Kurzbauende Okularauszüge

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ESEurope

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Hallo,

es kam in einer meiner Produktankündigungen die Frage nach der Bauhöhe eines Okularauszugs auf, die dann entgleist ist. Ich habe mich etwas gewundert: ich verstehe das Problem nicht. Es gibt es doch schon seit langem kurzbauende OAZ in diversen Preislagen. Von den beliebten HC1 (19mm, 1,25") und HC2 (24mm) über nichtdrehende Helicals mit unter 50mm bei 2" Steck bis zum Feathertouch (41mm). Und Selbstbauer können mit wenig Aufwand einen Fokussierer mit Scherenmechanik ähnlich des Bellerophon unter 15mm bei 2" Steck zusammenschrauben.
Es gibt also durchaus Produkte für visuelle Beobachter mit speziellen Bedürfnissen. Oder habe ich da jetzt was falsch verstanden? Wird vom Markt ein weiterer kurzbauender OAZ gewünscht, der besondere Eigenschaften aufweist, die die obenstehenden Produkte nicht erfüllen?

Clear skies

Tassilo
 
Hallo Tassilo,

ich denke hinter der Anfrage verbirgt sich eine viel umfassendere Thematik.
Tatsächlich gibts hinreichend genug Alternativen für einen kurzen OAZ.
Doch nicht jeder ist in der Lage, ein rein visuelles System selbst auf die Beine zu stellen. Denn....

Vermehrt wird aus dem Anwenderkreis der rein visuellen Beobachter ein Teleskop gewünscht, dass ausschließlich für den visuellen Einsatz optimiert ist.

Ich kann diesen Wunsch nachvollziehen. Beispiele hier für war der Design-Vorschlag von Gerd Düring in der Variante des APO's für 400,- Euro. Und auch zu dem 8" F/6 Dobson von Bresser gab es einiges Feedback aus dieser Richtung (Wobei ich der Meinung bin, daß der Durchlass des Hexafoc schon ein Plus gegenüber der 2" OAZ ist). Nach meiner Wahrnehmung der Porenbeiträge scheinen dem Anwenderkreis viele kommerzielle Dobson-Systeme nicht konsequent genug für den visuellen Einsatz konzipiert zu sein. Aus der Händlerschaft kommt auch hier die Argumentation, daß ja auch der fotographische Einsatz möglich sein könnte. In meiner Eigenschaft als Astrofotograph würde ich dem Einsteiger am Dobson von diesem Vorhaben eher abraten. Und als visueller Anwender wäre ich durchaus auch daran interessiert, visuell optimiertes System zu nutzen.
Stichwort kommerzielle Truss-Dobsons. Gerade hier sollte es doch ein leichtes sein, den Anforderungen der Community nach zu kommen (Längere Stangen, kürzere OAZ, kleinere Fangspiegel).

Im Zubehörbereich, insbesondere was Okular anbelangt oder Komakorrektoren gibt es einige interessante Entwicklungen. Mit der Düring-Barlow ist auch ein mutiger Schritt vollzogen worden und das Ergebnis ist ein Produkt was von visuellen Anwendern mit wohlwollen angenommen wurde.

Ich denke einige fragen sich, wann unsere Händler/Hersteller den Mut haben endlich Teleskope anzubieten, die für den rein visuellen Einsatz gedacht sind.

Nun beobachte ich die Diskussion erstmal weiter. Mein Posting hat nur teilweise meine persönliche Anregungen zum Inhalt. Ingesamt ist das aber nur ein Versuch einer Zusammenfassung aus verschiedenen Threads.

Grüße,
Gerrit
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Gerrit,

Zitat von MountyPython:
Ich denke einige fragen sich, wann unsere Händler/Hersteller den Mut haben endlich Teleskope anzubieten, die für den rein visuellen Einsatz gedacht sind.

Ich glaube nicht, dass dies passieren wird.
Der Markt dafür ist inzwischen einfach zu klein, denn heute will fast jeder nur noch fotografieren.
Wenn er schon im Okular nicht sehen kann, was ihm die Hubble Bilder zeigen, dann will er doch wenigstens mit seinen eigenen Bildern diesen möglichst nahe kommen...

Immerhin gibt es für uns visuelle noch ein paar Refraktoren, auch wenn hier das Öffnungsverhältnis ebenfalls mehr und mehr von den Fotografen vorgegeben wird.

