M 97 - Eulennebel, ein Klassiker mit dem NCT300

DietSky

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Hallo,

nach nunmehr 15 Jahren wollte ich mal wieder frische Photonen des Planetarischen Nebels Messier 97 (NGC 3587), dem Eulennebel, sammeln. Damals hatte ich, aufgrund eines fehlenden OIII-Schmalbandfilters, allein auf eine LRGB-Aufnahme gesetzt.

Angeregt von einer hier kürzlich vorgestellten, sehr detailreichen HOO-RGB-Version des BTB-Teams um Manfred Wasshuber @Wasshuber , nahm ich mir also diesen Klassiker noch einmal vor. Als Instrument kam, wie schon damals vor 15 Jahren, mein 12“ Newton-Cassegrain (NCT300) zum Einsatz. Belichtet habe ich in zwei Märznächten insgesamt 8,5 Stunden, wobei etwa die Hälfte davon für die Linie von OIII verwendet wurde.

Trotz der hohen Deklination war das Seeing eher nur durchschnittlich, aber noch ausreichend gut für die lange Brennweite. Tieferstehende Objekte meiner Wunschliste kamen, aufgrund schlechter Transparenz und mangelnder Luftruhe, in diesen Nächten nicht in Betracht.

Ich bedanke mich für euer Interesse und freue mich auf eure Kommentare,

CS Dietmar


1. Gesamtes Feld

M97_HaOIII-RGB_klein.jpg



2. Crop aus der Bildmitte

M97_HaOIII-RGB_Crop.jpg



3. Gesamtes Feld etwas größer

Aufnahmedaten:


Instrument: 12" Newton-Cassegrain NCT300 (Eigenkonstruktion) im Primärfokus mit ASA-Korrektor bei f=2075mm
Aufnahmekamera: QHY268M @-10°C Sensortemperatur
Guiding: Lodestar Pro am OAG
Filter: Antlia Filtersatz Ha (3nm), OIII (3nm), R, G, B
Belichtungszeiten: Ha: 12x900s; OIII: 16x900s; RGB: je 10x180s
Gesamtbelichtungszeit: 8h30m
15./16.03., 18.03.2026
 
Guten Morgen Dietmar, eine wunderbare, detailvolle Aufnahme der Eule zeigst du uns hier! Die schwachen OIII Hüllen kommen auch super heraus und wirken kein Stück überstreckt. Einzig fällt mir auf, dass die Sterne etwas blass wirken, besonders neben dem kräftigen Nebel. Hier hätte vielleicht nen ticken mehr Sättigung zu einem harmonischerem Gesamteindruck beigetragen, wenn es die Daten hergeben.
Liebe Grüße und schönes Wochenende!
Cs Ben
 
Hallo Dietmar,

das ist eine sehr starke Aufnahme.
Die OIII-Strukturen kommen hervorragend zur Geltung,
und die Farbgebung wirkt ausgewogen und natürlich.
Der gesammteindruck ist trotz des durchschnittlichem Seeing beeindruckend ruhig.

Die Hintergrundgalaxien sind ein schönes Extra.
Insgesamt eine sehr gelungene Neuaufnahme des Klassikers.

Beste Grüße und CS
Karsten
 
Hallo Ben, Bernhard, Karsten und Manfred,

vielen Dank für eure netten Worte. Es freut mich immer sehr, wenn euch meine Bildergebnisse gefallen.

Einzig fällt mir auf, dass die Sterne etwas blass wirken, besonders neben dem kräftigen Nebel. Hier hätte vielleicht nen ticken mehr Sättigung zu einem harmonischerem Gesamteindruck beigetragen, wenn es die Daten hergeben.
Hallo Ben,
die Satzergänzung: "wenn es die Daten hergeben" war in diesem Fall der ausschlaggebende Grund dafür, die Sättigung der Sterne nicht noch weiter hochzuziehen.
Das Seeing war nicht perfekt und auch nicht sehr konstant, sodass es Probleme bei der RGB-Überlagerung aufgrund unterschiedlicher FWHM-Werte gab. Diese führten zu unsauberen Rändern der Sternabbildungen. Die lange Brennweite bedeutet halt auch immer etwas Fluch und nicht nur Segen.

Und danke für die freundliche Erwähnung von unserem M97 :cool:
Hallo Manfred,
ich habe zu danken, denn schliesslich hat mich euer Bild zu einem neuen Versuch animiert.

CS Dietmar
 
Hallo Markus,

freut mich sehr!

Erstaunlich was sich über die Jahre so tut: es ist gefühlt noch nicht extrem lange her, da galt der [OIII]-Halo als sehr anspruchsvolle Aufgabe, gut 4 h so gefiltert hätten da nicht so gut gereicht.

Ich habe mal in meinem Archiv nachgeschaut, es ist das fünfte Mal, das ich dieses Objekt belichtet habe:

1. 1985 auf Diafilm Agfa RS1000
2. 1990 auf hypersensibilisiertem Kodak TP2415, 90 Minuten mit Rotfilter
3. 1992 auf hypersensibilisiertem Kodak TP2415, 90 Minuten mit Grünfilter
4. 2011 mit meiner CCD-Kamera QSI583wsg in LRGB
5. 2026 mit meiner CMOS-Kamera QHY268M in HaOIII-RGB

Anhand dieser Aufnahmen kann ich die Entwicklung der Möglichkeiten in der Astrofotografie sehr gut nachvollziehen.
Was allerdings bei diesem Vergleich auch deutlich wird, eine 90-minütige Einzelbelichtung könnte man heutzutage nicht mehr ohne eine einzige Satelliten- oder Flugzeugspur erstellen. Damals, auf Negativfilm, wäre es fatal gewesen, hätte man doch keine Chance gehabt, die Spuren zu retuschieren.
Seien wir als gespannt, was uns die Zukunft an weiteren Möglichkeiten bringen wird.

CS Dietmar
 
Hallo Dietmar, absolut super, so hab ich M97 noch nicht auf Fotos gesehen. Der neuerliche Aufwand hat sich gelohnt! Kompliment und danke fürs Zeigen!

LG Olaf
 
Danke, Olaf!

Wenn ich mir meine Bildergebnisse aus der "Analogzeit" anschaue, kann ich kaum glauben, das meine jetzige Aufnahme mit dem gleichen Instrument entstanden ist.
Es ist schon der Wahnsinn, welche Möglichkeiten uns Heute die modernen Kameras bieten.

CS DIetmar
 
Danke, Olaf!

Wenn ich mir meine Bildergebnisse aus der "Analogzeit" anschaue, kann ich kaum glauben, das meine jetzige Aufnahme mit dem gleichen Instrument entstanden ist.
Es ist schon der Wahnsinn, welche Möglichkeiten uns Heute die modernen Kameras bieten.

CS DIetmar
Hallo Dietmar,

eine wirklich sehr gelungene Aufnahme wo ich erstmals auch "echte" Struktur erkennen kann.
Vielleicht kannst du ja mal uns die oben gelistete Historie von 1985 bis 2026 als Bildmaterial nebeneinander gelegt zeigen. Das würde sicher einige hier interessieren.


CS,
Franz
 
Hallo Dietmar,

besteht eine Möglichkeit, Deinen "Analogzeitvergleich" hier zu zeigen? Würde mich sehr interessieren (vielleicht auch andere).

CS Jochen

Edit: Franz war schneller ;)
 
Hallo Franz, Jochen und alle Interessierten,

ich habe mal die alten Negative von M 97 aus meinem Archiv herausgesucht und digitalisiert (das Diapositiv von 1985 konnte ich leider nicht mehr auffinden).

Diese habe ich dann in Photoshop etwas bearbeitet und war selbst erstaunt, was da geht. Früher, in der Dunkelkammer, konnte man bei weitem das Potential der Negative nicht so weit ausschöpfen.

Man sollte bedenken, es handelt sich um Einzelbelichtung und nicht um einen Stack von mehreren Aufnahmen. Da musste über die gesamte Belichtungszeit von 90 Minuten alles passen. Der Fokus durfte nicht driften, was beim freiliegenden Film in einer feuchten Nacht sehr schnell passieren konnte, die Nachführung musste sehr sauber laufen und es durfte natürlich kein Satellit oder Flugzeug das Bildfeld durchkreuzen.

Die Fokuskontrolle, vor der Aufnahme, habe ich mit der Foucaultsches Schneidenmethode auf der leeren Bildbühne der Kamera gemacht.
Die Kontrolle über die Sucherscheibe war nicht präzise genug. Nachgeführt wurde mein Instrument damals mit der legendären ST-4, einer CCD-Kamera der Santa Barbara Instrument Group (SBIG), ein Meilenstein in der Astrofotografie.

Hier nun in eine Gegenüberstellung (Crop) aus den beiden analogen Aufnahmen des Eulennebels.

CS Dietmar

M97_1992-1994_Crop.jpg
 
Hallo Franz, Jochen und alle Interessierten,

ich habe mal die alten Negative von M 97 aus meinem Archiv herausgesucht und digitalisiert (das Diapositiv von 1985 konnte ich leider nicht mehr auffinden).

Diese habe ich dann in Photoshop etwas bearbeitet und war selbst erstaunt, was da geht. Früher, in der Dunkelkammer, konnte man bei weitem das Potential der Negative nicht so weit ausschöpfen.

Man sollte bedenken, es handelt sich um Einzelbelichtung und nicht um einen Stack von mehreren Aufnahmen. Da musste über die gesamte Belichtungszeit von 90 Minuten alles passen. Der Fokus durfte nicht driften, was beim freiliegenden Film in einer feuchten Nacht sehr schnell passieren konnte, die Nachführung musste sehr sauber laufen und es durfte natürlich kein Satellit oder Flugzeug das Bildfeld durchkreuzen.

Die Fokuskontrolle, vor der Aufnahme, habe ich mit der Foucaultsches Schneidenmethode auf der leeren Bildbühne der Kamera gemacht.
Die Kontrolle über die Sucherscheibe war nicht präzise genug. Nachgeführt wurde mein Instrument damals mit der legendären ST-4, einer CCD-Kamera der Santa Barbara Instrument Group (SBIG), ein Meilenstein in der Astrofotografie.

Hier nun in eine Gegenüberstellung (Crop) aus den beiden analogen Aufnahmen des Eulennebels.

CS Dietmar

Den Anhang 548106 betrachten
Hallo Dietmar, die Qualität ist Sensationell bedenkt man Zeitpunkt und Equipment der Aufnahmen!! Danke fürs Teilen!
Cs Ben
 
Hallo Dietmar,

ich bin beeindruckt. So ein Ergebnis mit Amateurmitteln aus dieser Zeit hätte ich nicht gedacht. Da kann man nur sagen echtes Handwerk eines Könners.
Danke fürs zeigen.

CS
Franz
 
Hallo Ben und Franz,

freut mich, das ihr die Oldies zu schätzen wisst!
Ich war auch angenehm überrascht, was man heutzutage mit ein paar Mausklicks aus den Negativen herausholen kann. Damals waren die Möglichkeiten bei der chemischen Entwicklung und der Belichtung in der Dunkelkammer auf Fotopapier doch sehr begrenzt und nur schwer reproduzierbar, sobald man mit Masken arbeiten musste.

CS Dietmar
 
Solche alte Aufnahmen sind Gold wert!

1. Man sieht im Vergleich einige Veränderliche.

2. Expansion: Hier wird die aktuelle Aufnahme mit der alten Aufnahme von 1994 verglichen. Die Frage lautet, ob man eine Expansion der Gaskugel feststellen kann. Die dazu gelb eingezeichneten Linien in den Aufnahmen rechts werden als Profilplots links dargestellt.
Darin habe ich senkrechte rote Linien eingezeichnet, um gleiche Stellen entlang den gelben Linien vergleichen zu können. Der deutliche Peak ist ein Stern, den ich zusammen mit dem Zentralstern als Referenz benutze und dessen Eigenbewegung ich vernachlässige.
Die roten Linien markieren Merkmale in den Helligkeitskurven der älteren Aufnahme.
Man kann erkennen, dass die gleichen Merkmale in der neueren Aufnahme deutlich weiter rechts zu den roten Linien liegen.
Die Gaskugel zeigt also innerhalb der 34 Jahre eine deutliche Expansion.
Als Verfeinerung könnte man mit der Korrelationsfunktion die Veränderung sauber berechnen. Zur Demonstration genügen hier jedoch die ausgewählten Merkmale und eine manuelle Abschätzung der Expansion. Diese Auswertung erfolgte mit imagej und inkskape.

Hat jemand Lust, die Expansionsgeschwindigkeit (Lj/a) zu berechnen?

Viele Astrogrüße, Claus
 

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Hallo Dietmar,

die SW-Aufnahmen von damals erinnern mich stark an meine damaligen Ergebnisse mit FFC und TP. Ich gehöre ja auch zu denen, die schon sehr viel an Veränderungen in der Astrofotografie "durchgemacht" haben. Zurück möchte ich auch nicht, aber lehrreich war das alles schon.

Dein letztes Bild ist natürlich wieder vom feinsten, wie schon viele Vorredner festgestellt haben.
Gratuliere !

LG Franz
 
@fuetti
Hallo Claus,

das ist ein sehr interessanter Ansatz. Ich hätte vor über 30 Jahren nie daran gedacht, das sich diesbezüglich einmal Jemand in der Zukunft darüber Gedanken machen würde!

@franz1
Hallo Franz,

die SW-Aufnahmen von damals erinnern mich stark an meine damaligen Ergebnisse mit FFC und TP. Ich gehöre ja auch zu denen, die schon sehr viel an Veränderungen in der Astrofotografie "durchgemacht" haben.
Ja, wir Beide haben zusammen genommen bestimmt schon 100 Jahre Astrofotoerfahrung auf dem Buckel. Das ist verdammt viel und wir haben sicher auch schon einige "Leidenswege" und Frust hinter uns gebracht, aber auch sehr viele schöne Momente.
Ich finde, das Durchhalten hat sich gelohnt !!!

CS Dietmar
 
Sehr schön, den "Schluckauf" vor dem ersten Ausbruch so gut abgebildet zu sehen! Und sonst - ach, ist doch schon alles gesagt, einfach ein geiles Bild!

CS,
Stefan Korth
 
Hallo Dietmar,

ich finde es allein schon sensationell, dass Du damals 90 Minuten am Stück belichtet hast. Dass dann so ein Ergebnis dabei rauskommt, ist unfassbar.

Da komme ich mir mit den heutigen Möglichkeiten ziemlich mickrig vor. Macht jedenfalls demütig.

LG Olaf
 
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