joetaiga
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
ich dachte ich schreibe mal hier rein. Sonst verstecke ich die Hintergrundinfos im Begleittext in der Galerie, wo doch eher wenige Leute drauf schauen.
Da ich immer CA in meinen Bilder hatte, habe ich am Wochenende mal den Okularauszug justiert. Ein Motiv um den Zenit musste her. Wenn es nicht dunkel wird und auch noch der Mond scheint, sind Motive mau. Dankenswerterweise liegt in der Leier mit M56 ein kleiner Kugelsternhaufen.
Der Haufen ist nicht besonders groß und geht etwas im doch schon recht dichten Sternfeld der Milchstraße unter. Der Durchmesser wird auf 42 Lj geschätzt, also halb so viel wie M13, die Entfernung ist dafür mit 33.000 Lj deutlich größer. Die Masse liegt etwa bei einem Dritter von M13. Visuell ist M56 aber trotzdem eine härtere Nuss als erwartet. Mit 8,8mag ist er zwar leicht zu finden, es braucht aber schon eine große Öffnung um die Sterne aufzulösen. Mit 12" geht es aber auch aus der Rheinebene gut. Ich vermute, dass das von den interessanten Eigenschaften des Kugelhaufens kommt.
Zum einen scheint der Haufen älter zu sein als die anderen Haufen der Milchstraße. Geschätzt ist M56 2 Mrd. Jahre älter als M13. Zum anderen ist dann seine niedrige Metallizität. Der Anteil der schweren Elemente ist 100x kleiner als bei der Sonne und sogar noch 5x kleiner als die in M13. Das ganze führt dazu, dass die hellsten Sterne weniger hell sind, als in anderen Kugelsternhaufen. Das zusammen mit der Entfernung macht ihn schwer aufzulösen. In der Aufnahme finden sich dann auch kaum helle Sterne. Vor allem die blauen Sterne sind sehr schwach und blasser als in anderen Kugelhaufen. Der Haufen wird dominiert von vielen gelben Sternen und einigen Roten Riesen.
Aufgrund der Eigenschaften und seiner Eigenbewegung vermutet man, dass M56 gar nicht zusammen mit der Milchstraße entstanden ist. Er umkreist zwar die Milchstraße, aber vermutlich hat er einst eine Zwerggalaxie umkreist, die von der Milchstraße vor Uhrzeiten verschlungen wurde. Aus den Gaia-Daten konnte man dieses Ereignis ableiten. Die Verteilung der Überreste der Zwerggalaxie im Halo erinnert etwas an eine Wurst. Daher hat man dem ganzen wohl diesen bildlichen Namen verpasst. Als mögliche Überreste von Zwerggalaxien werden die sehr massiven Kugelsternhaufen NGC 2808 und Omikron Centauri gehandelt. NGC 2808 ist hier besonders interessant. Einerseits als Kugelsternhaufen klassifiziert, enthält er aber trotzdem drei Sternpopulationen, was bei Sternhaufen eigentlich nicht der Fall sein sollte, da alle Sterne gemeinsam zur selben Zeit entstehen.
Doch nun zur Aufnahme. Hier ist das Setup und die Aufnahmeparameter:
TS 125mm SD mit passendem 0,8x Reducer @ f/6,24 auf einer EQ6-R
150x3min = 7,5h mit der ASI533MC pro
50 Flats und ein altes Master-Bias, keine Darks
Bearbeitet wurde ausschließlich mit Siril und Gimp
forum.astronomie.de
Minimal CA ist noch da, allerdings nun radial und nicht mehr linear, d.h. das kommt entweder von der Optik oder vom Reducer. Während vorher ein Asinh Stretch in Siril größer Faktor 50 zu einer Katastrophe an den Sternen geführt hat, habe ich das Bild dieses mal mit Faktor 1000 gestreckt und die Sterne sind noch intakt. Ein Asinh Stretch nach der Kalibration empfiehlt sich eigentlich immer, da dies die Farben sehr gut erhält. Bei Strecken über die Mitten geht blau verloren und die Rottöne verschieben sich nach gelb. Wenn man vor dem Strecken über die Mitten mit Asinh streckt, haben die Sterne und Nebel schon eine gewisse Helligkeit aber trotzdem noch ihre authentische Farbe. Faktor 1000 ist vielleicht übertrieben, aber als Test für das Vorhandensein von CA macht es sich sehr gut.
Hoffe das war für den ein oder anderen interessant.
Grüße,
Joachim
ich dachte ich schreibe mal hier rein. Sonst verstecke ich die Hintergrundinfos im Begleittext in der Galerie, wo doch eher wenige Leute drauf schauen.