Dazu kommt, dass die Visuellen besonders anspruchsvoll an die optische Qualität der Instrumente sind, das kann Stangenware kaum bieten also macht man sich an den Selbstbau.

Vor 15-20 Jahren sah das noch anders aus, damals gab es einige Dobsons für visuelle Beobachter, z.B. von Obsession oder auch Portaball, aber wirtschaftlich sehr erfolgreich war das damals schon nicht.
Heute ist es durch den Fotowahn wirtschaftlicher Selbstmord ein visuell optimiertes Teleskop anzubieten.

Grüsse Jochen
 
Hallo Tassilo,

Ich habe mich etwas gewundert: ich verstehe das Problem nicht.

na ja das Problem der Bauhöhe bei einem OAZ für Newton ist doch aber nun schon ein sehr Altes das immer wieder mal zur Sprache kommt und wer seinen Newton visuell optimiert der schaut da schon genau hin.
Von daher verstehe ich nun wieder nicht warum du hier kein Problem siehst.
Haben sich Generationen von Newtonbauern etwa völlig umsonst darüber Gedanken gemacht?
Sind besonders kurzbauende Konstruktionen wie etwa Okularschlitten, Helical oder der von dir erwähnte Fokussierer mit Scherenmechanik etwa völlig unnütz weil es bezüglich Bauhöhe gar kein Problem gibt?
Nein natürlich nicht und natürlich gibt es hier ein Problem das auch du mal versuchen solltest zu sehen.

Es gibt es doch schon seit langem kurzbauende OAZ in diversen Preislagen. Von den beliebten HC1 (19mm, 1,25") und HC2 (24mm) über nichtdrehende Helicals mit unter 50mm bei 2" Steck bis zum Feathertouch (41mm).
Ein Helical hat halt auch so seine Nachteile der Feathertouch ist der einzige OAZ in klassischer Bauweise der bezüglich Bauhöhe wirklich optimiert ist und er ist mit über 500€ halt sehr teuer.

Käuflich hat man also zur Zeit nur die Wahl zwischen einem Helical (da gibt es sogar Verschiedene) oder dem Feathertouch.
Also entweder nimmt man die Nachteile des Helical oder den hohen Preis des Feathertouch in kauf.

Wer einen preisgünstigen OAZ klassischer Bauart mit besonders niedriger Bauhöhe sucht wird momentan leider nirgends fündig.
Eine Marktlücke die man durchaus mal schließen könnte!

Und Selbstbauer können mit wenig Aufwand einen Fokussierer mit Scherenmechanik ähnlich des Bellerophon unter 15mm bei 2" Steck zusammenschrauben.

Mit wenig Aufwand?
Das sehe ich ganz anders, auch mit Scherenmechanik muss der OAZ schon ordentlich und präzise aufgeführt werden und dazu dürfte den meisten schlicht die nötige Werkstattausrüstung fehlen.
Es muss ja nicht zwingend gleich eine CNC Maschine sein aber eine konventionelle Dreh und Fräsmaschine sollte wenigstens vorhanden sein.
Allein mit Feile Akkuschrauber und Spucke ist da kaum ein wirklich zufriedenstellendes Ergebnis möglich.
Klar kann man sich die Bauteile für den OAZ auch anfertigen lassen aber dann wird’s halt sehr schnell teuer und dann kann man auch gleich den Feathertouch kaufen und sich die ganze Arbeit mit dem Selbstbau auch sparen.

Es gibt also durchaus Produkte für visuelle Beobachter mit speziellen Bedürfnissen.

Man kann es drehen und wenden wie man will, der OAZ in klassischer Bauart ist und bleibt die solideste und komfortabelste Lösung mit den besten Eigenschaften.
Alle anderen Lösungen sind mehr oder weniger deutlich Kompromissbehaftet und bleiben daher durchaus auch zu Recht Exoten.
Es hat schon seinen Grund warum sich zb. der Okularschlitten nicht durchgesetzt hat.
Bei einem kurzbauenden OAZ klassischer Bauart gibt es zur Zeit außer dem sehr teuren Feathertouch leider kein einziges Produkt das wirklich konsequent auf die Bedürfnisse des visuellen Beobachters zugeschnitten ist.

