Komet NEOWISE - Update | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Komet NEOWISE - Update

Miquel Prado

Mitglied
Ist es "schlimm" wenn man für die Aufnahme von Neowise (Canon Eos 6Da am Refraktor) einen Nebelfilter (z.B. IDAS Hutech) verwendet, oder sollte man auf einen Filter unbedingt gänzlich verzichten?
CS
 

Okke_Dillen

Mitglied
Mit dem Filter machst womöglich alles kaputt. Die dominante Linie ist wohl Natrium (Na wird rausgefiltert, grün auch, mindestens auf der Hg-Linie), das prominente Rotorange dürfte im Wesentlichen von der Sonne angestrahlter Staub sein, also quasi Kontinuum ;)
 

Miquel Prado

Mitglied
Hmm, das ist doof, denn wenn ich den herausnehme habe ich den vollen Durchlass mit UV und IR, das ist wohl auch nicht so toll..
 

etalon

Mitglied
Mit dem Filter machst womöglich alles kaputt. Die dominante Linie ist wohl Natrium (Na wird rausgefiltert, grün auch, mindestens auf der Hg-Linie)
Bist du sicher, dass das die Na-Linien sind? Ich war der Meinung, der Gasschweif emittiert hauptsächlich in den Methanlinien und OIII-Linien um 514nm?
Der Staubschweif sollte im Kontinuum strahlen (einschließlich der FH-Linien) wie du ja auch schon schriebst...

Grüße Markus
 

etalon

Mitglied
Ok, das ist interessant. Aber warum scheint der Gasschweif dann gewohnt blau/grün? Da scheint Na nicht das dominierende Element zu sein, oder?
 

P_E_T_E_R

Mitglied
Gute Frage, Markus, das verstehe ich auch nicht. Vielleicht wurde da - aus welchen Gründen auch immer - die Natrium-Emission selektiv untersucht. Solange man nicht das gesamte Spektrum darstellt, kann man daraus nicht auf die resultierende Farbe vom Gasschweif schliessen. Immerhin weiß man ja inzwischen aus zahlreichen Aufnahmen, dass dieser nicht gelb, sondern bläulich aussieht. - Gruß, Peter

Hier ist noch ein Link auf die Quelle: NEOWISE sodium tail
 
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etalon

Mitglied
Hallo Peter,

das hört sich plausibel an, sollte dann aber keinen merkbaren Effekt auf gefilterte Aufnahmen haben, wie oben angemerkt. Das ist wohl eher der Staubschweif, der durch ausgesparte Spektralbereiche etwas leiden wird...

Grüße Markus
 

Okke_Dillen

Mitglied
Moin,
habt ihr mal auf das Wort "Natrium" in meim Post oben gklickt, dahinter verbirgt sich ein Kometen-Spektrum aufgenommen mit einem Staranalyzer 200 (und nicht ein Link zu Wikipedia, das einem erklärt, was Natrium ist ;) ), ein Spektrum sagt mehr als 1000 Worte. Gut dargestellt ist die Spreizung/Winkel der Schweife (Na und Staub).
Und wenn ich es recht überlege, kann Na so selten eigtl garnicht sein, wir haben einen ganzen Ozean voller Kochsalz! Trotzdem beobachten wir gefühlt wenige solcher Natriumvorkommen... (ja klar, ich kenne das Vergleichsbild mit Größe der Erdkugel ohne Ozeane und Größe der Wasserkugel (=Ozeane+Restwasser) daneben)

Also wenn Kometen schmutzige Schneebälle sind, dann wäre das ja mindestens gefrorene Natronlauge. Wenn jetzt noch irgendwo eine Prise Chlor herkommt, oder schon da ist, ist es gefrorenes Meerwasser, was da rumfliegt....:cool: ...mit ein paar "Gewürzen" drin - ein kosmischer Brühwürfel sozusagen 🤣
Chlor hat ordentlich Linien im Grünen und Blauen, nahe um Türkis. (Breitband-)Fotografisch ist das von O nicht unterscheidbar. Man bräuchte dann schon richtig dickes Gerät, um so schwachen Signalen belastbare Daten zu entnehmen.

Hach, herrlich, sehe grad in Peters Link wird ja bereits rege analysiert! Klasse!! :y:

Gruß
Okke
 

P_E_T_E_R

Mitglied
Also wenn Kometen schmutzige Schneebälle sind, dann wäre das ja mindestens gefrorene Natronlauge. Wenn jetzt noch irgendwo eine Prise Chlor herkommt, oder schon da ist, ist es gefrorenes Meerwasser, was da rumfliegt....:cool:
Man braucht ja bloß eine Prise Kochsalz in eine Gasflamme zu streuen und schon sieht man das prominente Gelb der Natrium Doppelinie

Na-Linie.jpg

Credit: Wikipedia

Die Prominenz der Natrium-Linie wird übrigens auch bei der Erzeugung künstlicher Leitsterne für adaptive Optiken eingesetzt.

Atmospheric-turbulence compensation by resonant optical backscattering from the sodium layer in the upper atmosphere

ESO_Guidestar_Laser.jpg

Credit: ESO
 

etalon

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Hallo zusammen,

das ist ja alles schön und gut, aber wenn ich die verlinkten Artikel richtig verstanden habe, dann ist der Na-Schweif direkt von der Sonne weg gerichtet, also deckungsgleich mit dem Ionenschweif. Dessen Farbe deutet aber zumindest für mich keine Na-Dominanz an. Auch wenn ich die Spektren ansehe, dann scheint das Na eher im Staubschweif und um den Kern verortet zu sein. Da sollte sich ein entsprechender LP Filter zwar insgesamt etwas auswirken, aber der Komet sollte fotografisch durchaus darstellbar sein (das war ja glaube ich die Eingangsfrage).

