Klima in der Sternwarte

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DBode

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Hallo Sternfreunde!
Vielleicht kennt sich jemand aus. Ich habe eine kleine Sternwarte von Sirius Observatories im Garten. Sie ist zwar Wind- und Regendicht, aber Temperatur und Feuchte sind natürlich innen ähnlich wie außen. Ich betreibe meine Instrumente zwar seit 2 Jahren ohne Beeinträchtigung, auch mein Notebook funktionierte bei -18°C noch einwandfrei, würde jetzt aber doch gerne wissen, ob andere Sternwartenbetreiber etwas gegen die manchmal hohe Luftfeuchtigkeit, gerade bei diesem Schmuddelwetter, unternehmen. Ein Kumpel riet mir, eine 25 Watt Glühbirne ständig an zu lassen.
Was macht Ihr? Oder ist überhaupt keine Aktion nötig weil PC, Teleskope (LX200 und Refraktor), Zubehörkiste, Radio, Kameras usw. die natürlichen Schwankungen, insbesondere der Luftfeuchte, vertragen?
Gibt es Meinungen, eigene Erfahrungen oder fundiertes Wissen über die Materie?
Vielen Dank für Eure Antworten!
Wünsche einen guten Rutsch (nicht im Schnee, sondern ins neue Jahr) und endlich mal wieder Astrowetter,
Dietmar
 
Hallo Dietmar,
als Astronomie Anfänger kann ich dir mit meinen Erfahrungen nicht viel helfen.
Aber mit soetwas kenne ich mich durch mein Vater aus.(Berufstechnisch)

Also auf dauer werden deine Geräte durch die hohe Luftfeuchte
geschädigt.(Insbesondere Elektronik)

Es gibt folgene Dinge die du tuhen könntest:

-Dichtungen an Tür/Fenster überprüfen und gegebenenfalls die Silikondichtungen austauschen.
-Einen Raumluftentfeuchter anschaffen.

( Ist wesentlich effektiver als eine 25w Glühbirne
brennen zulassen)

-Wenn möglich/gegebenenfalls Sprühdämmungen verwänden.
(Zusatzoption)

Wenn dies alles nicht möglich sein sollte könntest du höchstens deine Geräte (bis auf das Teleskop und Montierung)
in sog. Waterproof Biberboxen machen.

Sie sind Fechtigkeits/Wasser geschützt und überleben einen Sturz aus einer nicht allzu großen Höhe.
(Diese sind allerdings relativ teuer)

Ignorieren würde ich die Geschichte auf keinen Fall, da wären mir die evt. im nachhinein kaputten Geräte zu schade.

Ich hoffe ich konnte Erste Hilfe geben.

 
Meiner Meinung nach sollte eine Sternwarte gerade NICHT luftdicht sein. Belüftung ist entscheidend, nicht Abdichtung.

mfg
Torsten
 
Hallo Dietmar,

ich hab mein LX200 im Gartenhäuschen stehen und das hat in den 10 Jahren wunderbar funktioniert. Wie Torsten schon schrieb, ist eine komplette Abdichtung eher schädlich, da die Feuchtigkeit, die Du beim Beobachten reinbekommst, nicht wieder verschwinden kann. Einzig Sachen, die Akkus eingebaut haben, lasse ich nicht draussen, denn die leiden unter niedrigen Temperaturen.

CS,
Peter
 
Hallo Peter,

Zitat von Thiel:
Einzig Sachen, die Akkus eingebaut haben, lasse ich nicht draussen, denn die leiden unter niedrigen Temperaturen.
außer bei starkem Frost (-20°C und tiefer) leiden die Akkus nicht unter niedrigen Temperaturen, ganz im Gegenteil: je niedriger die Lagertemperatur, desto länger ihre Lebensdauer. Einfrieren sollte der Elektrolyt aber nicht. Akkus altern ja auch bei Nichtbenutzung. Deshalb lagere ich unbenutzte Akkus vorher vollgeladen im Kühlschrank.

Gruß
Markus
 
Moin Dietmar!

> Belüftung ist entscheidend, nicht Abdichtung.

