Stefan_Lilge
Aktives Mitglied
Hallo,
der Clou an der bei mir kürzlich eingetroffenen ASI 1600MM cool ist bekanntlich das geringe Ausleserauschen (nachgemessene 1,15e- bei Gain 300, siehe hier http://www.astronomicum.de/modules.php?name=Forums&file=viewtopic&t=14529 ), das für Kurzbelichtungen hilfreich ist. Da sich die Frage stellt, wieso ich mir noch eine Schwarzweißkamera kaufe, obwohl ich schon den krönenden Abschluss der CCD-Ära (ICX694) besitze, wollte ich den Vorteil durch das geringe Ausleserauschen einmal dokumentieren, schon um mir selber das Gefühl zu nehmen, hier unnütz Geld verpulvert zu haben.
Verglichen habe ich die Schwarzweiß- und Farbvarianten der ASI 1600 und meine Trius SX694.
"Testaufbau" war mein innenliegendes Badezimmer (also ohne Fenster), in dem ich ein Astrobild, ein Landschaftsbild und eine Flasche Kontaktlinsenreinigungsmittel als Motiv aufgebaut hatte. Die Beleuchtung erfolgte über eine kleine Lampe im Wohnzimmer, die in den Flur geschienen hat und dann über einen durch ein USB-Kabel freigehaltenen Türschlitz ins Bad dringen konnte. Der Laptop zur Kamerasteuerung stand im Flur, um nicht durch wechselnde Bildschirminhalte unterschiedlich viel Beleuchtung im Bad zu erzeugen.
Die Tür zum Bad habe ich bei den Vergleichsbildern zwischen den verschiedenen Kameras jeweils durch einen Gegenstand (meinen Staubsaugroboter, der hier endlich mal seine Nützlichkeit beweisen konnte) weitestgehend zugedrückt (soweit es halt das USB-Kabel erlaubte), damit nicht durch einen unterschiedlich weit geöffneten Türschlitz unterschiedliche Beleuchtungsstärken entstehen.
Aufnahmeoptik war ein Canon Kit-Objektiv, natürlich immer bei gleicher Blende und Brennweite.
Alle Kameras habe ich (nur) auf 0 Grad gekühlt, damit ich nach Kamerawechsel nicht so lange auf die Zieltemperatur warten musste.
Ich habe unter den von der Forensoftware verkleinert angezeigten Bildern jeweils noch den Link auf die volle Größe angebracht, den man insbesondere dann anklicken sollte, wenn die Vorschau komische Streifenmuster zeigt.
Zuerst gibt es ein Bild mit jeweils einer Sekunde Belichtungszeit an der ASI 1600 mit Gain 0 (highest dynamic range, ca. 3,5 Elektronen Ausleserauschen), 139 (unity gain, knapp 1,6 Elektronen) und 300 (lowest read noise, 1,15 Elektronen). Man sieht schon am Einzelbild, dass das mit zunehmendem Gain (von rechts nach links) sinkende Ausleserauschen zu einem besseren Signal-Rauschverhältnis führt.
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/ASI1600MMGaincompEinzelbild.jpg
http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/ASI1600MMGaincompEinzelbild.jpg
Das gleiche dann noch mal mit gestackten 20x1 Sekunden pro Gain-Einstellung, allerdings diesmal andersrum sortiert:
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/ASI1600MMGaincomp.jpg
http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/ASI1600MMGaincomp.jpg
Und noch ein Vergleich bei Gain 300 (1,15e- Ausleserauschen) mit 1x20 Sekunden (oben) gegen 20x1 Sekunden. Wie man sieht ist die lange Belichtung besser als die vielen kurzen Belichtungen, aber es war auch ziemlich dunkel in dem Raum, der Berliner Stadthimmel ist viel heller, so dass im "echten Leben" der Unterschied geringer ausfallen wird:
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/ASI1600MM20x1vs1x20.jpg
http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/ASI1600MM20x1vs1x20.jpg
Das gleiche Experiment noch mal mit meiner Starlight Xpress Trius SX694 mit nachgemessenen 5,13e- Ausleserauschen. Man sieht, dass die Trius deutlich schlechter mit den kurzen Einzelbelichtungen zurecht kommt als die ASI, obwohl der ICX694 in dieser Hinsicht schon einer der besten CCD-Chips ist. Mit dem KAF 8300 muss man doppelt so viele Photonen sammeln wie mit dem ICX694 um hintergrundlimitiert zu sein.
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/Trius20x1svs1x20s.jpg
http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/Trius20x1svs1x20s.jpg
Und hier endlich der große Showdown, jeweils 20x1 Sekunde mit ASI1600 (1,15e- Ausleserauschen bei Gain 300, links) gegen ICX694 (5,13e- Auseleserauschen, rechts). Der Vorteil für die ASI ist unübersehbar.