Grüße Gerd
 
Hallo Jochen,

Der Markt dafür ist inzwischen einfach zu klein, denn heute will fast jeder nur noch fotografieren.

ach na das ist ja interessant.
Dann ist also für Teleskope zur visuellen Nutzung kein Markt mehr da?
Na dann dürften ja deiner Meinung nach die sehr beliebten und weit verbreiteten Dobson die Bauartbedingt nun mal ausschließlich zur visuellen Nutzung geeignet sind wohl bald vom Markt verschwinden.
So so na da bin ich aber mal gespannt.
Da war es bestimmt völlig sinnlos das Tassilo sich da in jüngster Zeit engagiert hat und interessante Modelle rausgebracht wurden.
Ist ja nach deiner Philosophie eh kein Markt mehr dafür da.

Ich hoffe mal du merkst was du hier für einen Unsinn verbreitest.

Grüße Gerd
 
Hallo Gerd,

so scharf würde ich es nicht formulieren. Ich muß mich aber doch sehr wundern, wenn ein visueller Beobachter seine eigenen Anforderungen im Markt-Forum zerstreut. Das ist mindestens ungeschickt. Resignation?

Es werden aber hier im Forum keinerlei Umfragen unter den Amateuren geschaltet, die für ein Konzept sprechen. Anstatt der üblichen Argumentationsketten mit entsprechendem Ausgang. Vielleicht wäre das mal ein Weg.

Grüße,
Gerrit


 
Hallo Gerd,

theoretisch hast Du Recht, ein Dobson ist eigentlich ein rein visuelles Teleskop, oder besser, sollte es sein
Inzwischen gibt es aber auch hier praktisch keine Angebote mehr, die für die rein visuelle Nutzung optimiert sind.
Das liegt daran, dass die Nutzer dann doch Fotos und/oder Videos damit machen wollen und rumjammern, wenn sie mit ihrer Knipse nicht in den Fokus kommen.
Um sich diesen Stress zu ersparen legen die Hersteller den Brennpunkt von vornherein schön weit raus und bauen einen entsprechend grossen Fangspiegel ein.
Nennst Du so etwas visuell optimiert?
Ich jedenfalls nicht.

Mein Portaball kam damals mit 17% Obstruktion vom Hersteller, zeig mir mal einen aktuellen Dobson, der da mithalten kann.

Jochen
 
hallo Gerd,

"die Bauartbedingt nun mal ausschließlich zur visuellen Nutzung geeignet sind"

Da unterschätzt du die Findigkeit der Astronomen aber gewaltig!
http://www.planetary-astronomy-and-imaging.com/en/interview-yann-le-gall/

nur einer von Vielen!

Ich habe auch einen Kunden der seinen 20" Dobson guidet und Deepsky macht, mit Derotator halt. Alles geht, und alles wird gefragt von den Kunden. Sie sehens auf youtube und wollens auch.

Abgesehen davon, heute kann man sich das Scope ja nach Wunsch zusammenstellen lassen wenn man nicht selber bauen will. Gibt sogar Händler und deren Mitarbeiter die kompetent beraten können was da wohl gut wäre. :pfeif:

lg Tommy
 
Hallo Jochen,

Um sich diesen Stress zu ersparen legen die Hersteller den Brennpunkt von vornherein schön weit raus und bauen einen entsprechend grossen Fangspiegel ein.
Nennst Du so etwas visuell optimiert?
Ich jedenfalls nicht.

nein natürlich ist das nicht visuell optimiert und darum dränge ich ja auch darauf hier endlich mal wieder etwas konsequenter zu werden.

Grüße Gerd
 
Hallo Tommy,

bei Planetenfotografie geht schon einiges richtig auch wenn man sich wundern muss wie einige das schaffen mit dem schubsen.
Klar gibt es da auch eine EQ Plattform und dann wird das schon gut praktikabel.
Die Anforderungen für Planetenfotografie sind aber der visuellen sehr ähnlich.
Ach wenn Obstruktion dank moderner EBV hier etwas weniger störend ist als visuell.
Die Web bzw. Planetencam ist auch nicht schwer so das hier kein OAZ benötigt wird der unbedingt zig kg Zuladung vertragen muss.

Ich habe auch einen Kunden der seinen 20" Dobson guidet und Deepsky macht, mit Derotator halt.
Na da sind aber schon besondere Klimmzüge nötig und da gibt es sicher andere Lösungen die Komfortabler sind.
Mag sein das so manches geht aber dann vieles eher auf Krampf mit viel Aufwand und deutlich Kompromissbehaftet.
Eine ideale Fotomaschine ist so ein Dobson sicher nicht.

