Ursus corpulentus
Aktives Mitglied
Liebe Doppelglasaugen,
so, in Erweiterung des folgenden Threads:
forum.astronomie.de
und um meine Versprechungen einzulösen, hier der angekündigte Test der beiden oben genannten Ferngläsern.
Sie, beziehungsweise ihre Spezifikationen, haben mich schon länger immer mal wieder interessiert, doch ich war zu sehr abgelenkt von allerlei anderen Spielereien, haupstsächlich Okulare und Zeugs für mein Museum (Eröffnung am 19. Oktober). Aber dass ich mich jemals intensiver mit Ferngläsern zu Astrozwecken beschäftigen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen.
Aber egal - lieber Bi(nokular) als nie!
Angefixt durch den oben genannten Thread (und meinen anstehenden Geburtstag) habe ich jetzt die beiden Gläser gekauft, weil ich eines - das "bessere" natürlich - behalten möchte für Wide-Field-Spielereien.
Für die mich wiederum ein anderer, lieber Sternenfreund angefixt hat. Thx!
Doch ich schweife wieder ab.
Der erste Blick durch die beiden Gläser war kein "First Light", sondern, aufgrund des Mistwetters mit tiefhängenden Wolken in manigfacher Grauabstufung, eher ein "first shite" - wie der Schotte sagen würde. Für meine Entscheidung, welches Glas ich behalten würde, trug die Situation zu der Einschätzung bei, dass ich auf einer Ü-Boot Brücke im Nordatlantik das APM behalten würde (ab Beaufort 8).
Sein Bild war irgendwie besser. Vielleicht einfach mehr Grautöne ...
Dann habe ich heute Nachmittag durchgeguckt, als die Sonne kurz durchkam und in der Landschaft für ein paar Farben und einen blauen Himmel gesorgt hat. Kurzzeitig zumindest.
Da lag das KOWA vorne.
Und ich wollte das APM fast schon wieder einpacken, aber - mal im Ernst: eine Entscheidung ohne Sternenlicht?
Nee, oder?!
Um fernab von Bauchgefühlen, echten wie eingebildeten (wobei letztere das Problem sind bei der Fernglaswahl), eine Sachentscheidung zu treffen, die Bestand haben wird, habe ich heute Mittag eine kurze Matrix gemacht mit den Parametern, die mir am wichtigsten sind. Dinge wie absolutes Gewicht (... während das andere 25 Gramm leichter ist, blabla ...) beispielsweise interessieren mich herzlich wenig, während mir eine gute Haptik (wie "liegt" es in der Hand) wichtig ist.
Und diese Parameter habe ich jeweils an beiden Gläsern direkt hintereinander an deselben Ojekten ausprobiert - im nachmittäglichen Sonnenschein, in der Dämmerung und am Sternenhimmel; tagsüber hinten raus ins Feld bei mir hinter dem Haus mit Rehen im Mais und mit "meiner" Test-Funkantenne am Horizont und nachts an der Andromeda Galaxie, h + chi persii und Alkor/Mizar (weil das alles Objekte sind, die ich einigermaßen "kenne").
Folgende optische Parameter waren mir wichtig:
Schärfe/Brillanz
Sehfeld
Helligkeit
Randschärfe
Farbe
An die Hardware hatte ich folgende Fragen:
Einblick mit/ohne Fernbrille
Haptik
System
Bedienung

Füllbild; damit es nicht langwelig wird!
Das APM hat knapp 9° Sehfeld, das KOWA glatte 10°. Und die hat es tatsächlich, die beiden ersten Sterne des Wagens passen zusammen locker in den Blick.
Tagsüber schien mir das APM etwas schärfer und es bildet farbneutraler - kälter - ab. Auch die Randschärfe ist etwas besser als beim KOWA, wenn auch nicht viel. Einen Helligkeitsunterschied konnte ich nicht ausmachen.
In der Dämmerung hatte das KOWA die Nase klar vorne: es bildete einfach besser ab (vielleicht durch die "wärmere" Optik?), schien mir etwas heller. Aber das APM zeigte noch immer mehr Schärfe - für mein Gefühl.
Und dann kam die Nacht.
Noch immer (!) scheint mir das APM etwas schärfer. Ich glaube nicht, dass ich mir das einbilde. Das Bild ist etwas "spitzer", härter, glasartiger. Das KOWA ist wirklich gut - bedenkt man, dass es keine 1200 Euro kostet! (kleiner Insider-Witz!) - zeichnet das Bild aber einen Hauch weicher. Für mein Gefühl.
