M82 mit dem NCT300, mein bisheriger Belichtungs- und Bearbeitungsrekord!

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DietSky

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Hallo!

Mittlerweile ist es ja fast schon Standard, Aufnahmen mit einer Gesamtbelichtungszeit oberhalb von 20 Stunden präsentiert zu bekommen.
Für mich waren solche Werte bisher jenseits von Gut und Böse und ich war froh, nach max. 10-12 Stunden ein einigermaßen brauchbares Ergebnis zu erzielen. Da ich keine Remotesternwarte betreibe, muss ich für jede Session zu meiner Sternwarte fahren und mir dort die Nachtstunden um die Ohren schlagen. Will ich noch ein wenig Schlaf danach haben, komme ich i.d.R. auf 3 bis maximal 4 Stunden Bildlichtungszeit pro Nacht.

Für M82 habe ich mir dennoch einmal eine deutlich längere Gesamtbelichtung "gegönnt" und in 7 Nächten insgesamt 23 Stunden Photonen gesammelt. Ziel war es, die für diese Starburst-Galaxie typischen turbulenten Gasausströmungen senkrecht zur Galaxienebene, möglichst tief zu belichten.
Zwischenzeitlich hatte ich mein Teleskop auch mit dem ASA-Reducer ausgestattet und einen Teil der Ha-Daten damit gewonnen.

Nicht ganz einfach gestaltete sich die Einbindung des Ha-Signals in das LRGB-Bild. Ich habe mir dazu in mehreren Versuchen einen Workflow für die sog. Kontinuums-Subtraktion erarbeitet. Ich wollte, um jegliche Willkür beim Stretch der Daten auszuschließen, dies schon mit den linearen Daten realisieren.

Das Ergebnis meiner Bemühungen - im wahrsten Sinne des Wortes - möchte ich Euch hiermit vorstellen. Ich glaube, ich habe noch nie so lang für eine Bearbeitung gebraucht wie bei diesem Bild und selten so oft wieder von Vorn begonnen. Man lernt halt nie aus!

Zur Galaxie selber brauche ich Euch sicher nichts zu sagen, da sie hinlänglich bekannt ist und auch schon oft hier gezeigt wurde. Belichtet habe ich das Objekt im März und April diesen Jahres, bin allerdings erst jetzt dazu gekommen, die Daten zu bearbeiten.

Belichtungsdaten:

Instrument: 12" Newton-Cassegrain NCT300 (Eigenbau) im Primärfokus mit ASA-Korrektor Quattro bei f=2070mm, einige der Ha-Aufnahmen mit ASA-Reducer bei f=1340mm.
Aufnahmekamera: CCD QSI583wsg
Guiding: Lodestar Pro am OAG
Belichtungszeiten: L 24x600s (4h00m); RGB je 4x900s (3h00m); Ha 64x900s (16h00m)

Eine größere Version gibt es hier

Danke für Anschauen

CS Dietmar

M82_L-HaRGB_klein.jpg
 
Passt doch! Wilkommen im Club der 10h+ Belichter!
Und an Deinem Ergebnis sieht man warum sich das lohnt. Super eingefangen, gut bearbeitet.

Glückwunsch zum tollen Ergebnis!

Gruß
Ernie
 
was muss ich mir unter dem NCT300 vorstellen?
 
Dietmar,

das Bild ist ein Knaller. Richtig spitze. Es gefällt mir super.:y::y::y:
Glückwunsch.

Ich kann das mit der Bearbeitung gut nachvollziehen. Das von vorne anfangen ebenso, und manchmal habe ich auch das Gefühl, immer wieder neu zu lernen, da sich der Workflow doch häufig ändert.
Was mich interessieren würde, wie du letztendlich die Continuum Subtraction gemacht hast. Ich habe selbst neulich damit rumprobiert, aber mangels befriedigendem Ergebnis, doch wieder auf die Integration per NBRGB-Script zurückgegriffen. Bei der Continuum Subtraktion hatte ich zu wenig Kontrolle über die Intensität der Einbindung und es war kaum was zu sehen. Vieleicht können wir uns dazu ja einmal austauschen.

Viele Grüße
Thomas
 
NCT300 steht für Newton-Cassegrain-Teleskop, 300mm Öffnung.
CS Dietmar
wofür die Abkürzung steht war mir klar, nur wie das Teleskop dazu angeordnet ist, entzieht sich meiner Vostellung, da die beiden Bauarten eigentlich nicht miteinander vereinbar sind.
Gibt es es nen Thread wo du den Selbstbau vorstellst?
Ich find sowas immer klasse.
lg
olli
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Dietmar
Oh man,da hast du aber alles gegeben.
Klasse , die feinen Filamente kommen schön heraus.
Mal schauen wenn man noch länger Ha macht wer weiß.
Vielleicht sogar mal mit OIII versuchen .
Man sieht ja vom Peter bei m106 was da alles noch zum Vorschein kommt.
Tolles Bild Dietmar.

