hsiegel
Neues Mitglied
Moin,
habe bisher im Forum nur still mitgelesen und möchte mich nun einmal kurz vorstellen: Bin 34 Jahre, komme aus Hamburg, habe meine ersten Erfahrungen seit August diesen Jahres mit einem Aldi-Refraktor gesammelt. Durch einen glücklichen Umstand konnte ich vor wenigen Wochen zwar einen (arg gebrauchten) 8" Skywatcher für wirklich wenig Geld ergattern, dennoch stand mein Entschluss von vornherein fest, mir einen 12" Meade Lightbridge zuzulegen. Also wurde Ende November bestellt, und gestern gab es endlich Firstlight. An meiner Seite immer dabei die astronomisch begeisterte Freundin ("...Du bedienst, ich guck durch...") - im Folgenden Schatzi genannt.
Firstlight:
Der Tag zeigte sich ja schon von seiner besten Seite, und pünktlich zum Sonnenuntergang war der Himmel sternklar. Schatzi hatte alle Hände voll zu tun, um den noch fehlenden Streulichtschutz-Deluxe fertig zu nähen, doch auch dies war bis 20:00h erledigt.
Pünktlich um 20:30h wurde deshalb Marschbereitschaft hergestellt. Mit im Gepäck war außer der kompletten Astroausrüstung noch das Laptop (Stellarium) sowie Tee (heiß!). Da es draußen bereits fröstelte entschieden Schatzi und ich uns klamottenmässig für eine gewagte Kombination á la Michelin. Lange Unterhosen rulen! Drei mal Laufen, und alles war im Auto verstaut. Nach knapp 15 Minuten standen wir auch schon mitten auf’m Acker in Ahrensfelde. Der Aufbau war innerhalb weniger Minuten erledigt, und zu meiner Überraschung war die Kollimation gar nicht sooo daneben. Eigentlich sogar recht gut. Die ersten 15 Minuten wurden dazu benutzt, die Lage zu checken, und den knapp 5.5mag Himmel zu bestaunen. Ist nicht viel, ok, aber als Hamburger nimmt man, was man kriegen kann - vor allem, wenn man ungeduldig ist und es vorher wochenlang bewölkt war.
Während der Lightbridge auskühlte, war das erste Objekt des Abends der direkt über dem Horizont stehende Mond, welcher zu Schatzi und meiner Entzückung rostrot glühte. Leider stand der wirklich so tief, dass eine vernünftige Beobachtung mit dem Lightbridge nicht mehr möglich war. Nach der recht zügigen Justage ging es deshalb zunächst zu den Plejaden, welche im Panoptic 35mm fast ganz ins Bildfeld passen. Allerdings muss ich Schatzi recht geben: Im Feldstecher sehen sie fast noch schöner aus, weil viel kompakter.
Weiter ging es zum ersten Aha-Objekt des Abends, M31. Leider ist es in Ahrensfelde noch zu hell, um die Staubbänder direkt sehen zu können. Aber es war schon majestätisch – so riesig! M32 passte im 35mm noch mit ins Bild. Mit etwas Nachschubsen konnten wir etwas weiter daneben endlich auch einmal M110 beobachten. Weiter ging es zu Holmes, aber dessen Glanz ist nun praktisch ganz verloschen. Außer einer gigantischen Nebelbank war nicht viel auszumachen. Dafür blieb uns bei ha & chi fast die Spucke weg. So viele Sterne, so fein. Einfach toll. Ein Schwenk weiter, und wir hatten Mars im Visier. Dieser wollte bei kürzeren Brennweiten einfach nicht knackscharf werden, weshalb ich die Justage nochmals überprüfte. Eine leichte Dejustage, welche in Sekunden behoben war, ließ Mars dann doch noch überzeugend auf den Plan treten. Aber mit 8mm war zunächst nur ein kleines, orangerotes Scheibchen sichtbar, ganz ohne jegliche Strukturen o.Ä. Direkt daneben, im Fuhrmann dann M36-M38. Die drei offenen Sternhaufen konnten mit dem Telrad binnen Sekunden aufgespürt werden. Schöne, nadelfeine Sterne. Ich muss Wolfgang vom Astrostammtisch wirklich recht geben. Eigentlich muss man im Fuhrmann nur „kräftig rumrühren“, irgendwo ist immer eine Sternansammlung. War noch was? Achja, hehe, M42 Orion. Den hatten wir eigentlich schon vorher angepeilt, aber aus dramaturgischen Gründen soll erst hier die Beschreibung folgen.
Es ist nämlich so, dass ich Orion in den letzten Wochen bereits mit dem 60’er Aldiscope angepeilt hatte (geht sogar…) sowie auch mit dem 8“ Skywatcher. Aber erst heute, mit dem 12“, hatte ich wirklich das Erlebnis schlechthin. Sogar Schatzi kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Anblick war schlichtweg überwältigend. Wir haben uns sehr lange mit M42 und seiner Umgebung beschäftigt, da es einfach so viel zu beobachten gab. Auch kam hier das 8-24mm Hyperion viel zum Einsatz, sowohl mit, als auch ohne CLR Filter (bitte nicht stöhnen, andere Filter kommen, sobald wieder Geld verfügbar ist ;-) )
So langsam wurde es wirklich kalt, und Schatzi konnte nur mit Unmengen an heißem Tee vor dem Erfrieren bewahrt werden. M51 sollte eigentlich der krönende Abschluss des Abends werden, aber leider stand die Galaxie in der Lichtglocke von Ahrensburg und war nicht einmal als grauer Fleck auszumachen. Oder ich hab total falsch gepeilt… Mmmh. Schatzi probierte es auch noch, aber eben. Nix zu wollen. Stattdessen peilten wir noch mal den inzwischen recht hoch stehenden Mars an. Und nun war ich noch mal sprachlos. Denn war der Planet beim ersten Versuch noch total indifferent, zeigte sich nun eine – wenn auch sehr schwache – dunklere Fleckigkeit in Richtung Süden. Leider konnte Schatzi das nicht bestätigen, aber ich bin mir sehr sicher (und konnte das später am 8“ Skywatcher von der heimischen Terrasse aus bestätigen.)
Kurz nach 23:00h war dann Schluss. Raureif legte sich nun überall auf die Landschaft, und auch der Lightbridge frostete so langsam ein. Da auch der Tee ausgetrunken war, ging es also zurück nach Hause. Unterkühlt, aber glücklich.
Digital angefertigte Zeichnungen der gestern beobachteten Objekte gibt es unter: http://www.hasipara.de/node/365
Grüße,
Harry (+Schatzi)
habe bisher im Forum nur still mitgelesen und möchte mich nun einmal kurz vorstellen: Bin 34 Jahre, komme aus Hamburg, habe meine ersten Erfahrungen seit August diesen Jahres mit einem Aldi-Refraktor gesammelt. Durch einen glücklichen Umstand konnte ich vor wenigen Wochen zwar einen (arg gebrauchten) 8" Skywatcher für wirklich wenig Geld ergattern, dennoch stand mein Entschluss von vornherein fest, mir einen 12" Meade Lightbridge zuzulegen. Also wurde Ende November bestellt, und gestern gab es endlich Firstlight. An meiner Seite immer dabei die astronomisch begeisterte Freundin ("...Du bedienst, ich guck durch...") - im Folgenden Schatzi genannt.
Firstlight:
Der Tag zeigte sich ja schon von seiner besten Seite, und pünktlich zum Sonnenuntergang war der Himmel sternklar. Schatzi hatte alle Hände voll zu tun, um den noch fehlenden Streulichtschutz-Deluxe fertig zu nähen, doch auch dies war bis 20:00h erledigt.
Pünktlich um 20:30h wurde deshalb Marschbereitschaft hergestellt. Mit im Gepäck war außer der kompletten Astroausrüstung noch das Laptop (Stellarium) sowie Tee (heiß!). Da es draußen bereits fröstelte entschieden Schatzi und ich uns klamottenmässig für eine gewagte Kombination á la Michelin. Lange Unterhosen rulen! Drei mal Laufen, und alles war im Auto verstaut. Nach knapp 15 Minuten standen wir auch schon mitten auf’m Acker in Ahrensfelde. Der Aufbau war innerhalb weniger Minuten erledigt, und zu meiner Überraschung war die Kollimation gar nicht sooo daneben. Eigentlich sogar recht gut. Die ersten 15 Minuten wurden dazu benutzt, die Lage zu checken, und den knapp 5.5mag Himmel zu bestaunen. Ist nicht viel, ok, aber als Hamburger nimmt man, was man kriegen kann - vor allem, wenn man ungeduldig ist und es vorher wochenlang bewölkt war.
