Hallo.
Ja, klar sind die justierbar, im Prinzip auch für die Anwender. Aber wie gut das für einen Anwender tatsächlich machbar ist, ist eine Frage die sich nicht einheitlich beantworten lässt, weil da zu viele Dinge hineinspielen können z.B.:
1. die tatsächliche Brennweite, auf die ein System mit HS-Fokussierung justiert werden soll (Kontrast und Auflösung sind bei diesen Systemen brennweitenabhängig, die Brennweite wiederum abhängig von der HS-Stellung, und die optimale Brennweite d.h. HS-Stellung kennt eigentlich nur der Hersteller genau.)
2. die vorhandenen Justagemöglichkeiten, nur am HS, oder nur am SS, oder an beiden, am Tubus, an der Korrektoreinheit, an der HS-Zelle usw. und bei welchen davon jeweils welche Einstellgenauigkeit wie wichtig und kritsch ist.
3. Die Augen des Beobachters, ein Kurzsichtiger braucht eine ganz andere HS-Stellung als ein Weitsichtiger, oder ein Normalsichtiger, aber so ein System lässt sich nur für eine HS-Stellung wirklich optimal justieren, also ist auch hier meist ein Kompromiss nötig.
4. Die besagten individuellen mechanischen Toleranzen eines Geräts.
5. Eventuelles Spiegelshifting, das den HS immer wieder anders verkippen lässt.
6. Das Vorwissen und die Erfahrung und Geschicklichkeit des Anwenders seine technischen Hilfsmittel, und wer weiß, was sonst noch.
Mal meine Erfahrungen mit so einem Einsteiger-MAK, als Beispiel. Als ich mich vor Jahren für ein erstes Teleskop interessierte, stieß ich bald auf die TAL-Klevzovs, die es mir angetan hatten. Was für ein tolles System! Ich las begeistert von den Erfahrungen damit, wie sie Andreas(-TAL) auf verschiedenen Seiten so gut geschildert hatte, von der packenden Entwicklungsgeschichte, bis hin zu dem Buch darüber und schließlich seinem Kontakt mit Yuri Klevzov selber. Leider hatte ich aber nicht das nötige Kleingeld für diese Qualitätsstufe und konnte bis heute auch noch nie so einen Klevzov in Natura beäugen. Die Geräte wären mir damals für einen leicht transportablen Einstieg auch zu groß und schwer gewesen. Auf der Suche nach etwas Vergleichbarem, Kleinerem und für mich Erschwinglichen, ergatterte ich einen gebrauchten Vixen VMC 110L, den ich damals für eine Art legaler Raubkopie eines Klevzov hielt, weil im Ausland der russische Patentschutz nicht galt. (Erst später erfuhr ich, das dem nicht so ist und das Vixen-Maksutov-Cassegrain dem Klevzov zwar äußerlich ähnelt, die Bauweise aber optisch eigenständig ist und ihm nicht gleicht.) Vixen schien mir ein seriöser Hersteller, für dessen Verhältnisse der Preis in diesem Fall auch noch überraschend (fast schon verdächtig) niedrig ausfiel.
Das Bild dieses ursprünglich nur als Leitrohr konzipierten MAKs war nicht schlecht, aber auch nicht toll, es gab auch deutliches Shifting. Ich hatte etwas mehr erwartet und der Sterntest ließ mehr Potential erahnen. Aber den erneut zu justieren war leider kein Pappenstiel und eigentlich von Vixen auch nicht vorgesehen. Zum einen weil schon minimale Verkippungen der Korrektoreinheit prinzipbedingt das Bild schnell ruinieren können, zum anderen wegen besagter, insgesamt (zu) hoher mechanischer Toleranzen bei diesen Klein- und Günstig-Geräten, und schließlich auch noch, weil man bei Vixen offenbar eine mittelprächtige Schnelljustage nach der Herstellung für ausreichend hielt und danach alle Schrauben sicherheitshalber verklebt hatte. Würde man aber schon ab Werk eine bessere und zeitaufwendigere Justage und geringere Toleranzen fordern, wäre der niedrige Preis unmöglich zu halten.
