man kann festfrieren...........

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Anette_Aslan

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Liebes Sternenvolk!

Den barometrischen Schwankungen im Wiener Becken darf man nicht trauen, das Wetter hier ist nichts für Blutdruckgeplagte, mal rauf mal runter und das ganz enorm.

Gestern zeichnete trotz stahlblauen Himmels mein Barograph eine stetig sinkende Kurve, ich wagte keine Kurzzeitprognose sondern stellte ganz versessen und voller Zuversicht trotzdem gegen 16h schonmal die Teleskope raus, betend, dass sich dieses selten offene Loch da oben mal hält.

Gegen 20h ging ich dann gut eingepackt hinaus, das Thermometer zeigte schon minus 4 Grad, der Himmel offen, ruhig und transparent, kein Sterngeflackere und eine dünne gefrohrene Reifdecke überzog die vorsorglich abgedeckten Teleskope, den 10ner Dobson und den 6er FH.

Orion stand langsam aus seiner Schräge auf und stand stramm im Südosten......was bleibt einem da anderes übrig als sofort auf den M42 zu halten? Sogleich mal den Dobson mit dem 32mm Weitwinkel und den FH mit dem 42er draufgehalten, welch Freude diesen Superstar des Himmels so schön klar zu sehen! Im Dobson sah ich die Trapezsterne schon leicht aufgelöst und vergrösserte dann mit dem 16ner und zu guter Letzt mit dem 5mm von Baader, in allen Vergrösserungen sah ich klar und deutlich die Trapezsterne abgebildet, die Dunkelwolken majestätisch schön alles umhüllend, man sollte länger verweilen, doch bei diesen Wetterverhältnissen kommt man leicht in Panik und möchte alles nutzen was nur geht. Im FH konnte ich das Baader Hyp 5mm nicht nutzen, das Bild wurde flau, wenngleich der FH insgesamt die Sterne aber auf dunklerem Grund zeigt und die Randverzerrungen nicht auftreten, nur eben alles doch kleiner.

Ich schwankte zwischen den Teleskopen hin und her und machte mich an alle möglichen offenen Sternhaufen heran, wobei Ha und CHi im Perseus bei mir das Herz immer höher schlagen lassen, immer wieder aufs Neue verschlagen die Beiden mir die Sprache.
M36 und 37 im Fuhrmann elegant filigran, im FH gefielen sie mir besser, da man sie nicht so hoch auflösen sollte. Dann endlich mal wieder den M41 unterm Sirius, der hoch genug steht um ihn gerade noch über den Horizont zu erwischen. Als Jugendliche sah ich in einem Sternatlas, dass unterm Sirius ein Messier Objekt ist und erwartete dort immer eine Galaxy, ich habe unbewusst den schönen M41 schon öfters gesehen, doch nicht verstanden, dass diese dichte Sternansammlung ein sogenannter offener Haufen ist.
Den lieben Weihnachtsbaumsternhaufen im Einhorn in beiden auf Anhieb gefunden und der ist immer wieder eine Freude wert, doch beim Rosettennebel komme ich einfach nicht weiter, den habe ich noch nie geschafft.....leider.

M35 in den Zwillingen und M34 im Perseus, als auch M103 in der Cassiopeia haben dann meine Betrachtungen der Offenen STernhaufen, von denen es im Winter ja unzählige gibt, beendet. Ich konnte sämtliche Sternhaufen in beiden Optiken schön und klar auflösen und meine Seele am Anblick dieser Ästhetik stärken.......Diamonds are my best friends!

Die Andromedagalaxie musste ich mit einigen Verrenkungen an der parallaktischen Montierung sehr abenteuerlich und kniend auf einsigem Boden finden, das ging heftig in den Rücken, ich spüre es noch ...........wie spielend leicht war sie dagegen mit dem Telrad in den Dobson zu bekommen! Schade nur, dass man von diesen fremden Welten keine Einzelheiten sieht, weis Gott wer da noch wohnt? Mögen sie wohlgesinnt sein, überlegene Wesen können sehr aggressiv sein.

Es ging auf 22:30h und minus 7 Grad zu, im Südosten strahlte schon der aufgehende Mond hinter den Häusern hervor und meine Optiken hatten einen mächtigen Reifüberzug, den ich immer wieder an den Linsen entfernen musste. Wenngleich die sternenklare Nacht mich fast verleitet hätte, die Optiken draussen für einen Neustart am frühen Morgen wegen Saturn stehen zu lassen, habe ich sie doch reingebracht, denn die Barographenkurve lügt nicht, es zog dann nach Mitternacht ein dicker Nimbostratus auf, aus dem leise kleine Schneegriesel fielen. Als ich den stählernen Tripod des FH anfasste, um das schwere Ding in den Schuppen zu bringen, frohr ich doch daran leicht fest......autsch!!!!!!!!!!!!!!............aber ich bin ganz stolz so lange durchgehalten zu haben, es hat sich gelohnt und nährt für die nächsten Tage die Sinne und das Herz.
Mit durchfrohrenen Grüssen von Anette
 
Hallo Anette,

ein schöner Bericht der einen verfesselt es ganz durch zulesen. Tolle Nacht hattest du, wen man so viele Objekte in zwei Optiken betrachtet, hat man immer ein kleinen unterschied zu sehen. Jedes Teleskop hat seinen reiz. Der Orionnebel ist schon ein schönes Objekt, leicht zu finden und man sieht viel. H und chi gehören auch zu meinen Lieblingsobjekten, genau so wie M45.

