Hallo Gerrit,
ich habe die Erfahrung gemacht, daß es da eine Unterscheidung gibt, die oft unter den Tisch fallen gelassen wird. Ein visueller Newton für Planetenbeobachtung und ein visueller Newton für Deep-Sky werden zusammengeworfen. Das sind aber - wenn man wie gefordert optimiert - zwei verschiedene Geräte. Ich schreibe das hier jetzt mal auf, wie ich das auslege, auch stellvertretend für die anderen Posts hier zu dem Thema. Dann herrscht Klarheit und wir können auf einer gemeinsamen Basis weiterdiskutieren. Damit keiner behaupten kann, daß ich nur eigene Zahlen verwende, mache ich das jetzt für Euch auf Basis der TeleVue Okulare. Hier sind die Daten:
http://www.televue.com/engine/TV3b_page.asp?id=214#.Ve_7PZcta6s
1) Planetennewton: Es kommen kurzbrennweitige Okulare zum Einsatz mit einer Brennweitte < 20mm. Da sehen wir in der Tabelle einen Bereich für die Fokuslage von 0,78" (19,8mm, 12mm Nagler Typ 4) bis -0,39" (9,9mm, 17mm Ethos) zum Einsatz. Das gibt uns einen nötigen Fokusbereich beim Fokussierer von ca. 30mm. Der Fokuspunkt muß mindestens 10mm über dem eingefahrenen Fokussierer liegen - sonst kommt das Ethos nicht in den Fokus. Das ausgeleuchtete Feld ist mit 5mm ausreichend dimensioniert.
2) Deep-Sky Newton: Es kommen alle Okulare zum Einsatz - von hohen Vergrößerungen für Planetarische Nebel bis zu maximalen Austrittspupillen für ausgedehnte Nebel. Damit rutscht eigentlich auch das 55mm Plössl mit rein, wenn das Gerät langbrennweitig ist. Wir lassen es mal absichtlich weg. Bei Deep-Sky Beobachtung kommt aber oft ein Filterschieber zum Einsatz. Der ist mindestens so hoch wie eine typische Steckhülse: 40mm + 5mm für die Filter. Die Ausleuchtung muß besser sein - eher 15mm als 5mm. 20mm sind auch nicht falsch.
Wir haben also zwei visuelle Geräte. Bei einem Deep-Sky Newton muß aber der Fangspiegel größer sein - größeres ausgeleuchtetes Feld und höherer Abstand des Fokus über dem Tubus. Rechnen wir das mal überschlagsweise:
Fangspiegelgröße Ausleuchtung: +10-15mm
Fangspiegelgröße 45m höher über Tubus:
bei f/6 - 7,5mm
bei f/5 - 9mm
bei f/4 - 11,25mm
insgesamt also zwischen 17,5mm und 26,25mm mehr Fangspiegeldurchmesser beim Deep-Sky Gerät.
Man kann dann Kompromisse machen. Ein Sternfreund kann für seine vorhandenen Okulare optimieren, und so die Fangspiegelgröße optimieren. Ein Hersteller kann das nicht - da muß einfach alles in den Fokus kommen, sonst ist der Bär los.
Aber so einfach: "Macht doch endlich mal einen visuell optimierten Newton" ist es halt nicht. Fast alle, mit denen ich rede meinen damit einen Planetennewton. Das ist aber eben nur die halbe visuelle Wahrheit.
Nun geben wir doch mal die Daten in myNewton ein. Da kommen wir für ein 203/1200 System beim Planetennewton mit 5mm Feld auf 41mm Fangspiegeldurchmesser. Aber: der Tubus ist so knapp, daß das OAZ-Rohr in den Strahlengang reicht - auch auf das optischen Achse. Für Planeten ein absolutes Malheur, das hier in den Foren sicher mit dramatischen Worten über die Fähigkeiten des Entwicklers kommentiert würde. Wenn das wenigstens auf der Achse nicht passieren soll, müssen wir zwischen Spiegel und Rohr mindestens die 30mm Travel lassen, die der OAZ hat. Das macht den Fangspiegel größer: 46mm. Damit haben wir 23% Obstruktion. Bei gegebenem OAZ und Auslegung ohne Toleranzen für Brennweite oder Fertigung.
Jetzt zum Deep-Sky Newton. Hier kommen wir dann auf 59mm Fangspiegelgröße - 29% Obstruktion. Wieder ohne Toleranzen für Brennweite und Fertigung.
Das sind jetzt zwei unterschiedliche Systeme - aber beide visuell. Also nicht gleich auf die Astrofotografen schimpfen, wenn der Fangspiegel ein bischen größer ist.
Clear skies
Tassilo