Auf Drängen der Anwender gab Vixen später eine offizielle Anleitung und die Justage-Empfehlung heraus, den Fangspiegelschatten mittels HS-Verkippung über die verdeckten Zug-Druckschraubenpaare zentrisch einzustellen. Das kann aber nur richtig funktionieren, wenn Korrektor, Tubus, HS usw. schon von vornherein genügend genau auf einer optischen Achse liegen. Genau das ist bei vielen billigen Katadioptern aber oft nicht der Fall, da gibt's durchaus mechanische Abweichungen im Millimeterbereich, mit denen diese Komponenten winschief zueinander stehen können. Und wenn man das nicht bemerkt, dann ist das System trotz zentrisch justiertem Schattenwurf halt suboptimal eingestellt. Weil der Schatten nur im defokussierten Zustand zu sehen ist und ein schräges Blendrohr, sprich eine schräge HS-Achse den Schatten beim Fokusieren schräg wandern lässt, kann der HS dann im fokusierten Zustand, wo man den Schatten nicht mehr sieht, ganz woanders und hübsch dezentriert neben der optischen Mitte stehen... Und ich glaube, das ist bei den Maks und SC usw. kein seltenes Problem.
Hat man keine Ausrüstung um alle Komponenten erstmal auf der optischen Achse zu zentrieren bzw. Tubus, Fangspiegeleinheit usw. korrekt auszurichten (und welcher Amateur hat die schon) ist man dann besser beraten, im Fokus und am Stern zu justieren, damit wenigstens im fokussierten Zustand die Justage bestmöglich ist. Wenn dann jedoch Leute mit unterschiedlicher Augenbrechkraft durchschauen, kann für deren anderen Fokuspunkt die Justage natürlich nicht mehr optimal sein... Weshalb in solchen Fällen für den einen die Abbildungsqualität tatsächlich besser oder schlechter ausfallen kann, als für einen andereren Beobachter und auch so erklären sich die manchmal höchst unterschiedlichen Urteile über so ein Gerät. Nach vielem Probieren und endlich erfolgreicher HS-Justage an einem selbstgebastelten künstlichen Stern über einen 25m langen Flur bin ich jetzt sehr zufrieden. Aber das hat ganz schön gedauert und wär am echten Stern unter freiem Himmel so nicht gegangen. (Und so einen langen Flur hat auch nicht jeder, nötig wegen der hohen Brennweite, im niedrigeren Entfernungsbereich zeigen diese System nämlich sonst für eine Justage zu viel störende Unterkorrektur. Die Profis verkürzen diese Abstände auf ihren Optischen Bänken mit sündteueren Planspiegeln.)
Langer Rede kurzer Sinn: ich will damit sagen, dass Katadiopter schöne Systeme sind, die für gute Qualität wegen des komplexen Aufbaus aber eigentlich eine besonders hohe Fertigungssorgfalt und geringe Toleranzen erfordern würden, was sich jedoch mit günstigen Einsteigerpreisen nicht gut verträgt. Und da die Endanwender oft weder das nötige Wissen noch die nötige Erfahrung noch die erforderlichen Gerätschaften haben, um so ein Gerät wirklich optimal einzustellen, ist es für die am besten, sich auf einen seriösen Händler zu verlassen, und das Resultat am Stern zu überprüfen. Wem das nicht gefällt, der sollte sich zunächst auf Einstellen des HS bzw. SS zu beschränken. Wer dann glaubt, noch mehr rauskitzeln zu können, muss viel Zeit und Aufwand investieren und angesichts der komplexen Justage-Zusammenhänge dennoch damit rechnen am Ende nichts verbessert zu haben, oder sogar nur verschlimmbessert. Lohnt sich bei so einem Einsteigergerät also meist nicht und sollte man nur riskieren, wenn man einigermaßen weiß, was man tut, oder Spass daran hat, das herauszufinden.
Gruß,
Mathias