LTP-Projekt: Mond für alle Amateurastronomen

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Heinz_Hilbrecht

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Liebe Freunde,

seit über 40 Jahren liegen mir Leuchterscheinungen auf dem Mond (LTP) auf der (amateur-) astronomischen Seele. Die Ursache dieser LTP ist nämlich unbekannt. Jetzt sehe ich die Chance, dass wir herausfinden, was das ist. Wenn wir erfolgreich sind, werden wir Aufsehen erregen.

Dies ist kein Überwachungsprogramm. Vielmehr können wir beobachten, wenn wir Chancen haben ein LTP zu sehen. Das ist ein- bis zweimal im Jahr der Fall, in einem Fenster von jeweils ein bis zwei Tagen. Und zwar in der Zeit um Vollmond, wo sich viele durch den hellen Mond zur Untätigkeit gezwungen sehen. Das LTP-Projekt soll und darf Eure sonstigen Interessen nicht einschränken.

Eine Webseite liefert jetzt Ideen und Hintergründe des LTP-Projekts, Material für Beobachter und Zusammenarbeit: http://www.vds-sonne.de/de/AG-LTP-Projekt.php

Eingeladen sind ALLE Amateurastronomen, aus den verschiedenen Interessengebieten, für ein interdisziplinäres Team. Gemeint sind nicht nur Planeten- und Mondbeobachter. Ihr beobachtet veränderliche Sterne? Dann könnt Ihr fotometrieren. Ihr nehmt Spektren auf? Ihr kennt Euch aus mit Staub und Gas der Kometen? Ihr macht Astrofotos? Der Mond bittet um Einsatz Eurer Fähigkeiten. Wir können auch mit einfachen Mitteln beobachten, Polarisation messen, dokumentieren. Jeder Beitrag ist wertvoll - schon ein Zweizöller reicht zum Mitmachen.

Jetzt folgt der Aufbau des Projekts. Entscheidungen entwickeln wir gemeinsam. Wir brauchen die Expertise der Fachleute, um zu lernen und unsere Möglichkeiten zu erweitern. Wir brauchen Zusammenarbeit in aller Breite und dafür Kommunikation. Wie wir uns organisieren, ist deshalb noch nicht festgelegt. Festlegungen entscheidet das Team, wenn wir nützliche Wege sehen. Im Konzert der Fachleute kann es auch keinen Gruppenleiter geben, sondern nur einen Koordinator, der das Team in seiner Arbeit unterstützt. So sehe ich selbst meine Rolle und auch die kann vom Team verändert werden.

Es besteht die Möglichkeit zum persönlichen Treffen auf der VdS-Tagung (18. bis 20. Oktober 2019): https://www.vds-astro.de/index.php?id=7 ... 249e44fdbe

Auf der VdS-Tagung werde ich einen Vortrag zum LTP-Projekt halten. Am Stand der Fachgruppe Sonne im Foyer der Halle (Sonne? Ja, es läuft wirklich interdisziplinär) wird es auch einen kleinen LTP-Stand geben. Dort können wir uns treffen, persönlich diskutieren. Der Geologe in mir wird ein paar Impakt-Gesteine mitbringen.

Bisher dabei sind Sonnenbeobachter, Planeten- und Mondbeobachter, Kollegen aus der Spektroskopie, die Herkunft aus Deutschland und der Schweiz. Informiert Euch bitte, macht mit. Der Aufwand ist gering, sollten wir allerdings gemeinsam Erfolg haben, wäre der Ertrag sehr groß.

Fühlt Euch bitte eingeladen, verbreitet die Nachricht vom LTP-Projekt unter Euren Sternfreunden.

Ich grüße Euch herzlich und wünsche uns allen eine gute Zusammenarbeit

Heinz
 
Hallo Heinz,

interessantes Projekt und ich muss zugeben, dass ich davon noch nichts gehört habe. Das hat mich sofort neugierig gemacht und ich musste gleich mal im Internet recherchieren. Schließlich landete ich auf youtube, denn ich wollte unbedingt erfahren, wie so ein Lunar Transient Phenomena aussieht. So habe ich genau diesen Suchbegriff eigegeben und bin auf eine Reihe von Videos gestoßen. Einige versuchen das Phenomen zu erklären andere zeigen angebliche LTPs. Nun muss ich aber zugeben, dass nach fast einer Stunde meine Euphorie in Enttäuschung umgeschwenkt ist.

Was ich da bisher gesichtet habe, fand ich sehr fragwürdig und nicht gerade spektakulär.
Gibt es denn nicht schon ein paar gute Aufnahmen von so einem LTP ?

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger,
ja, das ist auch so ein Problem. Das größte Interesse an LTP gab es in der Zeit der Analog-Fotografie. Viele Amateur-Beobachter haben überhaupt nicht fotografiert, sondern das Gesehene eben beschrieben. Es war einfach sehr schwierig, gute Fotos zu machen.

Allerdings gibt es vertrauenswürdige LTP-Beobachtungen. Es ist auch spektakulär, so ein rotes oder grünes Leuchten in einem sehr begrenzten Mondgebiet zu sehen (durchschnittliche LTP bedecken keine wirklich großen Flächen). Ich habe eins 1992 nördlich von Aristarchus gesehen (ich war nicht für Fotos ausgerüstet, wie viele damals). Mir ist die Kinnlade runtergekippt, bei dem fremdartigen roten Glühen.

