Kollimationsproblem?

sterne-jaeger

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Liebe Freunde messerscharfer Optik,
mit der Abbildung meines kleinen Refraktors bin ich nicht ganz happy. Da der Experte meines Händlers gerade im Urlaub ist, würde ich gerne mal eure Meinung dazu hören.

Hier mal ein Ausschnitt aus der Bildmitte eines Stacks von 120 Minuten insgesamt. Bearbeitet ist gar nichts, dies ist das Ergebnis direkt nach dem Stacking.

Meine Vermutung ist, dass die Optik nicht sauber ausgerichtet ist, die Sterne kippen alle leicht nach rechts. Der Effekt ist auch im gesamten Bildfeld gleich - siehe das Bild mit dem AbberationInspector.

1749810328479.png
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Aufnahmedaten: Takahashi FCT-65D mit Multi-Flattener
QHY-268C 42 x 180 sec, Gain = 0, Offset = 0

Bin gespannt, wie ihr es seht.

VG Wolfgang
 
Hat keiner eine Idee?
 
Hallo Wolfgang,
zunächst solltest du andere Fehlerquellen ausschließen. Guiding, Wind, auch gerichtetes Seeing .... 180 s sind lang.
Und einen Justagetest macht man i.d.R. mit einem defokussierten Stern. leicht Intra- und Extrafokal, das ist gewissermaßen das Blutbild des Teleskops. Danach kann man mehr sagen.
VG ralf
 

Refraktoren sind überhaupt nicht mein Thema, aber aufgrund des geringen Feedbacks der Linsen-Fraktion, ein Hilfe-Versuch:

Zunächst einmal denke ich, daß die Kollegen vom Glas dieses Thema überlesen, da im Titel das Wort "Kollimation" auftaucht. Denn, obschon für alle Optiken gültig, ist das Thema Kollimation vor allem eine Angelegenheit der Spiegel-Fraktion. Ich zitiere eine Internet-Quelle:

Dieses Prinzip (Kollimation) gilt für alle Teleskoptypen und damit genauso für einen Refraktor, auch wenn bei diesem Teleskoptyp – aufgrund der kaum vorhandenen beweglichen Teile – die Kollimation angenehmerweise praktisch nie nachjustiert werden muss. Die Kollimation eines Refraktors sollte – falls erforderlich – im Gegensatz zu Spiegelteleskopen auch nur durch einen Fachmann vorgenommen werden.

Die Leute die du eigentlich erreichen willst, kommen hier also nicht vorbei, daher das geringe Feedback. Mit dem Titel "Abbildungsproblem beim Takahashi FCT-65D" wäre am Ende des Tages vielleicht schon die erste Seite voll.

Es gilt wie bei allen Problemen: zerlege das Problem in kleinere Teile. Sprich, mach' eine Aufnahme ohne den Flattener, damit Du überhaupt unterscheiden kannst, ob das Teleskop ein Problem hat, oder der Flattener, bzw die Kombination aus beidem.

Gruß
Andreas
 
Hallo Wolfgang,

Sorry jetzt erst gesehen.
Ein fotografischer Sterntest, wie hier von mir vor einiger Zeit vorgestellt, könnte helfen das Problem zu identifizieren. Wenn tatsächlich eine Missjustage vorliegt, erfährst du das aus dem Test und könntest es damit sogar (aufwendig) korrigieren.

Grüße,
Alex


p.s. man müsste mal das ungestreckte Master in 1:1 sehen und dann selektiv stecken plus ein paar Rohframes. Guiding, etc. kannst du ausschließen? Hast du was verändert, neuen OAZ?
 
Hallo Wolfgang, sieht nach einer leichten Verkippung entlang der OW-Achse aus. Das muß nicht am Teleskop liegen. Wie sieht denn der Imaging-Drain hinter dem Teleskop aus? In dem Falle wäre es gut, wenn man einen Justage-Flansch relativ nahe an der Kamera einsetzen könnte. Blöderweise hat man hier kaum sinnvolle preislich-attraktive Optionen. Wie hat den die QHY an anderen Optiken funktioniert?
Grüße,
Gerrit
 
Hallo Gerrit,
so ganz warm geworden bin ich mit der QHY bisher nicht - siehe auch mein Thread zum Fokussieren. Drum gibt es auch keinen wirklichen Vergleich.

Den CTU hatte ich gestern schon eingesetzt - und prompt kamen die Wolken. Ich werde mir heute mal die Bilder der Fokus-Läufe genauer anschauen. Da war meiner Meinung nach ein Tilt erkennbar, allerdings senkrecht dazu...

Mal sehen, ich bleibe dran.
LG Wolfgang
 
Hallo Wolfgang, gut daß Du nen Tilter drann hast. Dann wünsch ich Dir mal viel Glück! LG Gerrit
 
Hi Wolfgang,

das sieht mir nach leichter Koma aus. Verkippung würde eine deutlich unterschiedliche Sternengröße- oder Form in den Ecken erfordern.

