Kleine Lobeshymne auf einen Klassiker - Miyauchi 20x100 iB

DanielM

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Guten Abend.

Vor zwei Jahren kam ich günstig an ein Miyauchi 20x100 (nicht die Apo-Version). Im Anschluss konnte ich eine ICS Montierung dafür gebraucht erwerben, sowie die Wechselokulare (wobei ich die selten nutze).

Ich habe und hatte schon einige Binos und Doppelrefraktoren. Aber beim guten alten Miyauchi passt immer noch Vieles einfach sehr gut zusammen. Einsatzbereich, Transportabilität, Robustheit.

- Das Teil ist schön und steht immer bereit auf einem leichten Manfrottostativ in meinem Arbeitszimmer.
- Die ganze Kombi ist leicht und kann schnell auf die Terrasse getragen werden. Auch auskühlen geht schnell, wobei das bei 20x eh weniger eine Rolle spielt.
- Die 20er Okulare mögen recht einfach sein und nur 50 Grad Gesichtsfeld haben, aber sie sind sehr bequem mit Brille nutzbar. Wenn man eine starke Hornhautverkrümmung hat, ist damit der Sehspass wirklich um einiges größer als ohne Brille. Die 26er und 37er sind für Brille nicht geeignet. Die 37er habe ich ab und zu für Landschaftsbeobachtungen drin, oder am Mond. Das Bild ist immer noch scharf, aber ein deutlicher Farbfehler zu sehen (was bei f5 nun auch nicht verwundert und deep sky keine Rolle spielt).
- Das Glas passt mit Montierung elegant ins Handgepäck. Mit Stativ im Koffer ist man gut gerüstet für Sternenspaziergänge im Urlaub.
- Für mich ist es die perfekte Ergänzung neben dem Fotografieren (mein Schwerpunkt). Während die Ausrüstung läuft kann man - ggf. bis es einem zu kalt wird - Deepskyobjekte abgrasen. Als ich das Miyauchi mit in der Wüste hatte, war es wunderbar, durch die Milchstraße oder die Galaxienhaufen zu streifen. Mit 2x100mm und Schrägeinblick sieht man, auf einem Astrohocker ruhend, doch schon so Einiges, besonders als geübter Beobachter.

Klar gibt es heute besser Gläser und Standard-Wechselokulare. Aber getreu dem Motto "jedes Gerät hat seinen Himmel" bekommt man mit dem Miyauchi echt Einiges geboten. Ich finde es auch immer wieder interessant, wie sehr man sich aufs Beobachten fokussieren kann, wenn man nicht immer im Kopf hat, ob es mit anderen Okularen doch vielleicht noch besser wäre. Würde ich heute dafür den damaligen Neupreis zahlen, als es noch angeboten wurde? Vermutlich nicht. Aber gebraucht kann man echt ein gutes Gerät zum fairen Preis bekommen und viel Freude daran haben.

Nur mal so als Anregung :)

CS und besseres Wetter wünscht
Daniel

Miyauchi.jpeg
 
Hallo Daniel,

das gleiche Glas hatte ich vor etlichen Jahren ebenfalls… gebraucht bei eBay erworben.

Die Beobachtungen bei 20-fach waren absolut faszinierend, mit dem Glas habe ich das erste Mal den Nordamerika-Nebel gesehen… ohne irgendwelche Filter.

Bei den separat erworbenen 26- und 37- mm Okularen hatte ich das Problem, dass Doppelbilder entstanden. Auch ein Justierversuch bei ICS brachte nicht wirklich den Durchbruch.

Der 45-Grad-Einblick ist auch nicht super gut für astronomische Zwecke.

Ich habe mich deshalb wieder von dem Glas getrennt, die 26- und 37mm- Okulare habe ich getrennt verkauft.

Heute habe ich ein 100 mm APM-Glas mit SD-Optik und 90-Grad-Einblick, verwendbar mit normalen 1,25“-Okularen, von dem ich restlos begeistert bin.

Da kann das Miyauchi nicht mithalten.

CS und viele Grüsse

Klaus
 
Lieber Daniel,

Ich teile absolut Deine Auffassung in allen Punkten. Ich habe lange gewartet, bis letztes Jahr endlich ein 20x100 Miyauchi aus guter Provenienz und mit der ICS-Steckmontierung daher kam und ich nicht mehr widerstehen konnte. Ein APM 100 sitzt daneben im Koffer und kommt kaum zum Einsatz. Das Miyauchi macht mir mehr Freude.

