In der öffentlichen Wahrnehmung fast unbekannt ist der Fakt, daß sich Alfred Wegener auch mit Impaktkratern beschäftigt hat, nämlich mit den damals als Sall bezeichneten und heute als Kaali bekannten Kraterfeld in Estland. Zur damaligen Zeit gab es eine wissenschaftliche Debatte um deren Ursprung, Explosion, Einsturzdoline, Salzdiapir standen zur Debatte. R. Meyer, Dozent in Riga, äußerte in seiner Korrespondenz mit Wegener die Idee, daß sie durch den „Aufsturz“ eines Meteoriten entstanden sein könnten. Als Wegener im Herbst 1927 in Riga Vorlesungen hielt, bot sich ihm die Gelegenheit die Krater selbst zu besuchen. Am 14. 9. kamen er und seine Begleiter R. Meyer und E. Kraus in Arensburg (heute Kuressaare, Estland) an. Bis zum 18. 9. untersuchten sie die Krater um danach die Heimreise anzutreten. Wegener übernahm dabei mit Meyer die Vermessung des Kraters. Die drei Untersucher waren sich in der Deutung der Ergebnisse nicht einig, Kraus blieb bei der Einschätzung, es handele sich Salzdiapir, Meyer und Wegener sprachen sich für den Meteoriteneinschlag aus, wohlwissend, daß sich das Fehlen von Meteoritenfunden in oder um die Krater ein wichtiges Argument dagegen war. Meteoritenbruchstücke wurden erst zehn Jahre später von I. Reinwald gefunden. Wegener vergleicht die Kaali-Krater mit seinen experimentell erzeugten Kratern in Zement und findet Übereinstimmungen, ebenso wie mit dem bis dahin einzig akzeptierten Krater in Arizona und den angeblichen von Kulik bei dessen erster Expedition gefundenen Kratern im Tunguskagebiet, bei denen es sich aber in Wirklichkeit um Bildungen durch Permafrost handelte.
Kraus E, Meyer R, Wegener A (1928): Untersuchungen über den Krater von Sall auf Ösel, Gerlands Beiträge zur Geophysik Bd. 20, 3-4, S. 312-378
Reinwald I. (1938): Der Krater von Saal (Kaalijärv) – ein Meteoritenkrater-Feld in Estland, Natur und Volk 68, 1, 16-24