Linse im Okularauszug

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

MatzeWolf

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

ich bin seit längerem Besitzer eines "katadioptrischen" Reflektors mit Öffnung 153mm und f= 1300mm (hab ich mal von Quelle gekauft). Bis dato war das Beobachten total frustrierend, da ich die Objekte nicht korrekt fokussieren konnte, sie wurden nur undeutlich abgebildet. Erst jetzt habe ich gesehen, dass am Anfang des Okularauszuges eine "Linse" angebracht ist. Diese habe ich jetzt herausgenommen. Nun bekomme ich nur ein scharfes Bild, wenn ich ein Okular ziemlich tief in den Okularauszug stecke und mit der Hand festhalte. Stecke ich das Okular (1,25") in den Adapter, sehe ich gar nichts mehr. Gibt es irgendeine Abhilfe, dass ich wieder richtig fokussieren und endlich mal klare Bilder erhalte??

Völlig frustrierte Grüße von

Matthias
 
Vermutlich hast du eine Art eingebaute Barlow-Linse entfernt. Die gehört dann schon da rein.
 
Hallo Matze,

das Ding, das Du entfernt hast, ist so eine Art Barlow-Linse, die in dieses Gerät eingebaut ist. Du hast sicher schon selbst bemerkt, dass der Tubus für 1300 mm Brennweite etwas kurz geraten ist. So toll sind diese Linsen(-kombinationen) nicht. Nur, wenn Du sie entfernst ist das auch nicht besser, denn erstens, wie Du bemerkt hast, ist dann die Brennebene zeimlich weit im Okularauszug zu finden, manchmal gar nicht (hängt auch vom Okular ab). Zweitens ist die Linse eben nicht nur eine Barlow-, sondern auch eine Korrekturlinse, mit deren Hilfe das Bildfeld geebnet wird.
Aber was wohl auch eine, meistens die wichtigste, Rolle spielt, sind die Okulare. Die sind bei diesen Kaufhausteleskopen nämlich wirklich meist grausig. Probier das Teleskop doch mal mit einem anderen Okular aus, sofern Du jemanden kennst, der welche hat. Außerdem sind diese Systeme sehr anfällig gegen eine Dejustierung, auch da lohnt sich ein Blick in den Okularauszug. Wenn Du da mittig aus so ca. 30 bis 50 cm Entfernung hereinschaust, siehst Du dann den Hauptspiegel wirklich genau in der Mitte? Siehst Du ohne die Linse dann auch dein Auge/Pupille genau über der Mitte des Hautpspiegels? Also, es ist nicht alles verloren, ich kenne sogar eine Seite von jemandem, der mit diesem Gerät Astrofotos macht.
Schau mal rein, wo Du jetzt das Teleskop sowieso auseinander genommen hast. Wenn Du den Justagezustand und die Okularfrage geklärt hast, meldest Du Dich vielleicht einfach hier wieder.

Grüße,
Christoph
 
Hi Matthias,

die Linse war eine Barlow-Linse. Ohne diese Linse hat das Teleskop etwa nur die Hälfte der Brennweite. Dadurch hat ein und dasselbe Okular dann nur noch die halbe Vergrößerung, und dadurch wirkt das Bild schonmal schärfer. Aber das Problem ist auch, daß der "Schärfepunkt" tiefer im Okularauszug zu liegen kommt.

