Re: Luxus Problem: Zeiss Halb APO 6" oder Meade AP
Hallo Jan,
Bei katadioptrischen Systemen - beispielsweise in einem Cassegrain-Spiegelteleskop - werden Abbildungsfehler eines Primärspiegels mit extrem hoher Lichtstärke - typischerweise f/3 - durch den konvexen Sekundärspiegel weitgehend kompensiert.
ein Cassegrain ist kein katadioptisches Teleskop.
Der Cassegrain hat ja nur zwei Spiegel, keine Linse oder ein
lichtbrechendes Element wie etwa ein Maksutoy- , Klevtsov-,
Field-, Schmidt- Cassegrain.
Der Jauptspiegel eines echten klassischen Cassegrain ist
ein Paraboloid, der könnte schon allein auf der Achse eine
fehlerfreie Abbildung zeigen.
Der Sekundärspiegel des klassischen Cassegrain ist konvex-hyperboloid
und wirkt brennweitenverlängernd.
Da die Abbildungsfehler bei gegebener Brennweite i.a. mit mindestens dem Quadrat der Öffnung ansteigen (wobei der FH ja im wesentlichen komafrei ist), sollte sich die Fehljustage beim Cassegrain mit f/3 Primärspiegel mindestens 25 mal stärker auf die Abbildungsqualität auswirken als eine entsprechende Fehljustierung des Planspiegels im f/15 Faltrefraktor.
Es kommt da auf die Art der Dejustage an. Der klassische Cassegrain
zeigt ja abseits der Achse ziemlich genau die gleiche Koma wie der Newton mit gleicher Öffnung und Brennweite.
Wenn also nun die komplette Optik des Cassegrain etwas schräg
in den Tubus eingebaut worden ist, sagen wir um 0,5° dann
zeigt das Okular in der Bildmitte die entsprechende Koma.
Anders sieht es aus wenn die beiden Spiegel zueinander dejustiert sind.
Außderdem kann der Abstand der Spiegel zueinander etwas zu groß
oder zu klein sein, in dem Fall wird dann sphärische Aberration
vorhanden sein.
Aber ich denke ich ahne was du sagen willst:
Wenn das Objektiv des Faltrefraktors sauber zentriert ist
und nur einer der beiden Planspiegel dejustiert ist,
dann liegt in der Bildmite nur ein off-axis-Fehler vor.
Dieser sollte sich fast ausschließlich als Astigmatismus
bemerkbar machen. Bei einem solch langbrennweitigem Teleskop
als sehr dezenter Astigmatismus.
Es ist ja hinlänglich bekannt, dass kompensierte Spiegelsysteme nur dann ihre volle Leistung bringen, wenn sie ordentlich kollimiert sind, ...
Ja, wenn mehrere Spiegel an der Bildentstehung beteiligt sind
müssen die exakt zueinander positioniert sein. Das gilt aber auch
für die Linsen eines Objektives.
Derlei Probleme hat man mit dem Faltrefraktor nicht. Der ist optisch - und dementsprechend auch thermisch - vergleichsweise doch recht robust.
Einmal jsutiert hält ein Refraktor mit guter Fassung die Justage
solange man nicht irgendwo hart aneckt.
MfG,Karsten