blue_scape
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Hallo,
unverhofft zeigte sich der Nachthimmel zum 01. Mai von seiner klaren Seite. Das erste Mal war ich dann um Viertel vor 11 für ein paar Minuten draußen.
Eine Nacht bei 6,0mag
Da ich mich in der Region nun etwas auskannte, wollte ich es mal ohne Aufsuchkarte versuchen. Und tatsächlich. Schnell war ein kreisrundes und helles Objekt gefunden, das sich zwischen zwei Sternen befand. Mir kam zwar auch M13 in den Sinn, aber erst später, nachdem ich etwas Nebulöses an anderer Stelle fand, fiel mir auf, dass ich tatsächlich schon im Kasten von Herkules unterwegs war.
Gegen 22:48 MESZ stolperte ich noch über einen hell strahlenden Stern, der in Richtung Bootes unterwegs war. Vielleicht eine Minute später verlor er sich im leicht aufgehellten Himmel. Vor dem Firmament zogen noch einige dunkelgraue Wolkenfetzen vorüber. Und zu allem Überfluss war der Beamer nicht zu übersehen. Die dritte Nacht in Folge tanzte der hiesige Junggesellenverein in den Mai und eigens dafür herangeschafft, tastete jetzt ein heller Spot den Nachthimmel ab. Kurz nach 1 war schließlich Schluss mit der Lightshow und nur die Musik schallte durch's halbe Dorf.
"Verdamp lang her" war auch die super Durchsicht. Wie immer machte ich mich ohne Karte auf die Suche nach dem "faintest star". So fand ich HD 151087 (6,0mag) und HD 141527 (5,9mag), die sich auch gut halten ließen. Im Fernglas entdeckte ich hin zur Grenze zu Herkules in der Nördlichen Teil Krone eine Gerade aus 5 Sternen (hellster Stern tau Coronae Borealis), wobei ich nur die mittlere Komponente nicht sehen konnte. Das i-Tüpfelchen war dann, das der Kugelsternhaufen M13 mit bloßem Auge sichtbar war. Hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass das möglich wäre. Immerhin habe ich auch mit ein wenig Streulicht einiger umliegender Laternen zu kämpfen.
Nachdem zweiten 5-minütigen Abstecher in den Garten um 23:40 MESZ, wobei ich auch 73P-B sicher identifizierzen konnte, zog ich mir dann eine Jacke drüber, prägte mir die Positionen der beiden hellsten Kometenteile ein und setzte mich unter den Apfelbaum. Langsam kroch Jupiter über das Nachbardach. Je später es wurde, desto schwächere Sterne konnte ich mit dem Fernglas beobachten. Einfach nur Schauen und den 6,0mag-Himmel bewundern. So kann man die letzte Nacht zusammenfassen. Mit Pause saß ich so vielleicht 50 Minuten draußen.
Ein Kometendoppel
Das hellste Kometenfragment, 73P-C, stand nahe zeta Herculis. Die Form war nun nicht mehr deutlich länglich, sondern eher rundlich, und obwohl er noch hell - da einfach aufzufinden - war, kam er mir einen Hauch schwächer vor. Erst mit der Zeit vermutete ich eine leicht angedeutete nach hinten aufgefächerte Gestalt.
Form und Größe von 73P-B stimmten meines Erachtens ungefähr mit dem hellsten Bruchstück überein, nur war die C-Komponente schätzungsweise doppelt so hell. Vor allem im Auffinden spiegelte sich dies wider. Nach etwas Suchen war die Region bei HD 144359 zwar gefunden und ich erkannte auch eine leichte Aufhellung in der Sternassoziation, aber erst nach genauerer Betrachtung war der schwache Kometenkörper lokalisiert. Mein zweites Fragment von Schwassmann-Wachmann 3 war gefunden. Jetzt bekam ich auch live die Ausdehnung der Trümmerkette mit.
Ich hatte zwar versucht die Helligkeit mit M13 zu vergleichen, aber so ganz klappte das nicht. Aber so ließ sich gut die Länge des Wölkchens 73P-C schätzen. So erhalte ich etwa 12, 13 Bogenminuten, was fünf weniger als vor drei Tagen wären. Wäre zu schön, wenn das jemand bestätigen könnte oder ob hier ein nur scheinbar kleiner Messfehler vorliegt. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />
Mit Calsky habe ich auch wieder eine kleine Skizze zusammengestellt. Soll nichts Detailgetreues sein, doch hoffentlich geben die beiden Wölkchen meinen visuellen Eindruck zumindest etwas wieder.
