Hallo zusammen,
als ich den Nachbarn 2009 den Bauantrag (Bayern) für meine Sternwarte zur Unterschrift vorgelegt habe, hat einer queruliert und nicht unterschrieben.
Mit einer Unterschrift zu wenig nahm der Bauantrag einen extravaganten Verlauf, die Genehmigung dauerte über vier Monate.
Einen Monat davon hat das Umweltschutzamt mit dem Vollzug des "Bundesimmissionsschutzgesetzes" zugebracht.
Der besagte Nachbar hatte nämlich noch eine Eingabe, er befürchte, dass ich da nachts zu viel Krach machen würde, nachgereicht.
Daraufhin bekam ich tatsächlich einen Anruf von einem dt. Beamten, der mich ernsthaft (!) gefragt hat, ob ich da nachts Raketen abfeuern würde oder sowas...
Letztendlich haben die Beamten nach Ablauf der Bearbeitungszeit und einigen Besuchen durch mich auf dem Amt den Bauantrag schließlich genehmigt (u. a. nachdem sie an meiner Kuppel eine Dachneigung von 69,5° festgestellt haben...) und es gab einen Eintrag in der Baugenehmigung, der besagte, dass ich nachts Lärm bis 40 Dezibel machen darf. Das entspräche dem Zuschlagen einer Autotür, was nachts auch in einem Wohngebiet von den Nachbarn hingenommen werden müsse. Weiterhin darf der Bau nur privat genutzt werden, d. h. ich darf keine öffentl. Führungen anbieten, weil das wäre dann keine private Nutzung mehr...
Dann durfte ich bauen.
Die amtlich abgestempelte Baugenehmigung hat mein Schwager vorbeigebracht, er arbeit am Landratsamt. Aus dieser Quelle wusste ich auch, wer die geniale Eingabe geschrieben hat

. Wenige Minuten nach dem Eintreffen der Baugenehmigung griff Schwiegervater mit seinem Bagger zum ersten Mal in die Erde - was für eine Freude

Eine Stunde später stand die Polizei da und hat nach der Baugenehmigung gefragt. Der schon bekannte Nachbar hat ein "Nicht genehmigtes Bauvorhaben" angezeigt, weil ihm wurden die Unterlagen natürlich nicht geliefert, sondern sie kamen erst am nächsten Montag per Post. Wer uns angezeigt hat, hat uns wiederum eine Polizistin, die mit meiner Frau dick befreundet ist, gesteckt.
Ich habe die teuren Gummirollen wieder verkauft und einfache Plastikräder eingebaut. Jetzt rumpelt's zwar, wenn ich die Kuppel drehe, aber jetzt darf die Kuppel ja von Amts wegen knarzen und rumpeln bis 40 Dezibel
Der tatsächliche Grund für den Rädertausch war, dass die teuren Gummirollen nach einigen Tagen Stillstand Flachstellen bekommen haben und man die Kuppel dann immer mit max. Kraftaufwand losreißen musste.
Dem Nachbarn mit seiner Eingabe habe ich am Gartenzaun erzählt, dass irgend ein Hirntod eine Eingabe gemacht habe, so dass ich jetzt mit Plastikrädern viel billiger weg gekommen bin, als geplant und dass ich hoffe, dass ihn nicht auch mal jemand wegen seiner ausgebauten Wohnung über der Garage anzeigt, was in Bayern grundsätzlich nicht genehmigungsfähig ist
Dann war einige Zeit Ruhe und die Kinder spielten sogar jeden Tag miteinander... Neuerdings hat er an seiner Garage einen LED-Strahler mit 500 Watt Leistung montiert, der zufällig auf meine Sternwarte und nicht auf den Boden zeigt. Er hat aber bereits wohlwollend angekündigt, den Strahler korrekt auszurichten.
Ich gehe davon aus, dass wir noch länger Don Camillo & Peppone spielen werden...
Letztens hat er sogar einen Arbeitskollegen aus USA angeschleppt, der mal durchs Fernrohr schauen wollte. Ich habe ihm Saturn in bester Apo-Qualität gezeigt und der Ami war enttäuscht, weil er KEINE Farbe gesehen hat. Er hat wortwörtlich gesagt, in den Staaten habe er den Saturn schon viel größer und vor allem bunter gesehen!
Aktuell habe ich aber ein ganz anderes Problem: Die Straßenlampen werden nicht mehr wie bisher um 0:30 Uhr abgeschaltet. Angeblich hat das Landratsamt Dauerbeleuchtung angeordnet wegen der Syrer. Ich telefoniere...
Fazit: Wer sich eine Sternwarte baut, schafft sich eine Dauerbeschäftigung für Jahre.
Ich hoffe, ich konnte mit meinem Senf einen kleine Beitrag zu der Frage leisten
Gruß Jürgen