Macht eine Auskleidung mit Velour wirklich Sinn?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

TaurusM45

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

macht eine Auskleidung eines OTA mit Velours eigentlich Sinn?
Ich hatte vor längerer Zeit mal die Idee mein 12" SC innen mit Velours auszukleiden doch eigentlich gab es mehr Gegenstimmen als andersrum.
Gibt es eigentlich eine merklichen Vorteil?
Ich glaube fast das die Nachteile überwiegen.

Als da wären:
Längere Auskühlzeit
Fussel und Krümel im Tubus und im schlimmsten Fall auf dem Spiegel
Evtl. sogar Schimmel auf dem Velours durch Feuchtigkeit

Gibt es jemanden von euch der damit positive oder auch negative Erfahrungen am eigenen Leib/Rohr gemacht hat?

Bin gespannt
viele Grüße
Andreas
 
Hallo!
Das ist immer schwer zu beantworten und kommt vor allem darauf an, wie gut das Teleskop innen bereits geschwärzt ist.
Einen deutlichen Unterschied merkt man meiner Meinung nach vor allem bei Billigteleskopen die innen oft sogar glänzende Oberflächen haben. Der Unterschied bei Teleskopen die innen vorer bereits Mattschwarz sind war für mich visuell eigentlich nie zu erkennen.

Im Gegenzug habe ich viele Fälle erlebt in denen sich das Velour nach einigen Monaten / Jahren aufzulösen begann, ständig krümelte und nur Probleme machte.

Daher würde ich es, ganz persönlich, nicht machen bzw. nur, wenn man mit extremen Reflexen beim Beobachten zu kämpfen hat. Ich habe zu viele Fälle gesehen in denen die Auskleidung bald nur Probleme machte.
Wenn dann auf jeden Fall nur hochwertigste Materialien (Kleber und Velour) verwenden und bei der Lagerung penibel auf Trockenheit achten.

Soviel zu meinen Erfahrungen,
Mario
 
Hallo Andreas,

Bei meinem Achtzöller hat sich das bewährt (Sowie in zwei Refraktoren).
Du siehst den Achter auf meinem Profilbild, mit Moosgummi aussen und Isomattentaukappe/Streulichtschutz.
Zum Thema Schimmel: Bei mir lagert das alles im Garten in einem PVC-Gerätezelt und mir sind schon
mehrfach mein Stuhl sowie sie Rockerbox angeschimmelt, nie aber das Velours.
Jetzt habe ich einen Entfeuchter, es sollte also nicht mehr passieren.
Ich hatte auch niemals Krümel oder eher Fasern/Fussel auf dem Spiegel. Da würde ich eher vermuten,
dass das eine oder andere Flöckchen sich am Velours verfängt. Der Einbau muss gründlich erfolgen,
ist aber gut machbar. Einfach kräftig Fusselroller/Staubsauger bemühen: fusselfrei.
Aus Velours habe ich mir auch Blenden gebastelt, sogar Reibscheiben zur Reibungs-
einstellung des Tubus.

"In meinem Webshop kannst Du ganz einfach..." -Kleiner Scherz. Mich hat das Zeug einfach überzeugt.

CS,
Henning
 
Hi,
ich habe von Newton, Mak und Refraktoren schon alles velouriert.
Das Velours ist in jedem Fall ein wirksamer Reflexkiller und steigert den Kontrast. Bei wenigen eher hochpreisigen Geräten ist die Innenschwärzung vergleichbar gut. So gesehen lohnt es sich.
Beim Einbau ist wichtig, dass der Untergrund sauber ist und man nicht mehrfach ansetzen muss beim kleben.
Daneben ist die Folie mit Fusselroller und Polsterdüse vom Staubsauer möglichst vorher schon von Fusseln zu befreien.
Das geht mit etwas Geduld auch. Es braucht meist mehrere Behandlungen.
Bei geschlossenen Systemen aber auch Volltuben hat das Velours Isolationswirkung und verändert die Thermik im Tubus und kann zu verändertem Auskühlverhalten führen. Das kann je nach System nachteilig werden.
Die anderen hier angeführten Effekte, kann ich nach über 20 Jahren velourierter Teleskope allesamt nicht bestätigen.
Mir und in meinem Umfeld ist mit kein Fall bekannt in dem es zu Pilz oder Feuchtigkeitsproblemen kam.
Selbst im Gitterrohrdobson, der auf Teleskoptreffen so manchen Regentag nur unter einer Sonnenschirmhülle aushalten mußte,
brauchte es zig Jahre bis sich mal ein kleines Eck Velours am Hut und der Spiegelbox löste. Etwas Kleber und gut ist es.
CS
 
Moin zusammen,
hab mal ein Foto beim Tapezieren gemacht (hinterste Lage mit Velours):
velours.jpg
Mit Velours bei Deep-Sky und Mond/Planeten eine sehr deutliche Verbesserung!
salü+cs, volker.
 
Hallo,

als Alternative zum Velours kann ich das Black 3.0 empfehlen. Ich habe damit eine Hartpapiertubus angestrichen und finde es ist sehr schwarz.
Hier mal ein Foto des Tubus mit einem Stück Velours um Vergleich :

ca06e8e236d11a9652f7901124de3258.jpg


Bisher bin ich mit der Farbe sehr zufrieden.

