Delyon
Aktives Mitglied
Hallo,
nach knapp einem Monat Dauerbewölkung, in der astronomisch nicht mehr drin war als während kurzer Wolkenlücken mal mit dem Fernglas einen flüchtigen Blick in den Himmel zu werfen, gab es gestern endlich mal wieder eine durchgehend klare Nacht, die nach der langen Abstinenz natürlich genutzt werden wollte. Da ich - in der Annahme, dass es ohnehin bewölkt bleiben würde - ausgerechnet in dieser Woche den großen Trekkingrucksack verliehen hatte, mit dem ich üblicherweise den ED transportiere und der Refraktor für den Transport per Hand doch etwas schwer und sperrig ist, wenn man in der anderen Hand schon Stativ und Montierung trägt, kam heute wieder einmal der 90/1250 Mak zum Einsatz. Es ist doch ganz praktisch, für alle Fälle ein Miniteleskop zur Hand zu haben, das so gut wie nichts wiegt und bequem in eine Handtasche passt.
Also für halb drei Uhr morgens den Wecker gestellt und dann los zu einer Beobachtungsnacht im Park mitten in der Stadt, bei der Jupiter und der Mond auf dem Programm stehen sollten, aber auch mal ein Blick darauf, was unter derart widrigen Bedingungen wie unter Laternen und Großstadthimmel eigentlich bei den hellsten Deep Sky-Objekten geht. Am Beobachtungsplatz angekommen und nach Aufbau des Mak stand zuerst ein Blick auf den Mond an, stellte dabei aber fest, dass das Teleskop in dieser kalten Nacht trotz dreiviertelstündigem Fußweg noch nicht richtig ausgekühlt war, also zunächst weiter zu ein paar DS-Objekten. Der Orionnebel war erstaunlicherweise sogar direkt unter Laternenlicht mit bloßem Auge als ganz zarte Himmelsaufhellung wahrnehmbar und im Mak im 32mm-Plössl bei 39x schon ein ganz netter Anblick: Die weit ausgedehnten Adlerschwingen saufen in der Himmelsaufhellung natürlich ab, aber der hellste Zentralbereich ist recht gut sichtbar inklusive sauber getrenntem Trapez, und mit indirektem Sehen deutet sich auch an, dass der Nebel noch ein ganzes Stück weitergeht. Natürlich nicht ansatzweise mit dem atemberaubenden Anblick im ED unter Landhimmel vergleichbar, aber trotzdem hübsch, auch mitten in der Stadt mal einen Blick außerhalb des Sonnensystems wagen zu können. Für die Plejaden ist 39x schon viel zu viel, daher ein eher enttäuschender Anblick. H&Chi ist im Okular bereits ein schönes Sternengewimmel, aber auch wenig beeindruckend im Vergleich zum Anblick im ED mit riesigem Gesichtsfeld unter dunklem Himmel. Von der Andromedagalaxie ist nur der innere Galaxiekern als schwacher Fleck erkennbar, vom Halo ist nichts zu sehen, M110 komplett unsichtbar, M32 nur schwach.
Aber nun gut, das Zentrum einer Millionenstadt ist halt kein DS-Himmel, also zurück zum Mond mit inzwischen einigermaßen ausgekühltem Teleskop. Zuerst genoss ich etwas die Übersichtsbeobachtung bei 39x, dann setzte ich das 12mm Magellan ein und machte mich an Detailbeobachtung bei 104x. Copernicus sprang förmlich ins Auge und wurde zuerst intensiver beobachtet: Im Westen bereits von pechschwarzem Schatten erfüllt, ergaben sich wunderschöne Licht- und Schatteneffekte an der zerklüfteten Kraterwand und trat das Zentralgebirge im Krater herrlich plastisch und detailreich hervor. Die Kleinkraterkette östlich von Copernicus löste sich in Dutzende feiner Einzelheiten auf, die ganze Gegend erscheint wie durchsiebt von Einschusslöchern, feinen Rillen und Bodenverwerfungen vom großen Einschlag.