Falls Du keine Lust auf den wavefront estimator in PI hast, kannst Du auch qualitativ recht einfach Koma sehen: Nimm einen kleinen Stack eines Feldes mit genügend Sternen auf und Strecke dann extrem mit MaskedStretch oder Arcsinh. Wenn dann Koma vorliegt, wird das Sternenzentrum nicht mit dem übrigen Sternenscheibchen übereinstimmen. Und das dann an jeder Stelle des Bildes. Etwa so:

1751120689075.png


Sieht es hingegen symmetrisch aus, dann wird es keine Koma sein.

Beste Grüße
Thomas
 
Interessanter Vorschlag, @klausotisch. Ich habe das obige Bild mal mit GHS im Color-Modus stark gestreckt:
1751127943004.png

Man sieht zumindest auf diesem Bild, dass die Verschiebung zwischen den Farbkanälen von der Position im Bild abhängt und mehr oder weniger rotationssymmetrisch zum Bildmittelpunkt ist. D.h., der Abstand zum Sensor muss erst besser eingestellt werden, dann sieht man mehr.

Das ist vermutlich die Charakteristik des FCT-65. Er ist so auf Schärfe getrimmt, dass Abstand und Tilt perfekt passen muss.

Ich halte euch auf dem Laufenden.

@astro_alex80 danke für den Hinweis! Ich werde jetzt erst mal versuchen, Tilt und Abstand zu richten. Dann kommt der etwas aufwändigere Sterntest dran.

Danke schon mal an alle, die hier mit Rat und Tat zur Seite stehen!

Wolfgang
 
So, nach mehreren Anläufen habe ich es jetzt geschafft, den WavefrontEstimator zu füttern. Hier zunächst mal der FCT-65D pur, d.h. kein Filter und kein Flattener/Reducer:
1751352382649.png
1751352418772.png


Meine Vermutung: die Optik ist nicht sauber zentriert. Wie seht ihr das?
 
Interessant finde ich auch den Vergleich mit und ohne UV-Filter: Hier mal das extrafokale Summenbild (links mit, rechts ohne UV-Filter:
Bildschirmfoto 2025-07-01 um 09.07.31.png

Und hier mal mit STF gestreckt:
Bildschirmfoto 2025-07-01 um 09.07.53.png


Hat jemand von euch eine Erklärung, was die Störungen in dem Bild verursacht? Denn man sieht gut, das führt dann im gestreckten Bild zu Spikes.
 
Hm, ist das in der Mitte oder am Rand? Wenn das in der Mitte die visuelle Sternabbildung widerspiegelt, muss das schon grob daneben sein. Das würde fotografisch meiner Meinung anders aussehen, als auf den Beispielen im Eingangspost. Fotografisch machen sich schon feine Abweichungen deutlich bemerkbar, die man visuell suchen muss. Besonders wenn man einen Asinh Stretch macht. Da gibt es schnell unschöne Farbränder. Dagegen spricht auch, dass deine Bilder von dem defokussierten Stern sauber zentriert aussehen.

Wie kommt das Bild denn zustande? Ich habe mit meinem 60mm mal direkt einen Stern mit Beugungsringen aufgenommen. Auch um die Zentrierung zu prüfen. Das ist bei der Öffnung eigentlich keine Sache sein mit einer Barlow davor. Da siehst du besser, was los ist. Es ist sogar so, dass du hier die unterschiedlichen Auflösungen der einzelnen Wellenlängen erkennen kannst. Die Airy Disk und der Ring sind farblich differenziert.

Das eigentlich fotografische Problem vom Eingangspost würde ich beim Abstand des Flatteners suchen. Sieht so aus, als ob der noch ein bisschen raus muss. Bei APS-C sollte das bei einem Vollformat Flattener bis in die Ecken einwandfrei sein. Die minimalen Resteffekte in der Bildmitte können auch CA aus der Atmosphäre sein, je nachdem wo das Objekt stand.

Grüße
Joachim
 
Interessant finde ich auch den Vergleich mit und ohne UV-Filter: Hier mal das extrafokale Summenbild (links mit, rechts ohne UV-Filter:
Den Anhang 491010 betrachten
Und hier mal mit STF gestreckt:
Den Anhang 491011 betrachten

Hat jemand von euch eine Erklärung, was die Störungen in dem Bild verursacht? Denn man sieht gut, das führt dann im gestreckten Bild zu Spikes.
Da es sich nur mit dem UV Filter zeigt würde ich spontan auf diesen tippen. Du könntest den in zwei verschieden Positionen einbauen ( z.B 0°, 90°)und beobachten ob sich dieser Flare mitbewegt.
Wurden die beiden Sternbilder kurz nacheinander gemacht ?
Ansonsten wäre auch noch eine Thermoschliere denkbar, als der FCT-65 noch auskühlte.

CS,
Franz
 
Ansonsten wäre auch noch eine Thermoschliere denkbar, als der FCT-65 noch auskühlte.
Hallo Franz, eine Thermoschliere ist das nicht, das Phänomen bleibt stabil über 20 Aufnahmen. Interessanterweise wechselt es auch die Seite beim Wechsel von extra- auf intrafokal.
Das eigentlich fotografische Problem vom Eingangspost würde ich beim Abstand des Flatteners suchen. Sieht so aus, als ob der noch ein bisschen raus muss.
Hallo Joachim, danke für die Bestätigung, an dem Problem bin ich auch dran.
 