Aber das KOWA zeigt im Hintergrund um Alkor und Mizar deutlich mehr kleine und kleinste Sternchen. Sein Bild am Doppelsternhaufen im Perseus ist für seinen geringen Objektivdurchmesser grandios. Und auch der Orionnebel ist erstaunlich gut sichtbar. Bei etwas dunklerem Himmel hätte man sofort mit dem Zeichnen anfangen können (was ich schon lange tun möchte, aber den Mh-mh-mh nicht hochkriege. Egal).
Und wie sieht es mit dem Rest aus, der Konstruktion, dem Material und der Verarbeitung?
Und da wurde es endgültig: And the winner is (drumroll!) - das KOWA.
Das KOWA nimmt man in die Hand und alles ist gut.
Ein zeigenössisches Fernglas: Dachkant-Konstruktion, gummiarmiert, stickstoffgefüllt, ergonomisch geformt, alles tipp-top.
Das APM hat man auch gut in der Hand, es ist wie ein alter Bekannter.
Diese Bauart und Größen kennen die meisten von uns seit Jahrzehnten. Also kein Minuspunkt.
Auch die Einzelokulareinstellung ist nicht wirklich ein Problem, sondern eine bewusste Wahl. Denn das Glas gibt es auch mit Mitteltrieb. Ich wollte aber bewusst den Einzelokularfokus, weil ich das Glas nur am Himmel verwenden werde (alles andere ist in einem Försterhaushalt vertane Liebesmüh'. Wäre das Glas nur ein einziges Mal in meinem Auto, dann wäre es für die Astronomie nicht mehr brauchbar. Egal).
Aber die Bedienbarkeit der Einzelokulareinstellung ist zumindest sehr unangenehm. Die Gewinde laufen sehr schwer - zu satt? - und die Dioptrien-Markierung ist in etwa so präzise, wie die Benzinuhr in meinem Lada NIVA (frag' NICHT nach Sonnenschein, Bruder!).
Aber richtig furchtbar sind die Augenmuscheln - viel zu lang, beziehungsweise zu tief.
Dabei sind die Okulare gefühlt riesig und den schönsten Effekt hat man, wenn man recht nah am Oklar ist mit dem Auge. Nur Dafür sind die Augentrichter zu lang. Klappt man sie um, dann wird es ohne Brille schwierig, seine Augenbrauen irgendwo aufzulegen (- das erinnert mich wieder an meinen Lada, diesmal an die Schaltung: die Abstufung vom 2. in den 3. Gang ist so gewählt, dass man in 30er-Zonen entweder mit heulendem Motor (2.) oder kurz vor dem Kotzen (3.) herumfährt. Es passt einfach nicht. Egal).
Der Einblick mit Brille hingegen ist echt gut.
Nur gucke ich immer ohne Brille.
Insofern:
Augenmuscheln; Germany - no points, Allemagne - zero points ...
Klar macht man Vieles nachts irgendwann fast blind, weil man seine Ausrüstung einfach gut kennt. Doch bei den Augenmuschln habe ich keine Hoffnung. Für die Rumpfuddlei an den Dingern nachts am Fernrohr braucht man Licht und dann wird's schon wieder blöd.
Hinzu kommt das subjektiv bessere Bild vom KOWA am Nachthimmel mit feineren Sternen - irgendwie. Und ein Mitteltrieb ist eigentlich auch ganz cool. Und es fühlt sich halt auch echt gut an.
Und es ist 25 Gramm leichter.
Mindestens!
All das hat in summa bei mir letztendlich den Ausschlag für das KOWA gegeben. Aber rein von seiner Abbildungsleistung wäre mir das APM lieber gewesen. Es ist sicherlich ein feines Astro-Glas, keine Frage. Die Optik und Vergütung haben wirklich richtig gut abgeschnitten im Vergleich zum rund 100 Euro teureren KOWA. Würde man die Augenmuschekln in den Griff kriegen, hätte ich es dem KOWA wahrscheinlich vorgezogen.
Aber so war es für mich dann halt doch nichts.
