BirgitKremer
Aktives Mitglied
Liebe Sternfreunde!
herrlich, der NAN (Nordafrikanebel) hat sich verzogen! Schon tagsüber genoss ich den Blick auf einen wunderschönen blauen Himmel und als es bei Einbruch der Dämmerung sogar erfrischend kühl wurde, wuchs meine Hoffnung, dass es eine deepsky-Nacht werden könnte.
Nach Sonnenuntergang zeichnete sich das dunkle Gebirgsmassiv der Sierra Bermeja vor goldgelbem Hintergrund ab, die Schwalben spielten hoch in der Luft und eine Drossel nahm noch ein letztes Bad unter einem laufenden Sprenger. Ich genoss das alles, während ich die Teleskope (Sir William - Skywatcher 200/1000mm - und ATLAS - 12" AOM Dobs) abdeckte.
"Gehen wir auf´s Schützenfest, Werteste?", wollte Sir William wissen und guckte mich dabei sehr unternehmungslustig von seiner neuen EQ 6 an.
ATLAS hörte was von Fest, war sofort hellwach und peilte Jupiter an! Grässlich! Nichtmal die Äquatorialbänder waren zu erkennen. Mit Mühe und Not trennte ATLAS die Monde, die sich in Zweierpärchen aneinanderschmiegten!
"Hohoho", wieherte Sir William! Aber wer zuletzt lacht, lacht am besten, denn Sir William hatte grosse Mühe und Not epsilon lyr zu trennen und musste somit ATLAS Spott ertragen:
"Wea ned mindasd'ns de epsilon sauba zoag'n kon, muas in' Astrokindagartn z'ruck und zearst amoi de Schdean vom Andromedanebe nach da Gress soatian...".
Ich erbat mir Ruhe! In einer so schönen Sommernacht hatte ich nun wirklich keine Lust auf die Eifersüchteleien der Beiden. Ich erklärte ihnen, dass das Seeing beiden nicht zuträglich sei und dass wir uns deshalb M 13 anschauen würden.
Hui, selbst unter diesem aufgehellten Himmel kam dieser Kugelhaufen in Sir William wunderschön! Welch herrliches Gefunkel bei 200-facher Vergrösserung! Ich schaute und staunte und dachte, dass der doch eigentlich im 12-Zöller nicht besser ausschauen könnte. Welch ein Irrtum! ATLAS spielte seine Grösse bei gleicher Vergrösserung einfach aus und lud mich in den schönsten aller Kugelhaufen ein. Sonnen über Sonnen! Meine Phantasie ging mit mir durch und ich stellte sie mir alle mit den wundersamsten Protuberanzen vor. Wie wenig sehen wir von der Farbenpracht, die es im All geben muss. Aber mir erscheint´s immer wieder wie ein Wunder, wie weit wir mit unseren Amateurteleskopen überhaupt schauen können.
Sir William riss mich hoch aus meinen Gedanken! Er langweilte sich, weil er schon ne halbe Stunde wacker den Hantelnebel nachführte. Uns war es tatsächlich aus dem Gedächtnis heraus gelungen, ihn wiederzufinden und das Wiedersehen wurde mit gebührender Bewunderung gefeiert. Wie wir ihn gefunden haben? Über Umwege!
)) Von Albireo aus Richtung Kleiderbügel und dann erst Richtung Pfeil. Na, jetzt sitzt dieses Sternbild wieder und beim nächsten Mal wird der Weg vielleicht ein wenig kürzer. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
Das Aufsuchen ging weiter, ohne jeden Plan oder Karte ... das Fernglas reichte! Der Skorpion war inzwischen schon hochgeklettert und eeeeendlich sah ich das Kleinod von NGC 6231 wieder. Welch prachtvoll funkelnder offener Haufen! Einfach nur noch herrlich!
Was nun folgte, war ein Streifzug mit beiden Teleskopen und dem Fernglas durch zwei der schönsten Himmelsregionen: Skorpion und Schütze. M 6 und der Schmetterlingshaufen M 7 durften da natürlich nicht fehlen, genausowenig wie M 8, der Lagunennebel! Meine Güte, war das schööön, diese Prachtobjekte wiederzusehen! Sir William, ziemlich pedantisch, bestand darauf, Okulare zu wechseln und Filter auszuprobieren. Aber ATLAS und ich wollten das Fest einfach nur geniessen, nicht jedoch ohne Willi zu versprechen, dass wir bald jedes Objekt wieder ausgiebig unter seinen Fangspiegel nehmen würden. An einem anderen Abend! Heute sollte nur Wiedersehen gefeiert werden mit den aus den letzten Jahren so liebgewonnenen Himmelswundern.
Einträchtlich schauten wir uns also die herrlichsten offenen Haufen im Schützen an, flanierten durch die Sternwolke M 24, konnten den Blick kaum vom Schwanennebel losreissen ... ein lautloses, wundersames Schützenfest, nur untermalt vom Gezirpe der irdischen Grillen.
M 22! Der durfte nicht fehlen! Sir William erspähte ihn zuerst und dieser Kugelhaufen löst sofort bei mir gleichen Begeisterungstaumel wie M 13 aus! Herrlich, diese Zweiteilung im Kugelhaufen! ATLAS knirschte, denn noch konnte er ihn von seiner Position aus nicht erreichen, aber schon bald war es auch für ihn soweit. Der Weissbierfürst war sprachlos und verharrte in ehrfürchtigem Schweigen vor dieser einzigartigen Pracht an Schaffung ...
Ich brauche vieles nicht und muss auch nicht alles gesehen haben, aber wie arm wäre mein Leben ohne diese Momente des absoluten Glücks bei einem solch ergreifenden Anblick himmlischer Meisterwerke. Wir verstehen nicht das Mysterium dieser Schaffung, aber man muss auch nicht alles verstehen ...
Euch allen ebensolche laue Sternensommernächte!
Birgit
herrlich, der NAN (Nordafrikanebel) hat sich verzogen! Schon tagsüber genoss ich den Blick auf einen wunderschönen blauen Himmel und als es bei Einbruch der Dämmerung sogar erfrischend kühl wurde, wuchs meine Hoffnung, dass es eine deepsky-Nacht werden könnte.
Nach Sonnenuntergang zeichnete sich das dunkle Gebirgsmassiv der Sierra Bermeja vor goldgelbem Hintergrund ab, die Schwalben spielten hoch in der Luft und eine Drossel nahm noch ein letztes Bad unter einem laufenden Sprenger. Ich genoss das alles, während ich die Teleskope (Sir William - Skywatcher 200/1000mm - und ATLAS - 12" AOM Dobs) abdeckte.
"Gehen wir auf´s Schützenfest, Werteste?", wollte Sir William wissen und guckte mich dabei sehr unternehmungslustig von seiner neuen EQ 6 an.
ATLAS hörte was von Fest, war sofort hellwach und peilte Jupiter an! Grässlich! Nichtmal die Äquatorialbänder waren zu erkennen. Mit Mühe und Not trennte ATLAS die Monde, die sich in Zweierpärchen aneinanderschmiegten!
"Hohoho", wieherte Sir William! Aber wer zuletzt lacht, lacht am besten, denn Sir William hatte grosse Mühe und Not epsilon lyr zu trennen und musste somit ATLAS Spott ertragen:
"Wea ned mindasd'ns de epsilon sauba zoag'n kon, muas in' Astrokindagartn z'ruck und zearst amoi de Schdean vom Andromedanebe nach da Gress soatian...".
Ich erbat mir Ruhe! In einer so schönen Sommernacht hatte ich nun wirklich keine Lust auf die Eifersüchteleien der Beiden. Ich erklärte ihnen, dass das Seeing beiden nicht zuträglich sei und dass wir uns deshalb M 13 anschauen würden.
Hui, selbst unter diesem aufgehellten Himmel kam dieser Kugelhaufen in Sir William wunderschön! Welch herrliches Gefunkel bei 200-facher Vergrösserung! Ich schaute und staunte und dachte, dass der doch eigentlich im 12-Zöller nicht besser ausschauen könnte. Welch ein Irrtum! ATLAS spielte seine Grösse bei gleicher Vergrösserung einfach aus und lud mich in den schönsten aller Kugelhaufen ein. Sonnen über Sonnen! Meine Phantasie ging mit mir durch und ich stellte sie mir alle mit den wundersamsten Protuberanzen vor. Wie wenig sehen wir von der Farbenpracht, die es im All geben muss. Aber mir erscheint´s immer wieder wie ein Wunder, wie weit wir mit unseren Amateurteleskopen überhaupt schauen können.
Sir William riss mich hoch aus meinen Gedanken! Er langweilte sich, weil er schon ne halbe Stunde wacker den Hantelnebel nachführte. Uns war es tatsächlich aus dem Gedächtnis heraus gelungen, ihn wiederzufinden und das Wiedersehen wurde mit gebührender Bewunderung gefeiert. Wie wir ihn gefunden haben? Über Umwege!
Das Aufsuchen ging weiter, ohne jeden Plan oder Karte ... das Fernglas reichte! Der Skorpion war inzwischen schon hochgeklettert und eeeeendlich sah ich das Kleinod von NGC 6231 wieder. Welch prachtvoll funkelnder offener Haufen! Einfach nur noch herrlich!
Was nun folgte, war ein Streifzug mit beiden Teleskopen und dem Fernglas durch zwei der schönsten Himmelsregionen: Skorpion und Schütze. M 6 und der Schmetterlingshaufen M 7 durften da natürlich nicht fehlen, genausowenig wie M 8, der Lagunennebel! Meine Güte, war das schööön, diese Prachtobjekte wiederzusehen! Sir William, ziemlich pedantisch, bestand darauf, Okulare zu wechseln und Filter auszuprobieren. Aber ATLAS und ich wollten das Fest einfach nur geniessen, nicht jedoch ohne Willi zu versprechen, dass wir bald jedes Objekt wieder ausgiebig unter seinen Fangspiegel nehmen würden. An einem anderen Abend! Heute sollte nur Wiedersehen gefeiert werden mit den aus den letzten Jahren so liebgewonnenen Himmelswundern.
Einträchtlich schauten wir uns also die herrlichsten offenen Haufen im Schützen an, flanierten durch die Sternwolke M 24, konnten den Blick kaum vom Schwanennebel losreissen ... ein lautloses, wundersames Schützenfest, nur untermalt vom Gezirpe der irdischen Grillen.
M 22! Der durfte nicht fehlen! Sir William erspähte ihn zuerst und dieser Kugelhaufen löst sofort bei mir gleichen Begeisterungstaumel wie M 13 aus! Herrlich, diese Zweiteilung im Kugelhaufen! ATLAS knirschte, denn noch konnte er ihn von seiner Position aus nicht erreichen, aber schon bald war es auch für ihn soweit. Der Weissbierfürst war sprachlos und verharrte in ehrfürchtigem Schweigen vor dieser einzigartigen Pracht an Schaffung ...
Ich brauche vieles nicht und muss auch nicht alles gesehen haben, aber wie arm wäre mein Leben ohne diese Momente des absoluten Glücks bei einem solch ergreifenden Anblick himmlischer Meisterwerke. Wir verstehen nicht das Mysterium dieser Schaffung, aber man muss auch nicht alles verstehen ...
Euch allen ebensolche laue Sternensommernächte!
Birgit