Genau das isses! Eine unbeheizte Sternwarte, die zudem vermutlich oft nachts offensteht, kriegt man einfach nicht staubtrocken. Das Problem ist Kondenswasser, das letztendlich auf die Gerätschaften tropft oder sich an stark auskühlenden Materialien (Kuppel) bildet. Das ist bei unserem Klima leider so. In der hiesigen Vereinssternwarte lagern Teleskop und Montierung unter einer Plane, um das Tropfwasser abzuhalten. Trotzdem bildet sich bei extremen Wetterlagen, wie wir sie auch im Herbst hier hatten (Wärme + hohe Luftfeuchte selbst nachts) auch unter der Plane Kondenswasser. Dann hilft es einfach nichts, sich ab und an um das Trockenlegen und Lüften zu kümmern. Monatelanges Nichtstun fördert nur das Verrotten der Teile (Rost, Moder, Schimmel).
An Elektronik würde ich nicht das teuerste Material in der Sternwarte lassen. Eines Nachts macht es mal kurz puff, und der Läppi ist Geschichte. Für solche Umgebungen sind diese Geräte eben nicht gebaut.
Okulare und anderes Zubehör lagert bei uns in einem geschlossenen Behältnis, das mit Trockenmittel bestückt ist, das wiederum regelmäßig getauscht wird.

Der Tip mit der 25-W-Lampe ist Unsinn. Die ist gar nicht in der Lage, auch nur einen kleinen Raum über dem Taupunkt warmzuhalten.
 
Liebe Sternfreunde!
Vielen Dank für Eure Antworten! Ich denke auch, dass Pauls Vorschlag des Abdichtens nicht praktikabel ist. Zweckbedingt ist der Dom nur aufgesetzt und zwar lichtdicht, aber keinesfalls luftdicht. Auch die Öffnung fürs Teleskop ist eine luftige Schienenkonstruktion, die man nicht abdichten kann.
Ich habe einen Baumarkt-WC-Lüfter eingebaut, der, Schaltuhr gesteuert, alle 2 Stunden für 15 min läuft. Ob das irgendeinen Einfluß hat, weiß ich nicht, aber es sollte nicht schaden.
Bis auf den Notebookakku habe ich nichts dergleichen draußen. Das Notebook ist seit 2 Jahren ständig im Stand-by eingeschaltet und hat zwei Winter überstanden. Das Radio ist letzten Sommer neu hineingekommen und hat seine Bewährungsprobe noch vor sich.
Über die Teleskope habe ich so eine Art Bettlaken gehängt, allerdings mehr als Schutz vor dem allesdurchdringenden Blütenstaub der vielen Birken ganz in der Nähe.
Trockenmittel für die Okulare usw. benutze ich nicht, wäre vielleicht eine Maßnahme.
Soll ich die Kamera, die ständig mit dem Refraktor verbunden ist, im Haus aufbewahren?
Weiß jemand, wie sich der Taupunkt verhält, wenn die Temperatur bei Außenbedingungen um sagen wir 1°C angehoben wird, z.B. durch eine Glühlampe, falls das möglich ist?
Viele Grüße,
Dietmar
 
Hallo Dietmar,

ich habe keine Sternwarte (leider) und bin mit dem Gerödel auf dem Balkon.
Die Monti steht seit ca 2 Jahren ohne Teleskop draußen. Allerdings habe ich schlechte Erfahrungen mit einem Tuch + einer Abdeckung gemacht. Die Abdeckung war eine große Haube für Gartenstühle und unten offen.

Folgendes ist mehrfach passiert: Draußen alles trocken, Sonne. Innen das Tuch unter der Haube zum Auswringen nass :o obwohl es abends/nachts trocken(!) abgedeckt wurde.
Ich kann es mir selbst nicht so recht erklären, nehme aber an, dass es bei mir mit der noch kalten Monti und der durch Sonne erwärmten Luft unter der Haube zu tun hatte. Anders gehts eigentlich nicht.

Natürlich sind das bei mir ganz andere Bedingungen. Was ich damit sagen will ist folgendes: Ich würde das Tuch, das Du über Deine Teleskope legst, evtl. durch einen guten Biwak-Sack ersetzen - oder durch einen anderen Stoff (Gore-Tex®?). Das normale Tuch könnte(!) Feuchtigkeit aufnehmen und bildet dann unter sich ein Mikroklima mit hoher Luftfeuchte. Es genügt ja schon wenn das Tuch auch nur klamm ist.

Ich hatte vor ca 15 Jahren auch mal eine Rolldachhütte, die war komplett aus Holz. Da war auch ein Laken über meinem damaligen C8, das dauerhaft dort untergebracht war. Allerdings war die Hütte oben und unten quasi offen: Die Wände reichten nicht bis zur Erde (ca 2cm Spalt) und die schrägen Seitenwände schlossen nicht mit dem Rolldach ab.
Da gab es 3 Jahre lang nie Probleme, im Gegenteil. Da war es immer "pupstrocken" drinnen.

