Re: Leoniden: der Norden war frei - und wie
Moin zusammen, moin Mike!
@Mike: Schön, daß Du auch Erfolg hattest!

Wir standen - aufkartenachguck -
ziemlich genau zwischen Haderslev und Kolding, AB-Abfahrt 66 an der Straße nach
Christiansfeld. Alles weitere im Bericht...
So, los ging die lange Nacht gegen Mitternacht, als ich an der GvA-Sternwarte
in Kronshagen bei Kiel ankam. Hier war der Himmel schon recht vielversprechend,
denn ab und zu lugte der Vollmond hinter den Wolken hervor und ab und an war
sogar ein Stern zu sehen. Wir haben dann zu Dritt ausgeharrt, ob noch
irgendwelche Kollegen vom Verein zu uns stoßen würden. Alle 15 Minuten ein
banger Blick zum Himmel: Die Situation wurde schlechter - kein Mond mehr -
außerdem ließen sich keine weiteren Leute an unserem ersten Treffpunkt sehen.
Um 2:15 Uhr telefonierte ich dann mit Sternfreund Armin aus Eckernförde, wie es
denn rund 40 km weiter nördlich in der Gegend der Hüttener Berge aussah. Dort
war es auch nicht entscheidend besser als in Kiel. Wir verabredeten uns trotzdem
bis 3:15 Uhr am Aschberg, weil dorthin noch einige Leute mit langem Anfahrtsweg
kommen wollten. Mit einer GvA-Kollegin fuhr ich also los.
Gut anderthalb Stunden später hatten wir unseren Konvoi auf einem AB-Rastplatz
bei Schleswig zusammen: Zwei Leute kamen aus Münster und Osnabrück, einer
sogar aus Bergkamen - dazu vier aus dem Norden. So konnte es gen Dänemark gehen,
weil dort auf Stellitenbildern die nördliche Wolkengrenze erspäht wurde. Bis
zur dän. Grenze war der Himmel immer noch dicht und ich fragte mich schon, wie weit
wir fahren mußten. Kurz danach überholte uns Mike (KI-HK ... ;-) ), doch es
blieb keine Zeit, sich bemerkbar zu machen. Das war echt schade.
Kurzer Tankstopp (unserem Bergkamener Freund ging der Sprit aus - das war wohl
der letzte Drücker) und Lagebesprechung. Die Wolkengrenze konnte nicht mehr
weit sein, aber der Himmel sah immer noch aus wie über Kiel. (Auf der Fahrt
bis hierher sind wir auch mehrfach durch Regenschauer gefahren.)
Kurz vor Haderslev dann das Unfaßbare: Am Horizont eine Wolkengrenze und Deneb
und Wega leuchteten tief im Norden!

Es war schon 4:30 Uhr durch und so
langsam wurde es Zeit! Plötzlich die ersten Meteore voraus!

Schon von der
AB konnten wir vier Stück in kurzer Folge sehen.
Also runter von der AB und einen Rastplatz an einer Landstraße angesteuert. Der
Himmel war bis auf die abziehende Wolkenfront im Süden völlig wolken- und
nebelfrei, ein unbarmherziger Vollmond brannte vom Himmel. Als wir gegen 4:50
Uhr dort ankamen, ging das mit den Leoniden schon richtig gut los!
Eine Zählung war 65 Meteore in 10 Minuten (4:55-5:05), kurz darauf steigerte
sich die Zahl auf 110 im gleichen Zeitraum. Man konnte sehr schön den Radianten
im Löwen erahnen, denn am laufenden Band kamen von dort die Meteore geschossen.
Manchmal waren es zwei, drei Stück, dann wieder welche mit hellem Schweif.
Ein gutes halbes Dutzend hatte etwa Jupiter-Helligkeit und mehrfach blieben
Leuchtspuren am Himmel zurück. Die längste Erscheinung dauerte hierbei gut 30
Sekunden. Neben den Leoniden nahe des Radianten mit kurzer Spur konnten wir
im Norden und Süden auch die sehen, die lang über den Himmel schossen. Das
Mitzählen habe ich mir erspart, denn im Mittel tauchten alle 2, 3 Sekunden
Meteore im Gesichtsfeld auf. Ich hab' mich dann einfach hingesetzt und
die Gegend vom Löwen bis Orion beobachtet, während sich andere eher auf den
Großen Wagen und Umgebung konzentrierten.
Das scharfe Maximum der Leoniden konnte man gut bemerken (zwischen 5:15 und
5:30 Uhr), dann eine kleine Pause und wieder ein Schwall von etwa 5 Minuten
Dauer kurz danach. Ab 5:45 Uhr ließ die Tätigkeit deutlich nach. Es kam aber
immer noch die eine oder andere Staffel Leoniden hinterher.
So, kurz vor 6 wurde der einsetzende LKW-Verkehr an dieser Ausfallstraße zu
nervig und mein 150 km entferntes Bett in Kiel rief nach mir... ;-) Die
restliche Truppe hielt dann noch eine gute halbe Stunde länger aus, bevor es
dann auch für sie gen Heimat ging. Zu dem Zeitpunkt waren bereits Mars und
Venus in der Jungfrau am östlichen Himmel zu sehen.
Ich bin dann um halb acht in Kronshagen wieder abgesetzt worden und durfte
dann noch eine Viertelstunde mit dem Rad nach Hause fahren. Kalt war es
inzwischen geworden, denn auch über Kiel war der Himmel mittlerweile
aufgerissen, allerdings ein paar Stunden zu spät für die Leoniden.
Ich muß sagen, ein sehr eindrucksvolles Erlebnis, dieser Meteorschauer!

Zwar nicht ganz so spektakulär wie die Leoniden 1999, dafür aber diesmal
mit einem völlig freiem Himmel, was natürlich 100mal besser war als die
Wolkenlückenspechtelei vor drei Jahren. Ohne Mond wär's noch besser gewesen,
aber man kann nicht alles haben!
