lokale Graphiken zur Mondfinsternis 2023OKT

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Ehemaliges Mitglied 77903

Hallo Sternfreunde,

mit Blick auf die anstehende partielle Mondfinsternis 2023OKT28 UT blätterte ich erneut im Internet herum und suchte graphische Darstellungen des ÖRTLICHEN Finsternisablaufs an einem zu wählenden Ort. Unter ÖRTLICH verstehe ich eine Graphik, die den örtlichen Zenit oben setzt. Ein interessierter Laie interessiert sich nicht für ekliptikale oder äquatoreale Nordpole, sondern er will wissen, an welcher Stelle an seinem Beobachtungsort die Mondscheibe zuerst "angefressen" wird, wo er also suchen muss. Im Internet kursieren stattdessen immer die gleichen Graphiken mit dem äquatorealen Nordpol oben, was den Laien verwirren muss, weil er das so nicht sieht (um den Nutzer weiter zu ärgern, wird der Umstand "N oben" oftmals gar nicht erwähnt, das muss sich der astronomisch etwas fortgeschrittene Leser aus dem Aufbau der Graphik selbst zusammenreimen). Logischer wäre noch eine Graphik mit dem ekliptikalen Nordpol oben, weil auf dieser wenigstens die Beziehung zum Knoten graphisch einsichtig wird, aber selbst das finde ich nirgends.

Ich setze hier einen Scan einer nach meinen Vorstellungen aufgebauten Graphik her, gerechnet für meinen Wohnort Fürnheim in Nordbayern und für Manila auf den Philippinen. Etwaige Differenzen der örtlichen Kontaktzeiten und der dazu gehörigen horizontalen Orte zu präzisen Rechnungen hängen damit zusammen, dass ich ein tabuliertes Delta-T verwende, das meist etwas größer ist als das "wissenschaftliche", dass ich den äquatorealen Mondort am Himmel während der ganzen Finsternis gleichbleiben lasse und dass ich horizontale Orte entweder gleich graphisch mit einer drehbaren Sternkarte bestimme, seltener mit einfachen Verfahren im Taschenrechner nachrechne. Das ist aber hier nicht so wichtig. Der entscheidende Trick für eine lokale Graphik ist der parallaktische Winkel, der sich mit dem geographischen Beobachtungsort und der lokalen Sternzeit radikal ändert und das Erscheinungsbild des Finsternisablaufs an einem Ort maßgeblich bestimmt.

Meine Graphiken sind Handarbeit eines ganzen Tages, ich habe nicht die Möglichkeit, diese im PC herzustellen und im Internet anzubieten. Vielleicht findet sich ja einmal ein Programmiermeister, der das übernimmt. Hier im Forum wurde alles, was man zum parallaktischen Winkel wissen muss, schon ventiliert und man kann die einschlägigen Info mit der Suchfunktion herholen.

Bis demnächst, R.M.
MoFi_2023OKT28.jpg
 
Hallo R.M.,

die bevorstehende partielle Mofi am 28. Oktober ist ja extrem unspektakulär, da wird man wohl kaum etwas davon bemerken:

October 2023 lunar eclipse

Mofi_28.10.2023.jpg

Source: Wikipedia (Public Domain)

Wikipedia gibt eine Magnitude von 0,122 dafür an, d.h. nur 12% vom Durchmesser des Mondes werden maximal vom Kernschatten der Erde erfasst. Der Vollmond bekommt also nur eine kleine Delle am südlichen Rand. Ob diese Delle dann nur dunkel oder auch etwas rötlich erscheint, hängt dann vom Zustand der Erdatmosphäre ab und variiert bekanntlich von Mofi zu Mofi.

Von verschiedenen Beobachtungsorten auf der Erde erscheint die Lage der Delle dann mal unten, wie bei uns in Europe, oder in Südafrika auch oben. In Manila auf den Philippinen, wo die Ekliptik steil nach oben zeigt, liegt der südliche Rand vom Mond und die Delle dann auf der linken Seite.

Mofi_28.10.2023_Ansbach.jpg

Mofi_28.10.2023_Manila.jpg

Quelle: Eigene Simulation mit TheSkyX

Gruß, Peter
 
Hallo Sternfreund P_e_t_e_r,

es freut mich, dass Du Ansbach als mir nächstgelegene "Metropole" fandest. 38 Straßenkilometer entfernt gibt es dort 40 Tsd. Einwohner und viele hohe Behörden. Vergleiche einmal deine zwei lokalen Bilder mit deinem ersten Übersichtsbild oder mit meinen Handzeichnungen: Auf den lokalen Bildern steht die Mondscheibe mehr oder weniger auf der Ekliptik. Das kann aber nicht sein, denn während des gesamten Finsternisablaufs steht die Mondscheibe mindestens einen Durchmesser von der Ekliptik nach N ab. Die südliche Äquatoreal-Horizontal-Parallaxe Manilas hat dabei einen eher gegenteiligen Effekt: Topozentrische Mondorte ver-"südlichen" um so stärker, je weiter man sich vom Äquator nach Norden entfernt. Andersherum: In Manila steht der Mond eher noch mehr nach N ab.

Ansonsten zeigen die Mondbildchen schön und mit meinen Berechnungen/Zeichnungen übereinstimmend die Verdrehung der "angeknabberten" Scheibenstelle gegen die jeweiligen Horizonte. Etwas größer könnten sie sein... Ich bin immer wieder froh über solche Bestätigungen, weil man als selbst rechnender Autodidakt immer in Gefahr ist, sich zu verirren, weil man irgendwas fundamentales übersehen hat. Die Scheibe wird echt und mit hartem Rand angeknabbert sein und nicht nur "rot" verdunkelt.

Bis demnächst, R.M.
 
Auf den lokalen Bildern steht die Mondscheibe mehr oder weniger auf der Ekliptik. Das kann aber nicht sein, denn während des gesamten Finsternisablaufs steht die Mondscheibe mindestens einen Durchmesser von der Ekliptik nach N ab.
Hallo R.M. nochmal,

bei euch in Bayern steht der Mond zur Zeit der Mofi ja fast 40° über dem Horizont. Um ihn auf einer weitwinkligen Darstellung zusammen mit dem Horizont dann überhaupt erkennen zu können, ist es üblich, den Mond größer als natürlich abzubilden, in diesem Fall 10x vergrößert. Dadurch erscheint die nördliche Ablage von der Ekliptik geringer als sie tatsächlich ist.

Gruß, Peter
 
Hallo Sternfreund P_E_T_E_R,

ist es üblich, den Mond größer als natürlich abzubilden, in diesem Fall 10x vergrößert.
Darauf hätte ich selbst kommen können: Der Mond ist ja fast so groß wie die Konstellation alp-bet-gam ARI! Mein Vorschlag: Mondscheibe noch größer machen, dafür Ekliptik und Sterne weglassen, denn die führen irre und sind nicht maßstabsgerecht darstellbar. Aber immer Zenit oben - so wie in deinen Bildern. Den Horizont bekommt man nicht ins Bild, denn zwischen dem Mond und diesem liegen 40°, wie du schreibst, d.h. 80 Monddurchmesser. Meine ersten, tastenden Versuche, eine aufgehende Mondsichel zu photographieren belehrten mich, mit welcher Geschwindigkeit der Mond nach oben "abhaut". Da hat man höchstens fünft Minuten Zeit und dann bekommt man ihn bei guter Vergrößereung schon nicht mehr mit dem Horizont zusammen ins Bild.

Bis demnächst, R.M.
 
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