Schöne Grüße,
Urs
so, in Erweiterung des folgenden Threads:
kleines Übersichtsfernglas mit großem Sehfeld
Ist es sinnvoll, als Zweit- oder Drittglas zum reinen Sterne- bzw. Sternbildergucken oder als Übersichtsfernglas 6x30 oder 7x35 (mit sehr großem Sehfeld wie 8 oder 9 Grad) zu kaufen oder ist das nicht kontraproduktiv, weil durch weniger Öffnung ja auch weniger Sterne überhaupt wahrgenommen...
und um meine Versprechungen einzulösen, hier der angekündigte Test der beiden oben genannten Ferngläsern.
Sie, beziehungsweise ihre Spezifikationen, haben mich schon länger immer mal wieder interessiert, doch ich war zu sehr abgelenkt von allerlei anderen Spielereien, haupstsächlich Okulare und Zeugs für mein Museum (Eröffnung am 19. Oktober). Aber dass ich mich jemals intensiver mit Ferngläsern zu Astrozwecken beschäftigen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen.
Aber egal - lieber Bi(nokular) als nie!
Angefixt durch den oben genannten Thread (und meinen anstehenden Geburtstag) habe ich jetzt die beiden Gläser gekauft, weil ich eines - das "bessere" natürlich - behalten möchte für Wide-Field-Spielereien.
Für die mich wiederum ein anderer, lieber Sternenfreund angefixt hat. Thx!
Doch ich schweife wieder ab.
Der erste Blick durch die beiden Gläser war kein "First Light", sondern, aufgrund des Mistwetters mit tiefhängenden Wolken in manigfacher Grauabstufung, eher ein "first shite" - wie der Schotte sagen würde. Für meine Entscheidung, welches Glas ich behalten würde, trug die Situation zu der Einschätzung bei, dass ich auf einer Ü-Boot Brücke im Nordatlantik das APM behalten würde (ab Beaufort 8).
Sein Bild war irgendwie besser. Vielleicht einfach mehr Grautöne ...
Dann habe ich heute Nachmittag durchgeguckt, als die Sonne kurz durchkam und in der Landschaft für ein paar Farben und einen blauen Himmel gesorgt hat. Kurzzeitig zumindest.
Da lag das KOWA vorne.
Und ich wollte das APM fast schon wieder einpacken, aber - mal im Ernst: eine Entscheidung ohne Sternenlicht?
Nee, oder?!
Um fernab von Bauchgefühlen, echten wie eingebildeten (wobei letztere das Problem sind bei der Fernglaswahl), eine Sachentscheidung zu treffen, die Bestand haben wird, habe ich heute Mittag eine kurze Matrix gemacht mit den Parametern, die mir am wichtigsten sind. Dinge wie absolutes Gewicht (... während das andere 25 Gramm leichter ist, blabla ...) beispielsweise interessieren mich herzlich wenig, während mir eine gute Haptik (wie "liegt" es in der Hand) wichtig ist.
Und diese Parameter habe ich jeweils an beiden Gläsern direkt hintereinander an deselben Ojekten ausprobiert - im nachmittäglichen Sonnenschein, in der Dämmerung und am Sternenhimmel; tagsüber hinten raus ins Feld bei mir hinter dem Haus mit Rehen im Mais und mit "meiner" Test-Funkantenne am Horizont und nachts an der Andromeda Galaxie, h + chi persii und Alkor/Mizar (weil das alles Objekte sind, die ich einigermaßen "kenne").
Folgende optische Parameter waren mir wichtig:
Schärfe/Brillanz
Sehfeld
Helligkeit
Randschärfe
Farbe
An die Hardware hatte ich folgende Fragen:
Einblick mit/ohne Fernbrille
Haptik
System
Bedienung

Füllbild; damit es nicht langwelig wird!
Das APM hat knapp 9° Sehfeld, das KOWA glatte 10°. Und die hat es tatsächlich, die beiden ersten Sterne des Wagens passen zusammen locker in den Blick.
Tagsüber schien mir das APM etwas schärfer und es bildet farbneutraler - kälter - ab. Auch die Randschärfe ist etwas besser als beim KOWA, wenn auch nicht viel. Einen Helligkeitsunterschied konnte ich nicht ausmachen.
In der Dämmerung hatte das KOWA die Nase klar vorne: es bildete einfach besser ab (vielleicht durch die "wärmere" Optik?), schien mir etwas heller. Aber das APM zeigte noch immer mehr Schärfe - für mein Gefühl.
Und dann kam die Nacht.