Da ich immer CA in meinen Bilder hatte, habe ich am Wochenende mal den Okularauszug justiert. Ein Motiv um den Zenit musste her. Wenn es nicht dunkel wird und auch noch der Mond scheint, sind Motive mau. Dankenswerterweise liegt in der Leier mit M56 ein kleiner Kugelsternhaufen.
Der Haufen ist nicht besonders groß und geht etwas im doch schon recht dichten Sternfeld der Milchstraße unter. Der Durchmesser wird auf 42 Lj geschätzt, also halb so viel wie M13, die Entfernung ist dafür mit 33.000 Lj deutlich größer. Die Masse liegt etwa bei einem Dritter von M13. Visuell ist M56 aber trotzdem eine härtere Nuss als erwartet. Mit 8,8mag ist er zwar leicht zu finden, es braucht aber schon eine große Öffnung um die Sterne aufzulösen. Mit 12" geht es aber auch aus der Rheinebene gut. Ich vermute, dass das von den interessanten Eigenschaften des Kugelhaufens kommt.
Zum einen scheint der Haufen älter zu sein als die anderen Haufen der Milchstraße. Geschätzt ist M56 2 Mrd. Jahre älter als M13. Zum anderen ist dann seine niedrige Metallizität. Der Anteil der schweren Elemente ist 100x kleiner als bei der Sonne und sogar noch 5x kleiner als die in M13. Das ganze führt dazu, dass die hellsten Sterne weniger hell sind, als in anderen Kugelsternhaufen. Das zusammen mit der Entfernung macht ihn schwer aufzulösen. In der Aufnahme finden sich dann auch kaum helle Sterne. Vor allem die blauen Sterne sind sehr schwach und blasser als in anderen Kugelhaufen. Der Haufen wird dominiert von vielen gelben Sternen und einigen Roten Riesen.
Aufgrund der Eigenschaften und seiner Eigenbewegung vermutet man, dass M56 gar nicht zusammen mit der Milchstraße entstanden ist. Er umkreist zwar die Milchstraße, aber vermutlich hat er einst eine Zwerggalaxie umkreist, die von der Milchstraße vor Uhrzeiten verschlungen wurde. Aus den Gaia-Daten konnte man dieses Ereignis ableiten. Die Verteilung der Überreste der Zwerggalaxie im Halo erinnert etwas an eine Wurst. Daher hat man dem ganzen wohl diesen bildlichen Namen verpasst. Als mögliche Überreste von Zwerggalaxien werden die sehr massiven Kugelsternhaufen NGC 2808 und Omikron Centauri gehandelt. NGC 2808 ist hier besonders interessant. Einerseits als Kugelsternhaufen klassifiziert, enthält er aber trotzdem drei Sternpopulationen, was bei Sternhaufen eigentlich nicht der Fall sein sollte, da alle Sterne gemeinsam zur selben Zeit entstehen.
Doch nun zur Aufnahme. Hier ist das Setup und die Aufnahmeparameter:
TS 125mm SD mit passendem 0,8x Reducer @ f/6,24 auf einer EQ6-R
150x3min = 7,5h mit der ASI533MC pro
50 Flats und ein altes Master-Bias, keine Darks
Bearbeitet wurde ausschließlich mit Siril und Gimp
M56, der Fremdwandler
Neben dem Ringnebel das zweite, weniger bekannte Messier-Objekt in der Leier. Der Kugelsternhaufen am Rand der Milchstraße ist nicht besonders auffällig, hat aber eine interessante Geschichte, denn er ist nicht zusammen mit unserer Galaxie...
Minimal CA ist noch da, allerdings nun radial und nicht mehr linear, d.h. das kommt entweder von der Optik oder vom Reducer. Während vorher ein Asinh Stretch in Siril größer Faktor 50 zu einer Katastrophe an den Sternen geführt hat, habe ich das Bild dieses mal mit Faktor 1000 gestreckt und die Sterne sind noch intakt. Ein Asinh Stretch nach der Kalibration empfiehlt sich eigentlich immer, da dies die Farben sehr gut erhält. Bei Strecken über die Mitten geht blau verloren und die Rottöne verschieben sich nach gelb. Wenn man vor dem Strecken über die Mitten mit Asinh streckt, haben die Sterne und Nebel schon eine gewisse Helligkeit aber trotzdem noch ihre authentische Farbe. Faktor 1000 ist vielleicht übertrieben, aber als Test für das Vorhandensein von CA macht es sich sehr gut.
Hoffe das war für den ein oder anderen interessant.
Grüße,
Joachim