Noch was zum Taupunkt:
Wenn Du die Temperatur in Deiner Sternwarte "schnell"(!) anhebst, hast Du evtl. ein Problem mit Feuchtigkeit, solange das Equipment "kalt" bleibt - also kälter als Raumtemperatur. Die wärmere Luft kann mehr Feuchte aufnehmen und diese kondensiert evtl. an deinen kälteren Geräten. Die eigentliche Temperatur ist dabei relativ egal, das Delta-T aber nicht.

Viele Grüße
Matthias
 
Hallo Dietmar
Ich habe 4 Jahre eine Sternwarte in den Voralpen mit dem PC gehabt.
Nach ca. 2 Jahren ist mir der PC dann abgeschmiert und musste neu gemacht werden.
Jetzt habe ich eine Beobachtungsstation auf 1250 m.ü.m. habe gerade vor ein paar Tagen 60cm Schnee vom Dach geschaufelt.
Meine Hütte hat Belüftungsöffnungen und ich habe den PC nicht mehr in der Warte, sondern im Haus, einzig den Teleskopserver von Meade habe ich in der Hütte.
Habe feste Verbindungsleitungen (10 Kabel) verlegt, so kann ich jede Funktion vom Hause aus machen.
Die Anlage ist jetzt 2 Jahre in Betrieb.
Was einfach ist, es bildet sich nach einer Beobachtungsnacht Kondensat auf der Montierung, ja diese wurde ja in der Nacht abgekühlt und fängt dann am Tage an zu schwitzen.
Dann mache ich einfach dir Türe auf.
Grüsse

Peter
 
Hallo Dietmar,

ich habe meine Klappdach-Sternwarte auf meinen Hobbyraum aufgesetzt. Die beiden Dachflügel sind seitlich nicht ganz dicht, somit habe ich bei geschlossenen Dach immmer eine Luftaustausch.
An manchen Nächten war es schon so feucht das mir das Wasser aus der Tastatur gelaufen ist, aber am nächsten Tag war alles wieder trocken.
Das Teleskop und die Kameras sind nur mit einem großen Tuch abgedeckt, damit das abtropfende Wasser vom Dach nicht direkt auf die Ausrüstung tropft.
Den PC habe ich in meinem Hobbyraum direkt unterhalb montiert, da ich in der Vergangenheit schon mal einen Festplattencrash hatte.(PC stand einige Jahre in der Sternwarte)
Ich habe jetzt nur noch die Tastatur und den Monitor in der Sternwarte.
Die Optik meines Newton wird nach einer Beobachtungsnacht nicht verschlossen damit die Feuchtigkeit auch aus dem Tubus entweichen kann. Hatte das mal nicht gemacht, so hatte ich am nächsten Tag noch Feuchtigkeit auf dem Spiegel.

Die Luftfeuchtigkeit hier im Rheintal ist meistens im Herbst und Winter schon extrem, aber bisher funktioniert alles einwandfrei, bis auf die Sicht nach oben. :)
 
Hallo Matthias, Peter & Peter, alle interessierten Sternfreunde!
Die Kuppel ist konstruktionsbedingt schon sehr luftig, aus allen Kommentaren entnehme ich, dass ich diesbezüglich wohl nichts unternehmen muß. Der Hinweis, das Stofftuch zum Teleskopschutz gegen Gore-ähnliches Material zu tauschen, scheint mir sehr sinnvoll. Der PC in der Sternwarte hat 2 Winter überstanden, ich schau jetzt mal, wie lange der mit macht.
Noch mal die Frage zur Kamera (Atik 383): Laßt ihr sie draußen? Dies beschleunigt den Beginn der Arbeit ganz erheblich, aber ein vermeidbarer Schaden an der Kamera soll nicht sein.
Ich versuche mal herauszufinden, wie sich die Luftfeuchte verhält, wenn die Temperatur in der Sternwarte 1 oder 2 Grad höher ist als draußen.
Klare Nächte,
Dietmar Bode
 
Hallo Dietmar,

wir hatten in unserer Sternwarte im Beobachtungsbereich (ca. 6x6 m; 3 Betonsäulen mit Geräten; abfahrbares Metalltonnendach.) oft Probleme mit Tau, und es gab hierfür die verschiedensten Lösungsvorschläge. Was letztendlich geholfen hat, ist eine Belüftung, wie oben schon erwähnt. Zudem bewahren wir die Handsteuergeräte unserer Meade-Teleskope in kleinen Holzboxen (an den Säulen montiert) auf. Diese werden mit Heizband innen leicht erwärmt und so über Umgebungstemperatur gehalten. Da kondensiert nichts mehr.