Ich hab mit meiner Aussage oben auch eher die „normalen“ Dobson im Auge gehabt wie es sie üblicherweise zu kaufen gibt also ohne irgendwelche Antriebe, Hufeisenmontierung oder sowas .
Eine einfache EQ Plattform dürfte für DS nicht ausreichen.

Ich halte von Kompromisslösungen nicht viel.
Entweder Foto oder visuell und dann kompromisslos darauf ausgerichtet und wer beides möchte sollte meiner Meinung nach eher 2 Teleskope kaufen und dann jedes konsequent für seinen Zweck optimiert und keine wischi waschi Lösung die alles können soll.


Grüße Gerd
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Gerrit,

ich habe die Erfahrung gemacht, daß es da eine Unterscheidung gibt, die oft unter den Tisch fallen gelassen wird. Ein visueller Newton für Planetenbeobachtung und ein visueller Newton für Deep-Sky werden zusammengeworfen. Das sind aber - wenn man wie gefordert optimiert - zwei verschiedene Geräte. Ich schreibe das hier jetzt mal auf, wie ich das auslege, auch stellvertretend für die anderen Posts hier zu dem Thema. Dann herrscht Klarheit und wir können auf einer gemeinsamen Basis weiterdiskutieren. Damit keiner behaupten kann, daß ich nur eigene Zahlen verwende, mache ich das jetzt für Euch auf Basis der TeleVue Okulare. Hier sind die Daten:
http://www.televue.com/engine/TV3b_page.asp?id=214#.Ve_7PZcta6s
1) Planetennewton: Es kommen kurzbrennweitige Okulare zum Einsatz mit einer Brennweitte < 20mm. Da sehen wir in der Tabelle einen Bereich für die Fokuslage von 0,78" (19,8mm, 12mm Nagler Typ 4) bis -0,39" (9,9mm, 17mm Ethos) zum Einsatz. Das gibt uns einen nötigen Fokusbereich beim Fokussierer von ca. 30mm. Der Fokuspunkt muß mindestens 10mm über dem eingefahrenen Fokussierer liegen - sonst kommt das Ethos nicht in den Fokus. Das ausgeleuchtete Feld ist mit 5mm ausreichend dimensioniert.

2) Deep-Sky Newton: Es kommen alle Okulare zum Einsatz - von hohen Vergrößerungen für Planetarische Nebel bis zu maximalen Austrittspupillen für ausgedehnte Nebel. Damit rutscht eigentlich auch das 55mm Plössl mit rein, wenn das Gerät langbrennweitig ist. Wir lassen es mal absichtlich weg. Bei Deep-Sky Beobachtung kommt aber oft ein Filterschieber zum Einsatz. Der ist mindestens so hoch wie eine typische Steckhülse: 40mm + 5mm für die Filter. Die Ausleuchtung muß besser sein - eher 15mm als 5mm. 20mm sind auch nicht falsch.

Wir haben also zwei visuelle Geräte. Bei einem Deep-Sky Newton muß aber der Fangspiegel größer sein - größeres ausgeleuchtetes Feld und höherer Abstand des Fokus über dem Tubus. Rechnen wir das mal überschlagsweise:
Fangspiegelgröße Ausleuchtung: +10-15mm
Fangspiegelgröße 45m höher über Tubus:
bei f/6 - 7,5mm
bei f/5 - 9mm
bei f/4 - 11,25mm

insgesamt also zwischen 17,5mm und 26,25mm mehr Fangspiegeldurchmesser beim Deep-Sky Gerät.
Man kann dann Kompromisse machen. Ein Sternfreund kann für seine vorhandenen Okulare optimieren, und so die Fangspiegelgröße optimieren. Ein Hersteller kann das nicht - da muß einfach alles in den Fokus kommen, sonst ist der Bär los.

Aber so einfach: "Macht doch endlich mal einen visuell optimierten Newton" ist es halt nicht. Fast alle, mit denen ich rede meinen damit einen Planetennewton. Das ist aber eben nur die halbe visuelle Wahrheit.

