hanz
Aktives Mitglied
Andere und ich haben in dem bereits existierenden thread über das Ding schon einiges geschrieben, aber nachdem es jetzt schon über 5 Seiten sind und sehr verschiedene Sichtweisen, möchte ich hier noch einen neuen thread eröffnen, der etwas andere Gesichtspunkte sammelt:
1) warum in 3 Teufels Namen kaufen erwachsene Amateurastronomen mit einem Keller voll guter Ausrüstung sowas
2) warum kauft "klein Erna" sowas
ich versuche objektiv zu sein: das Spektiv hat außer daß es schnuckelig aussieht, eine unglaublich grifffreundliche softtouch Lackierung hat, im Bereich nicht existenzieller Fehlinvestitionen liegt und (wie Merkel sagen würde) zu dem Preis "alternativlos" ist keinerlei objektive Vorteile.
Ein grosser Teil der Ausstattung ist völlig unnötig/unbrauchbar (das Tischstativ, das weder für Astro noch für Natur verwendbar ist, die Tragehülle, die 3cm ausziehbare Gegenlichtblende, das Zoom Okular das völlig falsch dimensioniert ist für beide Anwendungen). Dafür mußten einige Chinesen hart arbeiten - und der Hersteller es jetzt wegen Unbrauchbarkeit über Lidl "billig verschrotten".
Es "lebt" also hauptsächlich von der Verkaufsstrategie der Spektivhersteller: keine billigen Geräte mit 1 1/4" Wechselokularen, nur fest installierte teure/schlechte Zoomokulare im unteren Preisbereich usw. Selbst der sonst so technisch/preislich optimierte TS kann da keine Alternative mit Wechselokus anbieten. Wer keine mindestens 1-200 € zahlen will, denkt er bekommt hier eine.
Aber halt nur mit dem fast unbrauchbaren Zoom-Oku, das die brauchbaren Komponenten des Geräts (Objektiv, Prismensatz, Innenfokussierung) "versaut".
In der Anwendung ist das Gerät jedenfalls "pessimiert": für Naturbeobachtung ist jedes billige 10x50 Porrofernglas Klassen besser, für höhere Vergrößerungen z.B. das TS 15x70 eine ganz andere Klasse (halt echt anwendbar) zum allerdings 4fachen Preis. Für Astro ist die hohe Vergrößerung von 60fach mit geradezu riesigem Gesichtsfeld zwar am Mond ganz nett, für Planeten reicht aber die Schärfe einfach nicht. Das Teil ist etwa so brauchbar wie die "Kindermikroskope" mit >600facher Vergrößerung.
ABER: man denkt ja immer, man kann noch was draus machen . Beim "Lidl-Fernrohr" vor 10 Jahren war das Optimieren auch noch drin (weil der Kern ein brauchbares Fernrohr war mit äquatorialer Monti zum Schleuderpreis, allerdings mußte man mindestens ein brauchbares Zenitprisma nachkaufen und das Rohr mit Veloursfolie auskleiden, bessere Okulare konnte man dann später bei TS nachkaufen).
Auch das "Lidl-Fernglas 10x50" war ein mit Hausmitteln auf brauchbar zu bastelndes Gerät (das war ja eigentlich auch der Witz an der ganzen Sache: mit know-how und Bastelei aus Schrott Gold zu machen).
Das Lidl Spektiv Aureol 20-60x60 ist nicht in dieser Kategorie. Normale Amateure können die Nachteile des integrierten ca. 18-6mm Zoomokulars nicht "wegbasteln". Dafür muß man das Okular zerstören (zersägen) und so zur Einsteckhülse für 1 1/4" Okulare machen. Damit ist alles positive eigentlich umsonst: der schicke Innenfokus, das brauchbare vergütete Objektiv, der metallene Prismenkasten und der vergütete Prismensatz. Und das Unnötige bleibt unnötig (unbrauchbares Stativ, unnötige Tragehülle und die Situation am Objektiv praktisch nicht verbessernde Gegenlichtblende).
Ich habe mein Exemplar zum Spektiv für 1 1/4" Okulare umbauen können und es funktioniert jetzt zufriedenstellend, aber die dafür nötigen zerstörenden Änderungen des Zoom Okulars werden wohl wenige Astro-Fans nachmachen wollen, da man das ganze Gerät bei Nichtgelingen wegwerfen kann.
Aber für die unter uns mit kleinen Kindern ist das Lidl-Spektiv wohl sowas wie für mich damals die billigen (und manche gar nicht so schlechten) 10x20 Ferngläser für 20DM, die auch meine beiden zu den Pfadfindern mitgenommen haben (mein Leica hätte ich ihnen dafür nicht geliehen). Was mir nicht gefällt: mit demselben Aufwand könnte man ein echt gutes Spektiv bauen, aber die Hersteller denken, das würde dann den teuren Spektiven einen Teil ihres Marktes wegnehmen - dabei würde es doch im Gegenteil viele Menschen erst für den späteren Kauf eines solchen sensibilisieren. Ich denke, daß Kinder mit einem 10x50 Porro Glas mehr von der Astronomie, mit einem 10x20 Dachkant mehr von der Natur haben.
Und für Mond+ Planeten gibt es brauchbare preisgünstige Newtons halt nicht für 30€ aber auch mit mehr Möglichkeiten.
Zum Schluß noch einige Daten wie von mir gesehen: relativ leichtes Spektiv aus Metall und Kunststoff (Mittelteil Prismenkasten Metall, Objektivrohr und Okularansatz Kunststoff) Objektiv und Prismen vergütet, Okular nicht. Objektiv ca. 350mm Brennweite, 60mm Durchmesser, etwas schlampig unzentrisch verkitteter Achromat, schlechtes 3x Zoom Okular ca. 18-6mm (Schwachpunkt des Geräts). Umbau auf
1 1/4" Okulare möglich, aber schwierig.
