Hallo Julia,
ich denke für 700 Euro sieht es so aus:
- Anforderung Galaxien und Nebel, sowie Stadtrand mit wenig Licht, das ruft nach Öffnung. Möglichst viel davon.
(Ha! Du weißt noch nicht, wie weit man wirklich von einer Stadt weg sein will! Ab 20km wird's überhaupt interessant.)
- Öffnung und Goto kollidieren im Preis. Ich würde für ein solches Deepsky-Interesse 8 Zoll Öffnung (200mm) als Minimum veranschlagen. Eine Montierung mit Goto, die sowas trägt, liegt allein schon bei 700 Euro. Wer zahlt dann das Teleskop und das Zubehör?
- Eine kleinere Öffnung mit billigerem Goto halte ich für unattraktiv, weil man dann den Effekt hat, dass man im Objektkatalog des Goto-Computers 2500 Objekte hat, und davon aber im Teleskop nur 50 überhaupt erkennen kann, und die nur nach Jahreszeit und durch den Standort (Nordhimmel/Südhimmel) eingeschränkt. Da bleibt wenig übrig. Zudem kommt hinzu, dass so manche kleine Goto-Kaffeemaschine nicht den Beobachtungskomfort bietet, den man sich womöglich für 700 Euro vorstellt.
- Deepsky-Neigung ruft nach schönen Weitwinkel-Okularen, damit die Objekte richtig schön wirken. Dafür sollte man einen guten Teill des Geldes reservieren. Auf lange Sicht stellen viele Sternfreunde fest, das in den Okularen mehr Geld steckt, als im Teleskop. Das geht auch Planetenfreunden so.
- Noch der Hinweis: Ich rede immer von Deepsky, aber keine Angst, Planeten und der Mond werden auch schön ausschauen.
Was ich daraus stricken würde ist ein 8" f/6 Dobson, also 200/1200. Der kostet um 300 Euro. Die restliche Kohle wird für Zubehör draufgehen, zum Großteil für einen schönen Okularsatz, dann für etwas Literatur (Karkoschka ist schon genannt worden, Planetariumsprogramm gibbet umsonst zum Download, ein astronomisches Jahrbuch ist sehr zu empfehlen) und zuletzt vielleicht für Justier-Zubehör oder einen Leuchtpunktsucher.
Ich glaube der 10" Dobson ist mit 700 Euro nur unzureichend mit Zubehör auszustatten, und die "Steilvorlage", dass Du ein Teleskop für 700 Euro schenkst, und dann von Deinem Lebensgefährten noch erwartest, weitere 300 bis 400 Euro in Okulare zu stecken (und davon ein guter Anteil möglichst bald, um das Gerät überhaupt einigermaßen ausnutzen zu können), halte ich für nicht besonders empfehlenswert.
Von daher denke ich also ein 200/1200 Dobson, dazu ein 2" Okular mit 30mm bis 40mm Brennweite (beliebt sind TS-WA Okulare), dann ein 13mm Hyperion und ein 8mm Hyperion wären eine ganz nette "Grundpalette".
Das 2" Okular dient zum Aufsuchen und für größere Objekte. Wenn ihr wirklich dunklen Himmel habt, während 40mm bis 42mm interessant. Bei Stadtrandhimmel eher 30mm bis 32mm, sonst sieht der Hintergrund zu grau aus und die Objekte ertrinken darin, denn je länger die Okularbrennweite, desto kleiner und heller das Bild. Das geht aber nur bis zur Minimalvergrößerung, die bei f/6 mit einem 42mm Okular erreicht ist. Ich empfehle also ein 30mm oder 32mm Okular.
Das 13mm bietet 92-fache Vergrößerung. Viele Deepsky-Objekte wirken damit sehr schön. Hellere Deepsky-Objekte, und auch kleinere, kommen bei 150x im 8mm Okular gut zur Geltung. Auch Planeten fangen ab 150x an, interessant zu werden.
Das deckt sozusagen den "Grundbedarf" ab. Mit Sicherheit werdet ihr in Zukunft dann noch über einige Okularbrennweiten dazwischen nachdenken. Um 20mm und um 5mm sowie vielleicht noch ein 42mm. Eventuell ließen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Es gibt bei Reese Astronomische Okulare ein 20mm Okular in 2", welches durch eine eingeschraubte Barlow erst 20mm hat und durch herausschrauben der Barlow dann 30mm. Das Okular würde also 30mm und 20mm abdecken und kostet nur wenig mehr, als andere günstige 30mm Okulare. Es müsste RE-UW 20 heißen, wenn ich mich nicht irre.
Als weiteres Zubehör ist für Euch ein Nebelfilter interessant, und zwar ein UHC oder ein OIII. Diese Filter wirken für sogenannte Emissionsnebel und machen diese besser Beobachtbar. Wenn Stadtlicht stört, dann sind manche Nebel ohne so einen Filter gar nicht erkennbar. Diese Filter wirken aber NICHT für Sternhaufen und Galaxien, weil sie Sternenlicht stark verschlucken. Genaueres findest Du hier:
http://www.svenwienstein.de/HTML/nebelfilter.html
Ich denke, ein Nebelfilter in 2" Durchmesser wäre eine tolle Sache. Über ein Reduzierstück von 2" auf 1,25", welches bei den meisten Teleskopen beiliegt (Händler fragen!) kann er auch mit 1,25" Okularen verwendet werden. Der Reduzierer muss nur ein 2" Filtergewinde haben, und das ist inzwischen bei den meisten so (vorher Fragen).
Der Nebelfilter ist in 2" wesentlich teurer, als in 1,25" Durchmesser. Vielleicht passt er aber noch ins Budget.
Dann würde ich einen Leuchtpunktsucher empfehlen, oder einen Telrad-Sucher (bzw. Riegel Quickfinder). Das ist ein "Visiersucher". Diese Sucher projizieren über eine Scheibe durch die man schaut Ringe bzw. einen Punkt an den Himmel. Der zeigt, wohin das Teleskop gerade schaut. Das erleichtert das Aufsuchen mit der Sternkarte (Karkoschka) wesentlich, denn man muss sich nicht mit der Bildumkehr in einem normalen Sucher herumschlagen. Der dreht das Bild nämlich auf den Kopf, und manchmal weiß man nichtmal grob, wo man eigentlich hinschaut...
Das wäre dann der "Goto-Ersatz".
Hat schon wer den "Karkoschka" richtig benannt? "Atlas für Himmelsbeobachter", Erich Karkoschka, Kosmos-Verlag, müsste derweil 4. Auflage sein, und der Erfolg hat seinen Grund!
Noch was zu 1,25" und 2", womit ich Dich beworfen habe:
http://www.svenwienstein.de/HTML/okulare1.html#Gesichtsfelder
Wird da erklärt, einfach mal durchlesen.
Überhaupt, vielleicht magst Du Dich in meiner Einsteiger-Ecke
http://www.svenwienstein.de/HTML/einsteiger-ecke.html
und bei
www.deepsky-brothers.de mal gründlich umschauen.
Clear Skies
Sven