micktheodor
Mitglied
Hallo Fernglasfreunde!
Nachdem ich so viel positives über das Kowa XD44-8,5 Prominar gehört hatte, war ich um so erfreuter das mir ein Glas zu Testzwecken zur Verfügung gestellt wurde, damit ich mir einen persönlichen Eindruck machen konnte. Nicht jeder kann oder will 1500-1800 Euro für ein Leica/Swarovski/Zeiss Fernglas ausgeben und schaut sich folglich bei der Konkurrenz ein wenig um. Die japanische Firma Kowa baut seit mehr als 50 Jahren optische Instrumente aller Art und hat zumindest in Japan einen sehr guten Ruf. Der internationale Durchbruch soll nun mit der Kowa XD44 Prominar Reihe gelingen, welche außerhalb Europas auch als Kowa Genesis bekannt sind, wobei dieser Name aus markenschutzrechtlichen Gründen in Europa nicht verwendet werden darf.
Technische Daten des Kowa XD44-8,5 Prominar
Durchmesser Objektivöffnung: 44mm
Vergrößerung: 8,5 fach
Fokussierabstand 1,7m - ∞
Reelles Sehfeld: 7,0°
Sehfeld bei 1.000m: 122,3m
Durchmesser Austrittspupille: 5,2mm
Austrittspupillenabstand: 18,3mm
Relative Helligkeit: 27
Dämmerungsfaktor: 19,3
Dioptrienbereich: ± 4
Filtergewinde: 46mm
Länge: 165mm
Höhe: 64mm
Breite: 138mm
Gewicht: 940g (gemessen allerdings 965g !)
Preis: 1055,00 Euro
Geliefert wird das Kowa mit einer hochwertigen, robusten, schwarzen Corduratasche (leider ohne eigene Trageriemenösen), einem speziellen (nackenlosen) Tragegurt und passendem Okulardeckel. Das Glas macht einen sehr robusten Eindruck, ist makellos verarbeitet und vermittelt ein Gefühl von Wertigkeit. Farblich erinnert es mit seinem Moosgrün ein wenig an die Gläser aus dem Hause Swarovski, wobei es sich allerdings nicht um exakt den gleichen Farbton handelt. Das Fernglas ist ein wenig schwerer als andere Gläser seiner Klasse, aber bei einer Vergrößerung von 8,5 ist dies eher zu begrüßen, da ein schwereres Glas zumindest von mir ruhiger gehalten werden kann. Ein sehr seltenes Ausstattungmerkmal ist das Filtergewinde von 46mm, aber sicherlich von einigen Personen höchstwillkommen geheißen. Beispielsweise könnte man Polfilter nutzen um bei Beobachtungen an Gewässern Spiegelungen der Wasseroberfläche zu mindern oder Graufilter aufsetzen in arktischen Gegenden. Die Knickbrücke hat den richtigen Widerstand, d.h. sie ist weder zu schwer noch zu leichtgängig. Das aus geriffeltem Aluminium(?) bestehende Fokussierrad ist riesig und läuft butterweich mit ca. 1,6 Umdrehungen - es ist schlicht eine Freude es zu benutzen. Der Dioptrienausgleichsring am rechten Okular muss vor der Benutzung angehoben werden und kann dann stufenlos(!) von ± 4 eingestellt werden - einfach, praktisch und funktionell. Die in mattem schwarz gehaltenen Okulare sind recht groß geraten und rasten in vier Stufen mit einem satten Klick bombensicher ein. Personen mit einem engen Augenabstand und/oder einer breiten Nasenrücken könnten mit den großen Okularen Probleme haben, aber da hilft wohl nur persönliches austesten. Ein Stativgewinde fehlt leider in der ansonsten hervorragenden Ausstattung.
