Leibnitz-Berge - Wer kann helfen?

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Henning81

Aktives Mitglied
Schon im Blauen versucht, leider konnte mir dort niemand helfen:

Hallo Mondspezialisten,

Vorgestern, am Abend des 19. März 2019, ca 21:00 Uhr konnte man am
Südlichen Horizont des Mondes unter anderem zwei auffällige
Erhebungen beobachten, dahinter, zwischen den beiden und etwas
nach "links" versetzt eine dritte, durch eine Schattenlinie vom
Vordergrundberg getrennt.
Ungefähr in der Verbindungslinie Tycho-Maginus, ganz leicht nach Osten versetzt ("rechts").

Waren das die Leibnitz-Berge?

Beobachtet mit
Skylux 70/700 getunt, Hyperion 10mm, Amiciprisma.

Es ist unheimlich schwer, darüber Informationen zu finden.
Wenn es aber so gewesen sein sollte, kann ich die bei der nächsten Sichtung identifizieren und von meiner Lunar100 Liste abhaken.

Vielen Dank im Voraus,

CS,

Henning
 
Noch ein Nachtrag:

Wenn auch ein paar Stunden später aufgenommen, sieht man die zwei Vordergrundberge noch ganz gut auf dem Foto des Tages vom 21.03.des Herrn Barmettler auf Calsky.com, aufgenommen 20.03. 22:57 oder so. Das Bild des Tages vorher scheint die Berge auch schon zu zeigen.
Bin gespannt.

CS,

Henning
 
Moin Henning,
ich habe hier etwas zu den Leibnitzbergen gefunden (etwas weiter unten auf der Seite). Vielleicht hilft es Dir weiter.

LG
Wolfgang.
 
Hallo Henning,

Ich bin aus Deiner Beschreibung leider nicht ganz schlau geworden. Wenn Bilder für die Region im Netz gefunden hast, könntest Du sie bitte verlinken?

Bis dann:
Marcus
 
Hallo Marcus -

unter dem Link findet man bei 'Südpol des Mondes' aussagekräftige Bilder.

gepolter Gruß
Manfred
 
Danke Wolfgang und alle Anderen,

Marcus, hier der Link:
Barmettlers Bild
Anklicken zum Vergrößern. Zwischen "4 und 5 Uhr" sieht man die zwei Erhebungen.
(darf ich das eigentlich?)

CS,
Henning
 
Hallo Henning,
ich habe noch einen Link zu einem anderen Forum gefunden. Dort wird auch kurz auf die Leibnitzberge eingegangen. Vielleicht kansst Du damit Deine Beobachtung weiter einkreisen.

Gruß,
Wolfgang.
 
Danke, Wolfgang. Jedes Puzzleteil hilft.

Jetzt kommts:

Da sind sie:
Frederiks Animation
Die Berge M3 und M5 meinte ich, M4 dahinter seitlich versetzt.
Worauf bezieht sich das M und gehören die zu den Leibnitz-Bergen?

CS,
Henning
 
Zuletzt bearbeitet:
Schau mal hier (*)

Observing Lunar Leibnitz Mountains

South side of the Moon and Leibnitz Mountains

John Wilkinson: The Moon in Close-up

> Some of the most majestic of the Moon's mountain ranges are found near its south pole. The Leibnitz Mountains (Montes Leibnitz) rise to about 9,000 m above the normal lunar surface. These mountains are difficult to see from earth because they are on the limb of the Moon but they can be seen at a favourable libration.

The Cambridge Photographic Moon Atlas

> Montes Leibniz - Under favourable solar illumination (when the Moon's age is about 9.5 days) and suitable libration, a series of high mountain peaks may be observed at the southern limb of the Moon, which stand out against the black background of the sky.

The first observations of these mountains were made by Johan Hieronymus Schröter in December 1789. He named the mountain peaks after the Hannoverian universal scholar Gottfried Wilhelm Leibniz and designated the individual peaks Leibnitz a to Leibnitz e. Schröter also produced the first measurements of the height of Leibniz b, which gave a value of 5.5 km. Later observers replaced Schröter's designations a to e with Greek., lower-case letters, beginning with Leibniz Alpha. In 1935, the IAU officially designated the range as Montes Leibniz and the individual peaks with Greek letters, but in 1971 the names were finally deleted, without replacement.


Atlas of the Lunat Terminator

Richard Baum: Harold Hill and the South Polar region of the Moon

Hitchhiker's Guide to Rukl Chart VII

> The highest mountain on the moon is apparently Beta in the Leibnitz Range, at 36,000 feet, according to the Black Forest Observatory site.

aber:

> The Highest point on the moon was found much more recently: The Register reports that the Lunar Orbiter Laser Altimeter (LOLA) measured a point near the Engel'gardt crater on the fringe of the Korolev plain at 10,786 meters (35,387 feet) above the lunar datum. The article includes a photo of the area, which is unfortunately on the lunar far side: Highest point on the Moon found

und NASA/LRO - Highest Point on the Moon

(*) Die bevorzugte Schreibweise ist Leibniz, aber man findet häufig auch Leibnitz.
 
Auf der Suche nach den Leibnitz-Bergen, Abschlussgedanken.

Weil ich den Beobachtungserfolg als gering einschätzte, baute ich lediglich den kleinen
Refraktor auf. Auch hielten mich familiäre Abendpläne vom Dobson ab.
Als sich am Mondhorizont jedoch Berge abzeichneten, wurde mein Interesse ernsthafter und die Lunar100-Liste, die bei Mondbeobachtungen immer in meinem Hinterkopf rumgeistert, liess mich den Versuch wagen, schonmal theoretisch die Leibnitz-Berge zu finden, um sie dann bei nächster Gelegenheit sicher visuell bestätigen zu können.

Mithilfe des schwarzen und blauen Forums wurden Tips, Links, Bilder und Infos zusammengetragen und nach und nach bestätigte sich, welche Berge ich da gesehen hatte. Berge noch westlich vom Mondsüdpol, während die Leibnitz-Berge sogar noch weiter östlich von diesem liegen.
Gesehen hatte ich M3, M4 und M5. Genauere Bezeichnungen fanden sich nicht.
Der Mond schaukelt. Durch die Libration und durch den scheinbaren Bogen, den er am Himmel macht. Süden ist nicht "unten". Es ist viel verwirrender und "zwischen 4 und 5 Uhr am Mondrand" gilt eben nur für eine bestimmte Uhrzeit. Das alles macht Lagebeschreibungen sehr schwierig und das Auffinden der Mondformationen so spannend.
Letztlich kann ich mich nur per "Kraterhopping" von einer bekannten Formation voranhangeln,
je weiter ich an den Rand des sichtbaren Teils des Mondes gelange, umso verzerrter wird das Bild. Einen Monat später ist dann wieder alles durch die Schaukelei anders, ehemals horizontnah liegt nun weiter inlands oder ist hinterm Horizont verschwunden.

Soweit erstmal, es war ein großer Spass bis hier. Danke allen Mitlesern und Informanten,
ich habe grossen Respekt vor den Fotografen und Mondkartenzeichnern.

CS,
Henning
 
Erfolg!
Morgen Genaues.
 
Der Abend des 22.März 2019 ab 22:41 Uhr, Mondlibration Süd, abnehmend 95% beleuchtet.

Dicke Tropfen sitzen auf den Schutzhüllen meiner Papiere, während sich die offenen Seiten lustig im feuchten Licht des Mondes zu wellen beginnen und traurig an der Kante meines Beistelltischchens herabhängen.

Es ist nach 01:00 Uhr und meine Finger sind so kalt, dass ich es nur noch mit Mühe schaffe, die Feststellschräubchen beim Okularwechsel zu drehen. Ohnehin tue ich das nur, um noch mal das letzte Quentchen klare Sicht rauszuholen, denn mein Arbeitsokular ist unaufwärmbar beschlagen und so gehe ich mit meinem alten Seben Zoom und 2x Barlow bei 300fach noch mal ganz nah ran, bevor der Hochnebel endgültig die Mondoberfläche verbirgt.

Nach den Tagen der Recherche gelingt mir zu Beginn des Abends fast zu einfach die sichere Deutung der Südpolregion und das Auffinden dieser sich mir entziehenden Leibnitz-Berge.
Link zur Grafik: http://www.astrotreff.de/upload/Henning81/20190323/SouthpolenachWhit.jpg
Zwar reicht meine handabgepauste Whitakerskizze nur bis zum Südpol und östlich von diesem, und dementsprechend hat mir meine Faulheit die Anreise weiter westlich mal wieder unnötig schwer gemacht, doch erkenne ich schnell die M-Berge wieder, von denen ich mich über den Krater Malapert zu Leibnitz Beta und daneben den Krater Scott vorarbeite. Immer über die Vordergrundkrater verifizierend, weiter zu Demanax, und kurze Zeit später und etwas den Anblick geniessend, erlaube ich mir zu behaupten, das Geheimnis der Leibnitz-Berge gelüftet zu haben.
Wirklich, nach Stunden der Trockenübungen auf Papier und Bildschirm und endlosem Vergleichen von Karten und Fotos, endlich bin ich am Ziel.
Nun, da der Abend noch Potenzial verspricht, schlage ich die Lunar100 Liste nach Mondalter auf und bemerke mein zweites Versäumnis: Ich weiss nicht, welchen Mondtag wir haben. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass ich die Liste selbst gleich im Haus vergessen hatte und erst noch holen musste.
Kurz denke ich nach , komme zum falschen Ergebnis und nehme kurzerhand die Vorschläge für die Tage 2-4, ausserdem versuche ich Drygalski, der aber nach eingehender Betrachtung hinterm Horizont zu liegen scheint oder aber zu platt in der Sonne. Den erlaube ich mir jedenfalls nicht, warum auch, meinen heutigen Erfolg habe ich ja schon.
Dann Rheita Valley, ein dynamischer Name, und imposant ist es anzusehen.
Mein Weg zu den Formationen geht so:
Liste nach Mondalter, dann Detailinfo in der eigentlichen Liste,
dann Stichwortsuche im Rükl, Kartenblatt aufschlagen, finden, fertig.
So besuche ich wild zusammengewürfelt Petavius als Wegweiser, weil ich ihn bereits abgehakt hatte, das Mare Australe, welches ich mir, halb im Schatten liegend, erlaube, die Langrenus Rays, Proclus, Messier und Messier A, Taruntius, die Cauchy Region mit ihren Rillen und so weiter, und die Atlas dark halo craters, also den Krater Atlas mit seinen dunklen Flecken.
An der Janssen Rille beisse ich mir fast die Zähne aus und hier ist es auch, wo ich nochmal auf 300fach gehe, bevor der Nebel dicht macht.
Mit äusserster Mühe erkenne ich zweimal die feine Rille beim Krater, den ich von Cauchy ausgehend nordwestlich noch auf der Rüklkarte entdeckte, schwanke aber auf dem Weg zurück ins Haus, ob ich mir den Eintrag in die Liste nicht besser zu einem späteren Zeitpunkt bei sichererer Sichtung erlauben soll.
Diese Zeilen verfassend bemerke ich erst meinen Fehler:
Die ganze Zeit habe ich mich an Jansen mit seiner popeligen Rille abgemüht, sie sogar gesehen, während sich Krater JanSSen unweit des Rheita Valley wahrscheinlich in besserer Beleuchtung und mit viel einfacherer Rille ob meines Irrtums ins Fäustchen lachte.
Wahrscheinlich war mein Blick sogar über ihn gestreift, als ich vom Rheita Valley ausgehend über die Doppelkrater Steinheil/Watt ins Mare Australe vorgedrungen war. Gut, dass ich jetzt darüber lachen kann.
Zufrieden, auch meiner leichten Unwissenheit geschuldet, packte ich noch schnell zusammen, verzweifelte fast am Reissverschluss meines Teleskopzeltes, und ging ins Haus. Was für ein Ausflug.

Ich danke hier nochmal allen Mitlesern und Tippgebern, es ist so, ohne
all die Hinweise hätte ich es nicht geschafft und mir wäre ein grossartiger Abend und viele Stunden der intensiven Auseinandersetzung mit der Südpolregion unseres Mondes verwehrt geblieben.

CS,

Henning
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin Henning,
Deep Sky ist eben doch nicht alles. Dein Bericht, und die damit verbundene Recherche nach den Leibnitz-Bergen, hat mir mal wieder klar gemacht, dass ich den Mond viel zu sehr vernachlässige und oft eher als störend empfinde. Dabei gibt es so viel zu entdecken und das Thema Lichtverschmutzung spielt keine Rolle. Ich habe mir auch schon ein Filter zugelegt, um an meinem 16"-er nicht geblendet zu werden.
Danke fürs wach rütteln.
Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,

Der Mond schlummert öfters für länger im Regal bei mir, aber dann kann ich ihm auch immer wieder regelrecht verfallen.
Die Lunar100-Liste ist nun runter auf 49 verbliebene Objekte. Man benötigt wirklich ein paar Jahre dafür.

CS,
Henning
 
Hallo Hening at al., kaum zwei Jahre nach eurer Session hier lese ich mit viel Interesse die Annäherungen an den Südpol... und bin sehr beieindruckt von den Ergebnissen, und ich danke für die weiterführenden links . Ende Feb '21 gab's ja auch ordentliche Gelegenheiten zum Ablichten der Gegend, aber ganz so doll waren meine Ergebnisse nicht... Ich häng mal ein Screen-shot Bild an... Die von mir umkringelten "unbekannten Steilwände" waren visuell sehr auffallend, aber im Abgleich mit euren Spitzenbildern immer noch nicht so recht zu identifizeren.. Any help
(8" f/5 Newton, ToUCam + 2,5 Barlow)
 

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