So, nach mehreren Anläufen habe ich es jetzt geschafft, den WavefrontEstimator zu füttern. Hier zunächst mal der FCT-65D pur, d.h. kein Filter und kein Flattener/Reducer:
Den Anhang 491001 betrachtenDen Anhang 491002 betrachten

Meine Vermutung: die Optik ist nicht sauber zentriert. Wie seht ihr das?

Moin,

ja, genau so hätte ich das erwartet.

Ich gehe nicht mit der Aussage mit, dass man es ja photographisch viel eher sehen sollte als visuell. Es ist genau anders rum. Das synthetisch generierte Beugungsscheibchen sieht unschön aus, aber die großen Pixel bügeln und schmieren das mit dem Seeing wieder weg. Am hoch vergrößerten Stern würde Dir das deutlicher auffallen.

Du hast da einen +-50nm "Hügel" drin. Der gemittelte WaveFront-Error wird deutlich geringer sein. Das ist nichts, was Dein Bild deutlich herunterzieht. Sieht man ja auch an dem ersten Bild, dass es halt das "Schwänzchen" and den Sternen produziert, sie aber sonst jetzt keine Katastrophe sind.

Aber ich gehe mit, dass da noch andere Fehler im zweiten Bild im Feld sind, vermutlich wegen nicht passendem Backfokus. Ich habe mir den Multi CA Ring 65D geholt. Nachdem das Gespann mit dem Reducer eingestellt und "flach" war, musste ich den Reducer nur noch gegen Flattener+Ring ersetzen und das Feld war zu 95% super getroffen.

Zu Deinem UV-Filter: Sieht für mich aus, als würde er einseitig die Wellenfront stören. Eine Möglichkeit ist, dass er zu fest in der Fassung mit dem Konterring gequetscht ist. Kannst ja mal den Filter versuchen zu entspannen. Ansonsten unter hellem Licht gucken, ob zum Rand hind Irregularitäten sichtbar sind (Beschichtung).

CS
Thomas
 
Gestern habe ich nochmal Aufnahmen extra- und intrafocal gemacht. Diesmal bin ich deutlich weniger weit raus- und reingefahren, damit man die innere Struktur besser sieht.
1751474212954.png


An den Bildern sieht man, dass sie rechts heller sind und links stärker ausgefranst. Das deutet doch auf den vermuteten Justierungsfehler hin. Morgen gibt's einen Test mit einem künstlichen Stern dazu. Ich werde berichten...
 
Gestern habe ich nochmal Aufnahmen extra- und intrafocal gemacht. Diesmal bin ich deutlich weniger weit raus- und reingefahren, damit man die innere Struktur besser sieht.
Den Anhang 491351 betrachten

An den Bildern sieht man, dass sie rechts heller sind und links stärker ausgefranst. Das deutet doch auf den vermuteten Justierungsfehler hin. Morgen gibt's einen Test mit einem künstlichen Stern dazu. Ich werde berichten...

Ebenso sieht man ja auch, das die Fresnelringe nicht zentrisch sind.

Das nochmal mit Höchstvergrößerung an einem K-Stern zu prüfen ist gut und den kannst du ja dann auch zur Justage nutzen.

Bei ausreichender Entfernung und wenn’s nur um die Zentrierung geht müsstest du den WavefrontEstimator zur finalen Überprüfung vor Test am richtigen Stern eigentlich auch damit nutzen können.

Grüße,
Alex
 
Gestern habe ich nochmal Aufnahmen extra- und intrafocal gemacht. Diesmal bin ich deutlich weniger weit raus- und reingefahren, damit man die innere Struktur besser sieht.
Den Anhang 491351 betrachten

An den Bildern sieht man, dass sie rechts heller sind und links stärker ausgefranst. Das deutet doch auf den vermuteten Justierungsfehler hin. Morgen gibt's einen Test mit einem künstlichen Stern dazu. Ich werde berichten...

Du kannst noch viel enger an den Fokuspunkt gehen. Um so deutlicher wird es dann. Aber letztlich bringt es nichts den Befund noch x-fach zu prüfen. Es ist (bzw. war) schon recht schnell klar, dass hier was nicht passt. Ich drücke die Daumen!

CS
Thomas
 
Der Fehler konnte nach einigen Fehlversuchen schließlich doch identifiziert werden, eine der Linsen muss locker sein.

Zuerst war der Test am künstlichen Stern erfolglos, sprich die Abbildung war wirklich top. Was am Schluss geholfen hat: Teleskop mal vorsichtig schütteln, und plötzlich war der gleiche Fehler wie auf meinen Bildern sichtbar.

An dieser Stellle ganz herzlichen Dank an Herrn Thurner von ICS, er sich sehr viel Zeit für die Fehlersuche genommen hat.

Jetzt hab ich den Kleinen FCT dort gelassen, und hoffe, dass bald alle Schräubchen fest gezogen sind.
 
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