Vor ein einigen Tagen sah ich damit das dritte, flächenschwache Mitglied des Leo-Tripletts. Das ist mir bisher mit keinem anderen Fernglas an meinem vorstädtischen Standort gelungen. Das hatte wesentlich damit zu tun, dass das Glas dank der Steckmontierung so mühelos einsatzbereit ist - so konnte ich ganz nebenbei einem guten Moment nutzen. Doch auch die Transmission des Miyauchi ist offenbar sehr gut, sonst ginge eine solche Sichtung nicht.

Ich bin den Miyauchis emotional verbunden, denn ein 15/22x60 war mein erstes astronomisches Gerät. Das verkaufte ich später, bereute es, kaufte ein zweites, verkaufte es und bereute es, usw. Inzwischen habe ich mit vier 60er, zwei 77er, ein 80er (ja, das gab es!) und ein 100er Erfahrung gesammelt.

Es gab früher ein paar exotische Miyauchis, Typ "Saturn", mit 71mm und 115mm Öffnung, Vergrößerung bis über 100x, Öffnungsverhältnis f/7 bis f/8 wenn ich mich recht entsinne. Nur einmal sah ich ein solches gebraucht und konnte es mir damals nicht leisten. Das ist eines der ganz wenigen Astrodinger, dessen Nichterwerb ich bereue!

Gruß, Christopher
 
Hallo Daniel,

zum APM-Glas gibt es eine - allerdings schwächer dimensionierte - Steckmontierung, die bis ca. 50-fach sehr gut funktioniert (ich verwende keine höheren Vergrößerungen mit dem Glas). Dazu verwende ich ein Manfrotto-Stativ 475.

Das APM- Glas bildet auch wesentlich farbreiner ab… keine Farbsäume am Mond.

Ein 77er- Miyauchi hatte ich übrigens auch mal.

CS Klaus
 
Danke für Eure Antworten. @Klaus: Ich hatte auch ein APM 100er Apo Bino. War ohne Frage gut, aber noch schwerer und grösser. Ich war im Öffnungswahn zu dieser Zeit und habe mir ein 130mm Bino aus zwei ED-Apos von Vixen gebaut (siehe Profilbild). Das habe ich auch noch und gebe es nicht her. Damit habe ich bislang die besten visuellen Beobachtungen gehabt, sowohl Deepsky als auch am Planeten. Aber es ist gross und schwer und braucht eine schwere Montierung. Das Miyauchi hatte ich vor vielen vielen Jahren immer auf den ITVs bei ICS bewundert, fand es aber für meinen persönlichen Geldbeutel zu teuer. Man bekommt es aber gebraucht gelegentlich sehr günstig und das ist viel Optik für's Geld. Das APM ist sicher besser, aber wie gesagt, deutlich teurer und in meiner Erinnerung schwerer.
 
Ich finde es wirklich schade, dass es im Fernglasboard immer sofort um öde "Leistungs"aspekte geht. Es macht keinen Sinn, die APM-Gläser als Gegenentwurf hochzuhalten und die Miyauchis kleinzureden. Damit werden die Kernaussagen des Beitrages des OP ignoriert. Die zwei Geräte konkurrieren gar nicht, sie tun andere Dinge!

Wie auch der Daniel habe ich ein 5-Zoll Doppelapo im Fuhrpark. Auch das erwähnte 100mm APM ist im Fundus. Alle diese Geräte tun jeweils besondere Dinge. Manchmal geht es bei der Wahl des Gerätes auch schlicht um die Verfassung, in der die Beobachterseele momentan ist. Es geht nicht um Konkurrenz zwischen den Geräten, sondern um die Art, wie sie sich ergänzen.

Ich möchte dem OP ans Herz legen, diesen Thread nochmal im Historik- und Klassikboard zu beginnen. Dort wäre die Resonanz wertschätzender und ein wirklich interessanter Austausch könnte entstehen.

Gruß, Christopher
 
Hallo!
Ich finde es wirklich schade, dass es im Fernglasboard immer sofort um öde "Leistungs"aspekte geht. Es macht keinen Sinn, die APM-Gläser als Gegenentwurf hochzuhalten und die Miyauchis kleinzureden.
Vor allem, weil das eine Fernglas halb so alt und dafür doppelt so teuer (*) ist wie das andere... kann man vergleichen, aber wozu? Außerdem kann ich nur noch eines davon im Laden kaufen.

Wobei ein Vergleich grundsätzlich schon nützlich sein kann. Wenn ich irgendwo so ein Miyauchi angeboten sehe (ich habe das kleine 60er und mag es sehr und liebäugle durchaus auch mit dem 100er), ist es schon nützlich zu sehen, was die Alternativen sind.

Grüße
Maximilian

(*) Liebhaber- und Sammlerpreise für das Miyauchi außen vor!
 
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