Hi,
ich muss frei heraus zugeben, ich habe mich mit Bortle nie wirklich sorgfältig beschäftigt (ich muss immer noch jedes mal nachsehen, was ist 'gut': 1 oder 5 ? - sorry, sorry ! ;-). Ich habe mir schon relativ früh ein SQM zugelegt (leichte Affinität zu Messgeräten), alles andere mache ich rein subjektiv (s.u.).
Klar ist, dass es (mindestens) 3 externe Parameter gibt, die für uns Visuelle wichtig sind:
(a) Himmelshelligkeit, (b) Transparenz, (c) Luftunruhe (aka Seeing).
Das SQM misst nur (a). Auf einem CCD Bild misst man das als Anzahl der Photonen in/im (a) Hintergrund, (b) (gesamter) Sternabbildung (inkl. Flügel der Point-Spread function = PSF) und (c) Breite (FWHM) der PSF.
Klar ist auch, dass ein visueller Beobachter noch anderen menschlichen Einflussgrössen unterliegt:
(i) rein physiologische Leistungsfähigkeit seines Auges (Retina-Empfindlichkeit, Pupillengrösse), (ii) persönliche Erfahrung + Konzentrationsvermögen, (iii) momentane Konzentrationsfähigkeit (Müdigkeit, Alkohol, Ernährung, Entspanntheit,...)
Dann haben wir ja noch Instrumente vor dem Auge: (1) Teleskop und (2) Okular - für beide sind relevant Transmission (z.B. Spiegel-Reflektivität, Obstruktion oder Vergütung, Anzahl der Linsen...) und Sauberkeit der Optik (Schlieren, Staub, Schäden...). Ein Teleskop kann man entweder gut gegen Streulicht absichern oder auch nicht (Baffling --> Streulicht --> Himmel im Okular). Und Filter gibt es auch noch (lassen wir das).
Jetzt suchen wir nach (möglichst) einfach bestimmbaren Grössen, um die Beobachtungen verschiedener Beobachter, an verschiedenen Orten, mit verschiedenen Teleskopen, unter verschiedenen Wetterbedingungen vergleichen zu können, womöglich noch bei verschiedener Horizonthöhe der Objekte, womöglich auch noch mit Filtern. Mit Weissbier oder ohne... Jene die mit 25 gerade Astronomie anfangen, und die mit 60 schon 45 Jahre auf dem Buckel haben.
Das das schwierig wird, ist denke ich klar aus dem oben gesagten.
Ich akzeptiere deshalb bei visuellen Beobachtern i.a. alle möglichen Versuche zu einer Vergleichbarkeit zu kommen. Aber ich erwarte eigentlich kein besonders genaues Resultat. Einfach wegen der vielen (ort-/zeit-/equipment-variablen) Einflussgrössen. (Wissenschaftlich gesehen ist das ein messtechnischer Alptraum)
Was ich tue ist: mit SQM den Himmel messen. Das geht einfach, objektiv (geeicht) und ohne Probleme mehrere Male hintereinander (Mittelwerte), an verschiedenen Orten des Himmels und zu jeder beliebigen Zeit (Entwicklung über die Nacht). Ich kann den Wert mit LPM-Karten vergleichen, auch mit anderen Nächten am gleichen Ort und mit anderen Beobachtungsplätzen. Auch kann ich (schnell) sehen, ob es in einer Nacht besser oder schlechter wird. Ich brauche keine Dunkeladaption meiner Augen, ich kann aus dem Auto aussteigen und sofort messen ob es hier gut ist, oder nicht (und weiterfahren wenn nicht). Der Mond geht bald auf, das merke ich im SQM, bevor ich es subjektiv registriere. Ob ich müde bin oder nicht, merkt das SQM nicht (kann schade sein, aber i.a. gut so !).
Klar ist, das ist nur ein Parameter, die Himmelshelligkeit.
Die Transparenz kann ebenso variieren. Die auch variablen, subjektiven, menschlichen Parameter schliesse ich hiermit komplett aus, bzw bestimme sie nicht. Auch schliesse ich alle Instrumenteneffekte aus, bzw. bestimme sie nicht.
Das SQM gibt uns nicht mehr als das. Aber auch nicht weniger. Und es gibt uns diese Daten schnell/einfach. Übrigens ist der SQM-Wert genau der, den ich auch mit CCD messen würde, auf ca 5% (= 0.05mag/sq.arcsec) genau.
Wollte ich alle externen Parameter messen (plus Optik-Transmission etc) , bräuchte ich ein CCD und einiges an (Zeit-/Datengewinnungs- und Datenreduktions-) Aufwand. Die subjektiven Parameter muss ich sowieso aussen vor lassen.
Während die Transparenz sehr stark am Wetter hängt (Ortsfaktoren gibt es auch, ja: Wasser in der Nähe, Höhenlage), ist die Himmelhelligkeit (= primär Lichtverschnutzung) durchaus sehr weitgehend ein Standortfaktor. Natürlich gehen um 23h alle Leute im Tal ins Bett und schalten ihre Lichter aus, das seh ich im Himmel (es gibt also noch andere Faktoren als nur Standort, ja). Daher schaue ich primär nach LPM-Wert um den Beobachtungs-Ort zu quantifizieren (plus weg von Wasser, hoch in die Höhenlage), bzw. geeignet auszusuchen. DANN guck ich nach dem Wetter, bzw HOFFE (mehr kann ich da nicht tun) auf gute (u.a. Transparenz-) Verhältnisse.
Nein, ich habe M33 noch nie mit dem blossen Auge gesehen. Allerdings versuch ich's auch kaum (jetzt ja, da diese M33-Idee in der Welt ist, acht ich mal drauf, ok). Die Amerikaner haben entweder bessere Boebachtungs-Locations und/oder tiefere Limits ab denen sie behaupten etwas 'gesehen' zu haben. Wahrscheinlich beides. Auch haben sie definitiv sehr erfahrene Beobachter. Auf jeden Fall sind sie aber stark vom Virus des 'recordism' befallen: das schnellste, das weiteste, das höchste, das fernste,... Da kommen solche Diskussion: 'hast Du schon M82 mit blossem Auge gesehen', gerade recht... Das kann man nachmachen, muss man aber nicht. Jeder macht das wozu er Lust hat, wenn es ums Hobby geht. Insofern gesteh ich jedem gerne zu, das alles anders zu praktizieren und zu sehen. Wenn es als Werkzeug seinen Dienst tut, alles OK. Und natürlich gibt es durchaus Leute, die sehr gute Augen haben und Erfahrung, die sehen eben M33. Super !
Schöne Grüsse + gutes subjektives Beobachten, ;-)
Peter