JWST Kontroverse

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P_E_T_E_R

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Am 1. März forderten vier amerikanische Astronomen in einem Artikel im Scientific American die NASA auf, die Benennung des nächsten großen Raumteleskops nach dem früheren Administrator James E. Webb aufzuheben, weil dieser in seiner Zeit als Unterstaatssekretär im State Department und als Administrator der NASA die Diskriminierung und Entlassung von homosexuellen Angestellten durchgesetzt habe und deshalb kein ehrenwertes Vorbild sein könne:

The James Webb Telescope Needs to Be Renamed

When Webb arrived at NASA in 1961, his leadership role meant he was in part responsible for implementing what was by then federal policy: the purging of LGBT individuals from the workforce. When he was at State, this policy was enforced by those who worked under him. As early as 1950, he was aware of this policy, which was a forerunner to the antigay witch hunt known today as the lavender scare.

Now that we know of Webb’s silence at State and his actions at NASA, we think it is time to rename JWST. The name of such an important mission, which promises to live in the popular and scientific psyche for decades, should be a reflection of our highest values.


Die NASA versprach eine Untersuchung der Vorwürfe. Am 27. September gab es dann eine knappe Erklärung vom derzeitigen NASA Administrator Bill Nelson:

“We have found no evidence at this time that warrants changing the name of the James Webb Space Telescope.”

Dazu schreibt jetzt die New York Times

This has infuriated many astronomers, and some 1,200 have signed a petition calling for the telescope to be renamed. “Under Webb’s leadership, queer people were persecuted,” the petition reads, in part. “Those who would excuse Webb’s failure of leadership cannot simultaneously award him credit for his management of Apollo.”
 
Es wird ihm also vorgeworfen, dass er damals kein Dissident war, als es noch geltende Gesetze gegen LGBT gab. Ich denke, es wäre etwas viel verlangt von jemandem in solch einer verantwortlichen Position, u.a. als Administrator des Apollo Projekts, sich nebenbei noch für Schwule und Lesben einzusetzen. Um ein Aktivist sein zu können (und dabei gegen geltende Gesetze zu handeln), braucht man vor allem Zeit, die Webb ganz sicher nicht zur Verfügung hatte. Ich hätte das Teleskop trotzdem nicht nach ihm benannt, sondern eher einen führenden Wissenschaftler damit geehrt.

Viele Grüße,
Holger
 
Hallo,

die Diskussion gab es schon im Nachbarforum und ich will mich hier nicht wiederholen. Aber der Zeitpunkt für die Diskussion ist kurz vor dem Start sicherlich nur gewählt, da das Teleskop im Moment mehr Aufmerksamkeit in den Medien hat und die Initiatoren daher auch mehr Aufmerksamkeit für ihr Anliegen bekommen. Daß es James Webb trifft, ist daher wohl nur zufällig.
Vor ca. 20 Jahren bei der Namensgebung hätte es noch Sinn gemacht darüber zu diskutieren. Aber jetzt?

Gruß

*entfernt*
 
Hallo Peter!

Im blauen Forum ist der entsprechende Thread etwas aus dem Ruder gelaufen. Dir sollte bewusst sein, dass das mit deinem Thread auch passieren kann. Denn das ist ein Thema, beim dem die Teilnehmer umso hitziger ihre Position verteigen, je weniger sie sich mit der Materie beschäftigt haben. Im blauen Forum habe ich mich erst gar nicht an der Diskussion beteiligt, da mir dort zu viele aus einem allgemeinen Reflex anstatt wissensbasiert gepostet haben.

In diesem Artikel wird die Position derer beschrieben, die sich für die Umbennenung ausgesprochen haben: Scientific American

Das Problem ist aus meiner Sicht, dass der Name "James Webb Telescope" im Alleingang von Sean O'Keefe ausgesucht wurde. Schon damals war ich darüber etwas irritiert, dass man ein Weltraumteleskop nach einem Administrator benennt, der weder Ingenieur noch Wissenschaftler war. Das gilt auch für Sean O'Keefe. Er hat also den Namen unter seinen eigenen Spezln ausgesucht. Ich hätte mir einen Namen gewünscht, der entweder überhaupt nicht personenbezogen ist oder nach einem großen Astronomen benannt ist.

