Lichtverschmutzung + Mono AstroCam + LRGB-Filter = tolle DeepSky Bilder ? | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Lichtverschmutzung + Mono AstroCam + LRGB-Filter = tolle DeepSky Bilder ?

MyQuarks

Mitglied
Hallo liebe Astrofreunde,

Inspiriert von vielen aus meiner Sicht sehr gelungen DeppSky Bilder, die auf Balkonen, Terrassen oder in Gärten gemacht wurden, möchte ich mich in dem Thema ebenfalls wieder deutlich stärker austoben.
Es scheint ja heute durchaus möglich zu sein auch in Gegenden, wo viel Streulicht vorherrscht gute DeepSky Bilder zu erstellen.
Mir schwebt aktuell folgendes Setup vor:
- Skywatcher EQ5 Pro SynScan Goto
- AP 73/430 Super ZenithStar 73 Gold OTA
- 50 mm GuidingScope mit ASI ZWO120mm Mini
- Astro-Kamera (und hier stellt sich mir noch die eine oder andere Frage)
- Mein Aufnahme-Ort ein Garten in einem Vorort von Kiel. Lichtverschmutzung habe ich also ausreichend viel.

Bisher habe ich Astrofotografie immer mit einer Canon ESO 60Da betrieben. Daher habe ich mich dem Thema Astro-Kamera auch noch nicht so viel beschäftigt.
Nun stelle ich fest, dass es eine sehr komplexes Themenfeld ist. Aber vielleicht könnt Ihr mir ja weiterhelfen.

In vielen Beiträgen haben ich gelesen, dass bei Lichtverschmutzung auf jeden Fall zu einer monochromen Astro-Kamera geraten wird. Die Begründungen sind aber oftmals nicht deutlich geworden. Also warum genau ist bei Lichtverschmutzung eine Mono-Cam besser als eine Color-Cam?
Mir ist bei der Astrofotografie wichtig am Ende ein Farbfoto in Händen zu halten.
Ist eine monochrome Kamera bei Lichtverschmutzung nur deshalb besser, weil man Schmalband-Filter sehr gut einsetzen kann und dann aber eben auch "nur" schwarz-weiß Bilder hat?
Oder gilt die Formel aus dem Titel "Lichtverschmutzung + Mono AstroCam + LRGB-Filter = bessere Bilder als mit Farb-Cam" ? (ich weiß es gehört auch noch etwas mehr dazu ;) )
Das sich die Lichtempfindlichen Pixel einer Farb-Kamera auf die jeweiligen Farben aufteilen und bei eine Mono alle Pixel genutzt werden ist mir soweit klar.
Pixelgröße, Undersampling und Oversampling habe ich mir auch schon angelesen.

Ich hoffe Ihr könnt mir hier noch mal etwas mehr Klarheit verschaffen und danke schon mal für alle Tips, Infos und Hinweise.

Beste Grüße und clear sky
Oliver
 

TriffiD

Mitglied
Hallo Oliver,

die Monochrom-Eigenschaft einer Astrokamera hat zunächst einmal wenig mit der Lichtverschmutzung zu tun. Das Problem bei Farbbildern unter lichtverschmutztem Himmel ist eher, das gute vom schlechten Licht zu trennen. Dabei hilft allerdings nur, mehr Licht zu sammeln als unter dunklem Landhimmel. 12 und mehr Stunden sind da keine Seltenheit. Danach muss man noch einmal etliche Stunden in die Bildbearbeitung (die man auch noch gut beherrschen muss) stecken, um ein gutes Ergebnis zu bekommen. Zum Beispiel Stefan Lilge zeigt hier im Forum regelmäßig, wie das dann aussehen kann.
Eine gute, gekühlte Astrokamera (monochrom oder nicht) hilft dir unter aufgehelltem Himmel allerdings, die Ausbeute zu erhöhen, da diese Kameras in der Regel empfindlicher und auch rauschärmer sind als DSLRs (wobei die auch immer besser werden). Du bekommst in kürzerer Zeit mehr Photonen.