Als nächstes ging es hoch ins Regenmeer zu den Teneriffe-Bergen, die als gleißend helle, phantastische Schlagschatten werfende Zacken aus dem grauen Untergrund hervorragen, flankiert von mehreren halb von Schatten erfüllten, perfekt schüsselförmigen Kleinkratern. Etwas weiter östlich erheben sich im Boden feine, längliche Linien, die etwas an geschwollene Adern erinnern. Ich blieb mindestens eine halbe Stunde in dieser Region, besonders um die tollen Schattenwürfe der Berge zu studieren, deren leichte Veränderungen mit dem Weiterrücken des Terminators man quasi live mitverfolgen konnte - und einer der Schatten erinnerte wirklich frappierend an den Monolithen aus "2001" ;-)
Nachdem ich mir noch die kraterreiche südliche Region um den wie ein groteskes Gesicht aussehenden Clavius angesehen hatte (Allerdings mangels zuhause vergessenem Mondatlas bei weitem nicht alle bemerkenswerten Krater in der Gegend identifizieren konnte), suchte ich noch ein wenig den Rand der Mondscheibe nach hervorstehenden, sich gegen das schwarze Weltall abzeichnenden Bergkuppen ab. Zum Abschluss der Mondbeobachtung steigerte ich noch die Vergrößerung und ging mit der 9mm-Goldkante auf 139x hoch, was allerdings wegen des immer noch nicht komplett ausgekühlten Tubus ein ziemlich unruhiges Bild ergab - in ganz luftruhigen Sekunden allerdings war Copernicus atemberaubend.
Daraufhin ging es weiter zum mittlerweile recht hoch stehenden, hell strahlenden Jupiter, der im Übersichtsokular bei 39x das gewohnt schöne Bild bot: Auf dem Planeten die beiden Hauptwolkenbänder sehr kräftig, dazu die Verdunklung der Polregionen, flankiert vom Tanz der Monde, von denen in dieser Nacht drei sichtbar waren, darunter einer ganz dicht am Planeten - laut der Grafik auf astronomie.de müsste es sich dabei entweder um Io oder Europa gehandelt haben, aber die Darstellung ist so klein, dass es schwer zu entscheiden ist (Kennt denn jemand eine brauchbarere online verfügbare Simulation der aktuellen Stellung der Jupitermonde?). Im 12mm-Oku bei 104x wurden die Hauptwolkenbänder kräftiger und etwas strukturiert, aber ich merkte doch, dass der Mak auch am Planeten nicht ganz an die Leistung des ED herankommt: Das im ED leichte, durchgängig sichtbare dritte Wolkenband war im Mak nur bei ganz konzentrierter Beobachtung momentweise wahrnehmbar und undeutlicher als im ED, wo es sich bei der letzten Beobachtung scharf konturiert abhob (Allerdings auch mit einem deutlich teureren Okular, wie man fairerweise erwähnen muss), und der am Ende der Beobachtungsnacht gegen 5:30 am Rand des Planetenscheibchens auftauchende GRF ist im Mak auch viel kniffliger als im ED.
Aber da war ja noch etwas, das mir bei der Übersichtsvergrößerung noch nicht aufgefallen war! Ein tiefschwarzer, kreisrunder Schatten ziemlich genau in der Mitte eines der beiden Hauptwolkenbänder - ein über den Planeten wandernder Mondschatten (Das müsste dann wohl der Schatten von Io gewesen sein?)! So etwas hatte ich als Jugendlicher schon einige male mit dem 114/900er beobachtet, aber seit meinem Wiedereinstieg in die Astronomie war es meine erste Beobachtung eines Mondschattens auf Jupiter, einfach ein grandioser Anblick. Mit der 9mm Goldkante bei 139x wird der Schatten noch deutlicher und klar flächig - schön, auf diese Weise auch mit einem kleinen Teleskop die Jupitermonde quasi auf indirektem Weg als flächige Objekte wahrnehmen zu können. Gut eine Dreiviertelstunde lang verfolgte ich dieses Schauspiel gebannt, bis der Mondschatten am Rand des Planetenscheibchens angekommen war, während auf der anderen Seite ganz behutsam der GRF hervorzulugen begann (Aber eben nur andeutungsweise als leichte Verdickung des Wolkenbandes erkennbar und nicht so schön wie im ED). Zum Abschluss noch einmal ein Blick auf den Mond, aber dann zitterte ich langsam vor Frost so sehr, dass ich beschloss, zusammenzupacken - es wird inzwischen frühmorgens doch schon verdammt kalt.
Eine Beobachtungsnacht mit beschränktem Programm, aber sehr befriedigend, nach dem wochenlangen Wolkensiff überhaupt mal wieder etwas gesehen zu haben und dabei mit der Copernicus-Beobachtung und dem Io-Schatten zwei wirkliche Highlights erwischt zu haben.