James Webb hat seinerseits ganz einfach seinen Job gemacht. Per Bundesgesetz durften keine Homosexuellen in Bundesbehörden arbeiten. James Webb hat das von seinen Mitarbeitern entsprechend umsetzen lassen. Persönlich hat er sich offensichtlich nie direkt damit beschäftigt. Dafür war die Organisation der NASA einfach viel zu groß, um das zur direkten Chefsache zu machen. Den Initiatoren der Umbenennungspetition ist das auch bewusst. James Webb hat so gehandelt, wie tausende andere auch. Hätte er es nicht getan, hätte er gegen Bundesrecht verstoßen und sich vermutlich (bin kein Jurist) sogar strafbar gemacht. In der Petition geht es einfach darum, dass man ein Teleskop, dessen Name (hoffentlich) für viele Jahrzehnte in der Öffentlichkeit genannt wird, einer Person mit Vorbildfunktion widmen sollte. Selbst Sean O'Keefe hat gesagt, dass er diese Kritik ernst nimmt.

Die NASA hat jetzt entgegen der Petition entschieden, dass der Name des Teleskops nicht geändert wird. Ich hätte vermutlich genauso entschieden. Für eine Namensänderung ist es jetzt viel zu spät. Der Fehler hätte von Anfang an nicht passieren dürfen.

Gruß
Wolfgang

P.S.: Huch, da sind mir Holger und Heiko während ich den Beitrag verfasst habe, zuvor gekommen.
 
>> Es wird ihm also vorgeworfen, dass er damals kein Dissident war ...

Etwa wie bei Wernher von Braun, der sicher auch kein Dissident gegenüber dem Nazi-Regime war, sondern sich damit arrangierte.

Mit dessen Würdigung tut man sich angesichts seiner hervorragenden Leistungen ja besonders schwer.
 
Zuletzt bearbeitet:
Man sollte halt solche Dinger besser mit -und sei's noch so skurrilen - Abkürzungen benennen. Ich schlage vor: ELSDWWMPST (..ExtraLargeSuperDuperWhickyWhackyMultiPurposeSpaceTelescope..). Da erspart man sich den Ärger, denn wer weiss, aus welchem Grund in Zukunft jemand in Ungnade fallen wird. Vielleicht benennt man das Teleskop jetzt nach einem LGBTQ Aktivisten um, und stellt 20 Jahre später fest, dass der damals seinen Müll nicht ordentlich getrennt hat. Gesellschaften sind nunmal in ständigem Wandel begriffen, und moralische Vorbild-Themen ändern sich mit der Zeit. Da wird's schwierig, jemandem in Nachhinein ausschliesslich an den heutigen Masstäben zu messen.
Aber wiegesagt, wenn man erst gar nicht so einen Personenkult betreiben würde, könnte man sich die ganze Problematik ersparen.
-cb
 
Alternativ könnte man auch einfach auf den Anspruch verzichten, dass ein Namensgeber neben seiner (unzweifelhaften) technischen oder wissenschaftlichen Leistungen auch auf gesellschaftlicher Ebene vorbildlich gewesen sein muss - insbesondere deshalb, weil - wie Du ja schon gesagt hast - gesellschaftliche Strömungen einem Zeitgeist unterworfen sind. Aber genau das wollen die momentan hochaktiven Woke-Aktivisten verhindern. Ich verkneife mir eine Darlegung meiner persönlichen Einstellung zu diesem Thema, denn meine Erfahrung hat gezeigt, dass die nachfolgenden Diskussionen fruchtlos bleiben.

Viele Grüße,
Holger
 
Alternativ könnte man auch einfach auf den Anspruch verzichten, dass ein Namensgeber neben seiner (unzweifelhaften) technischen oder wissenschaftlichen Leistungen auch auf gesellschaftlicher Ebene vorbildlich gewesen sein muss

Ich sehe das mal so: Ein Namensgeber sollte zumindest auf irgendeinem Gebiet vorbildlich gewesen sein. Dann verzeihe ich ihm auch so manches auf anderen Gebieten. Eigentlich macht das eine Biografie erst interessant.

Im Fall von James Webb liegen die ihm zugewiesenen Qualitäten offensichtlich in seinen Führungsqualitäten, auf jeden Fall nicht bei seinen technischen und wissenschaftlichen Leistungen. Wenn die Führungsqualität aber der alleinige Grund ist, ihn als Namensgeber zu verwenden, dann sollte er auf diesem Gebiet schon vorbildlich gewesen sein, zumal wenn er als Administrator gestandene Wissenschaftler im Rennen als Namensgeber ausstechen will.

Wenigstens braucht sich Sean O'Keefe keine Sorgen zu machen, eines Tages als Namensgeber herhalten zu müssen. Denn seine administrativen Fähigkeiten haben ihm die Beinamen "The Grim Reaper" (Gevatter Tod) und "Bean Counter" (Erbsenzähler) eingebracht. :unsure:

Gruß
Wolfgang
 
Hallo,

James Webb als Name für so eine bedeutende Mission war von Beginn an nicht unumstritten. Proteste gegen den Namen gab es von Anfang an.
 
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