krauses Haar und Photoakustik

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P_E_T_E_R

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Kann man helle Meteore hören?

Dazu gibt es zwar schon seit längerem verschiedene Augen- und Ohrenbezeugungen, die simultan zur Lichterscheinung von einer zischenden und/oder knisternden Geräuschbegleitung knapp über der Wahrnehmungsschwelle berichten, welche von naturwissenschaftlichen Fachleuten aber in der Regel als Einbildung belächelt und diskreditiert wurden. Schließlich weiß man ja um die zeitliche Verzögerung zwischen Bltz und Donner, so dass eine simultane visuelle und akustische Wahrnehmung heller Meteore in einer typischen Entfernung von 50 km von vornherein ausgeschlossen scheint.

Jetzt gibt es aber eine interessante Untersuchung vom Sandia Labor, die eine plausible Erklärung für die scheinbar unmöglichen Wahrnehmungen vermittelt:

Photoacoustic Sounds from Meteors

Concurrent sound associated with very bright meteors manifests as popping, hissing, and faint rustling sounds occurring simultaneously with the arrival of light from meteors. Numerous instances have been documented with -11 to -13 brightness. These sounds cannot be attributed to direct acoustic propagation from the upper atmosphere for which travel time would be several minutes. Concurrent sounds must be associated with some form of electromagnetic energy generated by the meteor, propagated to the vicinity of the observer, and transduced into acoustic waves.

Herein we describe experimental results and numerical models in support of photoacoustic coupling as the mechanism. Recent photometric measurements of fireballs reveal strong millisecond flares and significant brightness oscillations at frequencies >~40 Hz. Strongly modulated light at these frequencies with sufficient intensity can create concurrent sounds through radiative heating of common dielectric materials like hair, clothing, and leaves. This heating produces small pressure oscillations in the air contacting the absorbers. Calculations show that -12 brightness meteors can generate audible sound at ~25 dB SPL. The photoacoustic hypothesis provides an alternative explanation for this longstanding mystery about generation of concurrent sounds by fireballs.


In deutscher Kurzform: hinreichend helle Meteore erzeugen entlang ihrer Spur sehr intensive kurze Lichtausbrüche (flares) im Millisekundenbereich und Oszillationen mit Frequenzen oberhalb von 40 Hz. Wenn dieses stark modulierte Lichtsignal mit ausreichender Intensität auf dielektrisches Material (Haar, Kleidung, Blätter) in der Nähe von Beobachtern trifft, so kommt es zu radiativer Aufheizung und dadurch verursachten Druckschwingungen in der umgebenden Luft. Die Autoren schätzen, dass ein heller Meteor mit -12 mag auf diese Weise einen hörbaren Schalldruckpegel von 25 db erzeugen kann!

Sky & Telescope

Übrigens, ein Kuriosum dabei ist, dass Leute mit krausem Haar besonders gute Rezeptoren für solche photoakustischen Effekte haben - da ist wohl das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen besonders günstig ... ;)
 
Hallo Peter,

interessanter Beitrag. Ich jedenfalls kann 100%ig bestätigen, dass man auch ganz deutlich etwas hören kann - nicht nur nahe der Wahrnehmungsschwelle. Ende der 90er habe ich einen Meteor hell leuchtend gesehen und ein deutliches Rauschen gehört. Die Rauchspur war noch geschätzt (!) 30 Sekunden danach zu sehen.

Dass das physikalisch gar nicht so einfach zu erklären ist, war mir bis gerade eben nicht bewusst. Danke.

Gruß,
Wolfgang
 
Erstaunlich. Die Geräusche von Boliden konnte schon oft hören. Auch sehr erfahrene praktische Beobachter berichten darüber - nun bestätigen es auch die Theoretiker ;)
Danke für den Thread!
 
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Hallo Alle,

ich habe in 40 Jahren Beobachtung zahllose Boliden gesehen. Sie alle kamen völlig geräuschlos daher, und ich habe sehr gute Ohren. Mir scheint diese Geräuschwahrnehmung ein rein psychologisches Phänomen zu sein.

Dass Harald Geräusche von Boliden "schon oft" hören konnte, stützt meine These vom psychologischen Phänomen: Der Eine hört´s, der Andere eben nicht, weil nicht real.

Und bitte: Radiative Aufheizung durch einen -12m Meteor... Ich hoffe ihr bekommt im Vollmondlicht keinen Hitzschlag, der ist auch so hell!

CS,

Olaf
 
Zitat von Olaf_F:
Dass Harald Geräusche von Boliden "schon oft" hören konnte, stützt meine These vom psychologischen Phänomen: Der Eine hört´s, der Andere eben nicht, weil nicht real.
Da ich bislang noch nie einen Boliden erlebt habe, kann ich selber zu solchen Wahrnehmungen, ob nun real oder eingebildet, nichts sagen.
Und bitte: Radiative Aufheizung durch einen -12m Meteor... Ich hoffe ihr bekommt im Vollmondlicht keinen Hitzschlag, der ist auch so hell!
Eine konstante Lichtquelle, erzeugt natürlich keinen hörbaren Schall, sonst würden wir ja bei Sonnenschein Ohrensausen bekommen. Hier handelt es es sich aber um extrem variable Intensitätsausbrüche im Millisekundenbereich, die nur im zeitlichen Mittel die Helligkeit vom Vollmond haben.

Zur Demonstration des photoakustischen Effekts könnte man mal einen Laserstrahl mit einer Frequenz von ein paar Kilohertz modulieren und schauen, ob das ein hörbares Geräusch erzeugt.



 
Hallo Olaf,

Zitat von Olaf_F:
Mir scheint diese Geräuschwahrnehmung ein rein psychologisches Phänomen zu sein.

Ich gehe davon aus, dass die Boliden, die du gesehen hast, einfach nicht hell genug waren. Ich habe auch schon einige gesehen, die vollkommen geräuschlos waren. Der besonders helle, den ich oben beschrieben habe, war definitiv deutlich zu hören. Das war ganz sicher kein psychologisches Phänomen.

Ich habe übrigens keine krausen Haare. Daran lag's also nicht.

Gruß,
Wolfgang
 
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Man müßte mal die Geräusche aufzeichnen. Leider kann man nicht vorhersagen, wann ein richtig heller Bolide kommt. Und das Mikrofon von einem Mobiltelefon/Diktiergerät ist vielleicht nicht empfindlich genug. Krause Haare habe ich auch nicht, aber an den Standorten war immer viel Büsche/Bäume rundherum. In der Stadt oder auf einer freien Wiese hört man möglicherweise nichts.
 
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