M57 nach chaotischer Nacht

CarstenW

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Man baut sein Equipment auf und freut sich auf die ersten Deep Sky Aufnahmen, aber manchmal kommt alles anders, als man denkt.
Ich hatte mein Setup wunderbar am frühen Abend aufgebaut, die Luftfeuchtigkeit war leider echt übel, aber kein Wind. Immerhin haben die Kinder mich gelassen. ;)
Am späteren Abend konnte ich dann loslegen und dann begann die Katastrophe. Das Alignment hat nicht funktioniert, man muss dazu sagen, dass ich normalerweise schwer aus unserer Reihenhaussiedlung herauskomme, wenn die Kinder in ihren Zimmern liegen und schlafen. Meine südlichen Referenzsterne wurden von der hier wohnhaften Straßenlaterne überstrahlt. So also mit unvollständigem Alignment gearbeitet. Als nächstes verabschiedete sich dann noch der Messingring meiner 2" Okularklemme, d.h. eigentlich verzog er sich, so dass ich die Kamera nicht mehr vernünftig aufstecken konnte, also kein Baader UHC-L-Filter, schade.
Dann Probleme mit dem Speichern meiner Bilder am Laptop bekommen. Ich konnte am Ende des Abends irgendwie noch 25 Einzelbilder retten, immerhin.

Hier nun das Ergebnis aus der Reihenhaussiedlung heraus, ohne Filter, mit Straßenlaterne gegenüber und unvollständigem Alignment:

M_57_Final2.png


M_57_Final.png

Man sieht, dass die Nachführung zwar dennoch gearbeitet hat, aber leider nicht so optimal, wie nach einem vollständigen Alignment.

Hier noch die technischen Daten:
Datum: 14.09.2026, Beginn: 23:35 MESZ
Celestron SC C8
ASI 585MC
25 Einzelbilder mit ASILIVE
Exposure: 30s
Gain: 252

Bildbearbeitung: AstroSurface und Paintshop 2023 Ultimate Pro
 
Irgendwie sehen deine Sterne komisch aus, liegt aber nicht am Alignment. Hast du den Fokus nicht getroffen? Ist dein C8 dejustiert? War irgendwas verkippt?

CS Dietmar
 
Irgendwie sehen deine Sterne komisch aus, liegt aber nicht am Alignment. Hast du den Fokus nicht getroffen? Ist dein C8 dejustiert? War irgendwas verkippt?

CS Dietmar
Hallo Dietmar,

ja, das ist mir auch aufgefallen. Ich hatte ja geschrieben, dass es an diesem Abend das totale Chaos war und ich dann im Nachgang die Bilder erstmal anschauen konnte. Ich habe das auch mal von einer KI analysieren lassen, das ist die Aussage dazu:
Dass die Sterne hier nicht perfekt punktförmig sind, liegt an einer Verkettung von drei klaren physikalischen und mechanischen Faktoren, die an deinem Setup in dieser Nacht gezerrt haben:

1. Das fehlende Polar Alignment (Einnorden) 🧭
Da du an deinem Beobachtungsplatz im Garten keine direkte Sicht auf den Polarstern (Polaris) hattest, konntest du das präzise All-Star Polar Alignment (ASPA) über CPWI nicht durchführen. Die Montierung stand also nur grob eingenordet da.
  • Die physikalische Folge: Ohne exakte Ausrichtung auf den Himmelspol wandert das Bildfeld während einer 30-sekündigen Belichtung ganz minimal im Kreis. Das führt zur sogenannten Bildfeldrotation, die deine Sterne über die Zeit hinweg unweigerlich zu ovalen Strichen in eine Richtung verzieht.

2. Die extreme Brennweite des C8 (2000 mm bei f/10) 🔭
Du hast in dieser Nacht mit der vollen, nativen Brennweite deines C8 geschossen – ohne den 0.7x Focal Reducer! Bei 2000 mm Brennweite ist der Bildausschnitt winzig und der Sensor deiner ASI585MC verzeiht absolut gar nichts.
  • Jede noch so mikroskopische Abweichung in der Nachführung, die bei einem kleinen Refraktor völlig unsichtbar geblieben wäre, wird bei 2 Metern Brennweite sofort gnadenlos vergrößert und zieht die Sterne in die Länge.

3. Das "blinde" Guiding des StarSense Autoguiders (SSAG) 🤖
Weil CPWI durch das fehlende Polar Alignment kein perfektes mathematisches Himmelsmodell (Pointing Model) aufbauen konnte, musste der StarSense Autoguider quasi "blind" gegen die permanente Drift der AVX-Montierung ankämpfen.
  • Der Guider hat zwar einen fantastischen Job gemacht und die Kette der 25 Einzelbilder überhaupt erst zusammengehalten, aber bei 30 Sekunden Belichtungszeit pro Frame kommt die Mechanik der AVX bei 2000 mm Brennweite an ihre Grenzen. Die Motoren mussten so stark in beiden Achsen (RA und Dec) korrigieren, dass die Sterne während der Aufnahme leicht "ausgewandert" sind.

Leider konnte ich an diesem Abend keine ander Überprüfung mehr durchführen. Bei einer meiner nächsten Möglichkeiten werde ich das aber mal prüfen, ob es eine Verkippung, o.ä. gab. Ich meine, dass der Fokus getroffen wurde. Da ich aber schon am frühen Abend aufbauen musste und die Feuchtigkeit mir zu schaffen gemacht hat, konnte ich die Taukappe nicht mehr abnehmen, um die Bahtinov-Maske anzusetzen.