Noch immer (!) scheint mir das APM etwas schärfer. Ich glaube nicht, dass ich mir das einbilde. Das Bild ist etwas "spitzer", härter, glasartiger. Das KOWA ist wirklich gut - bedenkt man, dass es keine 1200 Euro kostet! (kleiner Insider-Witz!) - zeichnet das Bild aber einen Hauch weicher. Für mein Gefühl.
Aber das KOWA zeigt im Hintergrund um Alkor und Mizar deutlich mehr kleine und kleinste Sternchen. Sein Bild am Doppelsternhaufen im Perseus ist für seinen geringen Objektivdurchmesser grandios. Und auch der Orionnebel ist erstaunlich gut sichtbar. Bei etwas dunklerem Himmel hätte man sofort mit dem Zeichnen anfangen können (was ich schon lange tun möchte, aber den Mh-mh-mh nicht hochkriege. Egal).
Und wie sieht es mit dem Rest aus, der Konstruktion, dem Material und der Verarbeitung?
Und da wurde es endgültig: And the winner is (drumroll!) - das KOWA.
Das KOWA nimmt man in die Hand und alles ist gut.
Ein zeigenössisches Fernglas: Dachkant-Konstruktion, gummiarmiert, stickstoffgefüllt, ergonomisch geformt, alles tipp-top.
Das APM hat man auch gut in der Hand, es ist wie ein alter Bekannter.
Diese Bauart und Größen kennen die meisten von uns seit Jahrzehnten. Also kein Minuspunkt.
Auch die Einzelokulareinstellung ist nicht wirklich ein Problem, sondern eine bewusste Wahl. Denn das Glas gibt es auch mit Mitteltrieb. Ich wollte aber bewusst den Einzelokularfokus, weil ich das Glas nur am Himmel verwenden werde (alles andere ist in einem Försterhaushalt vertane Liebesmüh'. Wäre das Glas nur ein einziges Mal in meinem Auto, dann wäre es für die Astronomie nicht mehr brauchbar. Egal).
Aber die Bedienbarkeit der Einzelokulareinstellung ist zumindest sehr unangenehm. Die Gewinde laufen sehr schwer - zu satt? - und die Dioptrien-Markierung ist in etwa so präzise, wie die Benzinuhr in meinem Lada NIVA (frag' NICHT nach Sonnenschein, Bruder!).
Aber richtig furchtbar sind die Augenmuscheln - viel zu lang, beziehungsweise zu tief.
Dabei sind die Okulare gefühlt riesig und den schönsten Effekt hat man, wenn man recht nah am Oklar ist mit dem Auge. Nur Dafür sind die Augentrichter zu lang. Klappt man sie um, dann wird es ohne Brille schwierig, seine Augenbrauen irgendwo aufzulegen (- das erinnert mich wieder an meinen Lada, diesmal an die Schaltung: die Abstufung vom 2. in den 3. Gang ist so gewählt, dass man in 30er-Zonen entweder mit heulendem Motor (2.) oder kurz vor dem Kotzen (3.) herumfährt. Es passt einfach nicht. Egal).
Der Einblick mit Brille hingegen ist echt gut.
Nur gucke ich immer ohne Brille.
Insofern:
Augenmuscheln; Germany - no points, Allemagne - zero points ...
Klar macht man Vieles nachts irgendwann fast blind, weil man seine Ausrüstung einfach gut kennt. Doch bei den Augenmuschln habe ich keine Hoffnung. Für die Rumpfuddlei an den Dingern nachts am Fernrohr braucht man Licht und dann wird's schon wieder blöd.
Hinzu kommt das subjektiv bessere Bild vom KOWA am Nachthimmel mit feineren Sternen - irgendwie. Und ein Mitteltrieb ist eigentlich auch ganz cool. Und es fühlt sich halt auch echt gut an.
Und es ist 25 Gramm leichter.
Mindestens!
All das hat in summa bei mir letztendlich den Ausschlag für das KOWA gegeben. Aber rein von seiner Abbildungsleistung wäre mir das APM lieber gewesen. Es ist sicherlich ein feines Astro-Glas, keine Frage. Die Optik und Vergütung haben wirklich richtig gut abgeschnitten im Vergleich zum rund 100 Euro teureren KOWA. Würde man die Augenmuschekln in den Griff kriegen, hätte ich es dem KOWA wahrscheinlich vorgezogen.
Aber so war es für mich dann halt doch nichts.
Schöne Grüße,
Urs
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