1) warum in 3 Teufels Namen kaufen erwachsene Amateurastronomen mit einem Keller voll guter Ausrüstung sowas
2) warum kauft "klein Erna" sowas
ich versuche objektiv zu sein: das Spektiv hat außer daß es schnuckelig aussieht, eine unglaublich grifffreundliche softtouch Lackierung hat, im Bereich nicht existenzieller Fehlinvestitionen liegt und (wie Merkel sagen würde) zu dem Preis "alternativlos" ist keinerlei objektive Vorteile.
Ein grosser Teil der Ausstattung ist völlig unnötig/unbrauchbar (das Tischstativ, das weder für Astro noch für Natur verwendbar ist, die Tragehülle, die 3cm ausziehbare Gegenlichtblende, das Zoom Okular das völlig falsch dimensioniert ist für beide Anwendungen). Dafür mußten einige Chinesen hart arbeiten - und der Hersteller es jetzt wegen Unbrauchbarkeit über Lidl "billig verschrotten".
Es "lebt" also hauptsächlich von der Verkaufsstrategie der Spektivhersteller: keine billigen Geräte mit 1 1/4" Wechselokularen, nur fest installierte teure/schlechte Zoomokulare im unteren Preisbereich usw. Selbst der sonst so technisch/preislich optimierte TS kann da keine Alternative mit Wechselokus anbieten. Wer keine mindestens 1-200 € zahlen will, denkt er bekommt hier eine.
Aber halt nur mit dem fast unbrauchbaren Zoom-Oku, das die brauchbaren Komponenten des Geräts (Objektiv, Prismensatz, Innenfokussierung) "versaut".
In der Anwendung ist das Gerät jedenfalls "pessimiert": für Naturbeobachtung ist jedes billige 10x50 Porrofernglas Klassen besser, für höhere Vergrößerungen z.B. das TS 15x70 eine ganz andere Klasse (halt echt anwendbar) zum allerdings 4fachen Preis. Für Astro ist die hohe Vergrößerung von 60fach mit geradezu riesigem Gesichtsfeld zwar am Mond ganz nett, für Planeten reicht aber die Schärfe einfach nicht. Das Teil ist etwa so brauchbar wie die "Kindermikroskope" mit >600facher Vergrößerung.
ABER: man denkt ja immer, man kann noch was draus machen . Beim "Lidl-Fernrohr" vor 10 Jahren war das Optimieren auch noch drin (weil der Kern ein brauchbares Fernrohr war mit äquatorialer Monti zum Schleuderpreis, allerdings mußte man mindestens ein brauchbares Zenitprisma nachkaufen und das Rohr mit Veloursfolie auskleiden, bessere Okulare konnte man dann später bei TS nachkaufen).
Auch das "Lidl-Fernglas 10x50" war ein mit Hausmitteln auf brauchbar zu bastelndes Gerät (das war ja eigentlich auch der Witz an der ganzen Sache: mit know-how und Bastelei aus Schrott Gold zu machen).
Das Lidl Spektiv Aureol 20-60x60 ist nicht in dieser Kategorie. Normale Amateure können die Nachteile des integrierten ca. 18-6mm Zoomokulars nicht "wegbasteln". Dafür muß man das Okular zerstören (zersägen) und so zur Einsteckhülse für 1 1/4" Okulare machen. Damit ist alles positive eigentlich umsonst: der schicke Innenfokus, das brauchbare vergütete Objektiv, der metallene Prismenkasten und der vergütete Prismensatz. Und das Unnötige bleibt unnötig (unbrauchbares Stativ, unnötige Tragehülle und die Situation am Objektiv praktisch nicht verbessernde Gegenlichtblende).
Ich habe mein Exemplar zum Spektiv für 1 1/4" Okulare umbauen können und es funktioniert jetzt zufriedenstellend, aber die dafür nötigen zerstörenden Änderungen des Zoom Okulars werden wohl wenige Astro-Fans nachmachen wollen, da man das ganze Gerät bei Nichtgelingen wegwerfen kann.
Aber für die unter uns mit kleinen Kindern ist das Lidl-Spektiv wohl sowas wie für mich damals die billigen (und manche gar nicht so schlechten) 10x20 Ferngläser für 20DM, die auch meine beiden zu den Pfadfindern mitgenommen haben (mein Leica hätte ich ihnen dafür nicht geliehen). Was mir nicht gefällt: mit demselben Aufwand könnte man ein echt gutes Spektiv bauen, aber die Hersteller denken, das würde dann den teuren Spektiven einen Teil ihres Marktes wegnehmen - dabei würde es doch im Gegenteil viele Menschen erst für den späteren Kauf eines solchen sensibilisieren. Ich denke, daß Kinder mit einem 10x50 Porro Glas mehr von der Astronomie, mit einem 10x20 Dachkant mehr von der Natur haben.
Und für Mond+ Planeten gibt es brauchbare preisgünstige Newtons halt nicht für 30€ aber auch mit mehr Möglichkeiten.
Zum Schluß noch einige Daten wie von mir gesehen: relativ leichtes Spektiv aus Metall und Kunststoff (Mittelteil Prismenkasten Metall, Objektivrohr und Okularansatz Kunststoff) Objektiv und Prismen vergütet, Okular nicht. Objektiv ca. 350mm Brennweite, 60mm Durchmesser, etwas schlampig unzentrisch verkitteter Achromat, schlechtes 3x Zoom Okular ca. 18-6mm (Schwachpunkt des Geräts). Umbau auf
1 1/4" Okulare möglich, aber schwierig.