Kann das Kowa bei den optischen Eigenschaften mit einem Leica, Zeiss oder Swarovski mithalten? Mithalten wäre eine leichte Untertreibung, da es eine Eigenschaft besitzt bei der es die großen Drei meiner Erfahrung nach deutlich übertrifft. Farbsäume sind für das Kowa XD44-8,5 Prominar fast ein Fremdwort, lediglich im Randbereich kann man welche in Extremsituationen erzwingen. Das verwendete Fluorit-Glas (Flusspat lt. Hersteller) im Kowa scheint hier wahre Wunder zu wirken und scheint inzwischen sogar Leica dahingehend beindruckt zu haben, das diese Ihre Ultravid-Reihe dahingehend überarbeitet haben (jetzt Ultravid HD). Die Farbwiedergabe des Kowa ist so neutral wie sie nur sein kann und die Bildschärfe wird fast bis zum Rand hin gehalten (schätzungsweise 80%). Gegen Streulicht und Reflexe aller Art ist das Kowa sehr gut gewappnet. Selbst bei extremen Gegenlicht nimmt der sichtbare Kontrast kaum ab. Das Bild des Kowa ist ähnlich konrastreich wie beim Zeiss Victory 8 x 42 T* FL Fernglas, welches in dieser Beziehung meine persönliche Referenz ist. Viele Ferngläser (Zeiss, Leica, Swarovski) haben bei der Optik eine leichte Kissenverzerrung eingerechnet, damit man beim Schwenken vom sogenannten Globuseffekt (siehe Artikel von Holger Merlitz) verschont bleibt. Das Kowa hingegen setzt jedoch auf eine verzeichnungfreie Optik, und ob dies ein Vor- oder Nachteil ist muß jeder mit sich selbst ausmachen. Persönlich hatte ich keinerlei Probleme mit "Schwindelgefühl" beim schwenken des XD44 Fernglases, aber ich bin da recht unempfindlich ("stehe selbst bei Windstärke 8 auf'm Bootsdeck und esse zu Mittag").
Zusammenfassend kann ich dem Kowa nur meinen höchsten Respekt zollen - mehr optische Qualität bekommt man für sein Geld im Moment nirgends. Man sollte vorher nur testen ob man mit den großen Augenmuscheln zurecht kommt und ob man sich mit dem leicht höheren Gewicht arrangieren kann.
Wie und wohin sich die Kowa XD Fernglasserie in der Zukunft entwickeln wird wird sicherlich spannend zu verfolgen sein.
Grüße
Mick
Nachdem ich so viel positives über das Kowa XD44-8,5 Prominar gehört hatte, war ich um so erfreuter das mir ein Glas zu Testzwecken zur Verfügung gestellt wurde, damit ich mir einen persönlichen Eindruck machen konnte. Nicht jeder kann oder will 1500-1800 Euro für ein Leica/Swarovski/Zeiss Fernglas ausgeben und schaut sich folglich bei der Konkurrenz ein wenig um. Die japanische Firma Kowa baut seit mehr als 50 Jahren optische Instrumente aller Art und hat zumindest in Japan einen sehr guten Ruf. Der internationale Durchbruch soll nun mit der Kowa XD44 Prominar Reihe gelingen, welche außerhalb Europas auch als Kowa Genesis bekannt sind, wobei dieser Name aus markenschutzrechtlichen Gründen in Europa nicht verwendet werden darf.
Technische Daten des Kowa XD44-8,5 Prominar
Durchmesser Objektivöffnung: 44mm
Vergrößerung: 8,5 fach
Fokussierabstand 1,7m - ∞
Reelles Sehfeld: 7,0°
Sehfeld bei 1.000m: 122,3m
Durchmesser Austrittspupille: 5,2mm
Austrittspupillenabstand: 18,3mm
Relative Helligkeit: 27
Dämmerungsfaktor: 19,3
Dioptrienbereich: ± 4
Filtergewinde: 46mm
Länge: 165mm
Höhe: 64mm
Breite: 138mm
Gewicht: 940g (gemessen allerdings 965g !)