Schwassmann-Wachmann 3 letzte Nacht:
Link zur Grafik: http://xs200.xs.to/xs200/06181/73P-C_B_01.05.2006.jpg
Auch die Eigenbewegung der beiden Fragmente war bereits über kurze Zeiträume gut erkennbar. Dabei halfen bei 73P-C sehr gut zwei etwas nördlich stehende fast 9,0mag-Sterne, aber auch das schwächere Bruchstück in der Nördlichen Krone bewegte sich in etwa einer halben Stunde sichtbar zu den Sternen. Kometenkunde live erleben.
Melotte 111
Zwischenzeitlich unternahm ich einen kurzen Abstecher zum Sternhaufen Melotte 111 im Haarschopf der Berenike. Ein prächtiges Nest aus hell funkelnden Sonnen. Ziel war der 5,0mag helle Stern 16 Comae Berenices, der sich in einem Dreieck befinden soll. Mit dem 10x50 Meade ließen sich nur die 8,8mag und 9,9mag hellen Sterne erkennen, der 10,0mag Stern des Dreiecks blieb selbst mit indirektem Sehen im Dunkeln.
Partiell flammten auch Sternschnuppen auf, insgesamt vielleicht 5 Stück. Zwei Meteore kamen in der Nördlichen Krone sogar aus entgegengesetzten Richtungen. Tja, um 2:05 MESZ habe ich dann meine Sachen zusammengesucht und bin wieder ins Warme. War doch schon leicht frisch. Die Frage, warum ich nicht noch mit dem Teleskop über die Himmel gewandert bin, beantwortete sich von selbst. Bis um 3:00 MESZ hatte es sich fast vollständig zugezogen und so ging es kurz darauf ins gemachte Bett.
Eine echt tolle Nacht - bei dieser Grenzgröße. Verdamp lang her.
CS
Gruß - Nico
unverhofft zeigte sich der Nachthimmel zum 01. Mai von seiner klaren Seite. Das erste Mal war ich dann um Viertel vor 11 für ein paar Minuten draußen.
Eine Nacht bei 6,0mag
Da ich mich in der Region nun etwas auskannte, wollte ich es mal ohne Aufsuchkarte versuchen. Und tatsächlich. Schnell war ein kreisrundes und helles Objekt gefunden, das sich zwischen zwei Sternen befand. Mir kam zwar auch M13 in den Sinn, aber erst später, nachdem ich etwas Nebulöses an anderer Stelle fand, fiel mir auf, dass ich tatsächlich schon im Kasten von Herkules unterwegs war.
Gegen 22:48 MESZ stolperte ich noch über einen hell strahlenden Stern, der in Richtung Bootes unterwegs war. Vielleicht eine Minute später verlor er sich im leicht aufgehellten Himmel. Vor dem Firmament zogen noch einige dunkelgraue Wolkenfetzen vorüber. Und zu allem Überfluss war der Beamer nicht zu übersehen. Die dritte Nacht in Folge tanzte der hiesige Junggesellenverein in den Mai und eigens dafür herangeschafft, tastete jetzt ein heller Spot den Nachthimmel ab. Kurz nach 1 war schließlich Schluss mit der Lightshow und nur die Musik schallte durch's halbe Dorf.
"Verdamp lang her" war auch die super Durchsicht. Wie immer machte ich mich ohne Karte auf die Suche nach dem "faintest star". So fand ich HD 151087 (6,0mag) und HD 141527 (5,9mag), die sich auch gut halten ließen. Im Fernglas entdeckte ich hin zur Grenze zu Herkules in der Nördlichen Teil Krone eine Gerade aus 5 Sternen (hellster Stern tau Coronae Borealis), wobei ich nur die mittlere Komponente nicht sehen konnte. Das i-Tüpfelchen war dann, das der Kugelsternhaufen M13 mit bloßem Auge sichtbar war. Hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass das möglich wäre. Immerhin habe ich auch mit ein wenig Streulicht einiger umliegender Laternen zu kämpfen.