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/1600MMvsTriuscomp20x1s.jpg
http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/1600MMvsTriuscomp20x1s.jpg
Als "reality check" noch einmal ASI1600 gegen Trius, diesmal aber mit jeweils 300 Sekunden Belichtungszeit, also bei hintergrundlimitierten Bedingungen. Hier sieht die Trius (oben) besser aus, allerdings sind beide Bilder bei nur null Grad Kühlung ohne Darks aufgenommen. Mit stärkerer Kühlung und Darks dürfte die ASI auch hier nah an den ICX694 herankommen. Außerdem würde ich als ehemaliger Besitzer einer Atik383 behaupten, dass der KAF8300 im direkten Vergleich auch nicht besser aussehen würde als die ASI1600.
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/1600MMvsTrius300sohneDark.jpg
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Zum Abschluss noch ein Vergleich der ASI Farbkamera gegen ASI schwarzweiß, das ist das erste mal, dass ich von der gleichen Kamera eine Schwarzweiß- und Farbversion besitze.
Ich habe jeweils 20x1 Sekunde aufgenommen und nach dem Stacken mit Darks jeweils in Software 2x2 gebinnt, ohne das Farbbild zu debayern. Durch das nachträgliche 2x2 Binning wird das "Schachbrettmuster" (Bayer-Pattern) des Farbchips zerstört und damit eine direkte Vergleichbarkeit der Helligkeitswerte mit dem Schwarzweißchip hergestellt. Ein Farbbild mit einem Schwarzweißbild zu vergleichen ist sinnlos, weil der Seheindruck komplett unterschiedlich ist.
Man sieht schön, dass die Schwarzweißkamera ein besseres Signal-/Rauschverhältnis produziert, anhand der Hintergrundwerte (B=) kann man auch gut nachvollziehen, dass sie knapp drei mal (2,78 mal) so viele Licht gesammelt hat wie die Farbkamera, was sehr gut zu der theoretischen Erwartung passt:
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/1600MMvs1600MC20x1smitDarkSoftBin.jpg
http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/1600MMvs1600MC20x1smitDarkSoftBin.jpg
Fazit: Der durch das geringere Ausleserauschen zu erwartende Vorteil der ASI 1600 gegenüber dem ICX694-Chip bei Kurzbelichtungen hat sich bestätigt. Bei langen Einzelbelichtungen macht sich die ASI 1600 ebenfalls sehr gut, braucht aber die Kalibration mit Darks und niedrigere Temperaturen, um mit dem ICX694 mithalten zu können.
Damit ist die ASI 1600 eine ernstzunehmende Alternative zum ICX694. Da dieser einer der besten CCD-Chips ist, gilt dies um so mehr beim Vergleich mit anderen Kameras (etwa mit dem KAF8300).
der Clou an der bei mir kürzlich eingetroffenen ASI 1600MM cool ist bekanntlich das geringe Ausleserauschen (nachgemessene 1,15e- bei Gain 300, siehe hier http://www.astronomicum.de/modules.php?name=Forums&file=viewtopic&t=14529 ), das für Kurzbelichtungen hilfreich ist. Da sich die Frage stellt, wieso ich mir noch eine Schwarzweißkamera kaufe, obwohl ich schon den krönenden Abschluss der CCD-Ära (ICX694) besitze, wollte ich den Vorteil durch das geringe Ausleserauschen einmal dokumentieren, schon um mir selber das Gefühl zu nehmen, hier unnütz Geld verpulvert zu haben.
Verglichen habe ich die Schwarzweiß- und Farbvarianten der ASI 1600 und meine Trius SX694.
"Testaufbau" war mein innenliegendes Badezimmer (also ohne Fenster), in dem ich ein Astrobild, ein Landschaftsbild und eine Flasche Kontaktlinsenreinigungsmittel als Motiv aufgebaut hatte. Die Beleuchtung erfolgte über eine kleine Lampe im Wohnzimmer, die in den Flur geschienen hat und dann über einen durch ein USB-Kabel freigehaltenen Türschlitz ins Bad dringen konnte. Der Laptop zur Kamerasteuerung stand im Flur, um nicht durch wechselnde Bildschirminhalte unterschiedlich viel Beleuchtung im Bad zu erzeugen.
Die Tür zum Bad habe ich bei den Vergleichsbildern zwischen den verschiedenen Kameras jeweils durch einen Gegenstand (meinen Staubsaugroboter, der hier endlich mal seine Nützlichkeit beweisen konnte) weitestgehend zugedrückt (soweit es halt das USB-Kabel erlaubte), damit nicht durch einen unterschiedlich weit geöffneten Türschlitz unterschiedliche Beleuchtungsstärken entstehen.
Aufnahmeoptik war ein Canon Kit-Objektiv, natürlich immer bei gleicher Blende und Brennweite.
Alle Kameras habe ich (nur) auf 0 Grad gekühlt, damit ich nach Kamerawechsel nicht so lange auf die Zieltemperatur warten musste.
Ich habe unter den von der Forensoftware verkleinert angezeigten Bildern jeweils noch den Link auf die volle Größe angebracht, den man insbesondere dann anklicken sollte, wenn die Vorschau komische Streifenmuster zeigt.