Viele Grüße
Michael
 
Also mit vorher nachher Bildern kann ich auch dienen, um den Kontrasteffekt zu verdeutlichen.
Wenn man hier auf den Türrahmen achtet, der durch die Röhre fotografiert wurde,
Sieht man eine deutliche Kontrastverbesserung.

Quattro.jpg


Singelshot.jpg


Die Sache mit dem Auskühlen ist dann natürlich langsamer.
Aber ist der Tubus außen auch Isoliert, kann das Seeing Stabil bleiben (Hotpipe prinzip).

Gruß
Markus
 
Hi,
Ich bin am Gedankenspiel mein RC6" mit Velours auszukleiden, nur bin ich mich noch nicht im klaren ob es besser wäre die Blenden drinnen zu lassen und das ganze mal mit noctutec Antireflex-Lack aufzuarbeiten.
Was für mich am RC am Velours irgendwo dagegenspricht ist das "Lichtleck" das die haben, wo dann der forderste Ring im Tubus reinspringt im Skema.

CS, Martin
 
Hallo Martin,

den Antireflex Lack von Noctutec habe ich auch ausprobiert. Allerdings war ich vom Ergebnis ganz und gar nicht überzeugt (um es mal diplomatisch auszudrücken). Die Verarbeitung ist nicht trivial und das Zeug riecht extrem. Es gab eine langen Thread im Astrotreff dazu, der wurde aber, soweit ich weiß, auf Betreiben des Anbieters gelöscht. So bin ich auf das Black 3.0 gekommen.

Viele Grüße
Michael
 
Hallo Michael,

Oh! Vielen Dank für diese Info!
Ich hatte da schon eine Seite gesehen mit Vergleichen unterschiedlichen Produkten, und das Black 3.0 war die logischste Lösung.
Das schreibe ich gleich mal auf bei mir.

Mit einem Gruß und CS, Martin
 
Hallo,
eine Frage in die Runde.
Ist es bei einem SC sinnvoll den Tubus zu Velourieren? Sollte man nicht eher ( oder zusätzlich?) das Blendrohr innen auskleiden?
Für mein Verständnis soll das Blendrohr ja Reflexe, die von der Tubuswand herrühren, blocken?

Grüße Rainer
 
Hi Rainer,

normal dürfte die Tubuswand im SC oder MC kein Licht ins Auge bringen. Insofern würde ich es optisch nicht unbedingt als erforderlich erachten.
Im Blendrohr dagegen, kann ich zumindest von den Maks berichten macht es etwas aus - gerade im niederen Preissegment wie Skywatcher z.B.

Ich hatte vorab zum Testen eine exakte Röhre aus Velours gemacht - natürlich nicht klebend - und sie einfach in das Blendrohr geschoben. Der Effekt war deutlich. Das war eine ganz andere Streulicht und Reflexsituation. Am Ende habe ich dieses Provisorium einfach so gelassen.
Man nimmt sich so aber etwas Durchlass und damit m.E: auch etwas Feld am Himmel.
CS
 
Hallo Andreas,
es gibt große Bereiche des Haupttubus, die von der Okularposition aus nicht sichtbar sind, bei diesen ist es nicht erforderlich. Recht wichtig sind der sichtbare Bereich hinter dem Fangspiegel und der untere Teil rund um den Hauptspiegel, soweit von der Okularposition aus sichtbar. Und natürlich der ganze Okularauszug, der auch eine (nicht zu enge) Blende an seinem Eingang bekommen sollte.
CS Nik
 
Sind diese reflektionen der Grund, warum manche MAK Bilder so flau und schwammig wirken?
Oder liegt das an der Obstruktion der SW MAKS?

Gruß Markus
 
...ich hatte früher auch so eine Velours-Auskleidungswut, habe mir nach und nach auch einige Optiken damit verfusselt. Später bin ich auf selbstklebenden Filz in schwarz gekommen, der fusselt nicht, unterdrückt Reflexe ebenfalls sehr gut und isoliert deutlich bessser als Velourfolie. Außerdem würde ich behaupten, dass Velour keine Blenden ersetzt, d.h. wenn schon Blenden vorhanden würde ich diese nie gegen Velours ersetzen.

CS Roman
 
Hi Markus,
wie soll man das exakt auseinander dividieren? Ich denke es ist nicht möglich das exakt zu quantifizieren.
Am Ende ist es m.E. eine Mischung.
Die Obstruktion die ja teils deutlich über 30 liegt macht in jedem Fall einiges aus.
Nimmt man aber die älteren Russenmaks aus den 1990 und 2000er von Intes oder Intes Micro wirst Du dort
nicht von flau und schwammig reden wollen. Die haben gute Streulichtunterdrückung u.a. über Blenden etc und das sieht man
im Ergebnis auch deutlich, wenngleich es ganz so brilliant wie in einem vergleichbar großen sehr guten Apo auch nicht wird.
Was Du beschreibst könnte aber auch von Seeing kommen, das nur noch gering ist, aber einem Weichzeichner gleichkommt.
cs
 
Ich habe mich gegen Velour entschieden da ich hier mal Fotos von jemandem gesehen habe bei dem das Velour auf den Hauptspiegel gefusselt hat. Ob das jetzt vorher mit einer Fusselrolle beabreitet wurde weiß ich nicht mehr. Habe mir dann die Antireflexfarbe von Berger Astrogeräte gekauft. Die Antireflexfarbe war deutlich dunkler und hat nicht so gespiegelt als der Originallack von meinem 8" Galaxy Newton. Man konnte ihn laut Anleitung sogar mit Sand anmischen um eine höhere Rauhigkeit zu erhalten.