Das wohl berühmteste LTP wurde 1963 über drei Tage hinweg an zwei professionellen Observatorien beobachtet (Lowell, Pic du Midi). Zdenec Kopal konnte LTP an seinen damals gemachten Schmalband-Aufnahmen nachweisen. Aber: Der Mond wurde Schwarz/Weiss fotografiert - wozu auch Farbe, denn der Mond hat ja bekanntlich keine Farben ...

Es gibt noch ein Spektrum von einem LTP in Alphonsus, von 1958. Angeblich sind dort Emissionen von molekularem Kohlenstoff drin.

Wenn es bereits viele Fotos und Daten von LTP gäbe, wäre das jetzige LTP-Projekt überflüssig. Die sind nur so selten, dass die ständige Überwachung wirklich grausig wird - sehr zeitaufwendig. Da verfolgen wir eben eine andere Idee.

Es gibt eine Arbeit, die das "Aristarchus-Event" von 1963 kritisch betrachtet. Ich mag es, für seine genaue Dokumentation und wissenschaftlich korrekte Unvoreingenommenheit. Schau' es Dir vielleicht mal an, denn es stellt auch die Beobachtungen dar: Revisiting The 1963 Aristarchus Events

Viele Grüße
Heinz
 
Hallo Heinz,

danke für die weiteren Infos. ich werde da in Zukunft mal ein Auge besonders auf Aristarchus haben. Vergleichsaufnahmen habe ich ja reichlich, allerdings meist S/W mit RG610 Rotfilter aufgenommen.

Wenn ich das richtig verstanden habe, wäre das für die meisten LTPs wohl eher ungünstig. Ich könnte demnächst auch immer noch eine Aufnahme mit Asi120mc machen, wäre das sinnvoll ?

Gruß,
Holger
 
Hallo Heinz,
du schreibst: "Es gibt noch ein Spektrum von einem LTP in Alphonsus, von 1958. Angeblich sind dort Emissionen von molekularem Kohlenstoff drin. "
Im vds-journal nr 29 aus dem Jahr 2009 ist ein Artikel über die LTPs. Dort steht, dass 1958 eine "diffuse Wolke" in Alphonsus gesehen wurde. Dieses Ereignis wurde im Jahr 2001 unter fast exakt gleichen Bedingungen als Sonnenlichtreflektion/Streuung identifiziert.
Ich weiß nicht ob du damit dieses Ereignis meinst.
Über LTPs wird kontrovers diskutiert, da gleichzeitige und unabhängige Beobachtungen fehlen. Meist sind es wohl "nur" besondere Licht/Schattenspiele an Kratern und Bergen.
Ich meine mal gelesen zu haben, daß neuerdings ein professionelles Großteleskop die LTP systematisch untersuchen soll.
Gruß,
Frederik
 
Hallo Frederick,
ja, ich habe das Kosyrev-LTP von 1958 angedeutet. Seine Ergebnisse sind voreingenommen und wurden schon damals kräftig kritisiert. Haken wir es ab, unter "historische Vollständigkeit" und wenden uns besseren Dingen zu.
Es gibt moderne Untersuchungen am LTP-Katalog von Winifred S. Cameron (2500 LTP). Selbst wenn man die mit Argusaugen durchsucht und wegstreicht, bleiben noch 200 bis 300 LTP übrig, die reales Geschehen auf dem Mond zu sein scheinen. Es gibt Parallelbeobachtungen, Beobachtungen von sehr erfahrenen Leuten. Ich hänge auch die beiden Papers von Arlin Crotts an diese Nachricht, der das "kritische Sieben" gemacht hat.

Die "Licht/Schattenspiele" gibt es, die können Beobachter aber anhand einer Checkliste recht gut ausschließen. Die Frage ist auch, warum es die nur an ganz wenigen Strukturen auf dem Mond geben soll, wo der Mond doch überall Relief für wilde Effekte liefert. Dann noch die Frage, warum solche Licht/Schattenspiele einen geomagnetischen Sturm brauchen und den Mond im erdmagnetischen Schweif als Rahmenbedingung, damit zwei Drittel aller LTP zu sehen sind? Das ist die spannende Frage, deshalb machen wir das.

Zu den professionellen Untersuchungen: Du meinst vermutlich die entstehenden Aktivitäten aus Würzburg. Von 2015 stammt dieser Bericht: (PDF) Autonome Beobachtung von Transient Lunar Phenomena
Seit 2019 wird ein handelübliches Amateur-Teleskop eingesetzt, stationiert in Spanien und Remote betrieben: Blitze auf dem Mond
Der Artikel beginnt mit: "Es passiert mehrere Male in der Woche. " Nämlich dass es auf dem Mond "blitzt". Damit ist unklar, ob die Würzburger nicht tatsächlich Impacts meinen, auf der unbeleuchteten Seite. Denn nur die werden im ESA-Projekt NELIOTA und noch in einem spanischen Projekt beobachtet und können Vergleiche liefern. Außerdem scheint "Moonspy" nur Helligkeitsänderungen zu erfassen, von Farben habe ich noch nichts gehört.

Ich denke, die beleuchtete Seite des Mondes wird noch eine Weile Spielwiese der Amateurastronomen bleiben. Gerade die "Licht/Schattenspiele" dort brauchen etwas mehr als künstliche Intelligenz. Außerdem: Dann erfassen sie autonom ein LTP - na und? Nehmen sie dann Spektren auf, messen die Polarisation, schalten sie auf Hochauflösung für die genaue Dynamik? Tun sie nicht (und wir sind genauso schlau als je zuvor). Aber wir machen das ... Deshalb das LTP-Projekt.

Ich danke für den Hinweis aufs VdS-Journal 29. Von der Reproduktion des Kosyrev-LTP wusste ich noch nicht.

Viele Grüße
Heinz
 

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