Nun geben wir doch mal die Daten in myNewton ein. Da kommen wir für ein 203/1200 System beim Planetennewton mit 5mm Feld auf 41mm Fangspiegeldurchmesser. Aber: der Tubus ist so knapp, daß das OAZ-Rohr in den Strahlengang reicht - auch auf das optischen Achse. Für Planeten ein absolutes Malheur, das hier in den Foren sicher mit dramatischen Worten über die Fähigkeiten des Entwicklers kommentiert würde. Wenn das wenigstens auf der Achse nicht passieren soll, müssen wir zwischen Spiegel und Rohr mindestens die 30mm Travel lassen, die der OAZ hat. Das macht den Fangspiegel größer: 46mm. Damit haben wir 23% Obstruktion. Bei gegebenem OAZ und Auslegung ohne Toleranzen für Brennweite oder Fertigung.

Jetzt zum Deep-Sky Newton. Hier kommen wir dann auf 59mm Fangspiegelgröße - 29% Obstruktion. Wieder ohne Toleranzen für Brennweite und Fertigung.

Das sind jetzt zwei unterschiedliche Systeme - aber beide visuell. Also nicht gleich auf die Astrofotografen schimpfen, wenn der Fangspiegel ein bischen größer ist.

Clear skies

Tassilo
 
Hallo Gerd,

ich sehe das Problem nicht, weil solche OAZ bereits existieren - wie von mir unten aufgelistet.

"Ein Helical hat halt auch so seine Nachteile der Feathertouch ist der einzige OAZ in klassischer Bauweise der bezüglich Bauhöhe wirklich optimiert ist und er ist mit über 500€ halt sehr teuer." - O.K - kann ich nachvollziehen. Aber dafür gibt es einen einfachen Grund - klassische Bauweise funktioniert je besser, desto länger die Führung im Rohr ist. Bei ganz kurzbauenden OAZ also ganz schlecht. Der Feathertouch sieht zwar vertraut aus - macht die Lagerung aber ganz unklassisch mit eingearbeiteter Linearführung.
"Wer einen preisgünstigen OAZ klassischer Bauart mit besonders niedriger Bauhöhe sucht wird momentan leider nirgends fündig." - Genau das ist die Konsequenz aus der oben genannten Tatsache, daß klassisch in kurz nicht funktioniert - jedenfalls nicht bei großem (2") Durchmesser.
Fazit: Klassisch geht nicht und unklassisch gibts schon. Es würde mir mal Spaß machen da was zu machen, aber im Moment ist da keine gute billige Lösung da, außer die bereits genannten.

Clear skies

Tassilo
 
Zitat von ESEurope:
Hallo Gerrit,

ich habe die Erfahrung gemacht, daß es da eine Unterscheidung gibt, die oft unter den Tisch fallen gelassen wird. Ein visueller Newton für Planetenbeobachtung und ein visueller Newton für Deep-Sky werden zusammengeworfen. Das sind aber - wenn man wie gefordert optimiert - zwei verschiedene Geräte. Ich schreibe das hier jetzt mal auf, wie ich das auslege, auch stellvertretend für die anderen Posts hier zu dem Thema. Dann herrscht Klarheit und wir können auf einer gemeinsamen Basis weiterdiskutieren. Damit keiner behaupten kann, daß ich nur eigene Zahlen verwende, mache ich das jetzt für Euch auf Basis der TeleVue Okulare. Hier sind die Daten:
http://www.televue.com/engine/TV3b_page.asp?id=214#.Ve_7PZcta6s
1) Planetennewton: Es kommen kurzbrennweitige Okulare zum Einsatz mit einer Brennweitte < 20mm. Da sehen wir in der Tabelle einen Bereich für die Fokuslage von 0,78" (19,8mm, 12mm Nagler Typ 4) bis -0,39" (9,9mm, 17mm Ethos) zum Einsatz. Das gibt uns einen nötigen Fokusbereich beim Fokussierer von ca. 30mm. Der Fokuspunkt muß mindestens 10mm über dem eingefahrenen Fokussierer liegen - sonst kommt das Ethos nicht in den Fokus. Das ausgeleuchtete Feld ist mit 5mm ausreichend dimensioniert.