Das Monochrome ist hilfreich bei Schmalbandaufnahmen, weil jedes Pixel bei der Aufnahme für jede Farbe empfindlich ist und keine Bayermatrix zusätzlich filtert. Unter hellem Himmel ist Schmalband wohl noch die beste Lösung, denn es konzentriert sich sehr selektiv auf eine gewünschte Lichtfarbe. Dabei wird das meiste Stadtlicht ausgesperrt. Das geht so weit, dass auch aus einer Großstadt heraus noch fabelhafte Fotos entstehen. Wenn man mehrere Filter verwendet, kann man die verschiedenen Monochrombilder auch wieder einfärben und erhält ein Farbbild - wenn auch nicht in Echtfarben. Es gibt auch kombinierte Schmalbandfilter für Farbkameras. Wenn dir die Ergebnisse zusagen, geht auch damit einiges.
Leider sind nicht alle Objekte für Schmalband geeignet. Galaxien und Reflexionsnebel lassen sich so z.B. nicht gut darstellen.

Ich bin persönlich der Auffassug, dass monochrome Kameras zu bevorzugen sind. Mit ihnen hat man die Wahl zwischen echtem Schmalband und LRGB. Wenn man die nötige Geduld und Sorgfalt aufbringt, kömmen damit für meinen Geschmack die besten Bilder heraus. Aber es ist in jedem Fall fummeliger.

Gruß
Sebastian
 

MyQuarks

Mitglied
Hallo Sebastian

besten Dank für die ausführliche Schilderung.

"... das gute vom schlechten Licht zu trennen..."
Ja genau diese Erfahrung habe ich auch schon gemacht.

Es bestätigt mich in meiner Vermutung, dass man mit monochrom vermeintlich mehr Aufwand, bzw. Arbeitsschritte aufbringen muss am Ende aber flexibler ist und mit etwas Geschick die besseren Bilder erzeugen kann.

Das das ganze etwas fummeliger ist schreckt mich nicht ab. Das ist ja auch irgendwo der Reiz am Ganzen.

Vielen Dank auf jeden Fall. Das hilft bei der Entscheidungsfindung.

Gruß Oliver
 

Miquel Prado

Mitglied
In vielen Beiträgen haben ich gelesen, dass bei Lichtverschmutzung auf jeden Fall zu einer monochromen Astro-Kamera geraten wird. Die Begründungen sind aber oftmals nicht deutlich geworden.
DAs ist dir nicht deutlich geworden, weil du das missverstanden hast.
Die Qualität der Bilder wird bei wenig Lichtverschmutzung prinzipiel immer besser sein als bei viel Lichtverschmutzung und zwar ganz unabhängig ob du eine Farb- oder Monokamera benutzt.

Oder umgekehrt formuliert, die Monokamera macht prinzipiell bessere Bilder als die Farbkamera, unabhängig von der Lichtverschmutzung.

Du kannst mit einer Farbkamera unter Bortle 3 bessere Bilder machen als mit einer Mono unter Bortle 7.

Unabhängig von der Lichtverschmutzung ist eine Mono einfach viel empfindlicher und nimmt in kürzerer Zeit mehr Photonen auf, sie unterscheidet aber nicht zwischen den "guten Photonen" und den "schlechten Photonen" (Lichtverschmutzung).
CS
 

MyQuarks

Mitglied
Hallo

Ich würde daraus Ableiten, dass ich mit einer Mono bei Lichtverschmutzung (die kann ich ja nicht beeinflussen) die Möglichkeit habe Schmalbandfilter oder auch Farbfilter einzusetzen, die möglichst nur das gewünschte Licht passieren lassen und durch die höhere Empfindlichkeit dennoch die Belichtungszeiten im Rahmen halten kann, um dann "gute" Ergebnisse zu erhalten.

Dafür muss man dann bei der Bildbearbeitung etwas mehr Aufwand investieren.

Gruß
Oliver
 

TriffiD

Mitglied
Hallo Oliver,

ja, so ungefähr hatte ich das gemeint. Aber nochmal ganz deutlich. Nur die Schmalbandfilter sperren die Lichtverschmutzung ganz gut aus. Die RGB-Filter tun das so nicht. Allerdings kann man als Luminanzfilter einen Lichverschmutzungsfilter benutzen (IDAS z.B.). Dann wird es ein bisschen besser.
Aber egal ob Farbkamera oder Monochrom mit LRGB: Gegen die Lichtverschmutzung hilft bei beiden im Grunde nur viel Zeit bei der Belichtung zu investieren.

