Re: Plastikmüll auf Kosten der Umwelt
@Nudnik: Volle Zustimmung! Ich habe meinen Neuerwerb mal etwas genauer unter die Lupe genommen und flüchtig bei Tag und Nacht getestet (Nein, dies ist noch nicht der versprochene Vergleichstest!)
Am Tag hat es eine gute Schärfe und guten Kontrast. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" /> Die Farben sind recht warm, gegenüber dem MC-Dekarem hat es einen Gelbstich. Das Dekarem ist für kritische Augen in der Mitte deutlich schärfer, obwohl das Lidl wirklich keine schlechte Schärfe hat (ich habe Billiggläser gesehen, die auch "im Fokus" nicht richtig scharf waren, das Lidl ist damit nicht zu vergleichen). Das Gesichtsfeld des Lidl erscheint ordentlich groß, im Vergleich zum Dekarem ist es natürlich wesentlich geringer.
Ärgerlich ist der zu schwergängige und langsame Mitteltrieb, der zu allem Überfluss auch noch anders herum läuft als beim Dekarem. Das ist eine nervende Fummelei mit häufigem Umgreifen, wenn man im Nahbereich mal nachfokussieren muss. Hier wurde zu zähes Klebefett aufgebracht, ganz im Gegenteil zu den Drehaugenmuscheln, die gar kein Fett abbekommen haben und sich entsprechend wackelig und ungleichmäßig drehen.
Die Randschärfe beim Lidl ist in Ordnung, aber nicht leicht zu beurteilen wegen leichten Blackouts, wenn das Auge zum Rand schaut (Kidney Beaning, oder wie heißt das richtig?). Die Augenmuscheln habe ich als Nicht-Brillenträger maximal herausgedreht... das ist der Preis für den langen Augenabstand. Laut Bedienungsanleitung hat das Lidl 16mm, das dürfte brillenträgertauglich sein, wenn der Wert stimmt. Allerdings soll das Okular nur ein 3-linser sein.
Ein kurzer (leider sehr kurzer, ich war unter Zeitdruck) Blick auf den Nachthimmel war erfreulich. Genaueres will ich erst nach intensiverer Beobachtung dazu sagen. Jedenfalls habe ich den einen oder anderen Sternhaufen sehen können ohne größere Auffälligkeiten. Der Test des Verhaltens neben einer Straßenlaterne war erwartungsgemäß negativ (ich erinnere an die glänzenden Objektivtuben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smirk.gif" alt="" />)
Die Tuben habe ich dann mal im Zimmer abgeschraubt. Kein leichtes Unterfangen, denn sie sitzen bombenfest. Einfach kräftig zupacken und drehen...und es geht doch. Es dürfte allerdings schwierig sein, sie innen matt zu lackieren, ohne die Linsen mit Farbe zu beschmieren, oder sie auseinander zu nehmen und damit die Justierung zu verlieren. Immerhin ergab sich ein erfreulicher Blick auf die Prismen: auch diese sind blau vergütet. "Vollvergütete Optik" ist also keine Lüge und erklärt den guten Kontrast.
Ein Nachmessen der Austrittspupille mithilfe eines Messschiebers sorgte für Ernüchterung: 4,2mm, das Glas ist also abgeblendet <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/ooo.gif" alt="" />. Am Dekarem messe ich genau 5,0mm...
Noch ein Hinweis zum Schluss. Die Firma Meade wird als Service-Adresse genannt. Ab 01.03.2006 hat sie eine neue Adresse wegen Umzug:
Meade Instruments Europe
Gutenbergstr. 2
46414 Rhede
Service-Hotline: 02872 - 80740
Ich bleibe bei meiner Meinung, dass es in der Preisklasse bis 100 Euro wahrscheinlich kein besseres Glas auf dem Neugerätemarkt gibt. Ob man so niedrig einsteigen sollte, ist natürlich eine andere Frage, die nur jeder für sich beantworten kann. Keine Frage ist hingegen, dass es gegen das Dekarem erwartungsgemäß abfällt, wenn auch einem ungeübten Beobachter die Unterschiede nicht weltbewegend vorkommen werden. Auf jeden Fall ist das Glas geeignet, ersten Beobachtungsspaß zu haben und die Freude an der Astronomie zu entdecken!
CS,
Christof