aths
Aktives Mitglied
Ort: Stadtrand von Wismar (M/V), ca. 54° NB, 11,5° ÖL.
Datum: 18.10.2003, ca. 6:00 - 7:00 Uhr.
Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25", Vixen 45° Amici-Prisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.
Bedingungen: Wolkenstreifen nur am Horizont, praktisch Halbmond (abnehmend), wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims.
Besonderheiten: Wenige Objekte, aber jedes einzelne so gut wie noch nie
Sollte ich wirklich raus gehen, heute? Die letzte Beobachtung bot schon eine Menge, was soll man da jetzt noch groß erwarten? Für den Hantelnebel wird ja auf eine mondlose Nacht gewartet, und die Abschussliste ist ansonsten leer. Der Mond, hm, so hoch wie der steht könnte der lohnen. Also warm angezogen, die Gerätschaft rausgetragen und aufgebaut.
Zunächst hielt ich das Rohr auf den Saturn — und sah Jupiter. Wieder so mit der Position verschätzt! Ärgerlich: Der Jupiter war so hell, dass das Bild im Streulicht ersoff. Ein bisschen konnte man den Eindruck gewinnen, das Objektiv sei zugetaut. Das war jetzt natürlich noch lange nicht möglich. Ein Blick mit der Taschenlampe auf das Objektiv zeigte kleine Rückstände von Tautropfen, die nicht weiter stören dürften. Übrigens war das Stativ doch etwas zu weit ausgezogen, die Beobachtung damit nicht gerade bequem. Zwischendurch ein Blick mit dem Fernglas zu den Plejaden. Ich war froh, noch kein abgebrühter alter Hase zu sein, so dass eng helle Sterne auf engem Raum noch Eindruck schinden...
Dann, mit dem Teleskop, weiter zum Saturn, der inzwischen in Mondnähe entdeckt wurde. (Jener Planet der mich vor einiger Zeit in der Morgendämmerung anlachte war also Jupiter, nicht Saturn.) Das Stativ, das für den Jupiter noch leicht zu hoch engestellt war, zog ich wegen Zenitnähe des Saturns noch etwas weiter aus: Mehrfach rumgehen, und die Beine nach und nach verlängern, und hin und wieder das Stativ anheben um es zu "entspannen", da die Stativ-Füße mit Metallspitzen im Boden stecken.
Den Ringplaneten bekam ich rein, ohne das LV 25 bemühen zu müssen. Genaue Sucher-Justage zahlt sich eben aus...
Der Saturn wanderte wieder und wieder durchs Gesichtsfeld. Da die "π*Daumen" Einnordnung heute wohl nicht so gut war, musste die Deklination öfter korrigiert werden als in der letzte Nacht. Auch hier wieder das komische Problem mit dem zerstreuten Licht. Komischerweise ließ sich das durch Nachfokussieren beheben??? - leider hielt das Bild nur sehr kurze Zeit... langsam wurde mir klar, dass die Stellschraube beim OAZ durchaus einen Sinn hat. Etwas fester angezogen, führ der Auszug nicht mehr von alleine raus. Das Bild war jetzt dauerhaft scharf zu kriegen, das "Streulicht" im Fokus praktisch verschwunden.
Der Planet jedenfalls präsentierte sich heute ohne störende Seeing-Einflusse. Kugel und Ring waren buchstäblich wie ausgestanzt. Die Cassini-Teilung beinahe umlaufend. Die "Bauchbinde" klar und deutlich. Wo sich der Ring hinter dem Planeten versteckt, gab es bis in die letzten Spitzen eine sagenhafte Schärfe. Trotz des 7-mm-LVs. Dass Seeing und atmosphärische Refraktion so viel ausmachen, hatte ich nicht gedacht...
Wenn ich alleine bin, führe ich praktisch nie Selbstgespräche. Doch hier auf dem Felde kanalisierten sich die Eindrücke mehrfach in ein geflüstertes "unglaublich". Den Saturn so sehen zu können, hätte ich tatsächlich nicht geglaubt. Alleine für diesen Anblick hatte sich der Aufbau schon geloht.
Dann mal auf zum Mond. Das Zenitprisma war noch drin und beim ersten Blick ins Okular gab es den Terminator in Äquatornähe zu sehen. "Ohhhh" hörte ich mich sagen. Der Mond war dermaßen klar, und zeigte solche Details, das hatte ich noch nicht gesehen, auch nicht erwartet... Um mit dem Rükl klarzukommen, wurde das Amici-Prisma eingesetzt. Die Einblicksposition war damit allerdings unzumutbar niedrig. Es half nichts, das Stativ musste höher ausgezogen werden. Ächzend korrigierte ich die Stativ-Höhe erneut, diesmal aber "richtig": Ablageplatte freiräumen und aushängen, dann die Beine deutlich verlängern, festziehen, Platte wieder einhängen.