Und natürlich ist Na insgesamt dort, wo es Wasser hat, kein seltenes Element...

Grüße Markus
 

P_E_T_E_R

Mitglied
Wahrscheinlich bin ich nur zu doof, aber wo siehst du da eine Spreizung zwischen Na und Staub?
Vielleicht helfen ja die Bemerkungen, die Torsten zu seinen Spektren im Astrotreff macht (ganz unten in dem Thread).

Ähnliches wurde übrigens seinerzeit bei Hale-Bopp beobachtet:

Natriumschweif: Eine der bemerkenswertesten Entdeckungen war ein dritter Schweif. Während der Staubschweif ungefähr dem Orbit des Kometen folgte, und der Gasschweif fast direkt von der Sonne wegzeigte, befand sich der Natriumschweif zwischen beiden. Das deutet darauf hin, dass die Natriumatome vom Kern des Kometen durch den Strahlungsdruck weggedrückt wurden.
 
Zuletzt bearbeitet:

Okke_Dillen

Mitglied
Hi Markus, im unteren Bildteil, ganz runterscrollen, da sind die Schweifabbilde zu erkennen. Der Staubschweif (rot) ganz rechts, der Na-Schweif (orange-gelb) gleich links davon. Wenn man sich eine Schwerpunktlinie durch die Teilschweife denkt, erkennt man sofort einen Winkel.

Na hat im tiefen Rot auch noch mal eine Linie, allerdings weit schwächer als die klassische Doppelinie um 589nm.

@P_E_T_E_R: jou, damals haben wir sogar NaCl synthetisiert. Quietschorange die Flamme, Na halt. Wir hatten damals eine Chemie-AG, in der die etwas Interessierteren mehr erfahren konnten, als im Normalunterricht - und einen experimentierfreudigen Chemielehrer! :cool: Seither ist Spektrometrie für mich die Mutter aller Analysemethoden und der ultimative "Fingerabdruck"-Erkenner. Na gehört zu jenen Plasmaspendern in Metalldampflampen, die sehr hohe Wirkungsgrade erreichen, daher die weite Verbreitung.

Viele Grüße
Okke

edith: oh, den Beitrag hatte ich gar nicht gesehen, nur den Direktlink auf seinen (?) Webauftritt.
 

Okke_Dillen

Mitglied
Hab'sch 😇
Immer inne Hosentasche dabei ;)

Veril.jpg


Das ist ein alter Veril-Interferrenz-Verlaufsfilter von Schott, der letzte von einigen hundert, die wir gaaanz früher mal verbaut hatten. 25x60mm klein. Leider nur 12nm Auflösung, aber für mal eben kwikk und dörti nachm Spektrum schauen, einfach perfekt ;)

Grüßle
Okke
 

etalon

Mitglied
Hi Okke,

Hi Markus, im unteren Bildteil, ganz runterscrollen, da sind die Schweifabbilde zu erkennen. Der Staubschweif (rot) ganz rechts, der Na-Schweif (orange-gelb) gleich links davon. Wenn man sich eine Schwerpunktlinie durch die Teilschweife denkt, erkennt man sofort einen Winkel.
Habe gerade mal das Bild von Thorsten etwas bearbeitet und die nullte Ordnung mal über die Na-Linie der ersten Ordnung gelegt. Da habe ich dann auch weiter außen im Schweif eine Aufspaltung erkennen können, welche ich vorhin aufm Tablet nicht gesehen habe. Allerdings finde ich das in sofern etwas seltsam, als dass man in der nullten Ordnung, welche ja in der gleichen relativen Intensität auch die Na-Linie enthält, von dieser überhaupt nichts sieht, während sie in der ersten Ordnung ja recht prominent vorhanden ist. Mag aber sein, dass das ein Kontrastproblem ist...

Man kann auch schon dem Spektrum der ersten Ordnung entnehmen, wenn man mal die Flächen unter dem gesamten Spektrum und unter der Na-Linie integriert, dass deren relativer Beitrag zum Gesamtsignal eher überschaubar ist. Da sieht man recht deutlich, was ich oben schon versucht habe zu sagen, dass es für die Fotografie wohl keinen großen Unterschied im Signal machen dürfte, wenn die Na-Linie durch einen LP-Filter schmalbandig geblockt wird.

Ist aber schon interessant das Ganze...

Grüße Markus

EDIT: Deine Begeisterung für die Spektrometrie teile ich übrigens aufs äußerste! ;) Allerdings war ich bislang nur im nichtastronomischen Bereich spektrometrisch aktiv, auch wenn ich vor Jahren mal angefangen hatte, ein Echelle dafür zu konstruieren...
 
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Okke_Dillen

Mitglied
Insgesamt dominant in der Färbung dürfte definitiv der tiefe Stand sein, bzw der extralange Weg, den das Licht durch die Atmosphäre nehmen muß.
Für mich heißt das, das Klischee des "braven Kometen mit sattem Grünstich" ist keins mehr. Da gab es mehr zu erfahren! Und wir waren live dabei! Total cool!! :cool:

Viele Grüße,
Okke
 
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