2) Deep-Sky Newton: Es kommen alle Okulare zum Einsatz - von hohen Vergrößerungen für Planetarische Nebel bis zu maximalen Austrittspupillen für ausgedehnte Nebel. Damit rutscht eigentlich auch das 55mm Plössl mit rein, wenn das Gerät langbrennweitig ist. Wir lassen es mal absichtlich weg. Bei Deep-Sky Beobachtung kommt aber oft ein Filterschieber zum Einsatz. Der ist mindestens so hoch wie eine typische Steckhülse: 40mm + 5mm für die Filter. Die Ausleuchtung muß besser sein - eher 15mm als 5mm. 20mm sind auch nicht falsch.

Wir haben also zwei visuelle Geräte. Bei einem Deep-Sky Newton muß aber der Fangspiegel größer sein - größeres ausgeleuchtetes Feld und höherer Abstand des Fokus über dem Tubus. Rechnen wir das mal überschlagsweise:
Fangspiegelgröße Ausleuchtung: +10-15mm
Fangspiegelgröße 45m höher über Tubus:
bei f/6 - 7,5mm
bei f/5 - 9mm
bei f/4 - 11,25mm

insgesamt also zwischen 17,5mm und 26,25mm mehr Fangspiegeldurchmesser beim Deep-Sky Gerät.
Man kann dann Kompromisse machen. Ein Sternfreund kann für seine vorhandenen Okulare optimieren, und so die Fangspiegelgröße optimieren. Ein Hersteller kann das nicht - da muß einfach alles in den Fokus kommen, sonst ist der Bär los.

Aber so einfach: "Macht doch endlich mal einen visuell optimierten Newton" ist es halt nicht. Fast alle, mit denen ich rede meinen damit einen Planetennewton. Das ist aber eben nur die halbe visuelle Wahrheit.

Nun geben wir doch mal die Daten in myNewton ein. Da kommen wir für ein 203/1200 System beim Planetennewton mit 5mm Feld auf 41mm Fangspiegeldurchmesser. Aber: der Tubus ist so knapp, daß das OAZ-Rohr in den Strahlengang reicht - auch auf das optischen Achse. Für Planeten ein absolutes Malheur, das hier in den Foren sicher mit dramatischen Worten über die Fähigkeiten des Entwicklers kommentiert würde. Wenn das wenigstens auf der Achse nicht passieren soll, müssen wir zwischen Spiegel und Rohr mindestens die 30mm Travel lassen, die der OAZ hat. Das macht den Fangspiegel größer: 46mm. Damit haben wir 23% Obstruktion. Bei gegebenem OAZ und Auslegung ohne Toleranzen für Brennweite oder Fertigung.

Jetzt zum Deep-Sky Newton. Hier kommen wir dann auf 59mm Fangspiegelgröße - 29% Obstruktion. Wieder ohne Toleranzen für Brennweite und Fertigung.

Das sind jetzt zwei unterschiedliche Systeme - aber beide visuell. Also nicht gleich auf die Astrofotografen schimpfen, wenn der Fangspiegel ein bischen größer ist.

Clear skies

Tassilo

Hallo Tassilo,
danke fürs Feedback. Du läßt den Tubus bei der Parametrisierung außen vor.
Wie auch immer. Ich habe nur zusammengefasst, was ich aus den Diskussionen mitgenommen habe. Mich würde jetzt auch interessieren, was da aus der Spechtlerschaft an Argumenten kommt.
Grüße,
Gerrit
 
Hallo Tassilo,

Aber dafür gibt es einen einfachen Grund - klassische Bauweise funktioniert je besser, desto länger die Führung im Rohr ist.

ja das ist im Prinzip schon klar aber.

Bei ganz kurzbauenden OAZ also ganz schlecht.

Nein das muss eben nicht so sein, das beweisen ja kurzbauende Okularauszüge wie der Feathertouch oder auch der HC2.
Ja richtig der HC2 ist ein Helical aber das Problem der Länge der Führung stellt sich dort schließlich genauso wie bei einem OAZ klassischer Bauart!
Der HC2 hat eine Länge der Führung von schätzungsweise 20mm.
Trotz dieser extrem kurzen Führungslänge funktioniert er sehr gut und nicht etwa ganz schlecht.
Oder kennst du Leute die sich da beklagen?

Ich sehe keinen Grund warum ein OAZ mit klassischem Antrieb bei einer Führungslänge von 20mm grundsätzlich schlechter funktionieren sollte wie der HC2.
Der Unterschied besteht ja schließlich nur in der Art des Antriebs.

Der Feathertouch sieht zwar vertraut aus - macht die Lagerung aber ganz unklassisch mit eingearbeiteter Linearführung.