Das Amici-Prisma wurde dann aber nur anfänglich, zur Orientierung genutzt, denn die Bildqualität sinkt damit eben doch merklich; später kam das Zenitprisma zum Einsatz. Einmal einen Krater erkannt, ist das erst mal eine Lösung.
... Jedenfalls, das kann man ja schon mal vorweg nehmen, im Plato selbst konnte kein einziger Krater erkannt werden. Doch der Reihenfolge nach: In der Nähe von Plato, eigentlich schon auf der Schattenseite, wurden noch Spitzen eines Gebirges (die "Alpen") beschienen. Das erinnerte an Satelliten-Bilder von der Erde, die Städte in der Nacht zeigen. Unheimlich beeindruckend, wie sich da auf der Nachtseite beim Mond diese leuchtenen Spitzen zeigen. (Auch die Apenninen waren noch auf der Nachtseite zu sehen.) So ein "Lichtbild" im wahrsten Sinne des Wortes finde ich deutlich schöner als Fotos.
Ich fuhr den Terminator ab. Da war ein beeindruckender Krater in Südpolnähe. "Clavius", sagt Rükl. Deutlich waren im Clavius noch kleinere Krater zu sehen. Allerdings weniger als im Rükl. Das Amici- wurde mit dem Zenitprisma ersetzt.
Irre: Frei stehende Berge, die Schatten werfen welcher viel länger ist als der Berg hoch; ein großer Krater ("Archimedes"), dessen Ringwall einen stark gezackten Schatten in das Innere wirft. Die Schatten waren nadelspitz, das Bild war über das ganze Gesichtsfeld punktscharf. "Aristillus" mit Bergen in der Mitte. (In der Kratermitte ein kleines Gebirge zu sehen, ist in Terminator-Nähe gar keine Seltenheit.)
Im Mare Nubium schaute ich mich noch genauer um. Und in Nordpolnähe. Der Rükl verzeichnete allerdings noch weitere kleinere Kraterchen, deshalb betrachtete ich das Bild im Okular mal genauer. Jetzt erst war der Blick geschärft: Plötzlich sah ich insgesamt viel mehr. Die Oberfläche wirkte poröser, vorher nie erahnte Kraterchen wurden sichtbar. Ich wünschte, ein Mikroskop, wenigstens eine Lupe für das Bild zu haben. Mit 131x wird das Objektiv jedenfalls unterfordert. Da ist noch Luft.
Zurück zum Clavius. Nun, jetzt war da sogar mehr zu sehen, als im Rükl eingezeichnet ist. (Trotzdem blieb Plato seine Krater schuldig. Schon komisch.) Zurück zum Meer der Wolken. Was ist denn das da für ein seltsam Ding? Eine Art Rille. Endet in der Nähe eines Kraters. Vor allem in Richtung Terminator weitere kleine Krater, und ein kleines (und flaches) Gebirge. Mal in den Rükl gucken... "Rupes Recta". Dann habe ich auch "Rima Birt" gesehen. Und noch viel mehr, wie gesagt, bei den vielen Eindrücken kann man sich nicht alles merken.
Kalt wurde es dann doch, andererseits dämmerte es bereits. Zum Abschluss, quasi im Abbau noch mal Jupiter: Die Ablage-Platte ausgehängt und die Stativbeine eingezogen, ansonsten wäre die Einblicksposition zu anstrengend gewesen. Der Gasriese wirkte trotzt nur 131x recht groß. Zwei Bänder, links ein Mond, rechts drei Monde. Unter dem südlichen Wolkenband war ein dünnes, helleres Band, ehe der dunklere Polbereich anfing. Im Norden schien der Übergang ins Dunklere sanfter. So viel sah ich beim Jupiter noch nie, damit war die Nacht praktisch gekrönt. (Beim Jupiter, in der beginnenden Dämmerung, waren allerdings schon erste Seeing-Effekte zu sehen, leider litt das Bild auch etwas unter atmosophärischer Refraktion.)
Beim Abbau dann wurde klar, wieso es so kalt war: Der Rasen war reifüberzogen, und ich sitzt hier ohne Handschuhe... na ein Glück dass das Stativ aus Holz ist. Bei den Gängen zum Hochtragen war ich noch ganz im Eindruck der (eigentlich recht kurzen) Beobachtungsnacht und einfach glücklich.