Bei dem praktischen Teil wurde es etwas feucht an den Händen. Ich hätte den Stiehl zur Hälfte abschneiden sollen dann wäre ich einfacher in den Tubus gekommen. Habe ich mir aber erst danach gedacht:rolleyes:

Ich glaube aber das es diese Farbe von Berger Astrogeräte nicht mehr gibt!?
TS aber hat noch eine eigene Antireflexfarbe soweit ich weiß...


CS Damir
 
Hallo,

nutze seit vielen Jahren Velours im Tubus, den ich segmentweise einklebe. Der Tubus wird richtig dunkel, viel dunkler als mit Farben. Zumindest die Farben die ich getestet habe, waren im flachen Winkel nicht dunkel genug. Velous klebt jetzt seit mind 10 Jahren im Tubus, ohne das sich was ablöst oder massiv Fusseln auf dem Spiegel liegen. Schimmel habe ich noch nie entdecken können. Also bei mir über Jahre bestens bewährt.
Bei der Spiegelwäche, die ich max. 1x pro Jahr durchführe, gehen die paar vereinzelten Fusseln einfach runter. Wenn die Optik einmal ausgebaut ist streiche ich mit einem leicht feuchtem Tuch über die Innenwand um lose Fusseln zu binden. Vielleicht war auch die Qualität der Veloursfolie vor Jahren besser.
Alternativ würde ich heute über dünnen Filz nachdenken, aber da waren mir die Fasern immer zu lang.
Sand in Farbe rühren halte ich für Unsinn. Da würde ich lieber Sägespäne unterrühren. Wenn einzelne Sandkörner sich aus der Farbe lösen, ist das genau das, was ich nicht auf dem Spiegel haben möchte. Wenn man dann noch die Sandkörner beim Spiegelwaschen über den Spiegel schiebt ist das der Supergau. Da sind so ein paar Velourfusseln harmlos im Vergleich.
Um noch einmal auf die Eingangsfrage einzugehen: auskleiden mit Velours, Filz oder was auch immer macht Sinn. Der Unterschied war deutlich wahrnehmbar und nicht nur Kosmetik.

Gruß Thomas
 
Zuletzt bearbeitet:
... um es konkreter auf die Ausgangsfrage zuzuschneiden: Auskleidung hat klar positive Effekte: Streulichtunterdrückung und Tubusisolierung. Mein C8 ist mit schwarzem Filz ausgekleidet und trägt außen eine Lage Moosgummi, das verändert den Temperaturgradient des Tubus positiv und schluckt Streulicht effektiv. Gerade beim SC, wo Spiegelreinigen im Gegensatz zum Newton nicht ohne größere Eingriffe möglich ist, würde ich allerdings nicht auf Velour setzen wegen der Fussel.
CS Roman
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Miteinander,
Meine ersten Newtonteleskope habe ich dazumal mit Mattschwarz lackiert und zwar mit einer speziellen Spritztechnik die man Trockenspritzen nennt. Dadurch bildet sich eine Oberflächenstruktur ähnlich der einer Veloursfolie. Dies habe ich damals als hochwertiger empfunden, erfordert jedoch jemanden mit Lackiermeisterfähigkeiten und ich würde heutzutage eher zur Veloursfolie tendieren. Die Wirkung selbst bemerkt man speziell in einer Streulichtreichen Umgebung, auf einem Stockdunklen Alpenparkplatz ect. kann man den Tubus genauso gut im Originalzustand belassen ohne Nachteile zu erfahren.
Meinem EVscope hab ich aktuell eine Veloursfolie verpasst und bemerke dadurch eine leichte Verbesserung bei fortgeschrittener Mondphase welche allerdings nur wenig über dem Homöopatischen Bereich liegt.

Gruß Christian
 
Hallo zusammen! Ich denke gerade über meine Optionen nach, gewisse Teile meines 6" Skywatcher Newton zu schwärzen. Insbesondere das OAZ-Rohr, das komplett blankes Aluminium ist :eek: Aktuell tendiere ich zum selektiven Auftragen von Farbe.

Ich habe jetzt von vielen Möglichkeiten gelesen, aber bislang zumindest nur einen systematischen fotografischen Test vorher/nachher gefunden. Und zwar den hier:

Mich würde interessieren, ob ihr von weiteren entsprechenden Tests wisst, die sauber durchgeführt und dokumentiert wurden? Für entsprechende Links wäre ich dankbar.
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben