M 31 als Krafttankstelle

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Anette_Aslan

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Liebe Astrogemeinde,

manchmal braucht man die übermächtige Weite des nächtlichen Himmels und seine tiefe, beruhigende Kraft, die von ihm ausstrahlt. Ein ganz besonderer Kraftort kosmischer Austrahlung ist für mich persönlich die Andromedagalaxie, die sich ja jetzt in dieser herbstlichen Zeit so bequem zu angemessener Beobachtungstunde noch vor 20h aufsuchen lässt, sofern das Wetter mitspielt.

In meinem 16er Gitterrohrdobson füllt sie das Gesichtsfeld des 42mm Weitwinkelokular gänzlich aus, ja bei guter Durchsicht geht sie sogar noch darüber hinaus. Bei einem 5.0 mag Himmel ahnt man sie schon mit bloßem Auge selbst hier im Wiener Becken.
Ich kann gar nicht sagen, dass ich sie nun im Fokus habe, wenn ich sie beobachte, sondern muss gestehen, dass sie eher mich hat! Völlig in ihrem Bann gezogen sitz ich da vorm Dobson und versinke meditativ in absolute Stille hinein.
Das passiert mir bei offenen Sternhaufen nicht, die wirken mit ihrer aufgesprengten Dynamik sehr herzerfrischend und ich zucke da eher aus, werd ganz wach und munter.

Bei ihr ist das anders! Gestern Abend rauschte noch der nervige Südostföhn bei milden 15 Grad durchs Wiener Becken, kaum stellt sich ein vielversprechendes Hochdruckgebiet ein, ist auf Sonnenschein und klarem Himmel zu hoffen, da wird auch schon das Föhnungeheuer geweckt, auf dass er mit Gebrüll und Getöse ins Wiener Becken einfällt und einem das was man unter "Schönwetter" versteht vermaledeit. Er haut einem um die Ohren, ja orfeigt richtig!

Auch Nachts, wenn der Heizofen Sonne schon längst untergegangen ist hat er noch Schwung und lässt kaum nach.

So konnte ich gestern auch meinen Gitterrohrdobson trotz klarem Himmels nicht zum Einsatz bringen, der würde bei diesem Wind nur wackeln wie das Krähennest eines Segelschiffes. Selbst der Aufbau des 6" Fraunhofers auf Säule wäre mir zu riskant gewesen - aber meine Sehnsucht nach M31 plagte mich so sehr, dass ich es mit dem alten 10er Volltubus Dobson versuchte und dieser stellte sich als sehr geeignet heraus, denn die oberen Luftschichten waren wohl still, Föhn reicht ja nicht so hoch, so bekam ich M31 als stillen Ruhepohl ins Okular, während der Wind an mir herumzauste, aber der Dobson hielt stand, machte keinen Ärger!
Ich versuchte es mal in mehreren Vergrösserungen, bei hundertfach im 13mm Bader währe ich am liebsten ins Okular gesogen worden. Ziemlich lange verweilte ich daran und stellte fest, dass man mit Geduld und Ausdauer auch bei einem 4,5mag Himmel langsam mehr an Kontrasten erheischen kann, als bei einem flüchtigen Durchblick. Im 32mm Weitwinkel bekam ich bequem auch ihre Begleiterin die M32 hinein.

Alles in allem gibt es für mich da oben Objekte, die ich emotionsbedingt zu ganz bestimmten Zwecken aufsuche, ha und chi im Perseus haben mich gestern schier verjagt, waren mir zu wild.
Wer Ruhe und Kraft braucht, sollte es mal mit einem langen Blick auf M31 versuchen, da kommt war rüber, ganz bestimmt.

mit galaktischen Grüssen von Anette
 
Hallo Anette,

mir geht es ähnlich wie Dir. Wenn ich mich in M31 reinfallen lass, wird alles still um mich herum und ich lasse mich in ruhige Gedanken versinken und ehrfurchtshalber dahintreiben. Für mich Entspannung pur - ohne jegliches Zeitgefühl.
Ja, wenn man solche Augenblicke aus anderen Blickwinkel betrachtet öffnen sich ganz andere Toren.
(Ich beobachte mit einem 25x100er FG, das reicht mir, besonders bei einem perfekten dunklen Landhimmel auf meiner Terrasse)

Schön dass solche Beobachtungsempfindungen noch transparent gemacht werden.

 
Hallo Anette,

das von Dir Geschriebene kann ich voll und ganz nachvollziehen. Zu flüchtig ist oft der Blick auf M31, der ja "nur" ein verwaschner Lichtfleck ist, der sein wahres Ich nur offenbart, wenn man mit viel Geduld das Licht, das er aussendet, auf sich wirken lässt. Und dann gibt M31 auch einiges an Details preis, ich beobachte ise zB. gerne mit meinem 90/900er Refraktor, mit einem 38mm WA-Okular mit 70° Feld. Das liefert mir - da der Refraktur ja nur f/10 hat - randscharfe 3° am Himmel und da ist M31 mit ihren Begleiterinnen eine Wucht! Aber nur, wenn, wie DU es auch schreibst, man sich Zeit lässt, am besten VIEL Zeit.

Liebe Grüße

Markus



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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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Juniper Hill Observatory

Markus A. R. Langlotz
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Die Astroseite: www.N-T-L.de
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Hallo Anette,

wirklich sehr schön geschrieben!
Mir gehts es oft so, wenn ich Saturn beobachte. Das ist für mich (bisher) das Himmelsobjekt, bei dem ich völlig entspannt bin und die Ruhe um mich herum genieße.

VG Alex
 
Hallo Anette,

ich habe gestern (4.10) ebenfalls die Andromeda-Galaxis beobachtet. Die Bedingungen waren recht gut (ich wohne auf dem Land, wo es weder Nachbarhäuser noch Laternen gibt).
Ich konnte sogar die dunklen Staubbänder erahnen.

Zum Einsatz kam mein APM-Fernglas 100/550 + 24 mm Panoptic. Das ergibt 2,8 Grad Gesichtsfeld.

Den Doppelsternhaufen im Perseus habe ich mir ebenfalls angesehen. Ein grandioser Anblick - vor allem in einem Großfernglas, das einen wunderbaren räumlichen Eindruck vermittelt.

Gruß Klaus
 
Hallo Anette,

M31 und den Doppelhaufen in Perseus suche ich auch sehr gerne auf.
Mir geht es aber anders als Dir, M31 ist nett aber der Doppelhaufen ist für mich eine Wucht, eigentlich nur noch durch M41 zu toppen.

Ich wohne auch in einer recht dunklen Ecke und beobachte nur, wenn ich die Milchstrasse mit blossem Auge gut sehen kann.
Auch wenn ich im 125mm Doppelteleskop mit 3,4° Feld auch die beiden Begleitgalaxien von M31 sehr schön sehen kann löst der Anblick bei mir keinerlei Gefühle aus.
Auch ist der Zugewinn durch mehr Öffnung meiner Meinung nach relativ gering, es bleibt ein ovales, milchiges Etwas.

Ganz anders ist das beim Perseus Doppelhaufen, in diesem Anblick kann ich stundenlang versinken ohne mich satt zu sehen. Das berührt mich wirklich und ist atemberaubend schön.
Allerdings profitiert er auch extrem von einer grossen zweiäugigen Öffnung.
Ich mochte den Doppelhaufen auch schon mit dem 12,5 Dobson und im Fernglas, aber erst im Grossfernglas kann er sein Potential so richtig ausspielen.
Ich sehe deutliche Unterschiede zwischen einem 70mm Fernglas, einem 100er Glas und dem 125mm Doppelrefraktor - und ich bin schon sehr gespannt wie er sich demnächst mit 2 mal 150mm Öffnung macht :-)

Bisher hatte ich erst einmal Gelegenheit mit dem 125er Bino auf M41 zu halten (letzte Woche bei der MoFi), aber auch das schlug alle Anblicke des Nebels, die ich vorher hatte.

Für's visuelle Genussspechteln gibt es nichts besseres als jedem Auge ein möglichst grosses eigenes Objektiv zu spendieren :-)

Grüsse Jochen
 
Liebes Sternenvolk,

liebsten Dank für all eure persönlichen Eindrücke! Solch ein Forum mit Gleichgesinnten macht doch ungemein Spaß!

Jochen, dass M41 Dein absoluter Favorit ist find ich bemerkenswert, ich glaub, ich muss mir den nochmals etwas genauer anschauen, gegenwärtig noch zu sehr frühen Morgenstunden, doch der Winter kommt ja bald, so dass insgesamt die Open Clusters wieder ihren gigantischen Auftritt haben werden.
So ein Doppelfernrohr muss die Wucht sein! Welche Vergrösserungen nimmst du da? Mit meinem 16er steh ich mit kleinster Vergrösserung am 42er schon mittendrinn und der Gesamteindruck eines Open Clusters geht mir dann irgendwie verloren. Wenngleich das Erlebnis auch prickelnd ist.

Ich freu mich schon auf M41, nun bin ich aber neugierig und muss das mal anders auf mich einwirken lassen.

Lieben Dank für alle diese schönen Antworten hier und Gruss von Anette
 
Hallo Jochen, hallo Anette,

M 41 ist wirklich sehr sehr schön und hat viele phantasieanregende Strukturen.
Letztes Jahr habe ich ihn mit 14" mal so beschrieben: Einer der hellsten Sterne im Zentrum ist farbig. Mit etwas Phantasie bilden die hellsten Sterne des Haufens ein Seesternchen, dessen oberer Zacken eingeknickt ist. Der farbige Stern bildet zusammen mit einem weiteren hellen Stern westlich zwei schöne Augen.
Zuviel Phantasie, ich weiß :biggrin:
Jochen, wie schön dann erst die vielen Sternhaufenpärchen wie M 36/37, M35/NGC2158 oder M38/NGC1907 in Deinem 5"-Bino wirken müssen. Ich finde gerade den Kontrast zwischen den unterschiedlichen Pärchen in kleinen Vergrößerungen schön.

Viele Grüße
 
Hallo Anette,

ich mag die geringen Vergrösserungen mit viel Feld am liebsten, da sind die Objekte schön eingerahmt und mit der grossen AP strahlen die Sterne besonders hell.
Deshalb nutze ich meist 25x oder 50x, zum Glück habe ich hier einen recht dunklen Himmel, so dass die AP von 5mm bei 25x noch nutzbar ist.

Rene, ich denke es gibt für mich noch sehr viel zu entdecken, bisher kam ich kaum zum wirklichen Beobachten, weil ich immer etwas testen und ausprobieren muss :-)
Das wird sich auch jetzt noch nicht so schnell ändern, da ich der Sucht nachgegeben habe und ab morgen ein 6" Doppelteleskop testen werde ;-)

Grüsse Jochen
 
Jochen meint wahrscheinlich, dass bei großer AP die Sterne ganz punktförmig erscheinen und auch das seeing nicht stört.
Der Eindruck ist dann besonders brillant und ästhetisch.
 
Hallo Michael,

ja, das mit der Brillianz meinte ich, aber auch das Leuchten beim Beobchten mit einer grossen AP im Gegensatz zur Beobachtung mit einer Kleinen, wo alles ziemlich Duster wird und wie durch einen Schleier wirkt.

Grüsse Jochen
 
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