Datum: 18.10.2003, ca. 6:00 - 7:00 Uhr.
Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25", Vixen 45° Amici-Prisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.
Bedingungen: Wolkenstreifen nur am Horizont, praktisch Halbmond (abnehmend), wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims.
Besonderheiten: Wenige Objekte, aber jedes einzelne so gut wie noch nie
Sollte ich wirklich raus gehen, heute? Die letzte Beobachtung bot schon eine Menge, was soll man da jetzt noch groß erwarten? Für den Hantelnebel wird ja auf eine mondlose Nacht gewartet, und die Abschussliste ist ansonsten leer. Der Mond, hm, so hoch wie der steht könnte der lohnen. Also warm angezogen, die Gerätschaft rausgetragen und aufgebaut.
Zunächst hielt ich das Rohr auf den Saturn — und sah Jupiter. Wieder so mit der Position verschätzt! Ärgerlich: Der Jupiter war so hell, dass das Bild im Streulicht ersoff. Ein bisschen konnte man den Eindruck gewinnen, das Objektiv sei zugetaut. Das war jetzt natürlich noch lange nicht möglich. Ein Blick mit der Taschenlampe auf das Objektiv zeigte kleine Rückstände von Tautropfen, die nicht weiter stören dürften. Übrigens war das Stativ doch etwas zu weit ausgezogen, die Beobachtung damit nicht gerade bequem. Zwischendurch ein Blick mit dem Fernglas zu den Plejaden. Ich war froh, noch kein abgebrühter alter Hase zu sein, so dass eng helle Sterne auf engem Raum noch Eindruck schinden...
Dann, mit dem Teleskop, weiter zum Saturn, der inzwischen in Mondnähe entdeckt wurde. (Jener Planet der mich vor einiger Zeit in der Morgendämmerung anlachte war also Jupiter, nicht Saturn.) Das Stativ, das für den Jupiter noch leicht zu hoch engestellt war, zog ich wegen Zenitnähe des Saturns noch etwas weiter aus: Mehrfach rumgehen, und die Beine nach und nach verlängern, und hin und wieder das Stativ anheben um es zu "entspannen", da die Stativ-Füße mit Metallspitzen im Boden stecken.
Den Ringplaneten bekam ich rein, ohne das LV 25 bemühen zu müssen. Genaue Sucher-Justage zahlt sich eben aus...
Der Saturn wanderte wieder und wieder durchs Gesichtsfeld. Da die "π*Daumen" Einnordnung heute wohl nicht so gut war, musste die Deklination öfter korrigiert werden als in der letzte Nacht. Auch hier wieder das komische Problem mit dem zerstreuten Licht. Komischerweise ließ sich das durch Nachfokussieren beheben??? - leider hielt das Bild nur sehr kurze Zeit... langsam wurde mir klar, dass die Stellschraube beim OAZ durchaus einen Sinn hat. Etwas fester angezogen, führ der Auszug nicht mehr von alleine raus. Das Bild war jetzt dauerhaft scharf zu kriegen, das "Streulicht" im Fokus praktisch verschwunden.
Der Planet jedenfalls präsentierte sich heute ohne störende Seeing-Einflusse. Kugel und Ring waren buchstäblich wie ausgestanzt. Die Cassini-Teilung beinahe umlaufend. Die "Bauchbinde" klar und deutlich. Wo sich der Ring hinter dem Planeten versteckt, gab es bis in die letzten Spitzen eine sagenhafte Schärfe. Trotz des 7-mm-LVs. Dass Seeing und atmosphärische Refraktion so viel ausmachen, hatte ich nicht gedacht...
Wenn ich alleine bin, führe ich praktisch nie Selbstgespräche. Doch hier auf dem Felde kanalisierten sich die Eindrücke mehrfach in ein geflüstertes "unglaublich". Den Saturn so sehen zu können, hätte ich tatsächlich nicht geglaubt. Alleine für diesen Anblick hatte sich der Aufbau schon geloht.
Dann mal auf zum Mond. Das Zenitprisma war noch drin und beim ersten Blick ins Okular gab es den Terminator in Äquatornähe zu sehen. "Ohhhh" hörte ich mich sagen. Der Mond war dermaßen klar, und zeigte solche Details, das hatte ich noch nicht gesehen, auch nicht erwartet... Um mit dem Rükl klarzukommen, wurde das Amici-Prisma eingesetzt. Die Einblicksposition war damit allerdings unzumutbar niedrig. Es half nichts, das Stativ musste höher ausgezogen werden. Ächzend korrigierte ich die Stativ-Höhe erneut, diesmal aber "richtig": Ablageplatte freiräumen und aushängen, dann die Beine deutlich verlängern, festziehen, Platte wieder einhängen.