Was ist zu tun?
Die Barlow-Linse solltest Du wieder einbauen. Hoffentlich ist sie unbeschmutzt. Unternimm keine leichtfertigen Reinigungsversuche, sonst ruinierst Du die Linse wirklich. Informiere Dich in Forum und im Archiv, wie man das macht, so mit Alkohol aus der Apotheke.
Wenn alles zusammen gebaut ist, muß das Teleskop justiert werden. Das war mit Sicherheit der Hauptgrund für die schlechten Bilder. Dieser Teleskoptyp lässt sich leider für einen Anfänger kaum justieren. Am besten geht es mit einem Justierlaser. Da kann ich Dir nur raten, daß Du Dir andere Sternfreunde in Deiner Nähe suchst, die Dir helfen. Eine Volkssternwarte oder ähnliches sollte ja zu finden sein - eine Adressensammlung gibts auf astronomie.de auch unter "GAD".
Ein letzter Grund, weshalb das Bild nicht scharf wurde, kann eine "überzogene" Vergrößerung sein. Mit einem 150mm Spiegel einer solchen Konstruktion wird man nicht weit über 200x Vergrößern können. Die Vergrößerung ergibt sich aus Brennweite durch Okularbrennweite. Also solltest Du maximal ein 7mm Okular verwenden. Sollte ein 5mm Okular oder gar noch kürzeres beiliegen, so ist das ziemlich nutzlos.

Hinzu kommt noch die Qualität des beigelegten Zubehörs. Üblicherweise ist die nämlich unter aller [zensiert]. Du kannst schon froh sein, wenn die Okulare Linsen aus Glas haben. Solltest Du immerhin die recht bekannten Kellner-Okulare (Beschriftung z.B. KE=25mm) haben, hast Du eher einen guten Fang gemacht. Dann liegt es an den Okularen nicht (obwohl es da auch bessres gibt).

Zum Schluß fällt mir noch ein: Du solltest Doch nicht etwa versucht haben, am offenen Fenster oder gar durch die Fensterscheibe zu beobachten??? Dann ist der beschriebene Effekt vorprogrammiert. Bitte nicht beleidigt sein, wenn Dir das ohnehin klar war...

Clear Skies
Sven
 
Moin Matze!

Genau dieses Gerät kenne ich, da ich mir zusammen mit einem Kumpel diesen
"Quelle-Spiegel" Anfang 1998 gebraucht zugelegt habe. Aufgrund der auch hier
festgestellten schlechten Bildqualität war es aber nur ein halbes Jahr lang
im Einsatz und wurde dann umgebaut (längerer Tubus, 150/1200 mm Spiegel).

Diese "Linse", die Du entdeckt hast, ist eine einfache Barlow mit einem V-Faktor
von etwa 2x. Erst durch dieses Hilfsmittel kommt man auf die Systembrennweite von
1300 mm. Der Spiegel selbst hat nur 650 mm BW (f/4,3) und die Brennpunktlage
ohne Barlow-Einsatz verschiebt sich in den Tubus. Daher kommst Du mit Deinen
Okularen nicht mehr klar und das haben wir auch erlebt.

Das Justieren des Quelle-Spiegels ist für jemanden, der das vorher noch nicht
gemacht hat, sehr schwierig. Auch wir haben damals geflucht über das miese Bild
und darüber, daß der Hauptspiegel gar nicht zum Justieren ausgelegt war! Es
fehlen da die entsprechenden sechs Schrauben (Zug und Druck). Wir haben dann
einfach drei Gewinde zusätzlich geschnitten und das Problem so erschlagen.

So, was Du jetzt machen kannst:
1. Barlow wieder rein und Hauptspiegelfassung mit drei zusätzlichen Schrauben
justierbar umbauen. Dann bleibt aber noch das schlechte Bild dieser Teleskop-
Konstruktion.

2. Barlow raus, HS-Fassung wie in 1. umbauen und den Hauptspiegel näher in
Richtung Fangspiegel bringen, um den Fokus weiter aus dem Tubus zu bekommen.
So, wie ich das in Erinnerung habe, ist es hier nur möglich, wenn man den
Tubus hinten entsprechend abschneidet. Dann hättest Du einen Newton mit
f/4,3, d.h. entsprechend nur der halben Brennweite. Ob der HS überhaupt
parabolisiert ist, weiß ich nicht, wage es aber nach den Eindrücken, die ich
damit hatte, stark zu bezweifeln. Das Bild wird dadurch auch nicht besser.
 
Hallo!

Vielen Dank an alle für eure Antworten und Tips. Jetzt versteh ich den Zusammenhang viel besser.

Viele Grüße

Matze
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben