Lohnt sich ein Apo für Doppelsterne?

#1
Ich beobachte derzeit mit einem billigen, aber ganz guten Meade 80/400 Achromaten, besonders gerne Doppelsterne. Werde ich die Farben der Sterne mit einem Apo besser sehen? Die meisten Doppelsterne sind ja im Bereich zwischen 4 und 8 mag, kommt da der Farbfehler überhaupt zum Tragen? Mein neues Teleskop sollte nicht länger als 400 mm sein, besser noch kürzer, da ich es v.a. auf Reisen verwende.
 
#2
Hallo,

mal anders gefragt, ab welcher Sternenklasse und Vergrößerung kannst du den Farbfehler denn mit dem 80/400mm erkennen?
Und was heißt "sollte nicht länger als 400mm sein", meinst du die Brennweite vom Teleskop oder die Länge des Teleskopes?
Grundsätzlich haben gute Optiken natürlich einen besseren Kontrast der macht sich natürlich auch bei Sternen bemerkbar, die Farben der Sterne wirst du aber nicht deutlich verbessern können bei so kleinen Optiken.
An welch einen Apo hast du gedacht?

Andreas
 
#3
Hallo!

Die Farbwahrnehmung bei Sternen/Doppelsternen ist nicht nur eine Frage der Öffnung oder der optischen Qualität. Besonders bei Doppelsternen, bei denen eine Komponente vom Spektraltyp her etwa leicht orange erscheint, wird die andere Komponente (obwohl vielleicht reinweiß) gerne bläulich gesehen. Ein ähnlicher Fall ist z.B. WZ Cas, ein tiefroter Kohlenstoff-Stern vom Spektraltyp N, dessen Begleiter (obwohl vom Typ B) von Beobachtern manchmal grünlich(!) beschrieben wird, obwohl das natürlich physikalisch überhaupt keinen Sinn macht. Das Gehirn ordnet bei solchen Systemen gerne Komplementärfarben zu - der Sehprozess ist sehr subjektiv. Andere wiederum sehen bei WZ Cas überhaupt keinen Grünton.

Man kann sich das prima mal an einem Foto von Albireo am Monitor veranschaulichen, indem man den Begleiter einfach jeweils mit einem Finger abdeckt. Sobald man beide wieder zusammen sieht, wird der jeweilige Farbeindruck des nichtabgedeckten Sterns intensiver.

Vielleicht beschreibst du ja mal, wie dein 80/400mm so abbildet. Ist der Farbfehler störend? Wenn ja, ab welcher Vergrößerung und bei welchen Objekten? Welche Okulare verwendest du? Soll der Apo auch ein 80er sein? Ich kenne noch die alten Vixen-Refraktoren 80L (80/1200mm), 90M (90/1000mm) und 102M (102/1000mm). Die waren bei Doppelsternen recht gut, hatten aber als einfache Achromaten durch die längere Brennweite ein günstigeres Öffnungsverhältnis.

salü, volker.
 
Zuletzt bearbeitet:
#4
Hallo,
mal anders gefragt, ab welcher Sternenklasse und Vergrößerung kannst du den Farbfehler denn mit dem 80/400mm erkennen?
So ab 2 mag würde ich schätzen. Da bekommen v.a. weiße Sterne farbige Ränder.
Grundsätzlich haben gute Optiken natürlich einen besseren Kontrast der macht sich natürlich auch bei Sternen bemerkbar, die Farben der Sterne wirst du aber nicht deutlich verbessern können bei so kleinen Optiken.
Was meinst du mit Kontrast? Die Schärfe? Die ist bei meinem Achromaten schon recht gut, nur traue ich den Farben nicht ganz. Siehe meine nächste Antwort.
Und was heißt "sollte nicht länger als 400mm sein", meinst du die Brennweite vom Teleskop oder die Länge des Teleskopes?
Mit 400 mm meinte ich die Brennweite, es geht mir aber eigentlich um die Länge des Teleskops. Je kompakter, desto besser.
Zum Beispiel TS-Optics 70mm f/6 ED APO Refraktor mit Carbon Tubus oder TS-Optics PhotoLine 60mm f/6 FPL53 Apo. Taugen die was?
 
#5
Hallo!
Die Farbwahrnehmung bei Sternen/Doppelsternen ist nicht nur eine Frage der Öffnung oder der optischen Qualität. Besonders bei Doppelsternen, bei denen eine Komponente vom Spektraltyp her etwa leicht orange erscheint, wird die andere Komponente (obwohl vielleicht reinweiß) gerne bläulich gesehen. Ein ähnlicher Fall ist z.B. WZ Cas, ein tiefroter Kohlenstoff-Stern vom Spektraltyp N, dessen Begleiter (obwohl vom Typ B) von Beobachtern manchmal grünlich(!) beschrieben wird, obwohl das natürlich physikalisch überhaupt keinen Sinn macht. Das Gehirn ordnet bei solchen Systemen gerne Komplementärfarben zu - der Sehprozess ist sehr subjektiv. Andere wiederum sehen bei WZ Cas überhaupt keinen Grünton.
Solche Effekte sind mir bekannt, aber die sind ja unabhängig davon, ob ich einen Achromaten oder Apo verwende, oder?
Vielleicht beschreibst du ja mal, wie dein 80/400mm so abbildet. Ist der Farbfehler störend? Wenn ja, ab welcher Vergrößerung und bei welchen Objekten? Welche Okulare verwendest du?
Ich habe die 80/400-Version vom Meade Infinity und finde es gemessen am niedrigen Preis ziemlich gut. Ich verwende die mitgelieferten Okulare. Manchmal frage ich mich, ob ich die Farben in einer besseren Optik anders sehen würde! Mir ist z.B. aufgefallen, dass bei Lichtverschmutzung ein blau-grauer Stern schnell mal grau erscheinen kann, oder ein roter Stern wird dunkelbraun. Daher frage ich mich, ob eine hochwertige Optik einen positiven Einfluss auf die Stärke der Farben haben kann?

Soll der Apo auch ein 80er sein? Ich kenne noch die alten Vixen-Refraktoren 80L (80/1200mm), 90M (90/1000mm) und 102M (102/1000mm).
80er oder kleiner. Die von dir genannten Brennweiten sind mir zu lang, der Tubus sollte inkl. Zubehör ins Handgepäck passen. Bei der abartigen Lichtverschmutzung daheim in Berlin steige ich lieber gleich in den Flieger, um einen gscheiten Beobachtungsort aufzusuchen :cautious:
 
#6
Hi,

der Kontrast ist praktisch die Farbtiefe, oder die Wahrnehmbarkeit zwischen dunklen und hellen Bereichen.
So könnte bei einem guten Objektiv der Himmelshintergrund etwas dunkler erscheinen womit die Sterne kontrastreicher sind.
Gutes Beispiel wäre hier der große rote Fleck auf Jupiter, während er in einer mäßigen Optik etwas flau wirkt hebt er sich bei guter Optik deutlich (kontrastreich) ab.
Eine Optik kann zwar scharf sein, heißt aber im Umkehrschluss nicht das sie auch kontrastreich ist!

Von dem TS 70/420mm würde ich dir abraten, den hatte ich vor einigen Jahren selber und der zeigt schon gut Farbe, den anderen kenne ich nicht!
Welcher mir sehr gut gefallen hat war der TS 80/480mm Triplett, ist aber teurer, den konnte man "Unfallfrei" doppelt vergrößern und Vega (Refraktortod) blieb ohne jede Farbe.
Die Doubletts ED sind immer etwas Kompromiss, es gibt gute darunter und weniger gute, das Problem ist hier noch die Serienstreuung, also Glück oder nicht!
Das Problem, mittlerweile werden ziemlich viele Geräte als Apo's angeboten die meisten sind aber keine, mein Kriterium um CA (chromatische Abberation) am Refraktor zu testen ist immer Vega, doppelte Teleskopöffnung vergrößern, wenn dann keine CA auftreten ist die Optik zumindest in diesem Punkt gut!
Ein Vollapo schafft die Vega auch mit dreifacher Teleskopöffnung.
Eventuell solltest du mal nach einem gebrauchten Takahashi 60mm Ausschau halten, dass Teleskop erfüllt deine Vorgaben, wobei ich mir noch nicht sicher bin ob ein Wechsel wirklich lohnt, die kleine Öffnung hat auch wieder weniger Auflösung...schwierig...

Andreas

P.S. gute Beobachtungsorte gibt es noch in MacPom und Brandenburg dafür musst du nicht zwingend tausende von Meilen fliegen, macht das Klima auch nicht besser...;)
 
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Astrozoom GM

Vorübergehend gesperrt
#7
Hallo zusammen,

zur Ausgangsfrage

Ich beobachte derzeit mit einem billigen, aber ganz guten Meade 80/400 Achromaten, besonders gerne Doppelsterne. Werde ich die Farben der Sterne mit einem Apo besser sehen? Die meisten Doppelsterne sind ja im Bereich zwischen 4 und 8 mag, kommt da der Farbfehler überhaupt zum Tragen? Mein neues Teleskop sollte nicht länger als 400 mm sein, besser noch kürzer, da ich es v.a. auf Reisen verwende.
gibt es nur ein ganz klares ja. Es lohnt sich sehr, ein möglichst farbreines Teleskop zu verwenden.

(M)ein 102/500er Achromat verteilt dem blauen Spektralbereich in einen riesigen ausgefransten Halo um den hellen Stern.
(M)ein 100/600er Achromat zeigt eine deutlich bessere Abbildung, den blauen Halo mehr als definierten und sogar besser sichtbaren Ring, aber das Blau fehlt dem Stern in seiner Abbildung halt immer noch, die Sternfarbe ist also verfälscht.
Man kann das sehen, man muss es nicht sehen, aber es passiert davon unabhängig immer und auch an Sternen deren Helligkeit nicht ausreicht.

Das passiert bei farbfehlerfeien Teleskopen nicht.

Bei der Beobachtung von engen Doppelsternen ist es ja häufig sehr wichtig, den Fokus exakt zu treffen.
Bei der Beurteilung ihrer Farben kann es hingegen sehr hilfreich sein, ganz leicht zu defokussieren. Einfach das Beugungsscheibchen noch ein klein wenig vergrößern hilft bei der Farbzuordnung sehr. Etas zu viel schadet schon wieder, da dann wegen fehlender Helligkeit der "Farbreiz" den entsprechenden Rezeptoren des Auges nicht genügt.

Gruß
Günther
 
#8
Hallo,

aus der Praxis kann ich folgendes berichten:

Ich kann schon Unterschiede zwischen verschiedenen Bauarten von Refraktoren bei der Beobachtung feststellen.
Ich würde für die genannten Daten den TS 80/480 FPL53 empfehlen. Ich selber habe einen ED (80/600) und einen Vollapo, der TS gehört einem Bekannten. Er ist erkennbar besser als der ED und dennoch klein, handlich und leicht.

Unterschiede kann ich an folgende Punkten festmachen:

klareres brillianteres Bild (Kontrast), "sternförmigere" Sterne (Schärfe) und gerinfügig sattere Farben (Farbreinheit)

Wenn ich den ED nicht schon als Schnellspechtelgerät hätte, würde ich den TS nehmen.

Ob die (keineswegs massiven, eher subtile, aber dennoch erkennbaren) Unterschiede den Preis rechtfertigen, kann man nur selber feststellen. Ich bin jedoch der Meinung, wenn man schon mit Refraktoren beobachtet, schadet eine gewisse Leistungsfähigkeit der Gerätschaften nicht. Vor allem, da man bei Doppelsternen oft sehr hoch vergrössern kann und dadurch der Vorteil eines APOS ggü. "Nicht-APOS" (egal wie diese nun benannt werden) immer spürbarer wird. Das ist oft der Unterschied zwischen trennen und nicht trennen.

P.S.: aus aktuellem Anlass (da ich ein paar Zenitspiegel getestet habe), kann man hier z.T. erhebliche Unterschiede in der Abbildung erkennen). Somit sollte man diesen Punkt auch nicht ausser acht lassen.

Gruß und CS

Matthias
 
#9
Hallo,

wenn Du in Berlin wohnst, kannst Du ja mal einen meiner Borg 71FL (f=400mm) ausprobieren. Mit denen bin ich sehr zufrieden.

Farbe kommt manchmal auch vom Okular, insbesondere bei nicht exakt getroffenen Einblick. Auch ein Zenitprisma kann unter Umständen Farbe ins Spiel bringen.

Ich war jedenfalls überrascht, wie wenig störende Farbe bei einem Vixen Multi 80S (f=400mm) für mich zu erkennen war. Ich sehe allerdings Farbsäume oft auch nur im direkten Vergleich mit einem farbreineren Gerät.

Viele Grüße,
Sebastian
 
#10
Ich habe gestern den direkten Vergleich zwischen meinem 80/400 Achromaten und dem TS 80/480 Triplet APO eines Astrofreundes gemacht. Nun kann ich meine Frage selbst beantworten: JA!!

Testobjekt Sigma Orionis:
  • In meinem Achromaten sah ich einen gelblichen Hauptstern und zwei Begleiter mit nur schwer erkennbarer Farbe, beide wirkten bräunlich.
  • Im APO sah ich einen weißen Hauptstern. Ein Begleiter wirkte eher bläulich, der andere eher rötlich. Außerdem sah ich ganz schwach einen dritten Begleiter!
Der Unterschied ist bemerkenswert. Die hochwertigere Optik des APO lässt bei gleicher Öffnung mehr Licht durch. Damit kompensiert sie zum Teil die heftige Berliner Lichtverschmutzung. Allein schon deshalb sind die Farben besser.
 
#11
Danke für die Rückmeldung!

Weißt Du noch, welche Vergrößerung Ihr (zumindest am Achromaten) verwendet habt? Gestern abend fand ich den Himmel in den Wolkenlücken auch sehr klar und sah viele schwache Sterne. Aus Zeitmangel habe ich aber nur kurz mit 20-facher Vergrößerung geschaut.

Viele Grüße aus Pankow,
Sebastian
 

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