Während der Lightbridge auskühlte, war das erste Objekt des Abends der direkt über dem Horizont stehende Mond, welcher zu Schatzi und meiner Entzückung rostrot glühte. Leider stand der wirklich so tief, dass eine vernünftige Beobachtung mit dem Lightbridge nicht mehr möglich war. Nach der recht zügigen Justage ging es deshalb zunächst zu den Plejaden, welche im Panoptic 35mm fast ganz ins Bildfeld passen. Allerdings muss ich Schatzi recht geben: Im Feldstecher sehen sie fast noch schöner aus, weil viel kompakter.
Weiter ging es zum ersten Aha-Objekt des Abends, M31. Leider ist es in Ahrensfelde noch zu hell, um die Staubbänder direkt sehen zu können. Aber es war schon majestätisch – so riesig! M32 passte im 35mm noch mit ins Bild. Mit etwas Nachschubsen konnten wir etwas weiter daneben endlich auch einmal M110 beobachten. Weiter ging es zu Holmes, aber dessen Glanz ist nun praktisch ganz verloschen. Außer einer gigantischen Nebelbank war nicht viel auszumachen. Dafür blieb uns bei ha & chi fast die Spucke weg. So viele Sterne, so fein. Einfach toll. Ein Schwenk weiter, und wir hatten Mars im Visier. Dieser wollte bei kürzeren Brennweiten einfach nicht knackscharf werden, weshalb ich die Justage nochmals überprüfte. Eine leichte Dejustage, welche in Sekunden behoben war, ließ Mars dann doch noch überzeugend auf den Plan treten. Aber mit 8mm war zunächst nur ein kleines, orangerotes Scheibchen sichtbar, ganz ohne jegliche Strukturen o.Ä. Direkt daneben, im Fuhrmann dann M36-M38. Die drei offenen Sternhaufen konnten mit dem Telrad binnen Sekunden aufgespürt werden. Schöne, nadelfeine Sterne. Ich muss Wolfgang vom Astrostammtisch wirklich recht geben. Eigentlich muss man im Fuhrmann nur „kräftig rumrühren“, irgendwo ist immer eine Sternansammlung. War noch was? Achja, hehe, M42 Orion. Den hatten wir eigentlich schon vorher angepeilt, aber aus dramaturgischen Gründen soll erst hier die Beschreibung folgen.
Es ist nämlich so, dass ich Orion in den letzten Wochen bereits mit dem 60’er Aldiscope angepeilt hatte (geht sogar…) sowie auch mit dem 8“ Skywatcher. Aber erst heute, mit dem 12“, hatte ich wirklich das Erlebnis schlechthin. Sogar Schatzi kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Anblick war schlichtweg überwältigend. Wir haben uns sehr lange mit M42 und seiner Umgebung beschäftigt, da es einfach so viel zu beobachten gab. Auch kam hier das 8-24mm Hyperion viel zum Einsatz, sowohl mit, als auch ohne CLR Filter (bitte nicht stöhnen, andere Filter kommen, sobald wieder Geld verfügbar ist ;-) )
So langsam wurde es wirklich kalt, und Schatzi konnte nur mit Unmengen an heißem Tee vor dem Erfrieren bewahrt werden. M51 sollte eigentlich der krönende Abschluss des Abends werden, aber leider stand die Galaxie in der Lichtglocke von Ahrensburg und war nicht einmal als grauer Fleck auszumachen. Oder ich hab total falsch gepeilt… Mmmh. Schatzi probierte es auch noch, aber eben. Nix zu wollen. Stattdessen peilten wir noch mal den inzwischen recht hoch stehenden Mars an. Und nun war ich noch mal sprachlos. Denn war der Planet beim ersten Versuch noch total indifferent, zeigte sich nun eine – wenn auch sehr schwache – dunklere Fleckigkeit in Richtung Süden. Leider konnte Schatzi das nicht bestätigen, aber ich bin mir sehr sicher (und konnte das später am 8“ Skywatcher von der heimischen Terrasse aus bestätigen.)
Kurz nach 23:00h war dann Schluss. Raureif legte sich nun überall auf die Landschaft, und auch der Lightbridge frostete so langsam ein. Da auch der Tee ausgetrunken war, ging es also zurück nach Hause. Unterkühlt, aber glücklich.
Digital angefertigte Zeichnungen der gestern beobachteten Objekte gibt es unter: http://www.hasipara.de/node/365
Grüße,
Harry (+Schatzi)