Beobachtung vom 27.09.2026
Hallo zusammen,
bei zunächst bewölktem Himmel und nur gelegentlichen Wolkenlücken zeigte sich die Sonne heute gegen 11:41 MESZ mit mehreren aktiven Regionen. Besonders die zentral gelegene AR 4535 fällt durch eine Vielzahl kleinerer Sonnenflecken auf.
Bei der anschließenden Sichtung und Auswertung der Scans ist mir allerdings etwas anderes ins Auge gefallen:
In AR 4536 findet sich erstmals ein Kandidat, der hinsichtlich seiner Erscheinung sowohl im Hα als auch im NUV vielversprechend für einen möglichen multispektralen Nachweis einer Ellerman-Bombe ist!
Ausgerechnet dieser Kandidat befindet sich jedoch in einem der wenigen Scans, bei denen sich während der Aufnahme eine Wolke vor die Sonnenscheibe geschoben hat. Für die Ästhetik der Aufnahme ist das natürlich wenig hilfreich – für die eigentliche Fragestellung heute aber eher nebensächlich. Denn bevor ich das Bild verwerfe, möchte ich den Befund genauer unter die Lupe nehmen.
Zunächst deshalb wie gewohnt die Übersicht und die üblichen Ansichten der (bewölkten) Sonne. Anschließend geht es dann etwas genauer um den EB-Kandidaten in AR 4536 – und um die Frage, ob sich der Verdacht tatsächlich erhärten lässt.
Blink-Animation von Ca II H und Hα ( Δt = 28 Sekunden)
NUV-Spektroheliogramme
Die Ca II H - Linienkomponenten zeigen das chromosphärische Netzwerk und die magnetisch aktiven Plage in verschiedenen Höhen der Chromosphäre (absteigend von K3 zu K1v). Hε ermöglicht einen Blick auf den Sonnenfleck in AR4536 am nord-westlichen Sonnenrand und zeigt die feine Bewölkung während der Aufnahme:
Hα-Spektroheliogramme
Der äußere und innere Linienflügel der Hα-Linie sowie der Linienkern ermöglichen einen Blick auf unterschiedliche Höhenbereiche der Chromosphäre – von den tieferen über die mittleren bis hin zu den höheren chromosphärischen Schichten:
Multispektrale Analyse des EB-Kandidats in AR4536
Severny-Moustache
Zunächst zeigt sich ein Severny-Moustache im Spektralprofil der Hα-Linie als starker Indikator für eine Ellerman-Bombe: Emissionen in den Lineinflügeln, der Linienkern ist dabei nicht betroffen:
Ellerman-Bombe
Das Spektroheliogramm des Linienflügels zeigt eine punktförmige Aufhellung in AR4536, in der Umgebung eines Sonnenflecks nahe dem nord-westlichen Sonnenrand - genau an der Position zeigt sich der Severny-Moustache im Spektrum!
Hε als Ergänzung zur Detektion der Ellerman-Bombe
Die Position des EB-Kandidaten wurde im NUV-Spektralwürfel zunächst relativ zum umgebenden Sonnenfleck bestimmt. Die entsprechende Struktur lässt sich sowohl im Hα- als auch im NUV-Material im gleichen Bereich von AR 4536 wiederfinden.
Eine pixelgenaue und eindeutige Positionszuordnung zwischen den Hα- und NUV-Aufnahmen ist allerdings aufgrund der unterschiedlichen Instrumente, Abbildungsmaßstäbe und Aufnahmebedingungen nicht möglich. Die beobachtete räumliche Übereinstimmung ist daher als relative Zuordnung zum Sonnenfleck und zur umgebenden Aktivitätsregion zu verstehen.
Dies stellt vermutlich eine technische Grenze der derzeitigen Methode dar. Für die hier vorgenommene qualitative Gegenüberstellung reicht die räumliche Übereinstimmung zwar als Hinweis aus, sie ersetzt jedoch keine exakt registrierte bzw. ko-registrierte Beobachtung.
Die in der Hα-Linie erkennbare EB-Kandidatenstruktur zeigt sich interessanterweise auch in Hε (3970,1 Å). Das ist insofern bemerkenswert, als Hε – ebenso wie Hα – eine Wasserstofflinie der Balmer-Serie ist, jedoch im nahen UV bei deutlich kürzerer Wellenlänge liegt.
Eine korrespondierende Emissionssignatur in Hε bietet damit eine zusätzliche spektrale Perspektive auf die in Hα beobachtete Struktur. Die Übereinstimmung ist ein interessanter Hinweis darauf, dass hier tatsächlich ein gemeinsamer physikalischer Prozess vorliegen könnte. Für eine belastbare Zuordnung als Ellerman-Bombe ist die Hε-Signatur allein allerdings nicht ausreichend; entscheidend bleibt die Gesamtheit der beobachteten Merkmale, insbesondere die charakteristische Emission in den Hα-Linienflügeln bei gleichzeitig vergleichsweise geringer Beteiligung des Linienkerns.
Blick auf das NUV-Spektrum
Auch im NUV-Spektrum (oben) lassen sich an der Position des mutmaßlichen EB-Kandidaten zusätzliche Emissionssignaturen erkennen. Neben der erhöhten Emission der umgebenden Plageregion in Ca II H und Hε treten dort auch feine Emissionen in den Linienflügeln auf. Zum Vergleich ist der Severny Moustache abgebildet (unten):
Das folgende Linienprofil veranschaulicht diese Emission anhand der Rohdaten und zeigt das Signal damit unabhängig von einer softwareseitigen Bildbearbeitung. Allerdings ist bei der Interpretation zu berücksichtigen, dass das gemessene Signal wesentlich durch die umgebende Plageregion geprägt wird. Die beobachtete NUV-Signatur sollte daher zunächst als ergänzender Hinweis und nicht als eigenständiger Nachweis einer Ellerman-Bombe verstanden werden.
Fazit
Der hier vorgestellte Befund in AR 4536 ist für mich ein besonders interessanter EB-Kandidat. Für eine entsprechende Interpretation sprechen mehrere sich ergänzende Hinweise: die punktförmige Aufhellung im Hα-Linienflügel, das dazu passende Severny-Moustache-Profil sowie eine korrespondierende Emissionssignatur in Hε. Auch im NUV-Spektrum lässt sich im entsprechend zugeordneten Bereich eine zusätzliche Emission erkennen.
Besonders interessant ist dabei die Beobachtung in Hε, da hier neben Hα eine zweite Wasserstofflinie der Balmer-Serie eine entsprechende Signatur zeigt. Das liefert eine zusätzliche spektrale Perspektive auf den Befund.
Die Zuordnung bleibt allerdings mit den derzeitigen Möglichkeiten meiner Instrumentierung vorläufig. Die Position wurde relativ zum umgebenden Sonnenfleck bestimmt; eine pixelgenaue Ko-Registrierung der Hα- und NUV-Aufnahmen ist aufgrund der unterschiedlichen Instrumente, Abbildungsmaßstäbe und Aufnahmebedingungen nicht möglich. Dies stellt vermutlich eine technische Grenze der derzeitigen Methode dar.
Insgesamt erscheint mir der Befund daher mit einer Ellerman-Bombe vereinbar und aufgrund der Kombination der verschiedenen Signaturen besonders interessant. Ein endgültiger Nachweis lässt sich aus dieser Einzelbeobachtung jedoch nicht ableiten. Genau darin liegt für mich aber auch der Reiz der spektroheliografischen Beobachtung: Aus unterschiedlichen spektralen Perspektiven lässt sich ein zunächst unscheinbarer Befund Schritt für Schritt überprüfen.
CS
Stephan