CS,
Fabian
nach knapp einem Monat Dauerbewölkung, in der astronomisch nicht mehr drin war als während kurzer Wolkenlücken mal mit dem Fernglas einen flüchtigen Blick in den Himmel zu werfen, gab es gestern endlich mal wieder eine durchgehend klare Nacht, die nach der langen Abstinenz natürlich genutzt werden wollte. Da ich - in der Annahme, dass es ohnehin bewölkt bleiben würde - ausgerechnet in dieser Woche den großen Trekkingrucksack verliehen hatte, mit dem ich üblicherweise den ED transportiere und der Refraktor für den Transport per Hand doch etwas schwer und sperrig ist, wenn man in der anderen Hand schon Stativ und Montierung trägt, kam heute wieder einmal der 90/1250 Mak zum Einsatz. Es ist doch ganz praktisch, für alle Fälle ein Miniteleskop zur Hand zu haben, das so gut wie nichts wiegt und bequem in eine Handtasche passt.
Also für halb drei Uhr morgens den Wecker gestellt und dann los zu einer Beobachtungsnacht im Park mitten in der Stadt, bei der Jupiter und der Mond auf dem Programm stehen sollten, aber auch mal ein Blick darauf, was unter derart widrigen Bedingungen wie unter Laternen und Großstadthimmel eigentlich bei den hellsten Deep Sky-Objekten geht. Am Beobachtungsplatz angekommen und nach Aufbau des Mak stand zuerst ein Blick auf den Mond an, stellte dabei aber fest, dass das Teleskop in dieser kalten Nacht trotz dreiviertelstündigem Fußweg noch nicht richtig ausgekühlt war, also zunächst weiter zu ein paar DS-Objekten. Der Orionnebel war erstaunlicherweise sogar direkt unter Laternenlicht mit bloßem Auge als ganz zarte Himmelsaufhellung wahrnehmbar und im Mak im 32mm-Plössl bei 39x schon ein ganz netter Anblick: Die weit ausgedehnten Adlerschwingen saufen in der Himmelsaufhellung natürlich ab, aber der hellste Zentralbereich ist recht gut sichtbar inklusive sauber getrenntem Trapez, und mit indirektem Sehen deutet sich auch an, dass der Nebel noch ein ganzes Stück weitergeht. Natürlich nicht ansatzweise mit dem atemberaubenden Anblick im ED unter Landhimmel vergleichbar, aber trotzdem hübsch, auch mitten in der Stadt mal einen Blick außerhalb des Sonnensystems wagen zu können. Für die Plejaden ist 39x schon viel zu viel, daher ein eher enttäuschender Anblick. H&Chi ist im Okular bereits ein schönes Sternengewimmel, aber auch wenig beeindruckend im Vergleich zum Anblick im ED mit riesigem Gesichtsfeld unter dunklem Himmel. Von der Andromedagalaxie ist nur der innere Galaxiekern als schwacher Fleck erkennbar, vom Halo ist nichts zu sehen, M110 komplett unsichtbar, M32 nur schwach.
Aber nun gut, das Zentrum einer Millionenstadt ist halt kein DS-Himmel, also zurück zum Mond mit inzwischen einigermaßen ausgekühltem Teleskop. Zuerst genoss ich etwas die Übersichtsbeobachtung bei 39x, dann setzte ich das 12mm Magellan ein und machte mich an Detailbeobachtung bei 104x. Copernicus sprang förmlich ins Auge und wurde zuerst intensiver beobachtet: Im Westen bereits von pechschwarzem Schatten erfüllt, ergaben sich wunderschöne Licht- und Schatteneffekte an der zerklüfteten Kraterwand und trat das Zentralgebirge im Krater herrlich plastisch und detailreich hervor. Die Kleinkraterkette östlich von Copernicus löste sich in Dutzende feiner Einzelheiten auf, die ganze Gegend erscheint wie durchsiebt von Einschusslöchern, feinen Rillen und Bodenverwerfungen vom großen Einschlag.
Als nächstes ging es hoch ins Regenmeer zu den Teneriffe-Bergen, die als gleißend helle, phantastische Schlagschatten werfende Zacken aus dem grauen Untergrund hervorragen, flankiert von mehreren halb von Schatten erfüllten, perfekt schüsselförmigen Kleinkratern. Etwas weiter östlich erheben sich im Boden feine, längliche Linien, die etwas an geschwollene Adern erinnern. Ich blieb mindestens eine halbe Stunde in dieser Region, besonders um die tollen Schattenwürfe der Berge zu studieren, deren leichte Veränderungen mit dem Weiterrücken des Terminators man quasi live mitverfolgen konnte - und einer der Schatten erinnerte wirklich frappierend an den Monolithen aus "2001" ;-)
Nachdem ich mir noch die kraterreiche südliche Region um den wie ein groteskes Gesicht aussehenden Clavius angesehen hatte (Allerdings mangels zuhause vergessenem Mondatlas bei weitem nicht alle bemerkenswerten Krater in der Gegend identifizieren konnte), suchte ich noch ein wenig den Rand der Mondscheibe nach hervorstehenden, sich gegen das schwarze Weltall abzeichnenden Bergkuppen ab. Zum Abschluss der Mondbeobachtung steigerte ich noch die Vergrößerung und ging mit der 9mm-Goldkante auf 139x hoch, was allerdings wegen des immer noch nicht komplett ausgekühlten Tubus ein ziemlich unruhiges Bild ergab - in ganz luftruhigen Sekunden allerdings war Copernicus atemberaubend.
Daraufhin ging es weiter zum mittlerweile recht hoch stehenden, hell strahlenden Jupiter, der im Übersichtsokular bei 39x das gewohnt schöne Bild bot: Auf dem Planeten die beiden Hauptwolkenbänder sehr kräftig, dazu die Verdunklung der Polregionen, flankiert vom Tanz der Monde, von denen in dieser Nacht drei sichtbar waren, darunter einer ganz dicht am Planeten - laut der Grafik auf astronomie.de müsste es sich dabei entweder um Io oder Europa gehandelt haben, aber die Darstellung ist so klein, dass es schwer zu entscheiden ist (Kennt denn jemand eine brauchbarere online verfügbare Simulation der aktuellen Stellung der Jupitermonde?). Im 12mm-Oku bei 104x wurden die Hauptwolkenbänder kräftiger und etwas strukturiert, aber ich merkte doch, dass der Mak auch am Planeten nicht ganz an die Leistung des ED herankommt: Das im ED leichte, durchgängig sichtbare dritte Wolkenband war im Mak nur bei ganz konzentrierter Beobachtung momentweise wahrnehmbar und undeutlicher als im ED, wo es sich bei der letzten Beobachtung scharf konturiert abhob (Allerdings auch mit einem deutlich teureren Okular, wie man fairerweise erwähnen muss), und der am Ende der Beobachtungsnacht gegen 5:30 am Rand des Planetenscheibchens auftauchende GRF ist im Mak auch viel kniffliger als im ED.
Aber da war ja noch etwas, das mir bei der Übersichtsvergrößerung noch nicht aufgefallen war! Ein tiefschwarzer, kreisrunder Schatten ziemlich genau in der Mitte eines der beiden Hauptwolkenbänder - ein über den Planeten wandernder Mondschatten (Das müsste dann wohl der Schatten von Io gewesen sein?)! So etwas hatte ich als Jugendlicher schon einige male mit dem 114/900er beobachtet, aber seit meinem Wiedereinstieg in die Astronomie war es meine erste Beobachtung eines Mondschattens auf Jupiter, einfach ein grandioser Anblick. Mit der 9mm Goldkante bei 139x wird der Schatten noch deutlicher und klar flächig - schön, auf diese Weise auch mit einem kleinen Teleskop die Jupitermonde quasi auf indirektem Weg als flächige Objekte wahrnehmen zu können. Gut eine Dreiviertelstunde lang verfolgte ich dieses Schauspiel gebannt, bis der Mondschatten am Rand des Planetenscheibchens angekommen war, während auf der anderen Seite ganz behutsam der GRF hervorzulugen begann (Aber eben nur andeutungsweise als leichte Verdickung des Wolkenbandes erkennbar und nicht so schön wie im ED). Zum Abschluss noch einmal ein Blick auf den Mond, aber dann zitterte ich langsam vor Frost so sehr, dass ich beschloss, zusammenzupacken - es wird inzwischen frühmorgens doch schon verdammt kalt.
Eine Beobachtungsnacht mit beschränktem Programm, aber sehr befriedigend, nach dem wochenlangen Wolkensiff überhaupt mal wieder etwas gesehen zu haben und dabei mit der Copernicus-Beobachtung und dem Io-Schatten zwei wirkliche Highlights erwischt zu haben.
CS,
Fabian