Das Amici-Prisma wurde dann aber nur anfänglich, zur Orientierung genutzt, denn die Bildqualität sinkt damit eben doch merklich; später kam das Zenitprisma zum Einsatz. Einmal einen Krater erkannt, ist das erst mal eine Lösung.
... Jedenfalls, das kann man ja schon mal vorweg nehmen, im Plato selbst konnte kein einziger Krater erkannt werden. Doch der Reihenfolge nach: In der Nähe von Plato, eigentlich schon auf der Schattenseite, wurden noch Spitzen eines Gebirges (die "Alpen") beschienen. Das erinnerte an Satelliten-Bilder von der Erde, die Städte in der Nacht zeigen. Unheimlich beeindruckend, wie sich da auf der Nachtseite beim Mond diese leuchtenen Spitzen zeigen. (Auch die Apenninen waren noch auf der Nachtseite zu sehen.) So ein "Lichtbild" im wahrsten Sinne des Wortes finde ich deutlich schöner als Fotos.
Ich fuhr den Terminator ab. Da war ein beeindruckender Krater in Südpolnähe. "Clavius", sagt Rükl. Deutlich waren im Clavius noch kleinere Krater zu sehen. Allerdings weniger als im Rükl. Das Amici- wurde mit dem Zenitprisma ersetzt.
Irre: Frei stehende Berge, die Schatten werfen welcher viel länger ist als der Berg hoch; ein großer Krater ("Archimedes"), dessen Ringwall einen stark gezackten Schatten in das Innere wirft. Die Schatten waren nadelspitz, das Bild war über das ganze Gesichtsfeld punktscharf. "Aristillus" mit Bergen in der Mitte. (In der Kratermitte ein kleines Gebirge zu sehen, ist in Terminator-Nähe gar keine Seltenheit.)
Im Mare Nubium schaute ich mich noch genauer um. Und in Nordpolnähe. Der Rükl verzeichnete allerdings noch weitere kleinere Kraterchen, deshalb betrachtete ich das Bild im Okular mal genauer. Jetzt erst war der Blick geschärft: Plötzlich sah ich insgesamt viel mehr. Die Oberfläche wirkte poröser, vorher nie erahnte Kraterchen wurden sichtbar. Ich wünschte, ein Mikroskop, wenigstens eine Lupe für das Bild zu haben. Mit 131x wird das Objektiv jedenfalls unterfordert. Da ist noch Luft.
Zurück zum Clavius. Nun, jetzt war da sogar mehr zu sehen, als im Rükl eingezeichnet ist. (Trotzdem blieb Plato seine Krater schuldig. Schon komisch.) Zurück zum Meer der Wolken. Was ist denn das da für ein seltsam Ding? Eine Art Rille. Endet in der Nähe eines Kraters. Vor allem in Richtung Terminator weitere kleine Krater, und ein kleines (und flaches) Gebirge. Mal in den Rükl gucken... "Rupes Recta". Dann habe ich auch "Rima Birt" gesehen. Und noch viel mehr, wie gesagt, bei den vielen Eindrücken kann man sich nicht alles merken.
Kalt wurde es dann doch, andererseits dämmerte es bereits. Zum Abschluss, quasi im Abbau noch mal Jupiter: Die Ablage-Platte ausgehängt und die Stativbeine eingezogen, ansonsten wäre die Einblicksposition zu anstrengend gewesen. Der Gasriese wirkte trotzt nur 131x recht groß. Zwei Bänder, links ein Mond, rechts drei Monde. Unter dem südlichen Wolkenband war ein dünnes, helleres Band, ehe der dunklere Polbereich anfing. Im Norden schien der Übergang ins Dunklere sanfter. So viel sah ich beim Jupiter noch nie, damit war die Nacht praktisch gekrönt. (Beim Jupiter, in der beginnenden Dämmerung, waren allerdings schon erste Seeing-Effekte zu sehen, leider litt das Bild auch etwas unter atmosophärischer Refraktion.)
Beim Abbau dann wurde klar, wieso es so kalt war: Der Rasen war reifüberzogen, und ich sitzt hier ohne Handschuhe... na ein Glück dass das Stativ aus Holz ist. Bei den Gängen zum Hochtragen war ich noch ganz im Eindruck der (eigentlich recht kurzen) Beobachtungsnacht und einfach glücklich.