Ja ich weiß aber das Prinzip der Führung beim Hexafoc ist ja auch ein Anders wie das der bisherigen Okularauszüge.
Ich halte die Idee für sehr gut und sehe keinen Grund warum ein Hexafoc mit den Eckdaten des Feathertouch weniger stabil wie dieser sein sollte.

Wie oben schon geschrieben, der HC2 beweist das eine Führungslänge von 20mm ausreichend ist und ich bin überzeugt das ein Hexafoc mit 20mm Führungslänge genauso gut funktionieren würde wie der HC2.

Fazit: Klassisch geht nicht und unklassisch gibts schon.

Unklassisch beweist das 20mm Führungslänge ausreichend sind auch als 2“.
Es gibt keinen Grund warum das klassisch anders sein sollte.

Aber so einfach: "Macht doch endlich mal einen visuell optimierten Newton" ist es halt nicht. Fast alle, mit denen ich rede meinen damit einen Planetennewton. Das ist aber eben nur die halbe visuelle Wahrheit.

Bezüglich OAZ ist kürzer immer Trumpf, egal ob für Planeten oder für DS.
Man kann es auch anders sehen und sagen der kurze OAZ verbessert die Ausleuchtung und das ist gut für DS.
Wer den FS so dimensioniert das er bei einer Fonkanlage von meinetwegen 110mm über Tubus wie sie sich bei einem nicht auf Bauhöhe optimierten OAZ ergeben würde eine Ausleuchtung von gerade mal 5mm ergibt der kann bei gleicher FS Größe und der Verwendung eines OAZ mit sehr niedriger Bauhöhe und einer daraus resultierenden Fokuslage von meinetwegen 60mm über Tubus also 50mm weniger bei f/4 mit einem Plus von 50mm/4 = 12,5mm bei der Ausleuchtung rechnen.
Ja ich weiß das ist eine Überschlagsrechnung.
Es sind jetzt also insgesamt 17,5mm statt 5mm, auch so kann man das sehen und darum ist ein kurzer OAZ ebnen auch gut für DS.

Grüße Gerd
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Gerd,

ich stimme Dir bei
"Es gibt keinen Grund warum das klassisch anders sein sollte." nicht zu. Aber ich behalte das im Hinterkopf - vieleicht kommt ja noch die Erleuchtung.

Clear skies

Tassilo
 
Hallo Tassilo,

Zitat von ESEurope:
Ein Sternfreund kann für seine vorhandenen Okulare optimieren, und so die Fangspiegelgröße optimieren.
richtig, habe so gemacht.
Ein Hersteller kann das nicht - da muß einfach alles in den Fokus kommen.
Falsch, ich zitiere mal aus meinem eigenen thread:

"Bestellt und nach 5 Monaten geliefert wurde ein Helmerichstubus
Länge 126cm, Durchmesser 24cm, Farbe Verkehrsblau, mit drei verschiedenen Spiegelpositionen
Baader Steeltrack, BüT 70mm
HS 8"/f6 Orion UK
FS 35mm
saugender Lüfter

Länge über alles: 130cm Gewicht 10,0kg"

In der Planungsphase ging es natürlich auch um die Fokusposition. Wolfi von TS sagte,er würde NIE einen Newton mit nur einer Spiegelposition bauen. Also hat er in 2,5cm Abstände drei verschiedene Möglichkeiten vorgesehen. Das machte den Newton um 5cm länger und waren 6 Bohrlöcher mehr.

Die Fangspiegelgröße kannst Du dann nach Wunsch liefern, wer will nimmt 2verschiedene Größen.

Gruß Uwe
 
Hallo Uwe,

man kann immer alles machen - aber nicht immer zu jedem Preis. Dein Gerät hat garantiert eine ganz andere Preisklasse als die Geräte, die in den verbundenen Threads diskutiert wurden. Bei Seriengeräten sind selbst kleine Änderungen mit einer Änderung der Gussform oder Stanzform verbunden - das kostet RICHTIG Geld.
Die verstellbare HS-Position habe ich nicht gemacht, weil meine Erfahrungen mit den Meade Starfindern in den 90er nicht so toll waren - bei denen war das möglich. Hat zu viel Service und Beratungsaufwand geführt und wurde kaum vom Kunden honoriert.

Clear skies

Tassilo
 
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Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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