Nachdem zweiten 5-minütigen Abstecher in den Garten um 23:40 MESZ, wobei ich auch 73P-B sicher identifizierzen konnte, zog ich mir dann eine Jacke drüber, prägte mir die Positionen der beiden hellsten Kometenteile ein und setzte mich unter den Apfelbaum. Langsam kroch Jupiter über das Nachbardach. Je später es wurde, desto schwächere Sterne konnte ich mit dem Fernglas beobachten. Einfach nur Schauen und den 6,0mag-Himmel bewundern. So kann man die letzte Nacht zusammenfassen. Mit Pause saß ich so vielleicht 50 Minuten draußen.
Ein Kometendoppel
Das hellste Kometenfragment, 73P-C, stand nahe zeta Herculis. Die Form war nun nicht mehr deutlich länglich, sondern eher rundlich, und obwohl er noch hell - da einfach aufzufinden - war, kam er mir einen Hauch schwächer vor. Erst mit der Zeit vermutete ich eine leicht angedeutete nach hinten aufgefächerte Gestalt.
Form und Größe von 73P-B stimmten meines Erachtens ungefähr mit dem hellsten Bruchstück überein, nur war die C-Komponente schätzungsweise doppelt so hell. Vor allem im Auffinden spiegelte sich dies wider. Nach etwas Suchen war die Region bei HD 144359 zwar gefunden und ich erkannte auch eine leichte Aufhellung in der Sternassoziation, aber erst nach genauerer Betrachtung war der schwache Kometenkörper lokalisiert. Mein zweites Fragment von Schwassmann-Wachmann 3 war gefunden. Jetzt bekam ich auch live die Ausdehnung der Trümmerkette mit.
Ich hatte zwar versucht die Helligkeit mit M13 zu vergleichen, aber so ganz klappte das nicht. Aber so ließ sich gut die Länge des Wölkchens 73P-C schätzen. So erhalte ich etwa 12, 13 Bogenminuten, was fünf weniger als vor drei Tagen wären. Wäre zu schön, wenn das jemand bestätigen könnte oder ob hier ein nur scheinbar kleiner Messfehler vorliegt. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />
Mit Calsky habe ich auch wieder eine kleine Skizze zusammengestellt. Soll nichts Detailgetreues sein, doch hoffentlich geben die beiden Wölkchen meinen visuellen Eindruck zumindest etwas wieder.
Schwassmann-Wachmann 3 letzte Nacht:
Link zur Grafik: http://xs200.xs.to/xs200/06181/73P-C_B_01.05.2006.jpg
Auch die Eigenbewegung der beiden Fragmente war bereits über kurze Zeiträume gut erkennbar. Dabei halfen bei 73P-C sehr gut zwei etwas nördlich stehende fast 9,0mag-Sterne, aber auch das schwächere Bruchstück in der Nördlichen Krone bewegte sich in etwa einer halben Stunde sichtbar zu den Sternen. Kometenkunde live erleben.
Melotte 111
Zwischenzeitlich unternahm ich einen kurzen Abstecher zum Sternhaufen Melotte 111 im Haarschopf der Berenike. Ein prächtiges Nest aus hell funkelnden Sonnen. Ziel war der 5,0mag helle Stern 16 Comae Berenices, der sich in einem Dreieck befinden soll. Mit dem 10x50 Meade ließen sich nur die 8,8mag und 9,9mag hellen Sterne erkennen, der 10,0mag Stern des Dreiecks blieb selbst mit indirektem Sehen im Dunkeln.
Partiell flammten auch Sternschnuppen auf, insgesamt vielleicht 5 Stück. Zwei Meteore kamen in der Nördlichen Krone sogar aus entgegengesetzten Richtungen. Tja, um 2:05 MESZ habe ich dann meine Sachen zusammengesucht und bin wieder ins Warme. War doch schon leicht frisch. Die Frage, warum ich nicht noch mit dem Teleskop über die Himmel gewandert bin, beantwortete sich von selbst. Bis um 3:00 MESZ hatte es sich fast vollständig zugezogen und so ging es kurz darauf ins gemachte Bett.
Eine echt tolle Nacht - bei dieser Grenzgröße. Verdamp lang her.
CS
Gruß - Nico