Hallo Klaus,
Du hast vollkommen recht mit Deiner Antwort. Aber wir sprechen ja über
Lucky Imaging. Ziel von Lucky Imaging ist es, möglichst nahe an das theoretische Auflösungsvermögen des Teleskops heranzukommen.
Im Deep Sky Bereich sieht das im Allgemeinen anders aus. Die Aufnahmen sind alle seeingbegrenzt und nicht beugungsbegrenzt. Seeinbegrenzt heißt, man hat es mit Auflösungen > 1" zu tun. Egal, was das Teleskop theoretisch kann.
Trotzdem landet man mit der Pixelgröße der CMOS Kameras häufig in der Nähe des theoretisch Möglichen. Mit p = 3.8" und f/D = 10 ist man ja schon fast dabei.
Die Kollegen vom Planeten-Thread schwören ja auf "Oversampling" und setzen häufig zusätzlich Barlows ein. Wenn ich mich recht erinnere, hat User "komposer" das (vor kurzem?) getestet und er war der Meinung, dass Oversampling bessere Ergebnisse liefert. Den Bildern nach glaube ich das auch. Nur erhält man beim oversamplen keinen mehr an Informationsgewinn. Aber das Drizzling funktionert dann besser, wie es scheint. Wenn man aber mit Oversampling nicht mehr Information gewinnt, kann man die analoge Barlow auch durch eine digitale Barlow ersetzen.
Voraussetzung ist allerdings, dass man eine Kamera benutzt, deren Pixelgröße and das Öffnungsverhältnis angepasst ist. Das kann man
hier gut nachlesen. Die Pixelgröße sollte deshalb nicht größer als
p[µm] = f/D * 1/3 sein.
Analoge Barlow:
Um ein besseres Sampling (also Abtastrate) hinzubekommen, vergrößert man im Allgemeinen die Brennweite mit einer Barlowlinse. Das hast Du ja auch herausgefunden, dass das nicht verkehrt ist. Man sieht es auch am Ergebnis. Die Barlow bringt aber nicht immer einen Gewinn an Auflösung. Die Auflösung eines Teleskops und damit die sinnvolle Maximalvergrößerung wird ausschließlich durch den Teleskopdurchmesser bestimmt. Die Näherungeformel dazu ist:
A["] = 138[" mm] / D[mm]; wobei A das Auflösungsvermögen und D der Teleskopdurchmesser ist.
Der Nachteil der analogen Barlow liegt auf der Hand: Es wird ein zusatzliches optisches Element gebraucht und die Belichtungszeit verlängert sich quadratisch mit dem Verlängerungsfaktor der Barlow. Und beim Lucky Imaging kommt es auf gutes Seeing an, das aber oft nur kurzzeitig erreicht wird. Darum sind kurze Belichtungszeiten von Vorteil.
Digitale Barlow:
Wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Barlow ab einer gewissen Vergößerung nur das Bild zoomt ohne Informationsgewinn, kann man das auch einfacher haben, indem man das zoomen nachträglich anwendet. Dadurch erreicht man das gleiche, wie mit der analogen Barlow. Allerdings ohne seine Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.
Der Vorteil einer digitalen Barlow liegt auch auf der Hand: Man braucht kein weiteres optisches Element, die Beleichtungszeiten sind kürzer und das Bildfeld ebenfalls. Und man kann den Vergrößerungsfaktor der digitale Barlow frei wählen und damit experimentieren.
Damit das auch gelingt, muß die digitale Barlow auf dem Sampling Theorem basieren. Das heißt, die Abtastrate (Sampling) der aufgenommenen Bilder muß der Bedingung: f/D >= 3*p[µm] genügen.
Ich habe das am 4fach gelinsten Quasar ausprobiert und es hat funktioniert. Allerdings ist der Abstand der drei Komponenten des Quasars auch nicht am Rand des Auflösungsvermögens des benuzten Teleskops.
Die vorgehensweise mit einer digitalen Barlow ist die, dass man alle Einzelbilder zoomt. Mit zoomen meine ich interpolieren und nicht etwa die Pixel vervielfachen. Nach dem zoomen der Einzelbilder werden diese wie gehabt der Güte nach selektiert, zentriert und gemittelt. Da ich selber noch keine Planeten aufgenommen habe, kenne ich die Auswerteprogramm nicht. Ich weiß, dass es "astrostakkert" gibt. Ob dieses Programm allerdings die Einzelbilder zoomen kann, weiß ich nicht. Ich habe das beim Quasar selbst in die Hand genommen.
Bei einem Öffnungsverhältnis von f/D = 10 kommt man mit einer Pixelgröße von ca 3 µm oder kleiner schon ganz gut hin. Bekanntlich hilft das drizzlen auch noch, um leicht undersamplte, aber gezoomten Einzelbilder zu restaurieren.
In diesem Sinne: Go digital!
Peter