das Fernglas justiert wurde, entscheidend sind die eigenen Augen. Ist nach allen Tests alles perfekt und man hat immer noch ein komisches Gefühl, dreht man einfach an der richtigen Schraube, bis dieses Gefühl weg ist. Denn jeder Mensch hat andere Augen.



Viele Grüße
Dirk Mohlitz
Teleskope, Zubehör & mehr
mohlitz@t-online.de
 
Hi Dirk...

Eine wirklich schöne und informative Zusammenfassung. Vor allem den letzten Satz kann ich aus eigener Erfahrung unterstreichen!
Was nützt es schon wenn der Kollimator sagt daß alles perfekt justiert ist, es aber für dich selber trotzdem nicht "passt".
Jeder Mensch hat andere Augen, vor allem ich...:-)
Ein deutschsprachiges Buch über Ferngläser und deren Justierung gibt es ja meines Wissens noch nicht, also viel Glück..!

Grüße,

Bernd
 
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