Zuerst gibt es ein Bild mit jeweils einer Sekunde Belichtungszeit an der ASI 1600 mit Gain 0 (highest dynamic range, ca. 3,5 Elektronen Ausleserauschen), 139 (unity gain, knapp 1,6 Elektronen) und 300 (lowest read noise, 1,15 Elektronen). Man sieht schon am Einzelbild, dass das mit zunehmendem Gain (von rechts nach links) sinkende Ausleserauschen zu einem besseren Signal-Rauschverhältnis führt.
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/ASI1600MMGaincompEinzelbild.jpg
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Das gleiche dann noch mal mit gestackten 20x1 Sekunden pro Gain-Einstellung, allerdings diesmal andersrum sortiert:
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/ASI1600MMGaincomp.jpg
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Und noch ein Vergleich bei Gain 300 (1,15e- Ausleserauschen) mit 1x20 Sekunden (oben) gegen 20x1 Sekunden. Wie man sieht ist die lange Belichtung besser als die vielen kurzen Belichtungen, aber es war auch ziemlich dunkel in dem Raum, der Berliner Stadthimmel ist viel heller, so dass im "echten Leben" der Unterschied geringer ausfallen wird:
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/ASI1600MM20x1vs1x20.jpg
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Das gleiche Experiment noch mal mit meiner Starlight Xpress Trius SX694 mit nachgemessenen 5,13e- Ausleserauschen. Man sieht, dass die Trius deutlich schlechter mit den kurzen Einzelbelichtungen zurecht kommt als die ASI, obwohl der ICX694 in dieser Hinsicht schon einer der besten CCD-Chips ist. Mit dem KAF 8300 muss man doppelt so viele Photonen sammeln wie mit dem ICX694 um hintergrundlimitiert zu sein.
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/Trius20x1svs1x20s.jpg
http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/Trius20x1svs1x20s.jpg
Und hier endlich der große Showdown, jeweils 20x1 Sekunde mit ASI1600 (1,15e- Ausleserauschen bei Gain 300, links) gegen ICX694 (5,13e- Auseleserauschen, rechts). Der Vorteil für die ASI ist unübersehbar.
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/1600MMvsTriuscomp20x1s.jpg
http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/1600MMvsTriuscomp20x1s.jpg
Als "reality check" noch einmal ASI1600 gegen Trius, diesmal aber mit jeweils 300 Sekunden Belichtungszeit, also bei hintergrundlimitierten Bedingungen. Hier sieht die Trius (oben) besser aus, allerdings sind beide Bilder bei nur null Grad Kühlung ohne Darks aufgenommen. Mit stärkerer Kühlung und Darks dürfte die ASI auch hier nah an den ICX694 herankommen. Außerdem würde ich als ehemaliger Besitzer einer Atik383 behaupten, dass der KAF8300 im direkten Vergleich auch nicht besser aussehen würde als die ASI1600.
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/1600MMvsTrius300sohneDark.jpg
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Zum Abschluss noch ein Vergleich der ASI Farbkamera gegen ASI schwarzweiß, das ist das erste mal, dass ich von der gleichen Kamera eine Schwarzweiß- und Farbversion besitze.
Ich habe jeweils 20x1 Sekunde aufgenommen und nach dem Stacken mit Darks jeweils in Software 2x2 gebinnt, ohne das Farbbild zu debayern. Durch das nachträgliche 2x2 Binning wird das "Schachbrettmuster" (Bayer-Pattern) des Farbchips zerstört und damit eine direkte Vergleichbarkeit der Helligkeitswerte mit dem Schwarzweißchip hergestellt. Ein Farbbild mit einem Schwarzweißbild zu vergleichen ist sinnlos, weil der Seheindruck komplett unterschiedlich ist.
Man sieht schön, dass die Schwarzweißkamera ein besseres Signal-/Rauschverhältnis produziert, anhand der Hintergrundwerte (B=) kann man auch gut nachvollziehen, dass sie knapp drei mal (2,78 mal) so viele Licht gesammelt hat wie die Farbkamera, was sehr gut zu der theoretischen Erwartung passt:
Link zur Grafik: http://www.astronomicum.de/modules/Gallery/data/media/17/1600MMvs1600MC20x1smitDarkSoftBin.jpg
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Fazit: Der durch das geringere Ausleserauschen zu erwartende Vorteil der ASI 1600 gegenüber dem ICX694-Chip bei Kurzbelichtungen hat sich bestätigt. Bei langen Einzelbelichtungen macht sich die ASI 1600 ebenfalls sehr gut, braucht aber die Kalibration mit Darks und niedrigere Temperaturen, um mit dem ICX694 mithalten zu können.
Damit ist die ASI 1600 eine ernstzunehmende Alternative zum ICX694. Da dieser einer der besten CCD-Chips ist, gilt dies um so mehr beim Vergleich mit anderen Kameras (etwa mit dem KAF8300).
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