Preis: 1055,00 Euro
Geliefert wird das Kowa mit einer hochwertigen, robusten, schwarzen Corduratasche (leider ohne eigene Trageriemenösen), einem speziellen (nackenlosen) Tragegurt und passendem Okulardeckel. Das Glas macht einen sehr robusten Eindruck, ist makellos verarbeitet und vermittelt ein Gefühl von Wertigkeit. Farblich erinnert es mit seinem Moosgrün ein wenig an die Gläser aus dem Hause Swarovski, wobei es sich allerdings nicht um exakt den gleichen Farbton handelt. Das Fernglas ist ein wenig schwerer als andere Gläser seiner Klasse, aber bei einer Vergrößerung von 8,5 ist dies eher zu begrüßen, da ein schwereres Glas zumindest von mir ruhiger gehalten werden kann. Ein sehr seltenes Ausstattungmerkmal ist das Filtergewinde von 46mm, aber sicherlich von einigen Personen höchstwillkommen geheißen. Beispielsweise könnte man Polfilter nutzen um bei Beobachtungen an Gewässern Spiegelungen der Wasseroberfläche zu mindern oder Graufilter aufsetzen in arktischen Gegenden. Die Knickbrücke hat den richtigen Widerstand, d.h. sie ist weder zu schwer noch zu leichtgängig. Das aus geriffeltem Aluminium(?) bestehende Fokussierrad ist riesig und läuft butterweich mit ca. 1,6 Umdrehungen - es ist schlicht eine Freude es zu benutzen. Der Dioptrienausgleichsring am rechten Okular muss vor der Benutzung angehoben werden und kann dann stufenlos(!) von ± 4 eingestellt werden - einfach, praktisch und funktionell. Die in mattem schwarz gehaltenen Okulare sind recht groß geraten und rasten in vier Stufen mit einem satten Klick bombensicher ein. Personen mit einem engen Augenabstand und/oder einer breiten Nasenrücken könnten mit den großen Okularen Probleme haben, aber da hilft wohl nur persönliches austesten. Ein Stativgewinde fehlt leider in der ansonsten hervorragenden Ausstattung.
Kann das Kowa bei den optischen Eigenschaften mit einem Leica, Zeiss oder Swarovski mithalten? Mithalten wäre eine leichte Untertreibung, da es eine Eigenschaft besitzt bei der es die großen Drei meiner Erfahrung nach deutlich übertrifft. Farbsäume sind für das Kowa XD44-8,5 Prominar fast ein Fremdwort, lediglich im Randbereich kann man welche in Extremsituationen erzwingen. Das verwendete Fluorit-Glas (Flusspat lt. Hersteller) im Kowa scheint hier wahre Wunder zu wirken und scheint inzwischen sogar Leica dahingehend beindruckt zu haben, das diese Ihre Ultravid-Reihe dahingehend überarbeitet haben (jetzt Ultravid HD). Die Farbwiedergabe des Kowa ist so neutral wie sie nur sein kann und die Bildschärfe wird fast bis zum Rand hin gehalten (schätzungsweise 80%). Gegen Streulicht und Reflexe aller Art ist das Kowa sehr gut gewappnet. Selbst bei extremen Gegenlicht nimmt der sichtbare Kontrast kaum ab. Das Bild des Kowa ist ähnlich konrastreich wie beim Zeiss Victory 8 x 42 T* FL Fernglas, welches in dieser Beziehung meine persönliche Referenz ist. Viele Ferngläser (Zeiss, Leica, Swarovski) haben bei der Optik eine leichte Kissenverzerrung eingerechnet, damit man beim Schwenken vom sogenannten Globuseffekt (siehe Artikel von Holger Merlitz) verschont bleibt. Das Kowa hingegen setzt jedoch auf eine verzeichnungfreie Optik, und ob dies ein Vor- oder Nachteil ist muß jeder mit sich selbst ausmachen. Persönlich hatte ich keinerlei Probleme mit "Schwindelgefühl" beim schwenken des XD44 Fernglases, aber ich bin da recht unempfindlich ("stehe selbst bei Windstärke 8 auf'm Bootsdeck und esse zu Mittag").
Zusammenfassend kann ich dem Kowa nur meinen höchsten Respekt zollen - mehr optische Qualität bekommt man für sein Geld im Moment nirgends. Man sollte vorher nur testen ob man mit den großen Augenmuscheln zurecht kommt und ob man sich mit dem leicht höheren Gewicht arrangieren kann.
Wie und wohin sich die Kowa XD Fernglasserie in der Zukunft entwickeln wird wird sicherlich spannend zu verfolgen sein.
Grüße
Mick