Gruß Frank
 
wofür die Abkürzung steht war mir klar, nur wie das Teleskop dazu angeordnet ist, entzieht sich meiner Vostellung, da die beiden Bauarten eigentlich nicht miteinander vereinbar sind.
Hallo Olli,

Ein Newton-Cassegrain vereinigt, wie der Name schon sagt, beide Systeme in einem Instrument.

Der Hauptspiegel ist, wie beim Cassegrain, durchbohrt und am Tubusboden gibt es einen zweiten Anschluß für den Focuser. Der Systemwechsel geschieht durch Austausch des Sekundärspiegels und Umsetzen des Focusers. Ausserdem wird noch ein Blendrohr in die Bohrung des Hauptspiegels eingesetzt, um einen direkten Lichteinfall von der Teleskopöffnung zum Sensor hin zu unterdrücken.

Ich hatte mich damals, noch zu Filmzeiten, bei der Planung des Teleskops für dieses System entschieden, um so etwas wie eine eierlegende Wollmilchsau zu haben. Hohe Lichtstärke im Newtonfokus für Deepsky-Objekte und lange Brennweite für die Mond- und Planetenfotografie. Heute würde ich mich für einen reinen Newton entscheiden, da die Auflösung der digitalen Sensoren mittlerweile so hoch ist, das man auch ohne die lange Systembrennweite in diesem Bereich erfolgreich arbeiten kann.

Die mechanischen Anforderungen an die Wechselsysteme für Sekundärspiegel und Focuser sind sehr hoch und erforderten eine aufwendige Konstruktion, um beim Wechsel den Justagezustand reproduzierbar zu halten.

Den Cassegrainfokus (Sekundärfokus) nutze ich heute nur noch sehr selten, da auch die Anforderungen an die Nachführung bei 6m Brennweite schon sehr hoch werden. Für die Mond- und Planetenfotografie nutze ich lieber meinen Baader Fluorit Flatfield Converter (FFC) im Newtonfokus (Primärfokus). Die Umrüstung erfolgt damit wesentlich schneller und unkomplizierter.

Ich hoffe, ich konnte damit Deine Frage beantworten.

CS Dietmar
 
Ich hoffe, ich konnte damit Deine Frage beantworten.

CS Dietmar
auf jeden Fall
ich habe die ganze Zeit krampfhaft versucht mir ein Einzelsystem zu erdenken, welches Merkmale beider Bauarten vereint.
Aber dass du schlicht "umschaltest" durch Tausch des FS und beide Systeme im selben Tubus "gleichzeitig" hast, darauf kam ich nicht.
Coole Sache auf jeden Fall.

LG, Olli
 
Hey Dietmar, ist wirklich super geworden, deine M82! Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass es einen nicht mehr loslässt, wenn man sich bei der Bearbeitung erstmal in die Filamente verbissen hat. Es scheint, du konntest den Hintergrund im Umfeld der Galaxie viel tiefer auflösen als ich. Da muss ich vielleicht noch mal eine Runde drehen ;).

CS Peter
 
Was mich interessieren würde, wie du letztendlich die Continuum Subtraction gemacht hast. Ich habe selbst neulich damit rumprobiert, aber mangels befriedigendem Ergebnis, doch wieder auf die Integration per NBRGB-Script zurückgegriffen.
Hallo Thomas,

wie ich schon eingangs schrieb, wollte ich die Kontinuums-Subraktion nicht an den gestretchten Daten, sondern bereits mit den linearen durchführen.
Nach dem willkürlichen Stretch von Rot und Ha empfand ich es als äußerst schwierig und auch recht ungenau, durch eine nachträgliche Manipulation die perfekte Auslöschung nach der Subtraktion zu erzielen.

Zur Info vorab: Ich arbeite nicht mit PixInsight, sondern zähle mich zu der Astropixelprocessor/PhotoShop-Fraktion.
Seit vielen Jahren nutze ich AstroArt für die Steuerung meiner Kameras und des Teleskops und habe bis vor etwa einem Jahr auch damit die Datenreduktion vorgenommen. AstroArt hat einige recht interessante Arithmetikfunktionen mit denen ich zunächst das Rot-Signal vom Ha-Anteil befreie und danach erst die Subtraktion unter Berücksichtigung der jeweiligen Filterbandbreiten durchführe. Erst danach wird das reine Ha-Signal nach Bedarf gestretcht.

Ich war mit dem Ergebnis recht zufrieden und hatte zumindest das Gefühl, einen mathematisch besser abgesicherten Weg beschrieben zu haben.

CS Dietmar
... Ich habe selbst neulich damit rumprobiert, aber mangels befriedigendem Ergebnis ...
P.S.: Vielleicht solltest Du besser nicht so viel Rum probieren! ;)
 
Tolle Aufnahme - und dem "mentalen Workflow" merkt man an, dass da jemand zugange ist, der Astrofotografie schon lange macht und zu Zeiten gelernt hat, in denen man auch schon viel Dunkelkammerarbeit zu stemmen hatte ;-)

CS,
Stefan
 
Tolle Aufnahme - und dem "mentalen Workflow" merkt man an, dass da jemand zugange ist, der Astrofotografie schon lange macht und zu Zeiten gelernt hat, in denen man auch schon viel Dunkelkammerarbeit zu stemmen hatte ;-)
Hallo Stefan,
"mentaler Workflow", schöne Wortfindung!
Ja, Du hast Recht, Astrofotografie ist schon lange meine Leidenschaft. Und ich kann durchaus bestätigen, das Leidenschaft auch etwas mit Leiden zu tun hat!

CS Dietmar
 
...Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass es einen nicht mehr loslässt, wenn man sich bei der Bearbeitung erstmal in die Filamente verbissen hat. Es scheint, du konntest den Hintergrund im Umfeld der Galaxie viel tiefer auflösen als ich. Da muss ich vielleicht noch mal eine Runde drehen ;).
Hallo Peter,
da bin ich echt mal gespannt darauf! Ich fand die Tiefe Deiner Ha-Gaswolken schon sehr beeindruckend!

CS Dietmar
 
Hallo Dietmar,
ja, an den Gaswolken habe ich mich schon richtig ausgetobt. Aber ich meine, in deiner Aufnahme mehr und bessere, winzkleine Hintergrundgalaxien und schwache Sterne zu sehen als bei mir. Da geht bei mir vielleicht noch was. Direkt verglichen habe ich unsere Aufnahmen allerdings noch nicht.
CS Peter
 
Hallo Dietmar. Dein Ziel hast du ohne Umstreitung tadellos erreicht. Persönlich kann ich mich nicht erinnern schon mal so Tiefe Ha jets bei dieser Galaxie gesehen zu haben.
Ich liege im selben Fall wie du, ich muss zu meiner Sternwarte fahren. Deshalb kenne ich die Mühe unter diesen Bedingungen so lange Belichtungszeiten zu bekommen. Da braucht man eine grosse Motivation um diese Zeit in ein einziges ein einziges Foto zu stecken.
Aber so lange es Spass macht kann man sich schon Riesenziele setzen.
Bravo für die Geduld und dieser geschmackvollen Bearbeitung dieses tiefen Bildes.
 
Danke Dir Siegfried.
Peter @pete_xl hat eine ähnlich tiefe Aufnahme, zumindest was die Wasserstoffwolken angeht, vor einiger Zeit hier vorgestellt.

CS Dietmar
 
Hallo Frank,
danke für Deine Anerkennung!
Ich muss zugeben, ich habe es noch nie geschafft, ein Bild innerhalb einer halben Stunde komplett zu bearbeiten.
Ich brauche immer mehrere Stunden dafür und verteile die Arbeit meist auf mindestens zwei Tage. Mit etwas zeitlichem Abstand kann ich mein bis dahin gewonnenes Ergebnis meistens besser beurteilen und evtl. noch mal nachbessern. Bei mir muss ein Bild sozusagen erst "reifen"!

CS Dietmar
 
Hallo Dietmar,

ich hatte letztes Jahr eine Aufnahme von M82 hier gezeigt, die über 45 Std. Belichtungszeit (das meiste davon Ha) hatte. M82
So einen gewaltigen Burst konnte ich allerdings nicht aus den Daten herauskitzeln. Deine Rohdaten scheinen schon extrem gut gewesen zu sein.
Eine wirklich spektakuläre Aufnahme, Hut ab. :y:
Das mit der Bearbeitung kenne ich nur zu gut. Bei mir dauert das berufsbedingt immer ewig und zieht sich über mehrere Tage.

LG
Willi
 
@steinplanet
Hallo Willi,
ich hatte schon im letzten Jahr Deine M82-Aufnahme bewundert, einfach Klasse geworden! :y:
45 Stunden bei F4 ist schon der Hammer. Da kommen mir meine 23 Stunden mit der deutlich geringeren Öffnungszahl von F6,9 schon mager dagegen vor. :rolleyes:
Ich musste auch einen Großteil der Ha-Daten während der Mondnächte sammeln, sonst wäre das ein Jahresprojekt geworden.

CS Dietmar
 
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