Die Glühlampenlösung hatten wir auch diskutiert. IMHO würde diese im unmittelbaren Umfeld alle beschienenen Gegenstände über dem Taupunkt halten und so zumindest dort Tau vermeiden. 15 Watt kontinuierlich würden nur 11 kWh/Monat kosten, entsprechend etwa 2,5 €. Abzüglich der Beobachtungszeit natürlich;-). Allerdings werden diese beliebten "Kugelheizungen" dieses Jahr letztmals verkauft...

CS,

Olaf

 
Hallo Olaf!
Danke für Deinen Beitrag! Die Handsteuerung des LX macht bei Kälte wirklich Schwierigkeiten. Die angewärmte Aufbewahrungsbox ist so naheliegend, dass ich mich frage, warum ich nicht selbst darauf gekommen bin. Ich fange gleich an zu basteln.
Kugelheizungen habe ich noch genügend herumliegen und 2 bis 3 EUR/Monat könnte ich noch entbehren. Macht Ihr das tatsächlich, oder habt Ihr es nur diskutiert?
Bad Camberg ist nicht wirklich weit weg von Hofheim, könnte ich mal zum Schauen vorbeikommen, wenn Ihr Euch trefft?
Ein gutes Neues und viele klare Nächte,
Dietmar
 
Hallo,
ioch lasse auch alles in der recht gut durchlüfteten Sternwarte. Bei mir ist allerdings viel Holz verbaut, so dass an diesen Flächen kein Kondenswasser entsteht. Dass das Kondenswasser vom Schiebedach nicht auf die Technik gerät, darauf muss man natürlich achten.
Die kleineren Teile (Okulare, Kameras u.ä.) liegen in Holzkisten und -kästchen, die die Luftfeuchtigkeit gut puffern (hatte sich anfangs zufällig ergeben, später habe ich es bewusst ausgenutzt). Auch Computer und Monitor haben sich in 4 Jahren noch nicht einmal beschwert.
Viele Grüße
Jens
 
Hallo

Meine Sternwarte aus Holz habe ich mit einen extra PC-Raum gebaut, dadurch sind die PCs geschützt. Im PC-Raum läuft im Winter zusätzlich ein kleiner Heizer und hält die Temperatur auf 5°C.

Der Teleskopraum ist bei mir recht offen gebaut. Der Boden liegt ca. 30cm über den Erde. Die Bodenbretter habe ich mit einigen Spalt verbaut und einen grünen Textilboden darüber gelegt. Dadurch kann es vom Boden her nicht direkt reinziehen, der Luftaustausch ist aber gegeben. Das Rolldach ist ebenso mit Spalt verbaut.

Wenn eine sogenannte Schönwetterkatastrophe eintritt und ich mehrere Tage hintereinander fotografieren kann, dann legt sich im Teleskopraum an den Wänden und auch am Dach Raureif an. Der Raum ist dann richtig schön weiß. Sobald das Dach aber einige Tage geschlossen bleibt, dann ist der Spuk wieder vorbei. Im Winter ist diese Bauweise kein Fehler - im Sommer allerdings ist es im inneren so heiß wie draußen. Da hilft dann nur ein rechtzeitiges Öffnen des Daches. Mit Tau gibt es bis jetzt keine Problem.

Die Geräte bleiben bei mir im Teleskopraum – solange die Temperatur nicht unter -25°C fällt.

Liebe Grüße aus den Alpen
Max
 
Hallo Dietmar,

wir haben das mit der Glühbirne nie realisiert, weil wir den Tau ohne sie in den Griff bekommen haben.

Du kannst gerne mal vorbeikommen. Am Besten ein, zwei Tage vorher eine Mail an die Sternwarte mit mir als Adressat schicken, die erreicht mich dann schon (s. unsere Webseite). Dann schaun mer mal, ob´s passt. Bei klarem Wetter ist samstags auf jeden Fall auf, auch wenn ich keine Zeit haben sollte. Und freitags treffen sich bei klarem Wetter unsere Astrofotografen; das wäre sicher interessant für dich. Prinzipiell ist natürlich auch jeder andere Tag möglich.

Natürlich sind auch alle anderen Leser willkommen!

CS,

Olaf

 
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