Gruß
Sebastian
 

Miquel Prado

Mitglied
nur das gewünschte Licht passieren lassen
Nein, das "nicht gewünschte Licht" passiert immer mit, auch bei Schmalband. Nur dann eben nicht über das gesamte Lichtwellenspektrum.

Du wirst auch mit Schmalbandfiltern (bei sonst gleichen Bedingungen) unter einem guten Himmel bessere Bilder haben, als unter einem Licht verschmutzten Himmel. Ein guter Himmel macht sehr viel aus.
CS
 

Optikus

Mitglied
Hallo Oliver,

auf jeden Fall wird niemandem auf jeden Fall zu etwas geraten - dazu gibt es zu viele verschiedene Situationen.

Um das ganze etwas zu ordnen -

Viele astronomische Objekte, z.B. Sterne und Galaxien, strahlen im Continuum, also in ganzer Bandbreite, Emissionsobjekte wie Gasnebel hingegen hauptsächlich in Linien durch die verschiedenen ionisierten Teilchen aus denen sie bestehen. Letztere sprechen besonders gut auf Schmalbandfilter an, ohne das allzuviel an den engen Durchlässen der FIlter hängen bleibt und einfach nur die Belichtungszeit verlängert.

Auch mit One-Shot-Color-Kameras wie es Farb-Astrokameras oder DSLR/DSLM sind kann man mit Multiband-Filtern Schmalbandaufnahmen machen. Hierzu gibt es sehr viel Material im Forum, dass ich zur Lektüre dringend empfehle. Das würde die die 6D(a) erhalten, die in der Szene als gute Kamera weit verbreitet ist.

Schmalbandaufnahmen werden vollkommen anders verarbeitet, was ein deutliches Mehr an Aufwand, Fehlermöglichkeiten und Zeit bedeutet als RGB-Aufnahmen, sie gestatten was das Farbmanagement angeht aber auch mehr Eingriffe, während die Verarbeitung von Multibandaufnahmen auf die Eigenheiten der verwendeten FIlter abhebt, angefangen von einer starken Störlichtunterdrückung bei eher breitbandigen Multibandfiltern bis hin zu einer engen Linienfiltern vergleichbaren Charakteristik. Dazu besteht natürlich die Möglichkeit, Continuum und Linienanteile zu kombinieren um damit bestimmte Anteile herauszuheben, alle natürlich nach der Kalibrierung der Aufnahmen.

Zu allen den Themen gibt es ausreichend Videomaterial, dass angeschaut werden sollte, damit Du einen Eindruck von dem gewinnst was Du Dir angelesen hast. Das ist sehr erhellend und sagt mehr als tausend Beiträge hier.

CS
Jörg
 

DietmarM

Mitglied
Moin,

Dafür muss man dann bei der Bildbearbeitung etwas mehr Aufwand investieren.
also den Mehraufwand sehe ich mehr bei der Aufnahme als bei der Bearbeitung:
  • Du musst mehr aufbauen, insb. verkabeln
  • auf die Kühlung warten
  • bei jedem Filterwechsel neue Flats machen
  • ...
Die DSLR hingegen läuft auf Akku (vollgeladenen Reserveakku immer in der Hosentasche :)), Du kannst bequem über den Liveview Fokussieren, ...

CS Dietmar
 

MyQuarks

Mitglied
Hallo zusammen,

Das Thema ist wirklich komplex und sehr differenziert zu sehen.
Festgelegt habe ich mich noch nicht. Ich werden noch eine ganze Weile weiter den Rat befolgen und Beiträge lesen und mir Videos ansehen und dann mal schauen welchen Weg ich versuchen werden.

Es bleibt in jedem Fall spannend. Das es den goldenen Weg nicht gibt ist ja doch auch beruhigen, dann kann man in jedem Fall viel falsch aber auch viel richtig machen. ;)

Besten Danke auf jeden Fall für all die Infos und Hinweise.

CS
Oliver
 
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