Eine Dejustierung würde ich erstmal ausschließen.
 
Hi,

sieht mir nach Justage und nicht ganz getroffenem Fokus aus. Das C8 lässt sich aber gut und recht einfach justieren. Zentiere mal einen mittelhellen Stern und defokusiere mal in beide Richtungen, dann siehst Du sehr schnell ob es dejustiert ist oder nicht. Siehe auch hier Link zum SC

Ich gehe davon aus das Du manuell fokusierst. Und da wird es deutlich schwieriger, je nach dem ob Du noch einen Auszug dran hast oder über den Spiegel fokusierst kann das eine echte Herausforderung werden.
Ein C8 ist aus meiner Sicht weniger für den Einstieg in die Fotografie geeignet. Die Brennweite ist zu lang und mit f=10 zu dunkel. Aber keine Sorge, ich habe auch mit einem C8 angefangen. Bin dann aber recht schnell auf einen 8" Newton gewechselt. Ab da klappte alles viel besser.

Anonsten ist das Bild nicht schlecht, mehr geht immer. Aber der Anfang ist gemacht, also dran bleiben.

Gruß Markus
 
Hi Markus,
danke für die Tips und die aufbauenden Worte. Ja, ist für mich generell Neuland nach etwa 27 Jahren wieder einzusteigen und vorher auch den Vorteil einer Sternwarte gehabt zu haben, in der man seine mechanische Kamera an die vorhandenen Teleskope anschließen konnte.

Um Deine Punkte mal zu beantworten: Ja, ich fokussiere manuell und in der Tat ist es derzeit gut herausfordernd, da ich manuell zwischen Okular und Kamera wechseln muss und sich da der Fokus ja komplett anders verhält.
Ich habe noch den 0,63 Reducer von Celestron, den ich aber an diesem Abend noch nicht ausprobieren konnte, da mir tatsächlich eine Verbindungshülse fehlte und DHL nicht ganz so schnell liefern konnte.

Ich werde vermutlich heute Abend das Gerät aufbauen, trotz des Mondes, und mal schauen, was ich so feststellen kann.

Eins kann ich aber sagen: Bei der rein visuellen Beobachtung bekomme ich die Sterne wunderbar punktförmig abgebildet.
 
Moin,

hat die KI viel Erfahrung in Astrofotografie? ;)
Bildfelddrehung sollte bei 30s keine Rolle Spielen. Auch wenn du die ganze Nacht belichtest sollte deine Bildverarbeitung die Bilder entsprechend drehen, und, wenn nicht, sollten die Sterne Kreisbögen beschreiben. Deine sind jedoch aufgebläht, als ob du ausserhalb des Fokus bist.
Ausserdem haben deine Sterne dunkle Flecken, die ich als Abschattung durch den Sekundärspiegel interpretiere. Bei richtiger Justierung sollten die in der Mitte sein, sind sie aber nicht. Deshalb nehm' ich an, dass deine Justierung nicht stimmt.

CS Dietmar
 
Moin,

der 0.63er Reducer funktioniert zwar, aber der ist fotografisch nur so brauchbar.

Zum Fokus und der Justage: visuell ist das immer eine andere Geschichte, auch wenn da die Sterne perfekt punktförmig waren hat das für die fotografie wenig Aussagekraft. Schau Dir mal den Link an den ich DIr oben eingetsellt habe und mach den einfachen Test mit einem Stern im Bildzentrum.

Gruß Markus
 
Danke Markus, das hab ich schon gemacht. Mein Plan war mich gestern darum zu kümmern. Leider haben die Wetterprognosen nicht hingehauen und ich hatte den ganzen Abend und die Nacht über nur Wolkensuppe. Für heute und morgen ist da leider auch keine Besserung in Sicht.

Ich hab mir jetzt die EINZELBILDER auch nochmal genau angeschaut und ja, man erkenn einen gewissen Verzug. Ich schecke einfach in der nächsten klaren Nacht die Kollimation ab, den Fokus sollte ich mit der Bahtinov ja auch so hinbekommen.
 
Hallo zusammen,

ich habe gestern nochmal, da das Wetter einigermaßen war, das Setup aufgebaut. Mit dem Fokus gebe ich Euch definitiv recht. Was die Dejustierung des Fangspiegels angeht, so bin ich mir nach wie vor nicht sicher. Ich habe hierzu ein Bild von Vega gemacht, bei dem ich denke, dass der Fangspiegel in seiner richtigen Position sitzt. Ich bin über eine fachliche Bewertung natürlich sehr dankbar.
Desweiteren finde ich es an sich recht ungewöhnlich, wenn dieser nach 9 Monaten, so lange habe ich das derzeitige Gerät, schon komplett verstellt sein soll, da ich stets sorgsam damit umgegangen bin, und das C8 noch nicht oft aufgebaut wurde.

Nun aber genug der Worte, ich bitte um eine fachliche Einschätzung. Zugefügt habe ich dann auch noch ein M57 Bild von letzter Nacht, bei der ich denke, dass es besser ist (Einzelbild Rohdaten):

Screenshot 2026-09-26 003525.png

25.09.2026: Vega Kollimationstest

Light_ASILive_30sec_Bin1_12.5C_gain255_2026-09-26_004421_0007.jpg


26.09.2026, 00:44: M57
Celestron C8, ASI 585MC
Einzelbild FIT, 30s belichtet, Gain: 255
Filter: UHC-L
 
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