Nun warten wir wieder auf einen offenen Sternenhimmel.
Clear Skys
 
Hallo Anette,

schöner Bericht. Da hast Du ja viele schöne Objekte gesehen und das bei der Kälte. Mit dem Festfrieren hast Du ja auch Glück gehabt. Ich hatte vor Jahren bei einem Beobachtungsabend am Lift in Malbuna (Liechtenstein), oben am Lift, entgegen meiner Gewohnheit keine Plastik- sondern eine Metalltaschenlampe dabei gehabt. Irgendwann - bei -20 Grad habe ich dann daran nicht gedacht und sie in den Mund genommen, um die Hände frei zu haben. Das hat richtig weh getan und ich habe 10 Minuten die Lampe "warmlecken" dürfen um sie wieder von der Zunge abzubekommen.... :-). Na ja und was hat man da beobachtet gehabt: Natürlich M42 :-) (damals am C8).

Grüße und CS

Mykola
 
Hallo Anette,

ebenfalls ein sehr schöner Bericht. Deine emotionale und mit Witz gespickte Art zu schreiben ist stets eine Freude beim lesen solcher Berichte.

Bei direktvergleichen ist es immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich ein und dasselbe Objekt wirken kann, auch wenn jedes Teleskop für sich im Rahmen der physikalischen Grenzen perfekt abbildet.

@ Mykola: Ups, das tut schon beim lesen weh. :(

CS und VG Christian
 
Liebe Astrofäns,
lieben Dank für das nette Feeback..........der fette Nimbostratus brachte uns immerhin 20cm Neuschnee!
M42 scheint prädestiniert dafür zu sein, irgendwo festzufrieren! Mann könnte nun eine Bauernregel daraus machen:

Steht Orion kurz vor dem Meridian, frieren Zung und Finger an!

Grüssle aus weisser Pracht von Anette
 
Hallo Anette,
Zitat von Anette_Aslan:
M42 scheint prädestiniert dafür zu sein, irgendwo festzufrieren!
das überrascht mich nicht. Der Orion ist halt so faszinierend, dass man alles um sich herum vergisst :/ : Selbst von meinem lichtverschmutzten Balkon aus erkenne ich im Achtzöller bei M42 deutlich die hellsten Nebelfetzen. Ich denke, das sagt alles über die Ergiebigkeit des Objektes. Leider konnte ich ihn noch nie unter dunklem Himmel sehen. Im 50cm-Cassegrain der Archenhold-Sternwarte in Berlin haut dich der Zentralteil des Nebels schier von der Beobachtungsleiter...

CS und VG Christian
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Stephan,
logisch, mein Name fängt mit A an und das erste richtige Tief in diesem Jahr bekommt dann diesen Namen der alphabetischen Reihenfolge nach! Danke für den netten Link, Hessen war 17 Jahre meine Heimat.........dort entdeckte ich meine grosse Liebe für die Sterne im 60/700 Japanrefraktor.
Gruss von Anette.......mit nur einem n.....da liegt nicht so viel Schnee drinne.......
 
Hallo Anette

Das freut mich, ein recht schöner beobachtungs Bericht mit deinen Teleskopen.
Ja ja der Oroin ist echt der Hammer im Dob kommt der sehr schön rüber, konntest vergrößern bis 5mm Hyperion Okular,die Sternhaufen im FH Refraktor sind auch die wucht.

das Wetter scheint bei dir gut zu werden, hier im Schwabenland ist seit 01.01.2010 alles zu Wolken und viel Schnee natürlich auch bis minus 5-6°.

Mit gruß Manfred
 
Hallo Anette,

ein wieder schön geschriebener Bericht von Dir.

Der Rosettennebel ist ziemlich fies, weil er so groß ist, daß Du ihn mit >1m Brennweite nicht ins Gesichtsfeld kriegst und somit die Helligkeitsverteilung des RIngs keinen Kontrast zur Umgebung bilden kann.

Zum ersten mal habe ich ihn in meinem ED80/600 gesehen, mit einem 2" TSWA 38mm und einem 2" UHC Filter, dann geht das ganz einfach, wichtig ist nur, daß genügend Himmel drumrum ist.

Die 4° Feld des 38er WA am 600mm ED sind dafür ideal.

Gruß

Markus


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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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DANUBIA - OBSERVATORIUM

Markus A. R. Langlotz
Dr.-Bruno-Sahliger-Str. 8
D-93096 Köfering

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